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Autor Thema: Jackie Chan Collection  (Gelesen 29839 mal)
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Vince
Steelbook
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Debakelvince


« am: 02. Januar 2006 um 23:26 »

Jackie Chan Collection

Er ist klein, flink, verrückt und spaltet die Gemüter: Jackie Chan. In seiner Heimat Hongkong schon seit 1978 ein Star, hat der Martial Arts-Experte nach mehreren Anläufen auch den Sprung über den großen Teich geschafft. Dabei war das gar nicht so einfach. Die ersten Ausflüge nach Amerika enttäuschten, die wahren Erfolge feierte Chan auch in den 80ern noch in Hongkong. Erst in den 90er Jahren kam der absolute Durchbruch, und spätestens seit "Rush Hour" kennen wir ihn alle - ob wir wollen oder nicht.
Splendid brachte jüngst eine 12 Filme umfassende DVD-Collection heraus, die gewiss nur einen Bruchteil von Chans Lebenswerk darstellt, die aber recht gleichmäßig in die verschiedensten Epochen blicken lässt. Wir sehen, wie Chan unter Lo Wei Productions Kung Fu-Standardware abliefern musste, wie er zum direkten Bruce Lee-Nachfolger aufgebaut wurde, wie er sich dagegen wehrte, schließlich mit dem langjährigen Partner Golden Harvest eine Kooperation einging, erste Gehversuche in Amerika machte, enttäuscht wieder in die Heimat ging, um dann dort als Regisseur und Schauspieler voll aufzutrumpfen und den Grundstein zu legen für die kommerziellen Erfolge auf internationaler Bühne. In den nun folgenden zwölf Reviews soll diese Entwicklung klargemacht und der Werdegang des Jackie Chan veranschaulicht werden, um so zu zeigen, auf welcher Tradition die Filme basieren, die man heute von ihm im Kino sieht. Abschließend gibt es eine Kurzbewertung der Limited Edition DVDs, die Splendid im limitierten Metallschuber veröffentlichte.

1. City Hunter (1992)



Technische Daten
Vertrieb: Splendid
Regionalcode: 2
Laufzeit: 95:34 Min.
Regie: Wong Jing
Darsteller: Jackie Chan, Mike Abbott, Gary Daniels, Kumiko Goto, Eric Kot, Vincent La Porte, Leon Lai, Peter Lai, Jan Lamb, Ken Lo, Richard Norton, Kenzo Ogiwara, Louis Roth, Tan Lap Man, Carol Wan
Bildformat: WS 1,85:1 (nicht anamorph)
Sprachen: DD 5.1 Deutsch, Mono Deutsch, Kantonesisch (mit dt. UT)
Untertitel: Deutsch
Freigabe: FSK 12

Ryo Saeba ist ein Schlingel. Flink, frech, gelenkig, wagemutig und öfter mal hungrig - wobei letzteres zweideutig zu verstehen wäre, denn Ryo Saeba ist der “City Hunter” - und er macht nicht nur Jagd auf Essen, sondern auch auf böse Buben... vor allem aber auch auf hübsche Frauen.

Die Vorlage für den Film, der von einigen Fans als Jackies bester bezeichnet wird, stammt von Tsukasa Hojo, dem Vater des Mangas “City Hunter”, einer erfolgreichen Comicserie, die von 1985 bis 1991 lief und in diesem Zeitraum 35 Bände hervorbrachte. Erst 2001 wurde die Serie wieder aus einer dem Original gegenüber abweichenden Perspektive durch “Angel Heart” erneut zum Leben erweckt.
“City Hunter” sollte eine Verschmelzung östlicher und westlicher Kultur werden, um dem westlichen Publikum einerseits den Zugang zu erleichtern und andererseits die japanischen Einflüsse weiterhin zu erhalten und sie möglichst auch dem Rest der Welt näherzubringen. Es geht also primär um global transferierbare Popkultur, und zwar nicht in einem “melting pot”-artigen Amalgam, sondern einem durcheinandergewürfelten Schichtsalat aus diverse Versatzteilen der Popkultur aus den verschiedensten Teilen der Welt.

Dies darzustellen, musste und konnte auch nur die Aufgabe der Verfilmung sein, die zwei Jahre nach dem Ende der Comicserie die große Leinwand erreichte. Unter der Regie von Jing Wong sollte ausgerechnet Jackie Chan den Ryo Saeba spielen, der wohl erfolgreichste Martial Arts-Darsteller seit dem Tod von Bruce Lee. Und herausgekommen ist wahrlich ein einziges buntes Knallbonbon mit Überladung und Übertreibung als den beiden wichtigsten Stilmitteln; eine Action- und Spaßgranate, die eineinhalb Stunden lang ununterbrochen bunte Funken sprüht.

Eigentlich den gesamten Film über, jedoch insbesondere im Prolog sind die Manga-Anleihen absolut präsent. Die als beschleunigte Rückblende aufgezogenen ersten Minuten erzählen in ineinander überschlagenden Bildern mit enormen Zeitsprüngen die Vorgeschichte, wie sie dem Comic entliehen ist: Die Situation des City Hunters wird klar gemacht. So hatte Ryo (Chan) einen Partner, der ermordet wurde, als dessen Schwester Kaori Makimua (Joey Wong) noch klein war, und Ryo nahm sich ihrer an - dann wurde Kaori groß und hübsch. Eifersucht inbegriffen, denn zumindest im Comic lieben sich Kaori und Ryo insgeheim, wobei Ryo dazu noch ein Weiberheld ist und er Kaori wie sonstige Bekanntschaften gleichermaßen anbaggert - bei Kaori macht er danach jedoch meistens Bekanntschaft mit einem überdimensionalen Hammer, der übrigens auch im Film genüsslich zitiert wird.
Die Situation wird in der Verfilmung etwas entschärft wiedergegeben, so dass Chans Figur die von Joey Wong eher als eine Art Schwester zumindest zu betrachten versucht, auch wenn ihm ihre Kurven sichtlich zu schaffen machen.
Schlichtweg fantastisch sind die Szenenkonstruktionen in der Anfangsphase des Filmes, wenn jene Gegebenheiten dem Zuschauer sehr bildhaft erklärt werden. So gibt es eine Sequenz, in welcher der Regisseur stets zwischen einem Traum Ryos (in dem er Dutzende von Frauen in einem Pool vernascht) und der Realität (wo Ryo in einer Hängematte liegt, während Kaori quasi aus Eifersucht versucht, ihn zu wecken) hin- und herschneidet, und das mit ausgesprochen effektiver Wirkung, gerade was die Beziehung zwischen den beiden Mitgliedern des “City Hunter”-Teams betrifft. Die Dialoge werden dadurch nicht nur hier, sondern den ganzen Film über recht belanglos - man könnte dieses absurd-bunte Spektakel beim ersten Mal auf Kantonesisch ansehen und würde durch die reine Bildsprache alles verstehen können, weil die alles überschattende Bildsymbolik die Textsemantik nahezu ins Abseits stellt.

Spätestens am Ende des ersten Drittels gleitet der Film locker-flockig in den Actionbereich über. Den Übergangsbereich markiert eine Skateboard-Verfolgungsjagd, rasant und spektakulär geschnitten und überaus ansprechend in Szene gesetzt. Einschließlich dieser Szene haben wir zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht wirklich etwas von Jackie Chans Akrobatik spüren, allerhöchstens erahnen können. Wo die Skateboard-Szene nämlich eher von Wirework und Schnitten lebt, kommt man erst auf dem Kreuzer in den Genuss der Chanschen Martial Arts.
Soweit steht zunächst enormes Overacting im Vordergrund, das zugleich eine selbstironische Distanz gegenüber der Comicvorlage aufbaut. Chan knautscht sein Gesicht in diversen Szenen und überstrapaziert die Gesichtsmuskeln, so weit es nur geht. Er hampelt herum, spielt den Trottel vom Dienst und stellt sich hin und wieder in Aufsicht vor die Kamera und posaunt, von seinem weißen Anzug mit einem künstlichen Heiligenschein versetzt: “Du hast es mit keinem Geringeren als dem City Hunter zu tun!”. Ein überlegenes Lächeln umspielt die Mundwinkel, bevor es von den Bad Guys was setzt. Der Geist der Vorlage wird damit mehr oder minder gehalten, da auch diese mit Fehlbarkeit des Helden glänzte, der mehr als einmal was auf den Deckel bekam; ganz zu schweigen von dem überbordenden Overacting, das man im Comicbereich wohl eher Karikatur oder Überproportionalisierung nennen würde, welche zu den wichtigsten Stilmitteln des Mangas gehört - man denke nur an die riesigen Augen.

Sobald wir nach rund einer halben Stunde auf dem Kreuzer angekommen sind, wie es das Skript erfordert (Ryo hat den Auftrag, die Tochter eines Geschäftsmannes vor diversen Gangstern in Sicherheit zu bringen, und sie befindet sich halt auf einem Kreuzer), beginnt wahrhaftig bereits das fulminante Actionfinale, das von kleineren Pausen durchsetzt wortwörtlich bis zum finalen Gong dauert. Der Kreuzer, optisch auch durch die vielen Farbfilter (überwiegend wird in einzelnen Räumen mit Blaulicht gearbeitet) an den Austragungsort aus einem Computerspiel erinnernd, dient dann als Austragungsgelände für die nun auch vorhandene Kampfakrobatik, für Explosionen, Verfolgungsjagden und Versteckspiele. Indirekt wird der etwa zeitgleich abgedrehte “Alarmstufe: Rot” und damit noch indirekter dessen Vorlage “Stirb Langsam” abgefeiert, 70er Jahre-Katastrophenfilme, die auf einem Schiff spielten, bekommen ebenfalls gebündelt ihr Fett weg.
Hier treffen wir dann auch erstmals auf das Badass-Zweigespann in Form von Richard Norton (“Mr. Nice Guy”) als Kopf der Gangsterbande und Kickbox-Meister Gary Daniels (“Recoil”) als dessen schmierige rechte Hand. Hält sich Norton eigentlich eher dezent im Hintergrund, wird Daniels mit seiner durchaus einnehmenden Erscheinung als der körperlich weit überlegene, schier unbezwingbare Gegenspieler von Chan aufgebaut - ein stets wirkungsvolles Gegnerstereotyp, wie es Chan bis hin zu seinem “First Strike” immer wieder verfolgt hat.

Daniels darf, obgleich sein volles Potenzial zu keinem Zeitpunkt abgerufen wird, hin und wieder zeigen, was in ihm steckt; vor allem aber hat man ihm auch etwas Platz gelassen für Komödie. Das betrifft nicht zuletzt die “Street Fighter II”-Verarsche, und damit wären wir wieder bei der Popkultur. Bekanntlich als eines der populärsten Videospiele aller Zeiten in die Computerspielhistorie eingegangen und inzwischen mit Jean Claude Van Damme mehr schlecht als recht verfilmt worden, wird der Prügler von Jackie Chan und Gary Daniels in einem zentralen Duell eingehend einer Persiflage unterzogen. Während Daniels bei seiner etwas tuckigen Ken-Inkarnation bleibt, wechselt Chan mehrmals zwischen Dhalsim, Chun-Li, Guile und E. Honda (der Name des Sumos musste übrigens in “E. Honde” abgeändert werden, da Jackie Chan zu der Zeit einen Werbevertrag mit Mitsubishi hatte und nicht den Namen der Konkurrenz tragen durfte). Nun mag man - wohl zu Recht - fragen können, inwiefern es sinnvoll ist, dem Videospiel gleich eine derart ausführliche Hommage zu widmen, anstatt es einfach nur kurz zu erwähnen. Auch ich muss sagen: Obgleich die ganze Street Fighter-Sache eine sehr spaßige Angelegenheit ist, hätte es mir wohl gereicht, wenn Gary Daniels einfach ohne weitere Erklärung plötzlich einen roten Kampfanzug angehabt hätte. Der Aha-Effekt war nämlich dahin, sobald an der Wand ein “Street Fighter”-Werbeplakat und ein Spielautomat gezeigt wurde.
Ansonsten referierte man auch gleich auf die Person Jackie Chan, als der in einem Kino eine ganze Meute Gangster plattmacht, um sich zwischenzeitlich auf der Leinwand Tipps zu holen - von niemand geringerem als Bruce Lee, der gerade in seinem legendären “Game of Death” zu sehen ist. Eine Hommage also auch an die fernöstliche Martial Arts-Kultur, die durch Bruce lee revolutioniert wurde und deren Einfluss sich auch Jackie Chan nicht entziehen kann. Und Chan wird damit zum Konglomerat östlicher und westlicher Kultur gleichermaßen, auch weil Ryo Saeba zugleich ein auf Hong Kong modifizierter James Bond ist.

Eastern-Abstinenzlern wird sich definitiv der Magen umdrehen, wenn Jackie Chan mal wieder durch das reine Verdrehen von Gliedmaßen und allen verfügbaren Gesichtsmuskeln den Hampelmann macht und damit diesmal einer Comicfigur sein Antlitz leiht. Alle anderen werden jedoch frohlocken und jubeln ob einer mehr als gelungenen Comicadaption, die gemäß der Vorlage sämtliche popkulturellen Elemente der frühen Neunziger durch ein buntes Potpourri zieht und sie ausquetscht, bis nichts mehr da ist als eine quietschbunte Soße. Die Anleihen bei Tsukasa Hojos Werk sind durchweg gelungen und die Action wird jeden Chan-Fan auf Anhieb begeistern. “City Hunter” ist definitiv ein aufregendes Hong Kong-Spektakel der oberen Klasse.
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2. Dragon Lord (1982)



Technische Daten
Vertrieb: Splendid
Regionalcode: 2
Laufzeit: 92:02 Min.
Regie: Jackie Chan
Darsteller: Jackie Chan, Michael Chan Wai Man, Hong-Yip Cheng, Paul Chang Chung, Tai Bo, Fung Feng, Tien Fun, Fung Hak On, Kam-Kwong Ho, Kwan Yung Moon
Bildformat: WS 1,35:1 (Letterbox)
Sprachen: DD 5.1 Deutsch, Mono Deutsch, Kantonesisch (mit dt. UT)
Untertitel: Deutsch
Freigabe: FSK 12

Jackie Chans dritte Regiearbeit wurde 1983 mit dem Hong Kong Filmaward für die beste Actionchoreografie ausgezeichnet. Das mag auch mit einem wunderlichen Rekord zusammenhängen, der den Perfektionismus Chans unter Beweis stellt: Eine gerade mal 2 Sekunden lange Szene beanspruchte volle 1600 Takes, womit Chan den eigenen Rekord aus der Fächerszene des “Dragon Lord”-Prequels “Meister aller Klassen” schlug. Nur ist diese Choreografie - und selbst sie ist eher Geschmackssache - der einzige wirklich überragende Aspekt, mit dem sich “Dragon Lord” rühmen kann. Als Geschichtenerzähler bleibt Jackie Chan zumindest hier noch ein Schüler, der grün hinter den Ohren ist.

Das über weite Strecken als Buddy-Movie (Jackie Chan als “Dragon”, Mars als “Cowboy”) aufgezogene Werk beginnt wahrlich spektakulär mit einer Szene, der sich scheinbar auch Panom Yeerums Durchbruch “Ong-Bak” bedient hat; Vier Mannschaften mit Dutzenden von Mitspielern, darunter auch Chan, versuchen, eine Pyramide zu erklimmen, um ein auf der Spitze liegendes goldenes Ei zu erhaschen und es in einen Sack mit den Teamfarben zu stecken. Dem Massenauflauf hält das Gerüst aus Bambusstöcken und Leinentüchern nicht stand; die Pyramide bricht einschließlich der vielen Mitspieler zusammen. Es folgt ein aggressiver Kampf auf dem staubigen Boden, der einem Footballspiel gleicht, bis es dem Team von Dragon schlussendlich gelingt, das Ei einzusacken.

Schon diese ersten Minuten zeigen, was man actiontechnisch im Folgenden zu erwarten hat. Stunts stehen den Martial Arts voran, trockene Härte und Realismus sind die höchsten Prioritäten und verleihen einen Kontrast zu der poetischen Leichtigkeit und Schönheit einer Choreografie, wie sie jüngst seit “Tiger & Dragon” wieder angestrebt wurde. Die spektakulärsten Szenen des Films sind folgerichtig nur zu einem Drittel Martial Arts in Kampfchoreografien zwischen zwei oder mehr Personen; das Gros der Action liegt auf zwei verwinkelten Massenszenen, einmal der angesprochenen Einleitungssequenz und zu anderem vielleicht dem choreografischen Höhepunkt des Films. Die Rede ist von einem so genannten Footbag- oder Hacky-Sack-Spiel, bei dem ein kleines Säckchen ohne Hilfe der Hände und Arme hochgehalten und versucht werden muss, es in das gegnerische Tor zu bugsieren. Dramaturgisch eher plump und auf dem Niveau der japanischen Kindertrickserie “Kickers”, versteckt Chan in dem scheinbar undurchdringlichen Gewühl der Teams immer wieder kleine, feine und höchst raffinierte Tricks, die mit einer solchen Leichtigkeit dargestellt werden, dass man am liebsten gleich selbst mitspielen möchte - da die 1600-Takes-Szene jedoch diesem Footbag-Spiel entstammt, darf man davon ausgehen, dass hinter diesem herrlich anzusehenden Spiel eine Menge Arbeit steckte.

Über weite Strecken jedoch bleibt “Dragon Lord” sehr bodenständig und verzichtet auf akrobatische Künste der Schauspieler, um sie im komödiantischen Rahmen schauspielern zu lassen. Es gibt zwei Rahmenhandlungen, die sich gegen Ende verstricken sollen. Da wären zunächst die Abenteuer von Dragon und Cowboy, zweien Jungspunden, die scheinbar nichts besseres zu tun haben, als den ganzen Tag durchs Dorf zu traben und sich um eine Frau zu streiten. Eingeflochten wird genretypisch ein Vater-Sohn-Konflikt, der darauf basiert, dass unser Dragon ein unartiger Junge ist, der keine Lust hat, die von seinem Vater gepredigten Geschichten zu lernen - typischerweise scheinen hier wieder Generationenkonflikte durch in Bezug darauf, dass die Jugend nicht mehr dazu bereit ist, sich mit der Tradition der eigenen Kultur auseinanderzusetzen; was die Filmhandlung betrifft, hat dieser Handlungsstrang, in dem sich übrigens auch die meisten nicht deutsch synchronisierten Stellen befinden, jedoch keine weitere Bedeutung, weshalb man kritisch über seinen Sinn nachdenken muss.
Chan wirkt in seinem Auftritten noch unausgelernt und dehnbar, während er von teilweise souveräneren und teilweise dilettantischeren Akteuren umrundet wird. Sein Buddy-Partner, gespielt von Mars, beherrscht zumindest das klassische Overacting, bei dessen Darstellung ihm auch sein eckiges Gesicht eine Hilfe ist; eine Meute von keifenden Weibern komplettiert die Garde und ist darauf bedacht, die frechen Strolche, die um sie werben, mit Eiern und Tomaten zu bewerfen.

Offenbar hat sich Chan die Geschichte so gedacht, dass der eigentlich wichtige Plot um den Diebstahl von Dynastieschätzen wie ein Donnerschlag in dieses Allerwelts-Dorftreiben einschlägt und es abrupt unterbricht - doch das Vorhaben will nicht gelingen. Zu isoliert bleiben die Handlungsstränge voneinander, zu sehr erzählt Chan die duale Story nebeneinander. Beinahe zufällig werden Dragon und Cowboy in die Diebstahlsache einbezogen, so dass von interdisziplinärer Verstrickung nicht wirklich die Rede sein kann.

Das wiederum stuntlastige Finale beendet alle Versuche, eine stimmige Geschichte zu erzählen, versöhnlich. Eine Scheune dient als Austragungsort des Duells, in dessen Verlauf bildlich gesprochen mächtig viele Knochen zu Bruch gehen. Anstatt jedoch ein Konzentrat von ausbalancierten choreografischen Schritten zu erstellen, werden immer wieder auch Sequenzen eingesetzt, die weniger auf das Spiel zwischen Angriff und Konter bedacht sind, sondern vielmehr auf zunächst plump wirkende Stunts. Dies ist auch mit Geschmackssache gemeint, denn die Akteure fallen teilweise sehr tief ohne Schutzvorrichtungen, sie klammern sich wie Wrestler aneinander und zerbrechen mit ihrer Körpermasse Holzbalken - nicht unbedingt das, was die Bezeichnung “Martial Arts” suggeriert. Tatsächlich ist das Finale in seiner Darstellung jedoch aller Ehren wert, und es ist erfrischend, in einem Eastern mal ein leicht abweichendes Konzept zu finden.

Für das Prädikat “gut” fehlt jedoch ganz einfach eine fesselnde Geschichte oder zumindest ein adäquater Ersatz für eine solche. Ein Großteil der abgedrehten Szenen ist für den Handlungsverlauf einfach nicht zwingend notwendig - ein Punkt, der in den Actionszenen - von denen es drei Kernpunkte und einige kleinere Sequenzen gibt - nicht von Bedeutung sein mag; wenn man sich aber auf reine Comedy verlässt, schon. Und davon gibt es zu viel, um sie schlichtweg “im Freien” agieren zu lassen.
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3. Der Superfighter (1983)



Technische Daten
Vertrieb: Splendid
Regionalcode: 2
Laufzeit: 100:33 Min.
Regie: Jackie Chan
Darsteller: Jackie Chan, Sammo Hung, Hak Suen Lau, Mars, Dick Wei, Isabella Wong, Yuen Biao
Bildformat: WS 2,35:1 (nicht anamorph)
Sprachen: DD 5.1 Deutsch, Mono Deutsch, Kantonesisch (mit dt. UT)
Untertitel: Deutsch
Freigabe: FSK 12

Jahre, bevor Jet Li mit “Once Upon A Time In China” ein hervorragendes historisches Martial Arts-Epos über das China des ausgehenden 19. Jahrhunderts abdrehte, legte Jackie Chan bereits mit “Project A” einen Film über die gleiche Zeit vor, der sich zwar von der viel stärker auf Comedy behafteten Grundrichtung her vollkommen anders orientiert, jedoch, was Sets, Kostüme und Szenarien betrifft, durchaus mit Lis Vorzeigewerk zu vergleichen ist.
Es war Chans zweite Regiearbeit nach seinem eher unrühmlichen Ausflug in die USA mit dem Minuten-Auftritt in “Auf dem Highway ist die Hölle los”. Mit der Enttäuschung eines gescheiterten Vorhabens im Nacken, kehrte er also in die Heimat zurück und gewann mit “Project A” nach “Dragon Lord” nun schon zum zweiten Mal hintereinander den Hong Kong Filmaward für die beste Actionchoreografie - und wurde darüber hinaus als bester Darsteller nominiert.

Der deutsche Titel “Der Superfighter” ist mehr als verwirrend, denn hier wird man auf einen klassischen Martial Arts-Eastern à la “Sie nannten ihn Knochenbrecher” vorbereitet, bis man dann verdutzt feststellt, dass es sich um einen Kostümfilm handelt. Wir sehen Marineoffiziere, Generäle, Polizisten und nicht zuletzt die Piraten in epochengerechter Ausstattung durch recht authentische Sets wandern und miteinander interagieren in Form von Kommunikation (wo sich die Comedy entfaltet) und Aktion (wo die Fights und Stunts in Gang kommen).

Die Handlung soll historische Begebenheiten reflektieren und bezugnehmend auf Chans Filmkonzept modifiziert werden, wirkt dadurch oberflächlich betrachtet sogar recht komplex, ist aber in Wirklichkeit in nur wenigen Sätzen nachzuerzählen. Es geht darum, dass Hongkong zur Jahrhundertwende ständig von Piraten belagert wird, die sich im Hafengebiet breit machen und die Anwohner mit ihren Waffenschmuggleraktivitäten terrorisieren. Als Maßnahme wird die Marine aufgelöst und ihre Mitglieder, darunter Dragon Ma (Jackie Chan), werden zu Polizisten umgeschult. So weit die Grundhandlung; Nebenplots um Verschwörungen an der Regierungsspitze und persönliche Eskapaden zwischen den einmal mehr auftrumpfenden Buddys Jackie Chan und Sammo Hung würzen die ganze Angelegenheit.

Besonders attraktiv wirkt das stetige Wechseln der höchst abwechslungsreichen Locations in Verbindung mit ebenso vielfältigen Kampfchoreografien. Den Anfang macht eine aufwendige Kneipenschlägerei schon in den ersten Minuten, wo Stühle, Tische und Teller voller Spaghetti als Waffe missbraucht werden und nach knapp zehn Minuten das komplette Lokal demoliert ist. Wie schon in “Dragon Lord” stehen weniger leichtfüßige Moves im Fokus, sondern möglichst harte und realistische Action, die darauf bedacht ist, nichts verschönend darzustellen. Wenn ein Darsteller mitten in der Luft mit aller Wucht von einem zerberstenden Holzstuhl getroffen wird, kann man die Schmerzen wahrlich mitfühlen. Das hatte leider zum Teil auch Konsequenzen; der dreifach abgedrehte Stunthöhepunkt rund um das Durchbrechen der Glasscheibe eines Uhrenturms* hätte für Chan durchaus bitter enden können.
Obgleich die spektakulärsten Stunts erst im zweiten und dritten Drittel vollzogen werden, bleibt die Konsequenz auch der klassischen Ausbildungssequenz erhalten, die kurz darauf folgt. Eine solche bereitet in der Regel überwiegend psychisch Schmerzen, und selbst das kann sie in diesem Fall nicht, weil es sich nun einmal um eine Komödie handelt und der psychische Druck, der durch den Ausbilder (Yuen Biao) ausgeübt wird, in humorgeschwängerten Elementen ihr Ventil findet. Und doch wird hier auch mal eine Handgranate in die Mitte der Kadetten geworfen und ein Kadett weggezerrt unter dem Vorwand, er werde nun wegen eines eher kleinen Ungehorsams erschossen.
Die Jagd durch die verwinkelten Straßen des Hafengeländes sind jedoch als Höhepunkt des Filmes zu bezeichnen. Wenn Jackie Chan nur mit Hilfe seines Fahrrads einen Weg durch die engen Gassen findet, die überall von Männern versperrt sind, die ihn suchen, so wird sich jeder Fan guter Stunts gleich heimisch fühlen. Im Wechsel mit Sammo Hung wird zudem die Comedy außerordentlich gut mit dem physischen Humor verwoben, wobei Hung immer wieder aufs neue mit seiner Gelenkigkeit in Relation zu seiner Körperfülle überrascht. Der Mann hat es einfach raus, was Situationskomik anbelangt, und zusammen mit Jackie Chan bildet er ein mehr als unterhaltsames Zweigespann, dessen Aktivitäten man unentwegt folgen könnte. Überhaupt: Ganz allgemein fällt das Acting aller Beteiligten überdurchschnittlich gut aus. Die Gags wirken weniger wild, unüberlegt und provisorisch, sondern sind ganz offenbar allesamt durchkonzipiert worden und unter professioneller Handhabung entstanden. Chan und alle anderen lassen nicht mehr unartikuliert ihre Gesichtsmuskeln spielen; jede Grimasse hat, wenn man so will, ihren Zweck und ist grundsätzlich auf einen treffenden Gag ausgelegt. Das soll nun kein Freifahrtschein für obligatorische Hasser der Chan-Comedy sein, gleich in die Videothek zu rennen und sich den Film zuzulegen; sie werden auch diesmal nicht auf ihre Kosten kommen. Chan bleibt Chan - zur Freude seiner Anhänger.

Was die Piraten betrifft, die erst gegen Ende aus den Untiefen der Gewässer auftauchen, hat die deutsche Synchronisation dem Zuschauer ein tumbes Ei ins Nest gelegt, über das er sich freuen oder ärgern kann, je nach Gemüt. Deren Sprachstil ist nämlich so klischeebehaftet, dass es fern jeglichen Geschmacks ist; zusammen mit dem exotischen Aussehen der Bösewichte ergibt sich ein ziemlich verrücktes Finale, das zudem von Chans Undercover-Aktion lebt. Der hierin enthaltene Dialog ist dabei ein Klassiker: Wenn ein Neuankömmling Chans Verkleidung entlarvt und Chan dies merkt, fällt er dem Piraten immer wieder so ins Wort, dass die Tarnung gegenüber den anderen Piraten aufrechterhalten wird - das hat was von einem Martial Arts-Fight mit einem Wechselspiel aus Angriff und Konter... in Dialogform.

“Project A” ist somit ein herausragend konstruiertes, komödiantisch brillantes Abenteuerspektakel vor historischer Kulisse, das einen Jackie Chan in Höchstform zu bieten hat - als Regisseur UND als Schauspieler - sowie viele sehr gute weitere Haupt- und Nebendarsteller, die sich als Matrosen, Polizisten oder Piraten durch eine sehr schön eingefangene Hafenstadt wuseln und in Aufeinandertreffen alles kurz und klein machen, was ihnen in die Hände kommt. Nach “Dragon Lord” mehr denn je auf Stunts und konsequente Härte vertrauend, gibt Chan dem Zuschauer genau das, was er will: uneingeschränkte Unterhaltung.

* Der Stunt war als Hommage an den vielfach zitierten Stummfilmklassiker “Ausgerechnet Wolkenkratzer” gedacht, der unter anderem von Chan auch wieder in “Shanghai Knights” im Finale am Ziffernblatt des Big Ben aufgegriffen wurde.
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« Antwort #1 am: 02. Januar 2006 um 23:27 »

4. Winners and Sinners (1983)



Technische Daten
Vertrieb: Splendid
Regionalcode: 2
Laufzeit: 104:12 Min.
Regie: Sammo Hung
Darsteller: Sammo Hung, Jackie Chan, Richard Ng, Charlie Chin, Stanley Fung, John Shum, Cherie Chung, Philip Chan, Cecilia Yip, James Tien, Dick Wei, Fung Hak On, Tai Bo, Pat Ha, Manfred Wong
Bildformat: WS 1,85:1 (nicht anamorph)
Sprachen: DD 5.1 Deutsch, Mono Deutsch, Kantonesisch (mit dt. UT)
Untertitel: Deutsch
Freigabe: FSK 12

Eines sollte auch bei diesem Sammo Hung-Werk von vornherein klar sein: Es handelt sich einmal mehr um enorm kultur- und zeitabhängige Blödsinns-Comedy, die nichts weiter will, als den Moment zu nutzen und dem zeitgenössischen Publikum das vorzusetzen, was es verlangte. So mag der Zahn der Zeit womöglich an der Wirkung des Humors geknabbert haben. Behält man diesen Umstand im Hinterkopf und geht mit der richtigen Einstellung an die Sache heran (Spencer / Hill-Filme sind schon mal gutes Training), so kann man durchaus seinen Spaß an dem bunten Treiben haben, denn Schauwerte bietet “Winners & Sinners” genug - wenn man sich nur auf sie einlässt.

Es handelt sich hier um den Auftakt der “Lucky Stars”-Reihe. Beschrieben wird damit das Protagonistengrüppchen, ein Haufen treudoofer und unglückseliger Ex-Sträflinge, die sich im Knast zusammengetan haben und sich nun, wo sie frei sind, geschworen haben, ehrbar zu werden und nie wieder mit Verbrechen in Kontakt zu kommen. Da sich gleich eine komplette Filmreihe um diesen Fünfer (Sammo Hung als Teapot, John Sham als Curly, Richard Ng als Exhaust Pipe, Charlie Chin als Vaseline, Shui-Fan Fung als Rookie) entwickelt hat, kann man zumindest im Vorfeld von einem gewissen Potenzial ausgehen, das sich um die Hauptdarsteller rankt. Und tatsächlich geht ein Großteil der Attraktivität des Films auf das Konto des Zusammenspiels der fünf ungleichen Freunde, ihren Streit um die Schwester von Curly, bei der sie nach ihrer Entlassung untertauchen; schlicht und ergreifend von dem strukturellen Potenzial, das sich durch die simple Konstellation ergibt.

Dazu hilfreich ist die Unterschiedlichkeit der Charaktere, welche das Zusammenleben und die Zusammenarbeit zu einer lebhaften Angelegenheit werden lässt. Angefangen bei den bildlichen Spitznamen, die zugleich viele Schlüsse auf die Persönlichkeit ihrer Träger zulassen. Cherie Chung stellt dabei in ihrer Rolle als Curlys Schwester Shirley den Knoten- und Streitpunkt dar, an dem sich die fünf Freunde die Zähne ausbeißen und wo sie ihr wahres Gesicht zeigen. Während John Sham zum panisch-manischen Beschützer seiner Schwester vor den Blicken der vier anderen Lüsterlinge darstellt, haben diese vier Lüsterlinge genug damit zu tun, die Konkurrenz auszubooten.
Das lustige Treiben rund um diese Gemeinschaft vermag es leider zu selten, in den eigentlichen Hauptplot vorzustoßen, womit viele Szenen dem komödiantischen Selbstzweck zum Opfer fallen und streng genommen als überflüssig betrachtet werden könnten; wäre da nicht dieser unheimliche Charme dieser meist autarken Kurzepisoden. Exemplarisch zu nennen wäre da Exhaust Pipes Versuch, sich unsichtbar zu machen. Albernster Klamauk, das muss man zugeben, aber er ist einfach zu liebenswert. Szenen wie diesen hat Richard Ng wohl auch seine Nominierung als bester Darsteller für die Hongkong Filmawards zu verdanken; es ist einfach zu blöd, wie er ein Buch über das Unsichtbarwerden liest, eine “Zauberformel” vor sich hinnuschelt und sich dann nackt auszieht, um seine “Unsichtbarkeit” zu testen. Die vier Freunde ziehen natürlich mit und tun so, als würden sie ihn nicht sehen, während er, sich seiner Unsichtbarkeit vollkommen sicher seiend, vor dem Fernseher steht und posiert wie ein Irrer, sich dann auch noch ins Badezimmer schleicht, wo Shirley gerade badet, dann wieder zurück ins Wohnzimmer geht, wo ein nicht eingeweihter Postbote das Ganze in vortrefflicher Situationskomik auflöst.

Da mag man sich kaum noch mit dem zentralen Handlungsstrang um eine Geldfälscherbande beschäftigen, denn der kommt gewohnt abgedroschen daher und kann kaum punkten. Geradezu schade ist der Umstand, dass Jackie Chan lediglich sporadisch im Rahmen dieses Geldfälscher-Szenarios als Polizist CID 07 auftaucht. Eine Interaktion mit seinem Busenkumpel Sammo Hung bleibt ihm leider verwehrt - die eingefahrene Beziehung und das perfekte Spiel der beiden, wie es aus anderen Filmen bekannt ist, kommt daher kaum mal zur Geltung. Wenn die “Lucky Stars” auch harmonisch miteinander agieren mögen und man sie sich nachträglich kaum noch in einer anderen Besetzung vorstellen könnte, Jackie Chan in ihrer Mitte hätte dem Konzept möglicherweise noch zusätzlichen Pfeffer verliehen. Statt dessen wird er in einer handlungstechnisch eher sekundären Rolle verschenkt.

Was nicht heißt, dass er actiontechnisch nicht zum Zuge kommen würde. Im Gegenteil, er ist im Speziellen für einen Großteil der Stunts verantwortlich. Damit wird jedoch der Eindruck umso mehr erweckt, dass Chan eine andere Rolle hätte zuteil werden müssen, denn die Actioneinlagen erscheinen in dem Maße für diese Rolle zu überzogen, zumal sich die “Lucky Stars” so gut wie gar nicht in Stunts beweisen müssen, sondern vielmehr in Martial Arts-Duellen.
Das soll die Klasse der leider etwas spärlich eingesetzten Action jedoch keinesfalls mindern. Höhepunkt ist definitiv die Verfolgungsjagd auf dem Highway, die jedoch schon bei einem Rollerskate-Turnier beginnt und in einer wahren Materialschlacht endet. Nachdem Jackie zunächst im Rahmen des Wettbewerbs einige Kunststücke zeigen darf (die zwar ganz nett unterhalten, jedoch den akrobatischen Medleys aus Spencer / Hill-Filmen keinen Mehrwert entgegenzusetzen haben), beginnt die wahrhaftig spektakuläre Sequenz erst mit der Verfolgung. Einschränkend ist zu sagen, dass manche Stunts durch eher schwache Schnittechnik etwas ihrer Wirkung beraubt werden; das betrifft etwa Jackies Sprung über die Zuschauermenge (da scheint auch Wirework zum Einsatz gekommen zu sein) oder später Sammo Hungs Sprung über den brennenden Tisch durch die Fensterscheibe. Dennoch: Alleine die Highwaysequenz ist atemberaubend. So fährt ein Auto über den sich auf den Boden werfenden Jackie, er rollt unter einem fahrenden LKW hindurch und schließlich beendet eine Massenkarambolage die Jagd, die ganz stark an die Crash-Missionen aus der “Burnout”-Videospielreihe erinnert - ein Auto nach dem anderen rast in den Massenauflauf hinein, überschlägt sich mehrfach und zwischendurch bereichert dann auch noch der LKW den Metallhaufen. Das ist vollkommen überzogen, aber ein Himmelreich für den Stuntfan.

Ansonsten bleibt die Action allerdings immer in der Nähe der Nulllinie, während hin und wieder ein paar Fights etwas Abwechslung von der Comedy bieten. Herausstechend sind zwei Szenen - zum einen die Vereitelung eines Überfalls auf einen Fast Food-Laden, bei dem auch Jackie wieder seine Finger im Spiel hat, zum anderen der finale Kampf in der Lagerhalle, wo Sammo Hung seinen großen Auftritt hat. In einem enorm unvorteilhaften roten Jogginganzug verteilt er Arschtritte bis zum geht nicht mehr. Die Gegner: ein paar feine Herren, ein Haufen dummer Handlanger in Anzügen und zwei lebende Denkmäler an den “Goldfinger”-Baddie Oddjob - nur der tödliche Wurf der Melone fehlt bei den beiden Leibwächtern, die hier am Start sind.

Und ja, am Ende will man mehr sehen von dem verrückten Quintett. Die Beziehungen könnten verfeinert, bislang ungenutzte Möglichkeiten genutzt werden - das ist der Gedanke, der beim Abspann eintritt. Nicht vernachlässigen darf man natürlich die enormen Defizite in Sachen Verknüpfung der “Lucky Stars” mit dem eigentlichen Plot - mal wieder wird schlicht und einfach der Zufall zum Schicksal gemacht, und das ist kurzum als Faulheit zu bezeichnen. Etwas mehr Action hätte sicher auch nicht geschadet - aber der enorme Abwechslungsreichtum in Sachen Komik kompensiert all diese Defizite angemessen. Wie man nun zu der Komik selbst steht, ist Ermessenssache.
Noch
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5. Meister aller Klassen (1980)



Technische Daten
Vertrieb: Splendid
Regionalcode: 2
Laufzeit: 101:50 Min.
Regie: Jackie Chan
Darsteller: Jackie Chan, Wai Pak, Yuen Biao, Lily Li Li-Li, Sek Kin, Ing Sik Whang, Fung Hak On, Li Hai Sheng, Tien Feng, Feng Feng, Fan Mei Sheng, Bruce Tong Yim Chaan
Bildformat: WS 2,35:1 (nicht anamorph)
Sprachen: DD 5.1 Deutsch, Mono Deutsch, Kantonesisch (mit dt. UT)
Untertitel: Deutsch
Freigabe: FSK 16

“Meister aller Klassen” ist Jackie Chans zweite Regiearbeit - gerne wird sie jedoch als sein Regiedebüt angesehen, denn es ist der Auftakt einer Zusammenarbeit, die erstens Jackies endgültigen Durchbruch bedeuten sollte, zweitens seinen nachhaltigen Erfolg und drittens eine langjährige Partnerschaft - die Periode der Kooperation mit dem Produktionsstudio Golden Harvest nahm hier ihren Anfang.
Bis hierhin war Jackie bei Lo Wei Productions unter Vetrag, einem Studio, das Jackie in den Siebzigern auserkoren hatte, die rechtwürdige Nachfolge von Bruce Lee anzutreten. Für den zum Star aufgebauten Jungschauspieler brachte diese Verbindung über einen längeren Zeitraum natürlich keine Möglichkeiten zur Entfaltung mit sich; Jackie wurde in eine Nische gedrängt, die Bruce Lee hinterlassen hatte.
Der Wechsel zu Golden Harvest vollzog sich dementsprechend schwierig; zur Erfüllung des Vertrags mit dem alten Studio fehlte noch die Realisierung eines Films, und Lo Wei wandte letztendlich gar Mafiamethoden an, indem die Triaden aktiviert wurden - die dunklen Machenschaften blieben glücklicherweise nicht ungesühnt, so dass Jackie schließlich doch zu Golden Harvest übergehen konnte und mit der Regie, dem Drehbuch und der Hauptrolle zur Premiere “Meister aller Klassen” erste Taten auf neuem Terrain folgen ließ.

Da nach Beendigung des Projekts bereits die USA riefen - und dass der erste Ausflug nach Übersee nur in Enttäuschung endete, soll hier nicht weiter interessieren - bildet “Meister aller Klassen” schließlich einen Übergangspunkt, der auch als erstes Sprungbrett für eine international ausweitbare Karriere verstanden werden kann. Unter Golden Harvest genoss Jackie also alle Freiheiten, die er benötigte, um seine Qualitäten - die spitzbübische, lockere Art, der eigensinnige Charme und die damit konglomerierende Körperakrobatik - voll zur Geltung zu bringen. Und das sieht man dem ersten Film an. Er bietet ein erfrischendes, nie neues, aber stets neu erscheinendes Spiel mit den Zutaten des gebräuchlichen Martial Arts-Films und sticht durch seine Ungezwungenheit hervor.

Dem nicht entsprechen kann leider die zugrunde gelegte Geschichte, die wohl in der Euphorie der Martial Arts untergegangen ist. Dabei hört sie sich auf dem Papier gar nicht so schlecht an. Jackie spielt Dragon, eine Rolle, die er zwei Jahre später wieder in “Dragon Lord” aufnehmen sollte. Er ist einer der zwei besten Schüler einer Kung Fu-Schule, die in Verruf geraten ist. Der Grund für die Schande: Der zweite Schüler, Tiger (Wei Pei), ist in eine Verbrecherbande geraten und hat die Schule verlassen. Dragon hat es sich nun zur Aufgabe gemacht, Tiger zurückzubringen. Auf dem Weg kommt es jedoch zu einer Verwechslung, so dass fortan Dragon für Tiger gehalten wird und von dem Polizeichef Sang Kwan (Shih Kien) und seinem Sohn (Yuen Biao) verfolgt wird. Alle Beteiligten befinden sich plötzlich in einem Strudel, bei dem Recht von Unrecht zu unterscheiden eine schwierige Sache wird...

Aus diesem Plot lassen sich viele Hoffnungen ziehen, die leider zu selten erfüllt werden. Weder wird die Buddy-Thematik konsequent angegangen (Tiger-Darsteller Wei Pei tritt nur sporadisch auf), noch die Verwechslungssituation ausgereizt. Jegliche Situationen, die entstehen, sind nichts als Vorwände, endlich die Fetzen fliegen zu lassen. Auch für Schauspielerei und Comedy bedeutet dies weitgehende Beschäftigungslosigkeit.
Wo man kurzzeitig so etwas wie Dramaturgie verspürt, das ist die Szene, in welcher der Kung Fu-Schulenbesitzer und Meister seinen Wutanfall bekommt und die Schüler anschreit, als Jackie dann vortritt und seinen rechtfertigenden Monolog hält - das hat beinahe etwas von einer Gerichtsverhandlung und schneidet zumindest bruchstückhaft kulturelle Elemente an. Davon abgesehen gibt es jedoch keine vergleichbaren Momente mehr im kompletten Film.
Um diesen leider verstümmelten Filmaspekt der Filmhandlung und aller daraus resultierenden Elemente (sprich: alles, was nicht die Action betrifft) abzuschließen, sei noch die zugegeben zwischenzeitlich hervorragende Chemie zwischen Jackie und dem Polizisten sowie seinem Sohn hervorgehoben, die in einem alles in allem etwa halbstündigen Exkurs voll zur Geltung kommt. Mit Yuen Biao hat Jackie Chan natürlich einen langjährigen Wegbegleiter zur Seite, aber beinahe noch mehr greift der Hauptdarsteller mit dessen Filmvater Shih Kien ineinander. Die Unterhaltungen vor dem Haus des Polizeikommissars, am Rande des Treibsands sowie später im Haus (und im Treibsand) funktionieren einfach optimal und sind kaum aus dem Film wegzudenken, da sie das Gerüst aufrecht erhalten - ohne Shih Kien und Yuen Biao wäre “Meister aller Klassen” nichts als eine einzige Aneinanderreihung von Martial Arts-Szenen.

Auf diese muss ich nun auch schon zu sprechen kommen, da ansonsten bereits alles gesagt wurde, was zu sagen ist. Bereits die erste Sequenz gibt ziemlich genau wieder, was der Film ist - eine unglaublich erfrischend wirkende Recycling-Maschinerie bereits bekannter Schemata. Da hätten wir nämlich zu Beginn eine von diesen als Duell aufgezogene “Wir verstecken uns unter Pappmaché und tun so, als wären wir ein Löwe”- Sache - jeweils im Zweierpack treten zwei von den Viechern, wie man sie speziell aus Paraden und Festaktivitäten kennt, gegeneinander an, hüpfen über Wassereimer, fischen dort Gemüse heraus, springen dann auf einen Balken, stellen sich gegenüber und versuchen dabei die ganze Zeit, sich unter dem Kostüm wie ein Tier zu bewegen. Ausgelutscht? Ja, das Motiv ist es sicherlich, nicht jedoch, was Jackie und seine drei Mitstreiter daraus machen. Es ist schier unglaublich, welche Körperbeherrschung die Darsteller hier an den Tag legen und welche verblüffenden Bilder sie damit kreieren, während sie dem dargestellten Tier eine absurde Metamorphose verleihen - vom Löwen zur Katze zur Schlange zur Raupe zum Pferd.

Ähnliche Prädikate sind den übrigen Martial Arts-Szenen zu attestieren, die den Zuschauer allesamt staunend dasitzen lassen, während Bänke, Messer, Speere und Kleidung dazu verwendet werden, sich gegenüber dem Gegner einen Vorteil zu erhaschen. Jackie Chan lebt hier seine perfektionistische Ader vor und hinter der Kamera aus wie ein Besessener; die neu gewonnene Freiheit, was seine Inszenierung betrifft, ist ihm deutlich anzumerken, was sich auch darin niederschreibt, dass alleine eine Szene gleich 329 Takes brauchte, bis sie endlich so im Kasten war, wie Jackie sie haben wollte.

Der nahezu 20 Minuten andauernde Endkampf ist diesbezüglich der letzte und stärkste Beweis des “Retorten”-Stils des Films. Einfallslos präsentiert sich die gewählte Szenerie -wieder mal tritt unser Held gegen den unbezwingbar erscheinenden Gegner (wie üblich älter und erfahrener als der junge Held) auf einer Wiese über den Wäldern an, auf einem offenen Feld, das den Himmel zeigt. Hundertfach gezeigt, und auch diesmal wollte man einfach nicht darauf verzichten. Wo sich dieses Finale von seinen unzähligen Vorgängern jedoch abgrenzt, das ist das Wie der Inszenierung. Chan inszeniert den Gegenspieler zunächst so, dass er unbezwingbar erscheint; jeder Versuch, die Arme gegen ihn zu benutzen, endet darin, dass diese Arme in die Zange genommen und gequetscht werden. Lange, fast zu lange, spannt uns Jackie auf die Folter, bis er sich selbst erstmals überlegen zeigt. Dafür bedarf es natürlich wieder eines Katalysators, wie es beim legendären “Drunken Master II” der Alkohol war - und tatsächlich, nachdem der “Schiedsrichter” (ein kleiner Kauz mit zerbrochener Brille, der Jackie unentwegt die Daumen drückt) dem fast Besiegten Öl einflößt, wird dieser zum Tier. Die Wucht, mit der dieser Kampf zu Ende geht, ist bemerkenswert. Wie ein mit Drogen vollgepumpter Stier rennt Jackie immer wieder auf seinen Opponenten zu und zwingt ihn schließlich unbeirrbar in die Knie. Deswegen vielleicht auch die 16er-Freigabe, denn der Endkampf ist an Gnadenlosigkeit kaum zu überbieten. Im erwähnten “Drunken Master II” stellte sich im Endkampf in der Fabrik ein ähnliches Gefühl ein, nachdem der Hauptdarsteller den industriellen Alkohol zu sich genommen hatte.

Wer also Martial Arts in graziler Perfektion sehen will, die sich zum Ende hin ins Unermessliche steigern und, was die Aggression betrifft, nicht ohne sind, für den ist “Meister aller Klassen” die richtige Wahl. Leider misslingen fast alle Elemente, die über die Fights hinausgehen. Nur das Zusammenspiel der Darsteller Jackie Chan, Shih Kien und Yuen Biao ist darüber hinaus bemerkenswert.
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6. Action Hunter (1987)



Technische Daten
Vertrieb: Splendid
Regionalcode: 2
Laufzeit: 93:46 Min.
Regie: Sammo Hung
Darsteller: Jackie Chan, Sammo Hung, Yuen Biao, Pauline Yeung, Billy Chow, Stanley Fung, Phillip Ko, Lee Ka Ting, Benny Urquidez, Chan Fu-Keung, Chung Fat, Crystal Kwok, Dick Wei, Fung Hak On, Patrick Lung
Bildformat: WS 1,66:1 (nicht anamorph)
Sprachen: DD 5.1 Deutsch, Mono Deutsch, Kantonesisch (mit dt. UT)
Untertitel: Deutsch
Freigabe: FSK 16

Jackie Chan als Rechtsanwalt? Nett...
Aber ja doch, das ist wirklich nett. Es passt nicht immer, und zu Beginn wirkt es doch auch recht merkwürdig, aber Chan selbst ist glücklicherweise diesmal nicht unbedingt das zentrale Moment des Films. Unter Sammo Hung werden ein letztes Mal die drei “Superfreunde” in einem Projekt vereint: Er, der Regisseur selbst, Jackie Chan und Yuen Biao. Und wenn man ehrlich sein will: Ohne dieses Dreigespann und dessen Erfahrung miteinander und Eingespieltheit untereinander wäre die erste knappe Stunde des Eineinhalbstünders ein ganz schön zäher Brocken.

Das Szenario hebt sich bereits atmosphärisch vom Frühwerk aller Beteiligten ab, zieht man etwa Hungs “Winners & Sinners” als Vergleich heran. Die Thematik versucht sich in ihrer Ausrichtung als ernsthaft und fast dramatisch, obwohl das Resultat die komödiantischen Wurzeln freilich nie ganz verbergen kann und dies auch gar nicht will. Dennoch versprühen alleine die Sets und Kostüme ein gewisses Maß an Seriösität und Ernsthaftigkeit, die sich vom reinen Look her dem Heroic Bloodshed-Genre annähert.
Handlungstechnisch ist man davon jedoch weit entfernt. Die Story vom Schlage eines “Regenmachers” oder “Zivilprozess” betrachtet sich selbst im Gegensatz zu den US-Pendants nicht als Kern des Films, sondern als Vorwand für Action und einen Hauch Comedy, sogar gewürzt mit einer Prise Romantik.

Leben kann die Handlung daher auch nur durch die Interaktion zwischen Sammo Hung, Yuen Biao und Jackie Chan, und so läuft über kurz oder lang alles darauf hinaus, dass die drei Hauptdarsteller sich unter der Prämisse, ein gemeinsames Ziel zu erreichen, immer wieder in die Haare kriegen. Jeder ermittelt auf seine Weise in einem anderen Bereich gegen die mutmaßlichen Betrüger, und so kreuzen sich die Wege untereinander immer wieder. Einer behindert den anderen durch zufällige Begegnungen an Ermittlungsorten, und jeder droht, die Tarnung des anderen unabsichtlich aufzudecken.
Es ist nur folgerichtig, dass die ein oder andere Situation Assoziationen zu Momenten aus diversen Szenen bekannter Filme und Filmschaffender weckt. So erinnert die Dreier-Prügelei nachts vor dem Haus stark an die drei Stooges, nur dass es statt Pieksern in die Augen und Kneifern in die Nase nun Schläge ins Gesicht und Tritte in den Magen gibt. Dabei ist dieser Dreier-Kampf ein perfektes Beispiel dafür, was an “Action Hunter” im Wesentlichen so gelungen ist: Sofern gewollt, handelt es sich hier um eine höchst gelungene Hommage an einen Filmklassiker, es stellt die ausgezeichnete Interaktion zwischen den drei Hauptdarstellern unter Beweis und es ist, was die Martial Arts-Choreografie betrifft, eine große Herausforderung, die einwandfrei erfüllt wird.

Ähnlich verhält es sich mit den Frauengeschichten, die später leider etwas außer Kontrolle geraten. Zunächst jedoch ist der ein oder andere Gedanke an eine Situation aus “The Killer” nicht zu verleugnen. Hier wie da gibt es in einer Szene nämlich eine Frau mit zwei Männern in einer Wohnung, wobei einer der Männer versucht, die Frau nicht merken zu lassen, dass der andere da ist. Ausgeführt diesmal von Jackie Chan (übrigens ist sein Anwalt als geiler Hengst geschrieben, der alle Frauen im Büro anmacht) als Heimlichtuer und Sammo Hung als heimliches Geheimnis, das verborgen werden muss - und als dann auch noch Biao hinzukommt, ist alles verloren.
Bezeichnend ist aber auch, dass, sobald sich die drei Chaoten voneinander trennen, das Konzept plötzlich nicht mehr funktioniert. Als jeder versucht, seine Herzensdame isoliert von seinen Kumpanen rumzukriegen, bewegt man sich so weit weg vom eigentlichen Plot, dass dieser vollkommen in Vergessenheit gerät. Zumindest Sammo Hung mag seine Szenen noch ganz witzig gestaltet haben (mit Lautsprecher durch die belebten Straßen zu latschen und seine Angebetete zum Essen einzuladen, das hat schon was), aber letzten Endes führen diese Exkurse zu nichts. Denkt man sich also einfach mal die Aktivitäten der drei Ermittler weg, so entpuppt sich “Action Hunter” als speziell zu Beginn ziemlich ermüdendes Filmchen ohne Substanz.

Umgekehrt lässt sich daraus auch eine der größten Stärken ziehen. Sammo Hung schafft es, seinen Streifen von Minute zu Minute interessanter werden zu lassen; die Spannungskurve steigt unentwegt. In Anbetracht der Tatsache, dass die Aufmerksamkeitskurve des Zuschauers mit zunehmender Dauer zu fallen droht, ist das ein aller Ehren wertes Kunststück. Konträr zur Zuschauerhaltung wird damit die Intensität unter dem Strich auf einer Höhe gehalten, und als Zuschauer kann man sich an dem Gefühl festhalten, dass der etwas müde Beginn mit jeder verstreichenden Filmminute eine Steigerung erfährt.

Und am Ende exponiert diese Steigerung in einer der besten Kampfchoreografien, die je in einem Film mit Beteiligung von Jackie Chan zu sehen waren, zudem auch noch absolut genial eingefangen von einem Sammo Hung, der hier sein ganzes Können zeigt. Die Szenerie, mal wieder ein Industriegelände, ist in ihrer Vorhersehbarkeit dabei ignorierbar - wichtig ist es, was Chan, Hung, Biao und ihre Gegenspieler Wah Yuen und Benny Urquidez daraus machen.
Einfach alles machen sie daraus.
Benny Urquidez erwies sich schon in “Powerman” als physisch enorm präsenter, markanter und charakteristischer Endgegner, der einem Film einen Abgang mit Pauken und Trompeten bescheren konnte. Hier wiederholt er diese Leistung - unglaublich widerwärtig und unsympathisch wird er zum ultimativen Hassobjekt, bei dem jeder durch Jackie Chan verursachte Schaden automatisch zu Jubelstürmen im Publikum führt. Freilich macht er dies nicht ganz so einfach. Ziemlich bullig in seiner Figur, überrascht er mit ultimativer Körperbeherrschung und stellt einen würdigen Konkurrenten für Jackie dar, der sich schon merklich anstrengen muss, um sich auf das Niveau seines Gegners zu katapultieren. Kamera und Schnitt fangen dieses vom Niveau her ausgesprochen hochwertige Event perfekt ein, schmücken es mit Zeitlupen in genau den richtigen Momenten, optimalen Perspektiven und hin und wieder mit Wiederholungen besonderer Leckerbissen. Die Umgebung geht derweil in dem Kampf der Giganten zu Bruch, und man erlebt einen äußerst harten, gnadenlosen Endkampf, in dessen Verlauf sich Jackies spitzbübische, buddyhafte Art als perfekte Basis für eine Identifikation herausstellt, während Urquidez die rasende Wut und unmenschliche Entschlossenheit darstellt.
Nebenher zeigt Yuen Biao fast noch mehr als Jackie Chan seine Fähigkeiten, obwohl er per se keinen speziellen Gegner zugeteilt bekommt und damit noch eher wenig zu tun hat. Dennoch ist die Konsequenz, mit der er seine Martial Arts vorträgt, bemerkenswert.
Wah Yuen überzeugt derweil, obwohl auch er einige Einlagen zu bieten hat, eher durch seine schauspielerisch erarbeitete Präsenz denn durch Körperakrobatik. Wie er da im Nadelstreifenanzug steht und genüsslich seine fette Zigarre mit den Mundwinkeln umspielt und einfach zusieht, wie sich Jackie und Benny verkloppen, das hat schon eine enorme Aura der Überzeichnung an sich und verfehlt seine Wirkung nicht. Dass er letztendlich allerdings vorwiegend gegen den pummeligen Sammo Hung antritt (dem wir seine Fähigkeiten natürlich nicht abstreiten wollen), der auch noch durch eine Art Virus stark geschwächt ist, das ist irgendwo Verschwendung, denn von der Art seines Auftretens her hätte man ihn als ultimativen Endgegner zugeordnet. Diesen Part übernimmt nun Benny Urquidez, eigentlich nur ein “Handlanger”, der zusätzlich erst in diesen letzten Minuten des Finales auftaucht.

Dennoch zeigt sich das Finale als unumstrittener Filmhöhepunkt und dokumentiert damit den Filmverlauf: Es beginnt sehr mäßig und steigert sich dann stetig bis ins Ultimative. Wer ungeduldig ist, könnte einiges verpassen; vielleicht ist dies auch einer der Gründe, weshalb “Action Hunter” seinerzeit gefloppt ist. Alleine die Performance des Dreigespanns Hung/Chan/Biao ist aber schon die Zeit wert, und eines der besten Martial Arts-Finals überhaupt lässt alle Längen und Defizite der Handlung vergessen.
Knapp
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Vince
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Debakelvince


« Antwort #2 am: 02. Januar 2006 um 23:27 »

7. Twin Dragons (1992)



Technische Daten
Vertrieb: Splendid
Regionalcode: 2
Laufzeit: 100:25 Min.
Regie: Tsui Hark, Ringo Lam
Darsteller: Jackie Chan, Maggie Cheung, Teddy Robin Kwan, Anthony Chan Yau, Nina Li Chi, Philip Chan, Sylvia Chang, Alfred Cheung, Jacob Cheung Chi-Leung, Joe Cheung Tung-Cho, Chu Yuan, David Chiang, Ringo Lam, Liu Chia Liang, Guy Lai
Bildformat: 4:3 (2,35:1)
Sprachen: DD 5.1 Deutsch, Mono Deutsch, Kantonesisch (mit dt. UT)
Untertitel: Deutsch
Freigabe: FSK 16

Manchmal ist es schon verblüffend, wie sehr sich Filme aus den verschiedensten Teilen der Erde ähneln, sofern sie sich, was den Anspruch anbelangt, auf einem Niveau befinden. Denn was Bud Spencer und Terence Hill handlungstechnisch schon über den ein oder anderen Film hinweggeholfen hat, sollte Jackie Chan Anfang der Neunziger ebenfalls in Anspruch nehmen - eine Zwillingskomödie mit Verwechslungssituationen als dem entscheidenden komödiantischen Moment - abgedroschener geht’s nimmer. Aber selten war der Humor vortrefflicher konzipiert als hier.

Mit Ringo Lam und Tsui Hark teilen sich hier zwei erfahrene Regisseure das Werk, womit “Twin Dragons” aus einem Fundus schöpfen kann, der bereits Filme wie “Once Upon A Time in China” oder “Prison on Fire” hervorgebracht hatte. Der regietechnische Aufwand ist von der ersten Szene an spürbar. Der Film beginnt mit einem Blau-Weiss-Prolog, der stilistisch vom Restfeld abgegrenzt und zeigt, wie das Zwillings-Hauptdarstellerpaar John Ma und Boomer (zweimal Jackie Chan) kurz nach der Geburt durch einen flüchtigen Verbrecher getrennt wurde.
Man kann sich denken, wie es kurz darauf weitergeht: Beide wachsen getrennt voneinander auf, entwickeln sich vollkommen unterschiedlich, so dass der eine Konzertpianist wird und der andere Mechaniker und Bodyguard. Dann treffen sie sich durch Zufall irgendwo mal wieder und bringen ihr ganzes Umfeld durcheinander - denn der Mechaniker wird für den Pianisten gehalten und umgekehrt. Als dann noch zwei Frauen hinzukommen und sich unwissend mit dem jeweils anderen einlassen, ist das Chaos vorprogrammiert...

Inhaltlich darf man sich entsprechend dieser Kurzzusammenfassung rein gar nichts erwarten. Einmal mehr wird schlicht und einfach das äußerliche Erscheinungsmerkmal durch die Zwillingskonstellation getilgt, um so zwei völlig unterschiedliche Charaktere in eine Situation zu bringen, die eigentlich der jeweils anderen Person zugeordnet werden müsste. Diese Thematik ist so ausgelutscht wie der klebrige Stiel eines Lollys und kann kaum noch neue Facetten hinzugewinnen, mal abgesehen von dem etwas seltsamen Umstand, dass die Zwillinge so eine Art Shining-Verbindung miteinander haben, denn spielt der eine Piano, hat der andere plötzlich, während er das Auto repariert, Zuckungen an den Fingern. Und kriegt der eine gerade bei einem Kampf eins auf die Nase, fängt die Nase des anderen plötzlich an zu bluten. Diese Kuriosität soll allerdings erst im Finale so richtig einen Sinn bekommen.

Bis dahin sollte man die Sache einfach so hinnehmen, wie sie ist, und sich an der stilistischen Ausrichtung des Films erfreuen, welche die Comedy zeitweise hervorragend zur Geltung bringt. Jackie Chan ist dabei gleich doppelt in ziemlich ungewohnter Erscheinung zu sehen. Für gewöhnlich ist er der nette Kerl von nebenan oder wenigstens ein quirliger Frechdachs, der auf seine Weise Sympathien ausstrahlt. Jene Sympathien sind diesmal auf den ersten Blick nicht unbedingt gegeben. Sowohl Pianist John Ma als auch Mechaniker Boomer sind überzeichnete Figuren und damit zunächst keine authentischen Charaktere. In beiden Rollen trägt Chan unsägliche Frisuren, sein Boomer zudem eine von diesen monströsen Sonnenbrillen und obendrein wurde er in der deutschen Synchronisation mit einer Stimme belegt, die üblicherweise für seine Gegenspieler aufgehoben werden würde - bewusst übertrieben dunkel, um den Kontrast zum Zwillingsbruder zu erschaffen. Dessen Stimme und komplette äußere Erscheinung ist dabei ziemlich snobistisch angelegt, was ebenfalls nicht unbedingt ein Sympathiegarant ist. Darüber hinaus musste Jackie hier eine Figur spielen, die nicht kämpfen kann - und dies darzustellen, damit hatte er ganz offenbar Probleme, denn immer wieder schleichen sich Ansätze einer Kampfstellung ein.

Mit der Zeit jedoch wachsen dem Zuschauer diese enorm schrägen Figuren ans Herz und eröffnen ihm einen Zugang, der es erlaubt, den ganzen Humor noch lockerer aufzunehmen. Nicht, dass dieser Humor Anstrengungen bereiten würde - ganz im Gegenteil.
Zunächst wäre da auf der ersten Stufe der am stärksten verbreitete Verwechslungshumor aus der Konserve zu nennen. Der bietet nichts, was neu wäre, aber er unterhält über die gesamte Laufzeit gut und sicher. Er häuft sich speziell zu dem Zeitpunkt, als die beiden Frauen (Maggie Cheung und Nina Li Chi) ins Spiel kommen. Stets wird die Erwartungshaltung, die beide Frauen an ihre Liebsten haben, wegen deren unterschiedlicher Charaktere enttäuscht, denn wo John Ma es ruhiger angehen lässt, ist Boomer seinem Gemüt entsprechend ein Draufgänger. Während das erste Zusammentreffen der beiden Zwillinge untereinander noch enttäuschend trocken ausfällt (Nach einem kurzen Anrempeln auf dem Flughafen treffen sie sich so richtig erstmals auf der Toilette , wo sie sich verdutzt ansehen und sogleich wie selbstverständlich Schlüsse ziehen, was die jüngsten Kuriositäten betrifft - ohne sich mal richtig auszusprechen und ihre Vergangenheit zu entschlüsseln), bereitet das Versteckspiel der eingeweihten Zwillinge vor den Frauen bereits mehr Freude. Die Badesequenz ist beispielsweise mehr als absurd.

Nahezu genial wird es dann auf der zweiten Stufe. Hier spielen Tsui Hark und Ringo Lam all ihre Trümpfe aus und versetzen die Comedy mit einem auf die Filmstruktur bezogenen Unterbau. Eine Szene ist hier ganz speziell zu erwähnen. Boomer soll vor einem riesigen Publikum ein Orchester dirigieren, was er mit dem echten Dirigenten, seinem Bruder, über Funk abspricht. Der wiederum befindet sich mitten in einer Schießerei, die eigentlich für Boomer gedacht war. In einem Auto eingeklemmt, kündigt er Boomer also an, das Konzert würde ihn im Moment herzlich wenig interessieren, er solle einfach irgendwie mit den Armen herumfuchteln. Und prompt fuchtelt Boomer mit den Armen herum - und findet schnell Spaß daran, dass seine Armbewegungen stimmige Töne produzieren.
Jackie Chan lässt seinen Boomer nun also höchst amüsant und theatralisch durch die Oper hüpfen und Martial Arts-mäßig (wir bedenken: Boomer ist derjenige, der sonst kämpft) mit den Armen wedeln, und sein Orchester reagiert darauf mit einem den Bewegungen entsprechenden Spiel. Der ebenfalls von Chan gespielte John Ma hat das Auto inzwischen zum Fluchtwagen umfunktioniert und kommt dabei an den Radioknopf. Und da ertönt auch schon ausgerechnet das Konzert seines Zwillingsbruders, das den Regisseuren von nun an auch noch als Fluchtwagenmusik dient. Wenn das nicht einfach nur übergenial ist, dann weiß ich auch nicht.

Was die Action betrifft, steigert sich “Twin Dragons” wie viele seiner Artgenossen mit zunehmender Laufzeit und mündet in einem explosiven Finale, das als actiontechnischer Klimax fungiert, wenngleich es zuvor bereits den ein oder anderen sehenswerten Autostunt und ein paar nette Kampfeinlagen gegeben hat. Das Finale findet originellerweise diesmal in einer Crashtest-Dummy-Lagerhalle statt und hat erneut eine famose Idee zu bieten. Die Shining-Beziehung der Brüder wieder aufgreifend, steuert der bewegungsunfähig gemachte Boomer seinen kampfunfähigen Bruder quasi fern und lässt ihn gegen den Baddie antreten, indem er seine eigenen Extremitäten bewegt. Originalität kann man diesem Film in ausgewählten Szenen also wahrlich nicht streitig machen. Auch sonst gibt es hier nichts zu bemäkeln: Boomer-Jackie führt Kicks, Punches und Stunts aus, dass man mal wieder aus dem Staunen nicht herauskommt. So springt Jackie unter anderem aus der geöffneten Fensterscheibe einer geschlossenen Autotür hinaus und auch wieder hinein wie ein Flughörnchen.

Mit “Twin Dragons” ist also gerade, was die Comedy betrifft, ein besonderes Juwel aus dem umfangreichen Repertoire des Jackie Chan gegeben, auch wenn die Grundidee alles andere als neu ist und alleine von Spencer und Hill bereits mehrfach vorweggenommen wurde. Dennoch macht der Film Spaß, auch gerade weil er teilweise so vertrackt und verflochten ist, dass wohl selbst die Darsteller nicht immer gewusst haben, wen sie spielen und mit wem sie interagieren.
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8. Master of Death (1978)



Technische Daten
Vertrieb: Splendid
Regionalcode: 2
Laufzeit: 99:30 Min.
Regie: Lo Wei
Darsteller: Jackie Chan, James Tien, Bruce Leung Siu Lung, Wong Ping, Lee Man Tai, Wong Chi Ping, Wong Ching, Fong Ching, Lau Ming, Luk Chuen
Bildformat: 2,35:1 (nicht anamorph)
Sprachen: DD 5.1 Deutsch, Mono Deutsch, Kantonesisch (mit dt. UT)
Untertitel: Deutsch
Freigabe: FSK 16

Mit “Master of Death” aka “Red Dragon” aka “Magnificent Bodyguards” neigte sich die Ära der Lo Wei-Jackie Chan-Koproduktionen dem Ende entgegen. Lo Wei hatte die kompletten Siebziger über eher schlecht als recht versucht, Jackie Chan zum Star aufzubauen. Auf einen gemeinsamen Nenner, was die Stilausrichtung betrifft, kam man aber nie, und so war es keine große Überraschung, dass Chan erst seit “Die Schlange im Schatten des Adlers” zu seiner wahren Form fand, die er mit “Sie nannten ihn Knochenbrecher” festigte und seinen eigenen Durchbruch vorbereitete.

Dieser letzte Strohhalm Lo Weis zeigt sich demzufolge als ziemlich schräges Experiment. Es sollte mal was anderes sein, und so handelt es sich hier um den ersten 3D-Film Hongkongs - eine der vielen Eigenschaften, die den Film rückblickend rein cineastisch zu einem Desaster machen, das nur von Trashfetischisten ohne Vorbehalte genossen werden kann. Und als wäre das nicht schon genug Maßnahme, Aufmerksamkeit zu erregen, bediente sich Lo Wei in Sachen Score auch noch bei “Star Wars”, der erst ein Jahr zuvor im Kino angelaufen war. Wenn das mal nicht rotzfrech ist - Max und Moritz sind ein Dreck dagegen.

Zu tun haben wir es mit einem Martial Arts-Episodenfilm, der sich bemüht, historische Dimensionen einzubringen. Das bedeutet, wir sehen einer Gruppe von Darstellern, die mit buntem Stoff und Perücken bekleidet sind, 99 Minuten lang über die Schulter und verfolgen sie auf ihrem Weg zu einem Ziel, in dessen Verlauf frei nach “Sinbad” & Co. allerlei Gefahren auf sie warten. Ein langer Weg führt dabei über diverse kuriose Orte, darunter eine Herberge, eine Bar, ein Hinterhalt in einem Bergtal, eine Kammer voller Shaolin und Glocken, eine Grube voller Schlangen und so weiter.
Handlungstechnisch ist nicht viel zu erwarten, denn Hintergrund ist entsprechend des oben genannten Filmaufbaus schlicht und ergreifend eine Eskorte, der auch Jackie Chan angehört - sozusagen als Zweiter in der Nahrungskette, verkleidet mit einem hübschen lila Gewand, einer langhaarigen Perücke und buschigen Augenbrauen. Der Erste der Kette ist übrigens ein Kung Fu-Meister, der es liebt, seinen Gegnern die Arme abzutrennen und die Haut abzuziehen - so viel zum Gewaltgrad, der in ein, zwei Szenen (trotz dilettantischer Ausführung) nicht ohne ist und auch einen Weg in den Sprachgebrauch der Akteure gefunden hat.
Zu eskortieren ist also nun der kranke Bruder der Frau, die Jackie und die anderen Bodyguards angeheuert hat, um ihn in die Stadt zu bringen. Am Ende wird es ein paar absurde Wendungen geben, die dem Schwachsinn die Krone aufsetzen - aber so weit sind wir noch nicht.

Dem Deutschen fällt zunächst die Synchronisaton auf, die schlecht wie selten ausgefallen ist. So viele Synchronstimmen Jackie auch schon abbekommen hat, keine war je so grottig wie diese. Und nicht nur er, auch der Rest quiekt und quakt wie in einem Cartoon.
Hat einen diesbezüglich dann endlich die Gewöhnung übermannt, so kann man sich endlich aufs Wesentliche konzentrieren: den Film und seine zahllosen Schwächen. So gerät die lustige Vagabundentruppe scheinbar unverhofft von einer absurden Situation in die nächste. Die Herleitungen dieser Situationen sind meist vollkommen aus der Luft gegriffen, womit die Erzählweise klar ins Fantastische abdriftet und nicht selten die Gestalt einer dieser Geschichten annimmt, die man sich im Kreis erzählt und die jeweils vom Nachbarn weitergeführt wird, so dass sich am Ende ein nicht zusammenhängender, aber wenigstens bunt-lustiger Abenteuerquark ergibt.

In Sachen Inszenierung kommt dann wieder die 3D-Technik ins Spiel. Auch ohne 3D-Effekt ist anhand der von der Kamera eingefangenen Motive sichtbar, dass es sich hier um einen 3D-Film handelt. Felsen fallen auf die Kamera zu, der Glockenschlag bewegt sich gen Linse, die Darsteller hauen ihre Fäuste direkt ins Objektiv - und das nicht nur einmal, sondern mehrfach hintereinander. Sieht das ein- zweimal noch ganz nett aus, wird es irgendwann zur Plage, denn die Form drängt sich hier ganz klar vor den Inhalt. X-fache Wiederholungen des Glockenschlags führen den Plot nicht weiter, sondern sind ganz einfach auf den Effekt beschränkt, der nun mal außerhalb des Kinos nicht überall zu sehen ist, womit der angestrebte Effekt wegfällt.
Zudem wirkt sich dieses technische Gimmick negativ auf die deutlich eingeschränkte Kampfchoreografie aus. Die Kamera bleibt, obwohl das Gegenteil bezweckt wurde, vollkommen unkreativ, die Darsteller werden sehr schlecht eingefangen und können nicht nur deswegen keine Akzente setzen; auch sind sie gezwungen, immer wieder mit der Kamera zu interagieren, wodurch sich einfach keine flüssige Choreografie ergibt. Indem die Kamera des 3D-Effektes wegen zum Akteur wird, verfehlt sie die wichtige Aufgabe, als objektiver Beobachter um das Event herumzukreisen und sich frei zu bewegen. Wer sich also vom Namen Jackie Chan, der gewöhnlich selbst in mittelmäßigen Filmen für feinste Martial Arts-Kost steht, actionmäßig neue Wundertaten erhofft, der kommt maximal zu 25 Prozent auf seine Kosten. Chan zeigt Ansätze seines Könnens, aber nie das, was unter einem guten Regisseur möglich gewesen wäre.

Die Grundstimmung des Filmes bleibt ernst; der Humor tritt stets ungewollt in Erscheinung, wie auch Chan selbst rückblickend betonte. Offenbar war sich niemand so recht bewusst, wie dumm der ganze Plot und die darin vertretenen Ideen sind. Und das erfreut die Trashfans: Die düstere Art und Weise, mit der die schäbigen Dialoge vorgetragen werden, ist ein Spaß für Jung und Alt.

Mit einem mal wieder überlangen Abschlussfight geht dann ein Film zu Ende, der auch für Chan-Fans absolut vernachlässigungswürdig ist und in dem höchstens so manche Kuriosität zu bestaunen ist, die Freunde niederer Filmkost frohlocken lässt. “Master of Death” ist ein Desaster von einem Film und hat genau darin seinen zweifelhaft unzweifelhaften Sehwert. Ich bin sicher, als Kind hätte ich ihn an einem langweiligen Feiertag auf einem Familienfest bei Oma als Instrument zum Zeitschinden willkommen geheißen und jede Minute genossen.
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9. The Protector (1985)



Technische Daten
Vertrieb: Splendid
Regionalcode: 2
Laufzeit: 90 Min.
Regie: Jackie Chan, James Glickenhaus
Darsteller: Jackie Chan, Danny Aiello, Sandy Alexander, Victor Arnold, Kim Bass, Irene Britto, Jesse Cameron-Glickenhaus, Al Cerullo, Roy Chiao, Richard Clarke, Patrick James Clarke, Ron Dandrea, Valerie De Pena, Saun Ellis, Richard Epper
Bildformat: 1,33:1
Sprachen: DD 5.1 Deutsch, Mono Deutsch, Kantonesisch (mit dt. UT)
Untertitel: Deutsch
Freigabe: FSK 18

Nach der Enttäuschung um “Die große Keilerei” ist leider auch der zweite ernstzunehmende Abstecher des Jackie Chan in die USA wieder eine “unechte” Angelegenheit geworden. Das Ergebnis war letztendlich jedenfalls ein Film fern der Vorstellungen des Stars, der sogleich als Regisseur und Hauptdarsteller versuchte, seinen Nebenmann James Glickenhaus (“The Exterminator”) aus dem Team zu werfen und so dessen einengende Vorgaben zu umgehen. Verträge machten dem aber einen Strich durch die Rechnung, so dass “The Protector” ein für den Hauptdarsteller unzufriedenes Endresultat zur Folge hatte.

Obwohl es sich trotz des überstrapazierten Copfilm-Buddy-Action-Genres um einen streckenweise unterhaltsamen Film mit der ein oder anderen schön fotografierten Szene handelt, ist diese Unzufriedenheit deutlich spürbar und mindert den Spaß gewaltig. Angeblich hat “The Protector” Jackie Chan zu “Police Story” inspiriert, einem seiner besten Outputs überhaupt. Weshalb, kann man sich an einer Hand zusammenreimen: Potenzial war in Glickenhaus’ Konzept vorhanden, nur hat der Amerikaner entscheidende Fehler gemacht, die Hollywood bis heute nie so richtig in den Griff bekommen hat. Für “Police Story” griff sich Chan einfach das Grundkonzept und radierte alles hinaus, was seines Erachtens nicht funktionierte - ein Vorgang, den er sogar schon für einen Hongkong-Umschnitt von “The Protector” anwandte - und prompt zeigte das Ergebnis ungeahnte Qualitäten.

Die Fehler von Glickenhaus zeigen sich ganz speziell darin, wie er seinen Star in das Filmschema integriert. “The Protector” mutiert unter der Vorgabe, Jackie zum Hauptdarsteller zu machen, zu einem typischen Bastard zwischen US-Actioner (der Film spielt größtenteils in New York) und Hongkong-Film. Im Gegensatz jedoch zu “Hard Target” (wo Hongkong-Regisseur John Woo aus dem Nichts das absolute Maximum herausgeholt hat) und “The Corruptor” (wo Hongkong-Darsteller Chow Yun Fat sich mit Mark Wahlberg durch einen authentischen und stimmigen Cop-Thriller bahnte) wollen sich die Zutaten nicht miteinander vermischen. Alle Versuche, fernöstliche Elemente in den Film zu integrieren, scheitern an der engstirnigen Struktur eines amerikanischen B-Actionfilms und sind von vornherein zum Scheitern verurteilt.

Und das beginnt bei der Charakterzeichnung von Jackie Chan, der über weite Strecken ein Schatten seiner selbst ist. Glickenhaus schrieb ihm eine Rolle zu, die alle komödiantischen Ansätze im Keim erstickt - so mancher Actionfan mit Abneigung gegen Chans Lebenswerk wird diese Tatsache zugute kommen, aber Fakt ist, dass Chan durch die enorme Einengung seiner Rolle zu einem Klischee-Chinesen ohne Profil degradiert wird - die Rolle hätte in der Form jedem beliebigen Asiaten zuteil werden können, der in seiner Heimat auch nur ansatzweise mit seinen Fähigkeiten überzeugen konnte - dafür hätte es keinen Jackie Chan gebraucht, und so muss man sich nicht wundern, dass der amerikanische Markt nach “The Protector” noch immer nicht erschließen konnte, was so besonders an dem Mann sein soll, der in Hongkong ein Superstar ist.

Bezeichnend ist auch die weiterführende Einordnung dieses Charakters in den Kontext, denn typisch amerikanisch wurden die humoristischen Elemente, die gewöhnlich von Chan selbst zur Schau gestellt werden, auf einen US-Sidekick in der Tradition von James Belushi und Tom Arnold projiziert. Hier hat Glickenhaus es mit dem erfahrenen Nebendarsteller Danny Aiello allerdings noch ganz gut getroffen. Der Italoamerikaner konnte bereits 1985 auf eine lange Filmographie zurückblicken und bringt dennoch in seiner Funktion als Buddy eine gewisse Unverbrauchtheit mit sich, denn wo man in der Regel kleine, quirlige Quasselstrippen vermutet, begegnet uns hier ein hochgewachsener Kerl mit dümmlichem Charme, der alles in allem eigentlich ganz angenehm wirkt - man hätte es jedenfalls deutlich schlimmer treffen können. Die Besetzung selbst ist also unter dem Strich weniger störend als die ihr zugrundeliegende Konstellation.

Ansonsten werden sämtliche Schemata aufgeworfen, die allesamt so abgegriffen sind, wie man es sich nur vorstellen kann. So handelt Jackie zu Beginn selbstjustizfördernd auf eigene Faust, nachdem ein Gangster seinen Partner kaltgemacht hat und wird dann nach dem Action-Intro zum Polizeikommissar gebeten, der ihn dann zur Sau macht und wegen gefährlichen Handelns in der Öffentlichkeit zurückversetzt - von den Kollegen hingegen gibt es bewundernden Applaus. Dann wird dem Bösewicht auf den Zahn gefühlt, er wird verfolgt und in aller Öffentlichkeit gedemütigt, nur damit unsere beiden Cops gleich die ganze Gangsterschar gegen sich haben und in unerwarteten Situationen (etwa bei der Massage - übrigens scheinbar ein Insider, der auf eine spezielle Abneigung von Danny Aiello abzielt) plötzlich unter Beschuss stehen.

Dieses altbackene Szenario, dessen Handlungsverlauf nicht nur Propheten vorhersagen könnten, wird wenigstens hin und wieder durch ansprechende Stunts gerettet, die mitunter sehr schön gefilmt wurden. Manchmal scheint Glickenhaus sein Handwerk plötzlich zu verstehen und setzt uns Szenen vor, die an Jackies beste Zeiten in Hongkong erinnern. Das betrifft speziell die Verfolgungsjagd über die anliegenden Boote, die ein paar ansprechende Bilder zu bieten hat, auch wenn die Stunts selbst nicht unbedingt zum Herausragendsten gehören, was der kleine Chinese in seiner Karriere zu Tage gefördert hat. Die Motorradsequenz ist allerdings wunderbar eingefangen (wenngleich es ein seltsamer Zufall ist, dass das Boot ausgerechnet Kartons gelagert hat, wie sie bei Stunts verwendet werden...) und die Kameraperspektiven meist treffend gewählt.

Handlungsmotive sind dafür so gut wie nie irgendwie begründet und entstehen in den allermeisten Fällen um ihrer selbst Willen. Das betrifft beispielsweise die komplette Sequenz im Massagesalon. Auch bei Kuriositäten wie den vier nackten Frauen wird schnell deutlich, dass hier nur Schauwerte bedient werden sollen und nicht etwa kausale Handlungsfolgen geknüpft werden. In einem Actionfilm der zweiten Garde mag das grundsätzlich nicht allzu störend sein, hier fällt es aber doch manchmal negativ auf.

Ein Negativhöhepunkt ist leider ausgerechnet das höchst enttäuschende Finale. Es beginnt nach der Struktur eines klassischen Hongkong-Films in einer Lagerhalle, und als sich Chan gegen seinen Gegner aufstellt, erwartet man einen exzessiven Martial Arts-Fight gegen einen Opponenten, der sich bereits zu Beginn auf einer Party angekündigt hatte - und nach vielleicht einer Minute ist das müde Spektakel bereits beendet. Außerhalb der Halle gibt es dann noch einen zweiten Kampf, der aber ebenso kurz ausfällt und sich lieber auf den Kampfort (ein Stahlbalken mitten in der Luft) konzentriert als auf die Choreografie, die durch die vielen Weitwinkelaufnahmen vollkommen zerstört wird.

Fazit: “The Protector” ist der gescheiterte Versuch, Jackie Chan auf dem amerikanischen Markt zu etablieren. Er scheitert speziell am typischen US-Schubladendenken, das vorgibt, der neue Asiate habe gefälligst Dirty Harry nachzueifern und sein amerikanischer Buddy habe ihn mit kulturell vorgeschriebener Stand Up-Comedy zu unterstützen. Glickenhaus macht den gleichen Fehler wie unzählige seiner Landsmänner vor und nach ihm ebenfalls: Er sieht in Jackie nur eine Martial Arts-Maschine und will die körperliche Geschicklichkeit dadurch in den Vordergrund setzen, dass er die Mimik einfriert. Dass Jackie in seiner Heimat erst durch das Zusammenspiel seiner Akrobatik mit seiner Ausstrahlung berühmt geworden ist, ist an den Verantwortlichen vollkommen vorbeigegangen. Es ist die fehlende Freiheit für den Hauptdarsteller, die “The Protector” zu einem unharmonischen Gefüge aus westlichen und östlichen Elementen macht und ihm verwehrt, qualitativ mit Filmen vom Schlage des “Corruptor” gleichzuziehen.
Positiv zu vermerken sind einige gelungene Shootouts, ein paar nette Stunts, ein ordentlicher Sidekick und ein gewisser Abwechslungsreichtum, was die Handlungsorte betrifft. Das reicht zumindest noch für soliden Durchschnitt im Wert von
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« Antwort #3 am: 02. Januar 2006 um 23:28 »

10. Die Große Keilerei (1980)



Technische Daten
Vertrieb: Splendid
Regionalcode: 2
Laufzeit: 91:48 Min.
Regie: Robert Clouse
Darsteller: Jackie Chan, José Ferrer, Kristine DeBell, Mako, Ron Max, David Sheiner, Rosalind Chao, Lenny Montana, Pat E. Johnson, Mary Ellen O'Neill, H.B. Haggerty, Chao Li Chi, Joycelyne Lew, Larry Drake, Gene Rader
Bildformat: 2,35:1
Sprachen: DD 5.1 Deutsch, Mono Deutsch, Englisch (mit dt. UT)
Untertitel: Englisch
Freigabe: FSK 16

Was haben wir denn hier? Na, das ist doch ganz eindeutig eine Neuinterpretation des “King Kong”-Themas. Was? Das ist Unsinn? Dann mal aufgepasst:

Nr. 1. Kong ist ein uralter Affe, auf seiner Insel berühmt und berüchtigt, in der restlichen Welt hat man jedoch nie von ihm gehört. Jackie Chan ist in Hongkong anno 1980 bereits ein gefeierter Star mit viel Filmerfahrung, im Westen jedoch hat keiner einen Schimmer, wer dieser kleine Chinese ist, der in “Auf dem Highway ist die Hölle los” eine Minirolle abbekommen hat und dem man nun eine Hauptrolle zugeteilt hat.

Nr. 2. In “King Kong” verirrte sich ein amerikanisches Filmteam auf die unforstliche Insel “Skull Island” und stieß dort auf das Wesen, das sich auf seinem Heimateiland niemandem mehr vorstellen muss. Die Amerikaner richteten ihren Schielblick derweil in den Osten und fanden in der fremden Kultur jenen Darsteller, der vom Hörensagen her als legitimer Nachfolger Bruce Lees galt.

Nr. 3. Sich der sensationellen Körpermaße des Kong und seiner Wirkung auf die Menschen in der Heimat bewusst seiend, fing das Filmteam aus “King Kong” den Riesenaffen ein und verfrachtete ihn in die USA, um ihn dort als “Sensation” und “Weltwunder” zu verkaufen.
Sich der sensationellen Körperbeherrschung des Jackie Chan und seiner Wirkung auf die Menschen in der Heimat bewusst seiend, nahm man den Hongkong-Star unter Vertrag, um ihn in einem neuen Film als “Sensation” und “Weltwunder” zu verkaufen.

Worauf ich in diesem Zusammenhang hinauswill, ist nun nicht mehr schwer zu erraten: “The Big Brawl”, mit dem Jackie Chan sein Hauptdarsteller-Debüt in den USA feierte, versteht sich ganz klassisch als Zirkusveranstaltung nach dem Motto “Menschen, Tiere, Sensationen”. Erleben Sie den unglaublichen Schlangenmenschen aus einer fernen Welt. Sehen Sie und staunen Sie, meine Damenundherrn, welche Körperbeherrschung dieser Mensch an den Tag legt. Trrrrreten Sie ein, Erwachsene zum halben Preis und Kinder für umsonst. Erzählen Sie Ihren Kindern und Kindeskindern von dem Tag, als Sie den unglaublichen Jackie Chan kennenlernten...

Dem Filmtitel wird damit wenigstens alle Ehre gemacht - Kaum wird ein Hehl daraus gemacht, dass die “Handlung” nichts ist als ein Vorwand, die Fähigkeiten des Jackie Chan unter Beweis zu stellen. Alles, aber wirklich alles dreht sich hier um Prügeleien, Rangeleien, Kämpfe, Wettbewerbe und so weiter. Wird jemand getötet, entführt oder bedroht, dann geschieht das immer unter dem Vorwand, den quirligen Chinesen zum Kämpfen zu überreden.
Lediglich die Tatsache, dass dieser Film im Chicago der Dreißiger Jahre spielt, kann man so auslegen, dass hier versucht wurde, dem Film einen Pseudo-Mehrwert über die Kämpfe hinaus zu verleihen. Obwohl aber die Einordnung der Handlung in die Dreißiger Jahre für ebenjene keine Bedeutung hat und damit irgendwo überflüssig ist, ist es letztendlich eine glückliche Fügung, denn das historische Flair kommt durch die Kostüme und den Titel-Ohrwurm herrlich zur Geltung und macht einen nicht unerheblichen Teil des Charmes aus.

Und obwohl er nun von den Filmemachern einfach nur zur Schau gestellt wird, macht Jackie seine Sache nicht einmal schlecht - wobei er das auch ein wenig der sympathisch geschriebenen Rolle zu verdanken hat. Während der Hauptdarsteller nun zum ersten Mal seine Rolle auf englisch sprechen muss und dies durch reines phonetisches Auswendiglernen dessen tut, was sich akustisch in seinen Gehörgang drängt, stellt er für den Zuschauer zugleich uneingeschränkte Sympathien bereit. Die unbeholfene Art, die ihm deutlich anzusehen ist (fast wird man an seine erste Hongkong-Hauptrolle “Der Meister mit den gebrochenen Händen” erinnert), entfaltet tatsächlich eine Wirkung, die ungewollt sein mag, aber ihr Übriges tut, damit man sich auf die Seite des Hauptdarstellers schlägt.
Natürlich werden seine amerikanischen Gegenspieler absichtlich enorm überzeichnet, so dass man nach beträchtlich kurzer Zeit nur noch Gift und Galle übrig hat für all jene, die sich gegen den kleinen Mann stellen - und das sind nicht gerade Wenige. Sicherlich auch hervorgerufen durch die Migrationsthematik - Jackie spielt Jerry, einen in den USA aufgewachsenen Chinesen, der als kleiner Junge mit seinem Vater in den Westen übersiedelte - entwickelt sich der Plot schnell zur Underdogthematik, und Kämpfen ist die Sache, die dem Underdog Respekt zuteil werden lässt.

Der Werdegang des Jerry entpuppt sich demnach zu einem einzigen Prüfungsmarathon, der immer wieder Kämpfe in den verschiedensten Formen zur Folge hat, angefangen bei einem Stablaufspiel bis zum eigentlichen Event, dem “Big Brawl” in Texas, wo bereits der “Küsser” (einer der originellsten Kampfnamen überhaupt) wartet, dessen Fähigkeiten man bereits im Prolog begutachten konnte. Über die quantitative Seite der Action kann man sich beileibe nicht beschweren. Immer wieder sehen wir Jackie entweder bei Kämpfen oder bei Übungen. Zwischendurch wird mal der übliche Vater-Sohn-Konflikt eingeflochten (der Vater, gespielt von Mako, lebt erstaunlicherweise nach ökonomischen Idealen und hält das Kämpfen für Zeitverschwendung), ein Mädchen ist auch im Spiel, und der Onkel komplettiert das Dreigespann, das hinter unserem Jerry steht und ihn beeinflusst. Zwischen diesen wenigen zwischenmenschlichen Momenten dominieren aber wie gesagt die Fights, und die sind durchaus unterhaltsam geworden. Aber: Was die reine Choreografie betrifft, wirkt vieles leider recht unbeholfen. Jackie Chan waren hier offenbar Fesseln angelegt, so dass er sich nicht frei austoben konnte. Ein paar nette Kicks und Punches sind dabei, aber von ausgelassener Kreativität kann nicht die Rede sein. Man war offensichtlich darauf bedacht, die flinke Seite des kleinen Chinesen hervorzuheben - von der Klasse der Martial Arts, wie man sie aus seinen Heimatwerken kennt, ist dabei leider nichts zu spüren. Allerdings fehlt es da auch an den entsprechenden Gegnern - für gewöhnlich sind es hier bullenhafte Klopse, gegen die sich Jackie bewähren muss, und da ergibt sich automatisch eine ganz andere Art von Duell - siehe auch Van Dammes “The Quest”.

Letzten Endes kann man nicht behaupten, nicht unterhalten worden zu sein - “Die Große Keilerei” ist durchgängig kurzweilig und hat kaum einen Hänger. Das Dreißiger-Ambiente macht Spaß, der Plot ist nichtig und das Ganze ist wirklich eine einzige Keilerei - so, wie es der Titel verspricht. Dass Jackie Chan von seiner ersten US-Hauptrolle jedoch enttäuscht war, ist nur zu einfach nachzuvollziehen. Vom echten Jackie, von seinem Humor, seinem Charisma und seinem Wesen ist hier nicht die Bohne zu spüren. Hier sind Unmengen von ungenutztem Potenzial verborgen - weil die Amerikaner nur die Äußerlichkeiten sehen, nicht jedoch, was die eigentliche Faszination an Jackie Chan ausmacht. Genau wie beim auf die Körpergröße reduzierten “King Kong” - nur Ann Darrow hat sein wahres Wesen entdeckt. Und die Amerikaner, das sind wahrlich keine Ann Darrows...
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11. Canton Godfather (1989)



Technische Daten
Vertrieb: Splendid
Regionalcode: 2
Laufzeit: 122 Min.
Regie: Jackie Chan
Darsteller: Jackie Chan, Michael Chow Man-Kin, Anita Mui, Richard Ng, Tien Feng, Bill Tung, Dick Wei, Wei Ping Ao, Isabella Wong, Wu Ma, Yuen Biao, Lo Lieh, Jacky Cheung, Billy Lau, Gloria Yip
Bildformat: 1,33:1
Sprachen: DD 5.1 Deutsch, Mono Deutsch, Kantonesisch (mit dt. UT)
Untertitel: Deutsch
Freigabe: FSK 12

Jackie Chans Gangsterfilmkomödie “Miracles” versteht sich als Remake von Frank Capras letzter Regiearbeit “Die Unteren Zehntausend” aus dem Jahr 1961, welches wiederum eine Neuinterpretation von einem Film aus Capras Frühwerk darstellt: “Lady für einen Tag” von 1933. In allen drei Filmen geht es darum, dass eine Mutter ihrer Tochter aus einer Notlage heraus vorspielen muss, sie sei eine wohlhabende Frau, wobei sie in Wirklichkeit in ärmlichen Verhältnissen lebt. Es gilt also jeweils, eine Scheinfassade aus Glanz und Reichtum zu erstellen für die Zeit, in der die Tochter ihre Mutter besucht.

Chan, der erneut nicht nur die Hauptrolle übernahm, sondern zugleich das Drehbuch schrieb und Regie führte, betrachtet diesen Film seiner Autobiografie zufolge als seinen persönlichen Lieblingsfilm. Und es scheint wirklich Liebe gewesen zu sein; Liebe zur Geschichte, Liebe zu den Charakteren, Liebe zum Detail. Selten war ein Jackie Chan-Film so durchdacht und fein abgestimmt wie diese Huldigung an Capras Screwball-Comedy.

Aufgezogen wird die erstaunlich stimmige Story als Historienfilm der jüngeren Geschichte: Wir sind wieder mitten in den Dreißigern, womit der Kreis zu “Lady für einen Tag” wieder geschlossen wäre.
Wah Kuo (Jackie Chan) ist ein durchschnittlicher Kerl auf der Suche nach Arbeit, als er plötzlich zwischen die Fronten zweier Gangsterbanden gerät. Einem Gangsterboss kommt er mehr reflexartig als gewollt zur Hilfe. Zwar kommt für den Kopf der Bande jede Hilfe zu spät, aber kurz vor seinem Tod ernennt er den jungen Wah Kuo zu seinem rechtmäßigen Nachfolger. Vom Schicksal gnadenlos ins kalte Wasser geworfen, hat der sich nun bei seinen misstrauischen Untergebenen sowie bei seinen knallharten Geschäftspartnern zu beweisen. Doch wider Erwarten macht sich Wah Kuo in seiner Aufgabe ganz gut.
Er selbst glaubt, sein neu gewonnenes Glück der Rosenfrau zu verdanken, die ihm vor der ganzen Sache eine Rose als Glücksbringer verkaufte. Von nun an verstreicht kein Tag mehr, an dem Wah Kuo keine Rose bei ihr kauft - bis sie eines Tages mitten auf der Straße zusammenbricht. Die Nachricht hat sie ereilt, dass ihre Tochter auf dem Weg zu ihr ist, um ihren Gatten vorzustellen. An sich doch eher eine Sache der Freude - wäre da nur nicht der Umstand, dass die Mutter ihrer Tochter erzählt hat, sie sei eine wohlhabende Frau.
Prompt entschließt sich Wah Kuo, seine Macht einzusetzen, um der Rosenfrau zu helfen. Er inszeniert ein riesiges Theater, um der Tochter die Illusion zu geben, ihre Mutter sei den besten Kreisen angehörig. Doch Unvorhergesehenes wie gegnerische Banden und unzufriedene Geschäftspartner erschweren die Sachlage...

Verblüffend harmonisch fällt auf diesem Hintergrund nun zunächst die Optik aus, darüber hinaus einfach alles, was damit zu tun hat, wie das Geschehen auf Zelluloid gebannt wurde. Die Kulissen sind brillant, die Kostüme authentisch. Die Kameraarbeit ist auf Hollywood-Niveau, der Filmschnitt (welcher auch eine Nominierung bei den Hongkong Film Awards einheimsen konnte) steht dem in nichts nach, und die musikalische Untermalung von Siu Tin-Lei (“Project A”) macht den Film rein visuell-akustisch zu einer Delikatesse. Von Kompromissen ist hier also keine Spur - man wird direkt von den positiven Bezügen zur Periode der Dreißiger Jahre gefangen genommen.
Wo viele US-Filme dieser Zeit bzw. die in dieser Zeit spielen, nachvollziehbarerweise versuchen, Wirtschaftskrise und Prohibition nachzuzeichnen und die gesellschaftlichen Schrecken aufzuzeigen, wird Hongkong in diesem Film in warmen Farben dargestellt. Auch hier gibt es zwar sich bekriegende Banden, Schusswechsel und fiese Geschäfte, doch die Chan-typische Komödie entpuppt sich hier als perfekt passender Baustein, um von der tristen Seite abzusehen und die Dreißiger der Abwechslung halber in einem positiven Grundklima zu zeigen. So wird Jackie Chan am besten dem Lebenswerk des Frank Capra gerecht, dessen lebensbejahende Filme überhaupt oft ein Gegengewicht erstellen sollten für die oftmals bittere Realität - an der Spitze wohl “Ist das Leben nicht schön”, das Vorzeigewerk für ein Genre, das nichts anderes im Sinn hat.

Chans Wah Kuo ist dementsprechend auch ein grundehrlicher Charakter, dem nun überwiegend der Comedy halber plötzlich ganz neue Möglichkeiten offenstehen, die er im folgenden allesamt in guten Absichten nutzen wird. Die Macht und ihre Eigenschaft als Instrument für gute oder schlechte Zwecke wird somit zu einem der Hauptaspekte, was die Handlung betrifft. Schön ist es, wie dieser Gegenstand von Chan behandelt wird: Der Hauptfigur wirft er ein Konstrukt aus Möglichkeiten und moralischen Fallen entgegen und sieht dabei zu, wie sich die Figur durch dieses Konstrukt kämpft. Dieses Konstrukt ist sozusagen ein Neutrum, dem erst Werte angehangen werden, indem die Hauptfigur auf sie reagiert. Beginnend bei der anfänglichen Situation rund um die Schießerei zwischen den Gangsterfamilien über das Angebot des Polizeikommisars (Richard Ng, “Winners & Sinners”), mit ihm zusammenzuarbeiten, der Art und Weise, wie auf die kritischen Gangmitglieder zu reagieren ist bis hin zu der Frage, ob man der Rosenfrau bei ihrer Notlage helfen soll, und wenn ja, wie man das tut. Für Wah Kuo sind die kompletten zwei Stunden gefüllt mit Entscheidungen, die zu bewältigen sind, und durch diese Entscheidungen zeigt sich, was für ein Mensch er ist. Und dies darzustellen, war vielleicht die schwierigste Aufgabe, die Chan als Regisseur zu bewältigen hatte, die ihm durch seine penible Arbeit jedoch über weiteste Strecken gelungen ist.

Sicherlich gibt es dennoch den ein oder anderen Hänger, wie man nicht unangemerkt lassen sollte. 122 Minuten sind für einen Chan-Film bereits eine Menge Holz, und wenn man nun noch ergänzend erwähnt, dass die Action sehr kurz kommt, wird das generelle Problem deutlich: Bisweilen verheddert sich die Charakterzeichnung in den eigenen Fäden. Enorm viele Figuren werden vom Drehbuch berücksichtigt und miteinander in Kontakt gesetzt. In der Folge entstehen überproportional viele Dialogszenen, in denen man vor so mancher Länge leider nicht verschont bleibt. Oft liegt es auch daran, dass erst rückblickend klar wird, was diese oder jene Szene für den Handlungsverlauf zu bedeuten hat; dem sicherlich gut durchdachten, aber nicht immer durchsichtigen Plot kann der Zuschauer gerade zur Filmmitte hin nur selten geradeaus folgen, was sich negativ auf die Konzentration desselben auswirken kann.

Die Interaktion der Figuren miteinander in ihrer Darstellung kann jedoch nicht bemängelt werden, zumal Chan auf viel Prominenz zurückgreifen konnte, die sich glücklicherweise in bester Spielfreude zeigt. Chan selbst geht mit bestem Beispiel voran und mimt den zum Gangsterboss aufgestiegenen Normalo mit vollem Einsatz. Sein Acting ist durch und durch plausibel, was gerade in dieser speziellen Herausforderung, einen mächtigen Mann darzustellen, Gold wert ist - denn wenn man schon ausgerechnet den Kopf einer Gangsterbande zur Identifikationsperson machen will, dann sollte das auch jemand sein, in dem man sich wiederfinden kann - und dafür ist Jackie stets der Richtige.
Ansonsten steht der Rest der Crew dem in nichts nach - da hätten wir eine spielfreudige Anita Mui, einen herzlichen Bill Tung, einen fiesen Chung Hsiang Ko und einen hochnäsigen Richard Ng - selbst Mars ist neben seiner Tätigkeit als Stuntman in einer kleinen Rolle als Polizeibeamter zu sehen. Wir haben es hier also wahrhaftig mit einem “Spiel-Film” zu tun, wo das Schauspiel der Darsteller alles andere überwiegt.

So auch die Action, deren quantitativer Mangel jedoch durch formidable Qualität ausgebügelt wird. Highlights nicht nur dieses Films, sondern wohl des kompletten Filmjahres (mindestens) ist der Kampf mit der Rikscha auf dem Markt (die eine spektakuläre Rutschpartie Chans zur Folge hat) sowie ein weiteres Mal das Finale, wieder in einer Fabrik, wieder überragend, was die Choreografie und die Umsetzung betrifft - dafür gab’s dann auch den Hongkong Film Award.

Es ist eine bedeutende Erkenntnis zu ziehen für jene, die Jackie Chan nur als Kampfwiesel und Pausenclown kennen. “Miracles” beweist, dass der kleine Chinese nicht nur vor, sondern auch hinter der Kamera ein hervorragender Akteur ist, der einwandfreie Arbeit auch abseits von Kämpfen und Albernheiten abliefern kann. Rein cineastisch handelt es sich hier um Jackies zweifellos mit Abstand beste Regiearbeit, auf die er zu Recht auch ganz besonders stolz ist. Seine Neuerzählung von Frank Capras letztem Film ist, was Story, Figuren und Atmosphäre betrifft, eine rundum gelungene Adaption geworden, die sich vor niemandem verstecken muss. Kleinere Längen seien verziehen, während der Actionmangel keineswegs verziehen werden muss, denn der ist absolut treffend gewählt.
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12. Hand of Death (1976)



Technische Daten
Vertrieb: Splendid
Regionalcode: 2
Laufzeit: 92:53 Min.
Regie: John Woo
Darsteller: Tan Tao Liang, James Tien, Sammo Hung, Jackie Chan, Paul Chang Chung, John Woo, Yuen Biao, Yuen Wah, Wilson Tong, Chu Ching, Gam Kei Chu, Ko Keung, Yeung Wai
Bildformat: 1,33:1
Sprachen: DD 5.1 Deutsch, Mono Deutsch, Mandarin (mit dt. UT)
Untertitel: Deutsch
Freigabe: FSK 18

Ja, “John Woo” steht anbiedernd auf jedem Plakat, in jeder Werbezeile und auf jedem DVD-Cover der jüngeren Vergangenheit. “An Amazing Kung Fu Spectacle From The Director Of The Killer & Hard Boiled”, das wäre das einzige, was noch fehlt. Was man sich jedoch von vornherein denken kann: Es wird natürlich keine weißen Tauben geben, die mit hypnotischen Schmetterschlägen in Zeitlupe durch das Bild fliegen, und, um Gottes Willen, schon mal gar keine zweihändigen Schussduelle. “Hand of Death” ist ein thematisch urkonventioneller Kung Fu-Film mit dem klassischen Hintergrund eines Shaolin, der seinen getöteten Meister rächen will. Speziell, wenn der Film dem Ende entgegengeht, ist er auch inszenatorisch nicht mehr von seinen unzähligen Artverwandten zu unterscheiden.

Eine weitere von schlauen Marketingleuten bewegte Schachfigur neben dem Regisseur und Drehbuchautoren Woo ist der junge Jackie Chan, der hier erstmals zusammen mit Sammo Hung und Yuen Biao in einem Film auftrat. Womit John Woo mehr zufällig als gewollt einen Zweig der Hongkong-Filmgeschichte vorbereitete, denn Chan, Hung und Biao sollten später noch unzählige Erfolge miteinander feiern. Schon interessant, wenn man bedenkt, dass Chans Rolle ursprünglich für einen anderen Darsteller reserviert war, der Woo aber zu alt erschien und ihn schließlich gegen Chan ersetzte.

Obwohl “Hand of Death” nun ziemlich ordinär ausklingt und der Plotverlauf an sich keinerlei Überraschungen beinhaltet, gestaltet sich Woos frühes Werk zu Beginn wider Erwarten stilistisch doch recht speziell und individuell - freilich nicht in dem Licht, in dem man heute Woos Gesamtwerk betrachtet, aber von der trockenen, unexperimentellen Erzählweise mancher Kollegen ist er hier erfreulicherweise meilenweit entfernt. Die Art und Weise, wie einzelne Handlungsstränge aufbereitet, weitergeflechtet und teilweise im späteren Verlauf wieder aufgreift, kann den Zuschauer in Erstaunen versetzen, sofern er ohne Erwartungen, was den Stil des Gründers des “Heroic Bloodshed”-Genres betrifft, an den Film herangeht.

Ein Beispiel dafür ist die Einflechtung von Chans Charakter in den Plot. Am Weg des Hauptdarstellers Dorian Tan orientiert, tritt Chan als unterwürfiger Bauerntölpel kurzfristig in dessen Leben, begleitet ihn ein Stück und verlässt ihn wieder, nachdem er ihm eine Binsenweisheit untergejubelt hat (sinngemäß: “Es gibt zwei Arten von Leuten, die früh sterben: Leute, die neugierig sind, und Shaolin.”). Der unbedachte Eastern-Fan wird sich bei dieser Figur nichts weiter denken und sie möglicherweise schnell wieder vergessen, doch dann taucht sie wieder auf - und zeigt ein ganz anderes Gesicht.
So auch bei Chan Chung, der den Schwertmeister Zorro spielt. Dessen Vorgeschichte wird unabhängig vom Weg der Hauptfigur Yun Fei (Dorian Tan) in einer ausgiebigen Rückblende erzählt. Hier nimmt die Story Züge eines Dramas an; zwar lange nicht so intensiv und tief erzählt wie Ang Lees “Tiger & Dragon”, aber doch mitnehmend und recht emotional erleben wir das grauenvolle Schicksal des Schwertmeisters mit, der seit dem Vorfall aus der Rückblende nie wieder sein Schwert im Kampf erhoben hat. Chan Chung erschafft hier eine Figur mit ungewöhnlicher psychologischer Tiefe, wie man sie in einem Martial Arts-Film dieser Art nur selten antrifft. Seine Darstellung hat mich wirklich beeindruckt, sicherlich auch ein wenig aus dem Überraschungseffekt heraus; zu verdanken hat Chung seine darstellerischen Fähigkeiten ganz offensichtlich Woo, der sich ausreichend Zeit nimmt, diesem Kämpfer an der Seite der zentralen Figur eine Motivation zu verleihen, ihr einen Grund zu geben, sich dem nach Rache gierenden Shaolin anzuschließen. Auf eine ähnliche Art und Weise wird beim zweiten Antreffen auch Chans Figur einer Vertiefung unterzogen - die farbverfremdete Rückblende um dessen Beziehung zu seinem Bruder ist leider nicht ganz so packend wie diejenige von Chan Chung, dennoch ist auch Chan erfrischend besetzt, wobei der Speerkämpfer, den er spielt, seine Faszination vor allem daraus bezieht, dass man nicht sofort weiß, was man von ihm halten soll.

Bei dieser höchst innovativen Einführung der beiden Sidekicks ist es zu schade, dass ausgerechnet dem Hauptdarsteller zu wenig Charakterentwicklung zuteil wird. Das liegt nicht einmal an Dorian Tan selbst, der für die Hauptrolle durchaus geeignet ist, und zwar, was seine Fähigkeiten als Kämpfer und als Charakterdarsteller betrifft. Nur leider wird ihm die altbackene Story zum Verhängnis. Konnte Woo bei den Rollen von Chan und Chung noch variieren und experimentieren, was dem Ergebnis sichtlich gut getan hat, erstickt der “Räche deinen Meister”-Plot alle Ambitionen im Keim. Man kann die These vertreten, dass “Hand of Death”, würde ihm ein brillanter Hauptplot zugrunde liegen, ein Meilenstein des Martial Arts-Films hätte werden können - nur hilft die beste Art der Inszenierung nichts, wenn es der Hauptfigur in ihrer Motivation an neuen Ideen mangelt. So kann sich Dorian Tan nur durch seine Fighter-Qualitäten beweisen sowie daraus, was er schauspielerisch halt aus dem abgestandenen Quark quetschen kann. Schade - denn als Regisseur schien Woo für einen großen Film bereit zu sein - nur als Drehbuchautor war er noch sehr weit entfernt.

Und doch gefällt die Dreier-Konstellation rund um den Shaolin Yun Fei, den Schwertmeister Zorro und den Speerkämpfer Tan Feng, die sich in so erfrischender Art und Weise ergeben hatte. Die jeweils speziell ihren Waffen zugeteilten Kämpfer haben dabei ihren eindeutigen Sehwert in der Individualität; der eine kennt sich mit dieser Waffe aus, der andere mit einer anderen. Das ist ein Muster, das später in US-Projekten mit Anlehnung an Eastern (z.B. “Teenage Mutant Hero Turtles” oder das Videospielgenre des Beat’em’Ups mit dem Genrepionier “Street Fighter”) übernommen wurde und welches Quentin Tarantino in dem Dialog über die gescheiterte Pilotserie in “Pulp Fiction” zitierte. Auf der anderen Seite haben wir ebenfalls eine klassische Konstellation - den eigentlichen Bösewicht (wirklich nicht gerade nett: James Tien), einen ihm nahestehenden, fiesen Handlanger (Klischeeasiate mit Überbiss: Sammo Hung), und darunter eine ganze Garde von Leibwächtern (vergleichbar mit den “Foot Soldiers”), deren Leben nicht allzu viel wert ist. In den zahlreichen Kämpfen ist die Faust- und Waffengewalt daher auch relativ hoch - der Gore/Splattergehalt tendiert Genre-typisch zwar gen null, aber hin und wieder gibt es doch ein wenig Blut, gebrochene Knochen und von Lanzen durchstoßene Körper.

Wie bereits angesprochen, erfordert der unkreative Plot zugleich ein klassisches Finale, das leider keine Preise gewinnt. Diesmal am Strand wird der böse Meister-Töter vom entschlossenen Meister-Schüler in die Knie gezwungen. Der Kampf ist schön choreografiert, attraktiv zu verfolgen, aber dass es sich hier um alten Wein in neuen Kelchen handelt, bleibt nun mal nicht aus. Im Endeffekt ist John Woos “Hand of Death” leider doch nur ein gewöhnlicher Kung Fu-Film, denn alles steht und fällt mit der Haupthandlung, und diese bleibt zu gewöhnlich, um überzeugen oder gar herausragen zu können. Das ist traurig vor allem deswegen, weil Woo Ansätze seines Könnens zeigt, indem er die drei guten Kämpfer narrativ höchst anschaulich zusammenführt, einigen von ihnen Zeit zur Charaktervertiefung gibt und sogar hin und wieder optische Akzente setzt, die den späteren Meister der poetischen Bildsprache in Ansätzen erahnen lässt (in einer Sekunde wird sogar ein durchs Bild fliegender Vogel aufgenommen). Der Plot ist und bleibt aber das wichtigste Element des Films.
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Debakelvince


« Antwort #4 am: 02. Januar 2006 um 23:28 »

Die DVD-Umsetzung

Splendid gehört nicht unbedingt zu den Spitzenpublishern, was die DVD-Umsetzungen betrifft, aber wie viele kleinere Labels verstehen sie es zumindest, auch kleinere Schätze zu veröffentlichen. Im Bereich Jackie Chan sowieso führender Anbieter, wollte man mit der zwölfteiligen Jackie Chan Collection eine hochwertige, definitive Sammlung präsentieren. Einige der Filme erschienen in deutschem Raum gar erstmals auf DVD, und fast alle anderen zum ersten Mal in der ungeschnittenen Fassung. Was diesen Aspekt betrifft, hat man fast alles richtig gemacht - lediglich die FSK16-Version von "The Protector" hätte nicht unbedingt sein müssen, denn viele Käufer werden sich diese Version zulegen, unwissend, dass es auch eine 18er-Fassung gibt - das ist reines Wirtschaftsdenken.

Optisch hat man sich mit der "Limited Edition" etwas Besonderes einfallen lassen. In begrenzter Auflage gibt es die DVDs auch in einem massiven Metallschuber, der die gesamte Front umfasst, die DVD bis zur Rückseite umgreift und vorne Löcher besitzt, durch welche man den Blick auf den Filmtitel und die Collection-Nummer der dahinterliegenden Amaray-Hülle hat. Die zwölf Metallschuber sind im Metall wahrlich eine imposante Erscheinung. Negativ anzumerken ist, dass sie oben und unten offen sind (so dass die DVD durchrutschen könnte), das Metall anfällig für Fingerabdrücke ist und den Aufbewahrungsort unter Umständen mit Kratzern versieht. Außerdem sind leider alle Metallschuber vollkommen identisch . wenigstens eine Eingravur der Zahl (1-12) hätte man sich der Individualität halber gewünscht.

Wer auf den Schuber und die Limitierung auf der Rückseite der Amaray verzichten kann, sollte zur normalen Fassung greifen, denn die ist inhaltlich vollkommen identisch mit der Limited Edition. In einer kurzen Gegenüberstellung sollen nun noch Bild, Ton, Menüs und Extras der DVDs besprochen werden.

Bild

1. City Hunter  4 Narrenkappen ,5
Durch visuelle Stilmittel stark verfremdet und schwer zu beurteilen, aber wenigstens Unschärfe und Verschmutzungen trüben die Qualität
2. Dragon Lord  4 Narrenkappen ,5
Verschmutzungen halten sich in Grenzen, die Schärfe ist recht gut für das Alter, die Farben ebenfalls
3. Der Superfighter  6 Narrenkappen ,5
Rundum zufriedenstellend abgesehen von etwas blassen Farben
4. Winners & Sinners  2 Narrenkappen ,5
Extrem grobkörnig, unscharf und verschmutzt
5. Meister aller Klassen  4 Narrenkappen ,5
Die Schmutzpartikel sind sehr lästig, ansonsten aber gute Bildschärfe und Farben
6. Action Hunter  6 Narrenkappen ,5
In vielen dunklen Szenen zeigt der Kontrast Schwächen, aber wenig Unreinheiten und ordentliche Schärfe
7. Twin Dragons  2 Narrenkappen ,5
Verschmutzungen, Rauschen und Unschärfe sind an der Tagesordnung
8. Master of Death  0 Narrenkappen
Blasse Farben, Unschärfe, Pixelmatsch - ein einziger Brei, angeblich aber noch eines der besseren Bilder des Films im internationalen Vergleich
9. The Protector  4 Narrenkappen
Das Hauptmanko ist die extreme Unschärfe, ansonsten ist alles im Rahmen
10. Die Große Keilerei  4 Narrenkappen
Blasse Farben und Schmutzpartikel - was aber wenigstens zur Atmosphäre passt
11. Canton Godfather  8 Narrenkappen
Das beste Bild der Collection: Fast lupenrein, auf dem Niveau aktueller Releases, nur die Bildschärfe könnte minimal besser sein - störend ist sie aber nicht
12. Hand of Death  4 Narrenkappen
Angemessen scharf, viele Details, aber wechselnde Farben und viele Schmutzpartikel

Ton

1. City Hunter   4 Narrenkappen
Nur selten Effekte; wenn, nur über die Frontspeaker. Auf dem Schiff wird es dann etwas lauter
2. Dragon Lord   2 Narrenkappen ,5
Alles geht über den Center; Hintergrundgeräusche sind stumpf und die Stimmen lispeln leicht
3. Der Superfighter   4 Narrenkappen
Der Bass pocht hin und wieder dumpf; Hintergrundgeräusche gibt es keine
4. Winners & Sinners   4 Narrenkappen
Der 5.1-Sound kommt einfach nicht über Stereo-Niveau hinaus
5. Meister aller Klassen  4 Narrenkappen
Absoluter Standard der ganzen Collection - tonal tut's auch ein Stereofernseher. Man wird nichts verpassen
6. Action Hunter   4 Narrenkappen
Außer minimalem Bassrumpeln ist auch hier nicht viel los; ein Armutszeuignis für einen Film, der das Wort "Action" im Titel trägt
7. Twin Dragons   4 Narrenkappen
Fast alles geht über den Center, abgesehen von ein paar vereinzelten Ausflügen auf die Fronts
8. Master of Death  0 Narrenkappen ,5
Auch in Sachen Ton bietet "Master of Death" den Tiefpunkt der Collection: Die grottenschlechte Synchro wird in bester Kesselpaukenqualität präsentiert
9. The Protector  4 Narrenkappen
Die Stimmen sind deutlich; Effekte gibt es leider auch hier keine zu vermelden
10. Die Große Keilerei   2 Narrenkappen ,5
Die Stimmen aus dem Center sind klar, aber es gesellt sich auch Kracksen und Rauschen aus dem Center hinzu
11. Canton Godfather   6 Narrenkappen
Der beste Ton der Box: Es gibt tatsächlich ein paar kleinere Effekte, glasklare Stimmen und ein ansprechendes Hintergrundszenario - natürlich dennoch alles sehr gemäßigt
12. Hand of Death  4 Narrenkappen  ,5
Die Dialoge sind laut und deutlich, es gibt klare Geräusche inklusive Hintergrund (z.B. Vogelzwitschern), aber Effekte bleiben auch hier Mangelware. Die Rears haben letztendlich alle 12 Teile überstanden, ohne auch nur einen Pieps von sich zu geben.

Menüs



Die Menüs aller 12 DVDs sind einheitlich gehalten (als Beispiel dient oben die erste DVD "City Hunter"). In einem mit Farben der jeweiligen DVD gefilterten Bild sehen wir einen kurzen Ausschnitt aus dem Film - in der Regel eine Kampfszene, die dann mit einem Ton ausgeschmückt wird, an den der eigentliche Film nicht mehr herankommt. Ist der Intervall einmal beendet, friert das Bild ein.
Menüübergänge bestehen aus einem "Swichhhhh"-Geräusch und den großen Metallbuchstaben "JC", die sich verschieben. Im Extras-Menü ertönt ein Song aus dem jeweiligen Film.
Alles in allem recht charmant, schön einheitlich und absolut zufriedenstellen, wenn das Ganze auch nicht gerade vom Hocker haut.
 4 Narrenkappen ,5

Extras
Extras im eigentlichen Sinne gibt es leider nicht - nur Trailer aus dem Angebot von Splendid, aber leider nicht einmal ein einziger Trailer zu einem der zwölf Filme, die man hier erwirbt. Stattdessen bekommt man folgende Filmankündigungen zu Gesicht (in alphabetischer Reihenfolge):

Adam & Evil (2:12 Min.)
Bad Bad Things (1:53 Min.)
Darkness (2:07 Min.)
Der Feind in meinem Mann (1:39 Min.)
Dr. T and the Women (1:35 Min.)
Extreme Crisis (2:02 Min.)
Fear of the Dark (1:34 Min.)
Final Cut (2:15 Min.)
Gangs of New York (2:26 Min.)
Gen-Y Cops (1:41 Min.)
Kate & Leopold (2:27 Min.)
Mambo Italiano (2:05 Min.)
My Big Fat Greek Wedding (2:09 Min.)
Narc (2:19 Min.)
Natural City (2:12 Min.)
Net G@mes (1:47 Min.)
Once Upon a Time in a Battlefield (2:06 Min.)
Ping - allein zu Haus (3:25 Min.)
Ruby & Quentin (2:02 Min.)
Shadow of the Vampire (1:38 Min.)
Sol Goode (2:22 Min.)
The Huntress (2:42 Min.)
The Piano Player (1:31 Min.)
The Third Identity (2:27 Min.)
Traffic - Die Macht des Kartells (2:19 Min.)
Tube (2:09 Min.)
U-Boat (2:23 Min.)
Under Control (1:38 Min.)
Under Suspicion (1:49 Min.)

Zwischen vier und acht Trailern befinden sich davon gemischt auf jeder DVD. Dafür gibt's keine Punkte.
 0 Narrenkappen

Fazit
Splendid hat mit der Jackie Chan Collection eine Hongkonglastige Reise durch Chans Lebenswerk mit einigen Abstechern in die USA organisiert. Kung Fu-Filme sind ebenso dabei wie klassische Action und Comedy. Die DVD-Umsetzungen ist, was Bild, Ton und Extras betrifft, nicht immer überzeugend, aber wenigstens sind so gut wie alle Filme (abgesehen ausgerechnet von den beiden 18er-DVDs "The Protector" und "Hand of Death") erstmals ungeschnitten zu haben, und das ist die Hauptsache. Chan-Fans können damit ungehindert zuschlagen, auch wenn Klassiker wie "Drunken Master II" immer noch auf einen würdigen Release warten.

Testequipment
TV-Gerät: Tevion 4:3
DVD-Player: Pioneer XV-DV313 5.1 Komplettsystem
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Vince
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Debakelvince


« Antwort #5 am: 03. Januar 2006 um 16:56 »

*Ächz* Fertig!  Zwinkern
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deBohli
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« Antwort #6 am: 03. Januar 2006 um 17:37 »

Du spinnst ja Zwinkern
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Obsessed with the "mess" that's America


« Antwort #7 am: 03. Januar 2006 um 17:46 »

Zuviel Freizeit, was? Oder ein JC-Fetisch? Zwinkern
Respekt für die Mühe, wenn auch keiner der Filme aus meiner Sicht das Mittelmaß erreicht...
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« Antwort #8 am: 03. Januar 2006 um 19:27 »

JC ist der letzte Mist aber trotzdem  Respekt!
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Wenn du deine eigenen Sünden nicht siehst, wirst du immer glauben, dass du gut bist.
Wenn du sie aber siehst, dann können dich deine Gedanken unmöglich überreden, das du gut bist.
Es ist eine schwere Arbeit, sich selbst unablässig zu untersuchen.
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« Antwort #9 am: 03. Januar 2006 um 19:49 »

Ich glaub bei uns Narren wirfst du Perlen vor die Säue. Mr. Green Aber auch von meiner Seite ein fettes Respekt. Zwinkern Soviel Einsatz will ich auch bei liquid-love.de sehen... Zwinkern
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URL=http://www.liquid-love.de][/URL]
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Dragon


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« Antwort #10 am: 03. Januar 2006 um 20:00 »

Geschockt  Man echt der Hammer. Ausser schlafen, machst du also nur noch Reviews, sehe ich das richtig?  Zwinkern
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Vince
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Debakelvince


« Antwort #11 am: 03. Januar 2006 um 22:37 »

Ihr tut ja so, als hätte ich das an einem Tag geschrieben.  Zwinkern  Das ist mein Output der letzten Tage und Wochen, nichts weiter. So, als wenn der StS all seine Reviews in ein Topic werfen würde.
Und damit wäre auch diese Sache beantwortet:

Zitat
Soviel Einsatz will ich auch bei liquid-love.de sehen...


Die Reviews stehen alle auch schon lange bei liquid love.  Zwinkern
Nur halt ohne DVD-Besprechung. Aber die hab ich hier ja auch eher kurz abgerissen.
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StS
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Obsessed with the "mess" that's America


« Antwort #12 am: 03. Januar 2006 um 23:03 »

Hab das von Dir ja schon im anderen Forum verfolgt. Hätte aber selbst gar keinen Nerv, so viele Filme mit einem Darsteller in solch einer Zeitspanne (obwohl ich ja nicht weiß, wie groß die bei Dir wirklich war) zu schauen - schon gar nicht, wenn sie (wie bei Chan) eh fast alle gleich sind.  Zwinkern
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Debakelvince


« Antwort #13 am: 03. Januar 2006 um 23:19 »

Zitat von: "StS"
Hab das von Dir ja schon im anderen Forum verfolgt. Hätte aber selbst gar keinen Nerv, so viele Filme mit einem Darsteller in solch einer Zeitspanne (obwohl ich ja nicht weiß, wie groß die bei Dir wirklich war) zu schauen -

Ich schätze mal, die insgesamt 15 Chan-Filme (neben dieser Collection ja noch Police Story 1 & 2 und Der Meister mit den gebrochenen Händen) hab ich in knapp 3 Wochen geguckt. In der Tat hab ich jetzt erstmal genug von Jackie  Zwinkern  - aber ich hatte halt für ne gewisse Zeit nen Jackie-Flash und auch tierischen Bock auf die Filme.
Und oft ergibt sich bei mir daraus auch ne Review-Reihe - die Spencer/Hill-Box hab ich auch fast am Stück gereviewt. Ich hab sowieso den Drang "Reihen" komplett zu reviewen - als ich "Beyond Reanimator" gereviewt hatte, musste ich auch noch die ersten beiden Teile hinterherwerfen.

Zitat
schon gar nicht, wenn sie (wie bei Chan) eh fast alle gleich sind.  Zwinkern

Das hat allerdings auch ein wenig mit deinem persönlichen Desinteresse zu tun. Die Filme sind nämlich gar nicht mal so gleich. "Canton Godfather" ist beispielsweise nach cineastischen Kriterien eine erstklassige Arbeit. Nur halt vom SCHAUSPIELER Jackie Chan kann man sich keine großartigen Innovationen erwarten. Das ist in der Tat fast immer auf einem Niveau.
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StS
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Obsessed with the "mess" that's America


« Antwort #14 am: 04. Januar 2006 um 00:13 »

Zitat von: "Vince"
Ich hab sowieso den Drang "Reihen" komplett zu reviewen - als ich "Beyond Reanimator" gereviewt hatte, musste ich auch noch die ersten beiden Teile hinterherwerfen.

Sicher, das kann ich ja verstehen, aber zwischen 3 und 15 Filmen ist ja doch ein Unterschied.
Und bei mir ist das auch kein "Desinteresse" (ich kenn schließlich etliche Chan Filme), sondern "genervte Abneigung" (hauptsächlich wegen der von Dir ebenfalls festgestellten Monotonie des Herrn) im Stile von "Bollywood"...  Zwinkern ...okay, der Vergleich war nun auch zu hart - letztere Streifen sind mir einfach zu gay (nicht im "lustig" Sinne), während Chan (zumindest in US-Produktionen) noch erträglich ist.
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Vince
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Debakelvince


« Antwort #15 am: 04. Januar 2006 um 16:26 »

Zitat von: "StS"

Sicher, das kann ich ja verstehen, aber zwischen 3 und 15 Filmen ist ja doch ein Unterschied.


Schon - ich hatte das auch nicht vor, aber einmal angefangen, konnte ich nimmer aufhören.  Zwinkern  Es ist auch so, dass ich dann voll im Thema drin bin, in diesem Fall halt die ganze Biografie Chans im Kopf hatte und mir die Reviews damit von vornherein leichter fielen, als wenn ich mich jetzt vorher noch ausführlich hätte in die Thematik reinversetzen müssen.

Zitat
Und bei mir ist das auch kein "Desinteresse" (ich kenn schließlich etliche Chan Filme), sondern "genervte Abneigung" (hauptsächlich wegen der von Dir ebenfalls festgestellten Monotonie des Herrn)

Nenn es, wie du willst - beides führt dazu, dass man sich nicht konzentriert mit der Materie auseinandersetzt und damit alles gleich erscheint.  Zwinkern Meine Mudder nennt zB. Tool oder die Nine Inch Nails auch "immer der gleiche Bumm-Bumm" - und die selbst hört Schlager!  Lol!

Zitat
im Stile von "Bollywood"...  Zwinkern ...okay, der Vergleich war nun auch zu hart - letztere Streifen sind mir einfach zu gay (nicht im "lustig" Sinne), während Chan (zumindest in US-Produktionen) noch erträglich ist.

Den Teil des Satzes hast du editiert, oder? Ich hab den nämlich gestern Abend noch gelesen, war aber zu faul, mich wieder einzuloggen und zu antworten. Da wollte ich dich nämlich noch als Heide beschimpfen, weil du es wagst, meinen Jackie mit Bollywood gleichzustellen.  Teuflisch!  Zwinkern
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« Antwort #16 am: 06. Januar 2006 um 22:34 »

Während ich die anderen Reviews hier (8 mm und so) ja noch lesen muss, kenne ich die hier ja schon. Habe ja alle relativ zeitnah schon lesen dürfen und fand alle richtig gelungen, was für die Filme ja net immer zutrifft ... Geil ist der Begriff Jackie Flash, das kenne ich nur zu gut. Ich habe gerade nen Firefly Flash und habe mir die eine Staffel in der letzten Woche bereits 2,5 mal reingezogen LOL. Sucht sag ich da nur. Aber ne schöne.

Top Arbeit!

In diesem Sinne:
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« Antwort #17 am: 07. Januar 2006 um 00:28 »

Danke, Meister - und das mit Firefly ist ja wohl nur abartig - aber noch gar nix, wenn du mal n bisschen in den Heute gesehen-Container zurückblätterst. Da guckt einer (ich glaub es war daemonicus) 17 Serien PARALLEL!  Geschockt  Zwinkern
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« Antwort #18 am: 07. Januar 2006 um 07:30 »

Zitat von: "Vince"
Danke, Meister - und das mit Firefly ist ja wohl nur abartig - aber noch gar nix, wenn du mal n bisschen in den Heute gesehen-Container zurückblätterst. Da guckt einer (ich glaub es war daemonicus) 17 Serien PARALLEL!  Geschockt  Zwinkern


Ist das nicht Seghal? Ich würde, würde ich 17 Serien parallel schauen, wohl spätestens nach 10 Folgen alles durcheinander werfen.
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« Antwort #19 am: 07. Januar 2006 um 09:52 »

Zitat von: "Vince"
Danke, Meister - und das mit Firefly ist ja wohl nur abartig - aber noch gar nix, wenn du mal n bisschen in den Heute gesehen-Container zurückblätterst. Da guckt einer (ich glaub es war daemonicus) 17 Serien PARALLEL!  Geschockt  Zwinkern


Ich schau fast keine Serien. Und schon keine 17 parallel. Das ist wie Doc schon richtig schrieb der gute Seghal.  Sehr glücklich
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