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Autor Thema: Police Story I + II - Steelbook  (Gelesen 8227 mal)
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Vince
Steelbook
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Debakelvince


« am: 23. Dezember 2005 um 17:54 »

Police Story I + II - Steelbook




Technische Daten
Vertrieb: Splendid Entertainment
Regionalcode: 2
Laufzeit: 96:21 Min. / 101:51 Min.
Regie: Jackie Chan
Darsteller: Jackie Chan, John Cheung, Brigitte Lin, Maggie Cheung, Michael Chow-Man Kin, Ken Lo, Bill Tung, Chu Yuan, Wu Ma, Lam Gwok Hung, Charlie Cho Cha Lee, Ken Tong, Mars u.a.
Bildformat: 2,35:1
Sprachen: DD 1.0 Deutsch, Kantonesisch; DD 5.1 Deutsch
Untertitel: Deutsch (bei kantonesischer Tonspur nicht ausblendbar)
Freigabe: FSK 16

Police Story

Film
Wenn es eine Bebilderung dessen gäbe, was Hollywood-Produzenten nachts in einem wunderschönen Traum träumten, nachdem sie Jackie Chan für ein Großprojekt unter Vertrag genommen hätten, dann wäre das “Police Story” - die idealistische, perfekte Variante dessen, was sich US-Geldgeber erhoffen, wenn sie in den kleinen Chinesen investieren - nur, dass dieser Idealtypus für Hollywood auf ewig unerreichbar bleiben wird. Eben ein von der Traumfabrik geträumter Traum.

Es ist Jackie Chans Film. Nichts ist es mehr als das, und genau dies macht ihn zum vielleicht besten Film seiner Karriere. “Police Story” ist als Reaktion zu verstehen auf die ersten Enttäuschungen, die Chan in US-Koproduktionen machen musste. “Auf dem Highway ist die Hölle los” samt Fortsetzung; “Die Große Keilerei”; schließlich dann “The Protector”. Nichts schien Jackie wirklich zufrieden zu stellen. Also ging er einmal mehr zurück nach Hongkong und erschuf sogleich eine neue Referenz in Sachen Action und ein noch fast unverbrauchtes Subgenre, dem wie so oft mal wieder zahlreiche Plagiate folgen sollten: das des Kung-Fu-Copfilms.



Engagiert war Jackie gleich in mehreren Rollen, nämlich als Regisseur, Schauspieler, Stuntkoordinator und Kampfchoreograph. Herzblut war ebenso im Spiel wie der unbedingte Wille, einen makellosen Film abzudrehen, um die Schmach aus Übersee vergessen zu machen. Und selten wurde die nicht nur geographische, sondern auch ideologische Entfernung zwischen Hongkong und den USA deutlicher. Für das ungeschulte Auge sind vielleicht nur marginale Unterschiede zu erkennen; hier wie dort kämpft sich Jackie Chan meist albernd durch eine abgedrehte und nicht zwingend glaubwürdige Geschichte, um mit grandiosen Stunts und umwerfender Akrobatik zu überzeugen. Doch in den USA war er nie mehr als ein Mittel, ein Spezialeffekt. In Hongkong ist er das selbst bestimmende Medium, eine alles beeinflussende Kraft. Der Unterschied zwischen Mittel und Medium erscheint so klein, dabei könnte er nicht größer sein.

Alleine die spektakuläre Eingangssequenz ist ein Zeugnis der Unverfälschtheit, derer sich “Police Story” insbesondere im Original rühmen darf. Schnitt und Kamera wirken oft roh, machen teilweise den Eindruck wie Puzzleteile, die nur mit Biegen und Brechen ineinander greifen - und stellen doch rückblickend eine virtuos inszenierte Verfolgungsjagd dar. Fragmente wurden bereits von mächtigen Filmschaffenden Hollywoods als Hommage verkleidet kopiert und beweisen mit ihrer Inkonsequenz nur einmal mehr, dass dieses Original nicht durch die Maschinerie des wichtigsten Movie-Outputs der Welt verbessert werden kann - Die Perfektion liegt hier in der Fehlbarkeit.
Gerade heute, zwanzig und mehr Jahre nach seiner Entstehung, sitzen wir, verwöhnt durch aalglatte Special Effects in absoluter Perfektion, staunend und dankend im Fernsehsessel und erleben mit, wie sich unter höchster Gefahr für die beteiligten Stuntmen zwei Autos einen steilen Berghang hinunterjagen, mitten durch eine brüchige Wohnsiedlung, deren Häuser ein Zeichen in Sachen Fragilität und Kollateralschaden setzen. Missbraucht als Sprungrampen oder Tunnel, wird die Spur der zerstörerischen Fahrzeuge an dem Schutt deutlich, der sich in der Panoramaperspektive zu einer fast harmonischen Spur zusammensetzt. Weitwinkel offenbaren überall flüchtende “Anwohner”, gespielt von Stuntmen, die ihren Beruf wahrlich verstehen und teilweise nur Millimeter entfernt von den anrasenden Autos zur Seite springen.
Mittendrin Nahaufnahmen der Polizisten im Einsatz, die sich in diesem Chaos ein Schussduell mit Flüchtigen liefern, nachdem eine Polizeibesprechung zuvor die Größe des Einsatzes unter Beweis gestellt hatte. Ein Greenhorn schwitzt, zittert am ganzen Leib, als sich auf seiner weißen Hose plötzlich ein dunkler Fleck ausbreitet. Roh, unverfälscht und so nah wie möglich am Geschehen.



Dabei ist dies nur ein rundes Drittel einer fast viertelstündigen Actioneinleitung, das damit beendet wird, wie Jackie mit seinem Auto am Ende des Hangs ausrollt und gegen die Straßenplanke knallt - ohne Schnitt steigt Jackie aus, rennt auf die Kamera zu und lässt keinen Zweifel daran, dass er, der Star es ist, der sich soeben einem nicht unbedingt ungefährlichen Stunt ausgesetzt hat.
Als wäre dies noch nicht genug, verfolgt Jackie nun zu Fuß einen fahrenden Bus, nimmt Abkürzungen über Stock und Stein, um ihn in einer Kurve per quergestelltem Auto und Kanone anzuhalten. Der Crash der Gangster durch die Fensterscheibe war dabei sogar nicht einmal so geplant; ursprünglich sollten sie auf das Auto vor ihnen fallen, doch die Bremsen des Busses griffen schneller als erwartet, so dass der tiefere Fall auf die Straße erfolgte.

Das ist jedoch nicht das einzige Gesicht von “Police Story”. Genau genommen handelt es sich mit um die ausgewogenste Mischung von Action, Situationskomik, Story, Charakterzeichnung, Slapstick und Thrill, die je in einem Chan-Film zu sehen war - wo bei die Action zugegeben etwas stärker (aber nicht zu stark) dosiert ist. Gleich im Anschluss finden wir das inzwischen altbewährte Zwei-Frauen-Konzept vor, wie es später unter anderem in Filmen wie “City Hunter”, “Rumble in the Bronx”, “Mission Adler” und “Mr. Nice Guy” wieder aufgegriffen wurde. Einige Szenen rund um Jackie und die Kronzeugin in seiner Wohnung erinnern stark an die Situation aus “Bad Boys”, womit sich Michael Bay womöglich als noch größerer “Police Story”-Fan entpuppt, als man ohnehin angenommen hatte. Zwischen der Wohnung der Kronzeugin und seiner eigenen entfaltet sich ein superbes Comedy-Katz-und-Maus-Spiel, bei dem die Chemie zwischen Jackie Chan und Brigitte Lin positiv getestet wird. Die Verschmelzung mit der Stuntchoreografie in Selinas (Lin) Wohnung bei dem Angriff des maskierten Killers hätte im filminternen Vergleich vielleicht noch etwas geschickter ausfallen können, doch das ist Erbsenzählerei in Anbetracht der Tatsache, dass die Stuntchoreografie - nicht zuletzt auch kurz darauf auf dem Parkplatz - ansonsten so ausgesprochen gelungen ist und, wann immer sie nicht greift, die herrlich zänkischen Wortspiele eingreifen. In der deutschen Übersetzung hat man sich leider doch stark dem “Police Academy”-Kult unterworfen, der gerade voll im Kommen war,  indem man offenbar Chans Charakter mit Steve Guttenbergs Synchronstimme versah und ihn ständig Wörter umdrehen ließ - wahrscheinlich aus Assoziationsgründen (Police Academy > Police Story). Eine ganz spezielle Lonely-Entertainer-Szene wird Chan im Polizeibüro zuteil, wo er auf der verlassenen Polizeistation gleich vier oder fünf Telefonanrufe auf einmal annimmt und  alles durcheinander bringt.

Selbst der Plot stellt diesen exquisit gestillten Primärbedürfnissen an einen Film dieser Marke kein Bein und verleiht dem Gesamtgeschehen eine leicht zu folgende Struktur mit einem hervorragenden Spannungsbogen, dem bis zum Ende niemals wirklich die Luft ausgeht. Litten viele Filme auch unter Chans Regie an Hängern und überflüssigen Szenenfolgen, so kann man dies nun schwerlich behaupten. Zwar wird die gesamtkonzeptuelle Genialität des Drehbuchs eines Steven E. de Souza natürlich nicht erreicht, doch “Police Story” bildet nichtsdestotrotz ungeschnitten ein rundes Konstruktum. Mitunter auch mit den Komödienaspekten des Films verbunden (Das Tonband im Gerichtssaal), werden Handlungsfragmente später wieder aufgegriffen und nur selten im autarken Zustand gelassen.



Das Finale zuletzt stellt selbst den erwartungsschürenden Beginn in den Schatten und sorgte während der Dreharbeiten dafür, dass das Projekt oft “Glass Story” genannt wurde. Der Showdown findet in einem Kaufhaus statt, wo dermaßen viel Glas zu Bruch geht, dass dieser Titel nicht ganz unberechtigt ist. Man verwendete Zuckerglas mit doppelter Stärke als für gewöhnlich üblich und muss nun sagen, dass dieser zusätzliche Aufwand und vor allem das zusätzliche Risiko für die Stuntmen sich gelohnt hat. Die Glasbrüche wirken enorm realistisch und verursachen das ein oder andere Zusammenzucken des Zuschauers, wenn Chan etwa aus der Behind-The-Glass-Perspektive selbiges mit seinem Gesicht durchbricht, oder wenn Chan seinen Gegner durch eine komplette Auslage zieht und im Rückenbereich eigentlich Dutzende von Splittern stecken müssten. Der unumstrittene Höhepunkt (Chan gleitet einen Pfahl hinunter in den tieferliegenden Stock und zersplittert dabei Dutzende von Glasscheiben) wird gleich dreifach hintereinander in Zeitlupe präsentiert. Spätestens in diesen Momenten wird auch die Kompromisslosigkeit deutlich, die auch den Charakteren anhaftet. Die Figur Kevin Chan ist ein netter Kerl, eben jener “Mr. Nice Guy”, der im gleichnamigen Film persifliert wurde, scheut sich aber auch nicht davor, Geiseln zu nehmen und notfalls auf Menschen zu schießen. Die Kompromisslosigkeit zeigt sich nun nicht unbedingt in Woo-artigen Shootouts mit möglichst plastischer Darstellung von Einschusswunden, sondern vielmehr darin, dass alles, was angepackt wird, auch gleich vollkommen konsequent bleibt.

Fazit: “Police Story” ist das, was die Ausflüge in die USA hätten sein sollen: Ehrlich, authentisch, furios, adrenalinfördernd, spannend, und nicht zuletzt: ein Jackie-Chan-Produkt. In einem ausgewogenen Mix der besten Elemente aus Chans Frühwerk bildet der Cop-Actioner von 1985 die Basis für alles, was Chan selbst und unzählige Nachahmer später noch auf die Beine stellen sollten. Die intelligente Verknüpfung von Chans ursprünglichem Kung Fu Comedy-Konzept mit dem Polizei- und Actionfilm begeistert auch heute noch und ist Pflichtlektüre für jeden Eastern-Interessierten - für Fans sowieso.
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Bild
Die Bildschärfe ist speziell in Close Ups in Anbetracht des Alters (und in Anbetracht des Publishers) sehr gut ausgefallen. Die Farben sind in Ordnung, Rauschen ist kaum zu erkennen. Dass sich jedoch immer wieder Artefakte und Verschmutzungen zeigen und dass sich in weiteren Winkeln hin und wieder Nachzieheffekte, Doppelkonturen sowie Kantenunschärfe ergeben, war wohl nicht zu vermeiden. Dennoch ein Bild, das dem Alter angemessen ist.
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Ton
Für die deutsche Auswertung wurde neben der deutschen und kantonesischen Monospur (letztere ist dabei nur in Kombination mit deutschen Untertitel anwählbar) ein 5.1-Upmix erstellt, der zwiespältige Gefühle hinterlässt. Ohne Frage: der Bass donnert streckenweise, und die Rears haben gerade in Schießereien immer wieder etwas zu tun. Gerade kleinere Effekte wie das anfängliche Geschnipse eines Projektors werden auf den hinteren Kanälen hervorragend zur Geltung gebracht. Andererseits merkt man den Tontechnikern an, dass sie keine Referenz auf ihrem Gebiet sind. Die Effekte werden teils vollkommen beliebig verteilt und sind nicht immer notwendigerweise synchron mit den Geschehnissen auf dem Bildschirm bzw. sie übertreiben sie entweder maßlos (etwa bei Schlägen und Explosionen) oder unterlassen einfach die akustische Untermalung und verbleiben im Stereo-Rahmen. Dieses Ungleichgewicht ist zwar lange nicht so störend wie die Sauereien, die der Anbieter Laser Paradise schon bei so manchem Eastern-Klassiker als Upmix verkauft hat; Tontechniker aus dem Hause “Fox” & Co. Sind aber doch von einem anderen Kaliber. Ansonsten können Tonspuren und Untertitel nur aus dem Menü, nicht jedoch aus dem laufenden Film heraus gewechselt werden. Knapp:
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Menüs



Wenig atmosphärisch kommt das DVD-Menü daher: Ein simples, nicht einmal mit einem sonderlich ausgefallenen Design gesegnetes Standbild begrüßt den DVD-Käufer im Hauptmenü. Musikuntermalung ist wenigstens im Haupt- sowie im Kapitelmenü vorhanden.
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Extras
Als Bonusmaterial werden lediglich acht Trailer aus dem Splendid-Programm angeboten: “Arahan” (2:32 Min.), “The Final Cut - Dein Tod ist erst der Anfang” (2:14 Min.), “Bad Bad Things” (1:53 Min.), “Under Control” (1:38 Min.), “Muscle Heat” (1:02 Min.), “11:11 - The Gate” (2:11 Min.), “Breaking Dawn” (1:54 Min.) und “Extreme Crisis” (2:02 Min.). Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass Splendid wenigstens bei der Verpackung einen draufgesetzt hat und das “Police Pack” als ansehnliches Steelbook auf den Markt brachte, gibt es
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Police Story 2

Film
Dass es nicht bei einem Film bleiben würde, war in Anbetracht der Innovationen von Jackie Chans Geniestreich “Police Story” eigentlich klar. Am Ende hat sich aus diesem wegweisenden Brachialwerk die populärste und umfassendste Filmreihe entwickelt, an der Chan bislang teilgenommen hat - noch im Jahr 2004 wurde der jüngste Teil der Serie veröffentlicht.

Als Markenzeichen der “Police Story”-Reihe versteht sich in erster Linie die Kombination von der Körperakrobatik des Hauptdarstellers mit dem klassischen Polizeifilm nach einem beinahe westlichen Muster; die Gegner, ihr Verhalten und ihre Präsentation im Film erinnern bisweilen leicht an die Dirty Harry-Filme, und auch Jackies Charakter Kevin ist eine aufgeflockte, leicht ironisierende Variante von Dirty Harry - ein ehrbarer Mann mit Prinzipien, der, um diese einzuhalten, auch mal das Gesetz übertritt.
Im Original haben sich durch diese Kombination viele teils improvisatorische Qualitäten ergeben. Eines der qualitativen Hauptmerkmale war die unglaublich stimmige Verschmelzung der wichtigsten Elemente eines Jackie Chan-Films miteinander - man möchte fast sagen, in einer Mischung, die in ihrer Harmonie Hitchcocks Ansprüchen gerecht werden würde. Die Comedy, speziell in vielen von Chans klassischen Martial Arts-Filmen bis zum Exzess ausgereizt, wird hier angenehm dosiert, so dass niemals ein Overkill eintritt. Mag man Jackie Chan nur allzu gerne übertrieben kindlichen Humor vorwerfen, so wird dieses Argument hier erschwert.
Kombiniert wird der Humor mit der Basismischung, einem Wechselspiel aus spannungsreichem Thrill und höchst realistischer und dennoch bombastischer Action, die immer wieder mit Stunts und Martial Arts-Einlagen gewürzt wird. Wie geht das Sequel nun mit diesen Anforderungen in die zweite Runde?

Zunächst einmal handelt es sich wie schon beim ersten Teil erneut um ein Jackie Chan-Vehikel. Neben der Hauptrolle übernahm er wieder den Platz auf dem Regiestuhl und war vor allem diesmal für das Drehbuch verantwortlich. Für die Filmhandlung bedeutet dies nun folgendes: “Police Story 2" ist nicht einfach eine neue Episode mit einer eigenständigen Handlung, die nur den Hauptdarsteller und ein paar unterstützende Nebenfiguren mit dem Erstling gemein hat. Statt dessen bemühte sich Chan, das Originalskript von Edward Tang weiterzustricken und somit die Handlung des zweiten Teils mit derjenigen des ersten Teils fest zu verweben.



So stoßen wir wieder auf Gangsterboss Chee, den Detective Kevin (Chan) im ersten Teil hinter Gitter brachte. Nun ist er wieder auf freiem Fuß, weil ihm die Ärzte nur noch drei Monate geben und er den Rest seiner Zeit in Freiheit verbringen darf. Kaum aus dem Gefängnis entlassen, bedrängt er auch schon Kevin mit Morddrohungen.
Nicht zuletzt wegen seines gefährlichen Berufs gibt es auch noch ständig Probleme mit der Freundin May (Maggie Cheung), die sich nicht sicher ist, ob sie mit einem Polizisten von Kevins Schlag zusammenleben kann. So beschließt Kevin, seinen Job zu kündigen und mit May eine Zeit zu verreisen.
In letzter Sekunde kommt jedoch ein Notfall dazwischen. Seine alten Kollegen bitten Kevin um Hilfe - es gab eine Bombendrohung in einem Kaufhaus. Während Kevin mehr gezwungen als gewollt doch noch kurzfristig diesen letzten Job übernimmt, wird seine Freundin prompt entführt.

So weit also die Ausgangslage, die eine reich geschmückte, verworrene Handlung mit vielen Möglichkeiten zur möglichst weitreichenden Zerstörung bietet. So soll es dann in den folgenden 100 Minuten auch kommen.
Chan ist sichtbar bemüht, das Erfolgsrezept des Vorgängers Schritt für Schritt wieder aufzuarbeiten. Und das mag über weite Teile auch gelingen. So toppen die Actionsequenzen die des Originals im ersten Moment. Während die Action abgeht, denkt man sich innerlich, dass hier tatsächlich noch eins draufgelegt wurde. Das gilt speziell für die Fight-Sequenzen, deren Choreografie nochmals an Klasse dazugewonnen zu haben scheint, insbesondere, was die Szenen nachts im Park sowie die im Finale betreffen. Sämtliche Gegenstände, ob leicht, schwer, fest oder locker, werden scheinbar immer im richtigen Moment mit maximaler Effektivität eingesetzt und so einige wundervoll artistische und dynamische Sequenzen eingebracht. Im Finale mischen sich dann auch noch in extremem Maße Stunts ein, wenn sich die Gegner jeweils mit Schießpulver bewerfen und daraufhin Feuer fangen, oder wenn das komplette Industriegebäude mitsamt seiner Fallen und Gelegenheiten genutzt wird.



Rückblickend ergibt jedoch keine der (insgesamt natürlich dennoch hochklassigen) Actionszenen diesen Bildwert, den das Original mit der Hügelfahrt durch die Wohngegend oder der Demolierung des gläsernen Kaufhauses erreicht hatte (jene Szenen werden übrigens zu Beginn “Rocky”-like nochmals aufgefahren, um den Zuschauer daran zu erinnern, was er nun zu erwarten hat). Schlussendlich kommt es jedoch auf den momentbezogenen Unterhaltungswert an, und der ist bedingungslos in jeder Minute gegeben, offenkundig gar noch stärker als im Original, denn auch dieses Sequel fährt nach dem Motto “besser, schneller, größer” - und so ist der Action von “Police Story 2" der deutlich angehobene Aufwand anzusehen.

Der Plot entwickelt sich derweil angenehm flüssig weiter, erfreut an manchen Stellen mit zugegeben relativ leicht vorherzusagenden Wendungen und bietet immer wieder Gelegenheit für die Schlüsselaspekte, welche die Reihe zu dem machen, was sie ist. Über den Autoren Jackie Chan ist also kaum Negatives zu berichten - es hätte sicherlich alles noch etwas feiner werden können, aber im Rahmen des zu Erwartenden wird da grundsolide Arbeit geboten.
Was man nun ankreiden könnte, wäre eine fehlende Weiterentwicklung von Jackies Figur. Trotz fortfahrender Entwicklung der Beziehung zwischen ihr und Maggie Cheungs May bleibt Kevin für sich betrachtet auf einer Stelle. Das ist aber halb so wild, denn immerhin kann man dies auch positiv auslegen: Der Zuschauer bekommt die Figur, die er haben will. Im Deutschen ist er inzwischen übrigens mit seiner Standard-Prä-Hollywood-Synchronstimme ausgestattet, welche glücklicherweise das etwas nervige Verdrehen von Worten, wie im Original geschehen, merklich zurückgeschraubt hat.
Was den Humor und die Slapstick-Comedy betrifft, wurde diesmal gleich noch spärlicher dosiert, so dass einzelne Ausflüge in diesen Bereich, wie etwa Mays erneute Probleme mit ihrem Motorroller, den Betrachter erfreuen können, ohne dass dieser bereits von einem Comedy-Overkill erschlagen worden wäre. Einzig Jackies deutsche Synchronstimme verleiht dem Ganzen noch zusätzliche komödiantische Aspekte, die in der Originalversion so nicht zu finden sind. Später geht es gar an die Psyche, und hier macht sich wieder eine der Qualitäten der Reihe bemerkbar - blitzschnell kann die Stimmung umschlagen, so dass man nie vor der nächsten Szene gefeit ist. Das hält die Spannung aufrecht und vermag es, den Zuschauer bis zum Ende ohne Hänger bei der Stange zu halten.



“Police Story 2" ist also ein gelungenes und insofern typisches Sequel, als dass es ganz klar vom Potenzial des Originals zehrt, ohne einmal wirklich dessen Klasse zu erreichen. Dennoch: Was man hier zu sehen bekommt, hat unabhängig von diesem Umstand Hand und Fuß und kann ohne Einschränkung überzeugen. Explosionen, Stunts, Martial Arts in Perfektion, mit einem gut aufgelegten Jackie Chan, einer unterhaltsamen Storyfortführung und bedächtig angewandter Comedy lässt das Publikum fühlen, dass hier das Maximum herausgeholt wurde.
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Bild
Das Bild lässt sich mit dem des Originals vergleichen. Die Schärfe ist über weite Strecken angemessen, die Farben sind gut - nur mit kleineren Verschmutzungen, Nachzieheffekten und Doppelkonturen muss man wieder rechnen. Jedoch sind die Bildstärken trotz insgesamt wechselhafter Gesamtqualität diesmal minimal stärker und die Schwächen minimal schwächer, deswegen gibt es eine knappe Aufwertung.
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Ton
Wie der Vater, so der Sohn - ähm, wie das Bild, so auch der Ton: Der 5.1-Upmix wurde auch für das Sequel erstellt und offenbart die gleichen Schwächen und Stärken. Exemplarisch dafür ist die Explosion des Kaufhauses: Zunächst rummst es gewaltig, dann jedoch bleibt der Sound viel zu lange auf diesem Niveau; während der Sub noch ruckelt, geht die Explosion bereits ihrem Ende zu. Das nennt man unsensibel - Effekte gibt’s zuhauf, aber nicht immer passen sie in den Kontext.
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Menüs



Vom Menü ist dementsprechend auch nicht mehr zu erwarten. Dasselbe nochmal in rot: Standbild, Hintergrundmusik in Haupt- und Kapitelmenü - das ist die ganze Pracht und in der Konsequenz nicht notwendigerweise einstimmend auf den Hauptfilm.
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Extras
Wieder gibt es acht Trailer, die aber nicht vollkommen identisch sind mit denen der ersten Disc (teilweise jedoch schon). Zur Auswahl stehen “Arahan” (2:32 Min.), “The Final Cut - Dein Tod ist erst der Anfang” (2:14 Min.), “Once Upon a Time in a Battlefield” (2:06 Min.), “Muscle Heat” (1:02 Min.), “Adam & Evil” (2:11 Min.), “Ruby & Quentin” (2:02 Min.), “U-Boat” (2:22 Min.) und “The Third Identity” (2:27 Min.).
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Fazit
Mit dem “Police Pack” im Steelbook erwirbt man eines der wichtigsten Werke aus dem umfangreichen Fundus Jackie Chans zusammen mit seinem direkten Sequel in einer würdigen Aufmachung. Die technische Qualität der Scheiben ist mit ordentlichem Bild und durchwachsenem 5.1-Ton befriedigend, die Ausstattung mit Bonusmaterial hingegen mangelhaft. Bei einem anderen Anbieter wäre den Filmen womöglich Besseres widerfahren, aber im Rahmen der Tatsachen ist das schon eine herausragende Veröffentlichung, die man sich beruhigt ins Regal stellen kann, zumal die Hauptanforderung erfüllt wurde: Beide Filme sind ungeschnitten.
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Testequipment
TV-Gerät: Tevion 4:3
DVD-Player: Pioneer XV-DV313 5.1 Komplettsystem
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« Antwort #1 am: 23. Dezember 2005 um 18:12 »

Ebenfalls ein Monsterreview und vielleicht sollte ich doch mal einen Blick riskieren auch wenn ich den Typ net mag. Wie ist denn der aktuelle Kurs?
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Vince
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Debakelvince


« Antwort #2 am: 23. Dezember 2005 um 18:26 »

Bei amazon noch für teure 22,99€, freeman hat ihn im Saturn Regensburg für 11,90€ gekriegt, ich im Müller Aachen für 17,99€, im ofdb-Shop gibt's ihn für 16,99€. Das sind so die Preise, dioe ich momentan kenne.
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« Antwort #3 am: 23. Dezember 2005 um 19:21 »

Gewohnt feine Kritiken aus Deiner "Feder" - aber da Du ja meine Einstellung zu Jackie und seinem Schaffen kennst, werde ich trotzdem mal passen...  Zwinkern
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Vince
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Debakelvince


« Antwort #4 am: 23. Dezember 2005 um 20:56 »

Keine Sorge, das ist schon okay.  Zwinkern  Vielleicht schreib ich ja irgendwann mal wieder was, zu dem dir was einfällt - wenn meine Jackie-Phase vorbei ist (die aber wohl noch mindestens sechs Reviews umfassen wird).  Zwinkern
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« Antwort #5 am: 24. Dezember 2005 um 07:25 »

Für 11-13 EUR würde ich mir die Streifen ja mal angucken auch wenn ich schon den Flohmarkt rufen höre!
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Vince
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Debakelvince


« Antwort #6 am: 24. Dezember 2005 um 15:18 »

Jau, ich glaub auch noch nicht so richtig, dass die was für dich sind... obwohl das wirklich richtig gute Actioner sind. Mit dem von dir verabscheuten "City Hunter" übrigens gar nicht zu vergleichen.
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