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Autor Thema: Drunken Master Box  (Gelesen 26555 mal)
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Vince
Steelbook
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Debakelvince


« am: 14. September 2005 um 22:40 »

Drunken Master Box
Diese Kritik erschien auch bei www.ofdb.de




Technische Daten
Vertrieb: EuroVideo
Regionalcode: 2
Laufzeit: 81:28 Min; 86:15 Min; 81:12 Min; 79:24 Min.
Regie: Yip Wing Cho; Su Chen Ping; Hoh Mung Wa; Tong Dik
Darsteller: Simon Yuen Tsiu Tin, Leung Kar Yan, Wong Yat Lung, Suen Lam, Au Yeung Ling Lung, Ma Chin Ku, Eddy Ko, Weng Hsiao Hu, Ching Kuo Chung, Au Lap Bo, Shih Ting Ken, Shui Kwai, Siu Tak Foo, Law Hon, Sze Ma Lung, Dean Shek, Cheng Fu Hung, Su Chen Ping, Choi Wang, Man Lee Pang, Chung Wa, Hui Bat Liu, Tsang Chiu, Chu Siu Wa, Keung Hon, Seung Fung, Hung Fa Long, Hsiao Wang, Go Ming, Cliff Lok, Peter Chan Lung, Cheung Hei, Wang Han Cheng, Lau Yat Fan, Sai Gwaa Paau, Baan Yun Sang, Chow Gam Kong, Benz Kong, Pang Yun Cheung, Siu Tak Foo, Tsang Choh Lam, Yuen Miu, Lo Lieh, Lee Yi Min, Lung Tien Hsiang, Chang Hsiao-Fan, Au Lap Bo, Chang Chi Ping, Lee Man Tai, Suen Lam, Tong Dik, Wei Ping Ao, Yue Hang, Wong Chi Sang
Bildformat: 2,20:1 (4:3 Letterbox); 1,78:1 (4:3 Letterbox); 2,35:1 (4:3 Letterbox); 2,35:1 (4:3 Letterbox)
Sprachen: Deutsch Mono 1.0
Untertitel: Keine
Freigabe: FSK 12

EuroVideo veröffentlichte im Mai 2005 vier Filme der so genannten “Drunken Master”-Reihe, die sich aus inhaltlich nicht miteinander verbundenen, stilistisch aber übereinstimmenden Filmen zusammensetzt. Nachdem Jackie Chan in den Siebziger Jahren mit seinem Kung Fu Comedy-Konzept eine kleine Revolution losgetreten hatte, bildete sich eine ganze Flut von Filmen, die ein ähnliches Konzept verfolgten.
Der “Drunken Master” ist dabei ein etwas missverständlicher Begriff, denn keineswegs ist der Titel eine Garantie dafür, dass im Film ordentlich getrunken wird. Vielmehr beschreibt er einen gewissen Typus, und zwar den des alten, kauzigen und kichernden Kung Fu-Meisters.
Einen solchen stellt in zumindest drei der vier Filme Simon Yuen dar (im anderen Film Dean Shek), womit er zu ihrer einzigen verbindenden Konstante wird. Die vier Kleinjuwelen mit den etwas kuriosen Namen “Schlitzauge sei wachsam”, “Der Drunken Master schlägt wieder zu”, “Schnapsnase und Schlappohr” sowie “Saufbold und Raufbold” sollen nun im Rahmen dieses Box Sets besprochen werden.

Schlitzauge sei wachsam
1994 lieferte Jackie Chan mit “Drunken Master II” den wohl definitivsten Beitrag zum Thema “Drunken Boxing”. Der kunstvolle Umgang mit der Schwerkraft fern jeglicher Hilfsmittel begeisterte das Publikum, zumal der ins Spiel gebrachte Alkohol wie ein Katalysator für die Chan-typische Comedy wirkte. Insofern erwies sich der Film als perfekte Symbiose der einzelnen Elemente des Subgenres, das jener Jackie Chan in der Post-Bruce Lee-Periode hervorgebracht hatte.
Dies tat er nicht zuletzt durch das Prequel zu “Drunken Master II”. “Sie nannten ihn Knochenbrecher” machte Jackie Chan anno 1978 über die regionalen Breitengrade hinaus berühmt, und damit auch sein Kung-Fu-Comedy-Konzept. Schon damals mischte auch Charakterkopf Simon Yuen Siu Tin als Jackies Meister mit. Dieser Simon Yuen ist nun auch mit einer quasi identischen Rolle in einem gleichaltrigen Film von Yip Wing Cho zu finden, der in Deutschland unter dem übelst trashigen Titel “Schlitzauge sei wachsam” seine Runden macht.

Dies erklärt dann auch, weshalb EuroVideo es brachte, eine Ausbildungsszene zwischen Yuen und Chan aus “Sie nannten ihn Knochenbrecher” auf die DVD-Box der “Drunken Master”-Reihe zu setzen, obwohl der Film selbst nicht darin enthalten ist. Nur fungiert Simon Yuen als Prototyp eines Drunken Master, wie ihn selbst die jüngsten Generationen zumindest aus Prügelreihen wie “Virtua Fighter” oder “Dead or Alive” kennengelernt haben. Alt, klein, graues Haar, langer Bart, rote Schnapsnase, kichernd wie ein Schulmädchen, stets eine oder mehrere Fläschchen Wein um die Taille gebunden.
Die Tatsache, dass der Drunken Master - hier “Alte Schildkröte” genannt - unseren Hauptdarsteller - ein frecher Knirps (Wong Yat Lung) namens Wang bzw. “Schlitzauge” - und seinen Wegbegleiter “Tiger” (Leung Kar Yan) ausbildet, sollte zur Annahme verleiten, dass uns hier ein lupenreiner Drunken Boxing-Film mit viel Schnaps und Albernheiten erwartet. Aber weit gefehlt. An Albernheiten mangelt es zwar im Zuge des grenzenlosen Overactings aller Beteiligten nicht, aber was den Alkohol betrifft, sitzt man mehr oder weniger auf dem Trockenen. Das beinahe liquide Drunken Boxing wird überhaupt nicht angewandt, und der Schnaps, obwohl stets in Greifnähe des Meisters, gelangt nur zu einem einzigen Schluck in die Kehle.



Das bedeutet nun nicht, dass wir nicht mit feinster Martial Arts-Kunst verwöhnt werden. Unsere drei Hauptdarsteller jonglieren sich mit verblüffender Eleganz durch das kleine Abenteuer, was besonders beim kleinen Wong Yat Lung Erstaunen bereitet. Schließlich gerade mal höchstens 12 Jahre alt, führt er sich auf wie ein mit Aufputschdrogen aufgemischter Schimpanse, dessen Knochen aus Gummi bestehen. Da hangelt er sich wie ein nasses Handtuch mit dem Rücken über eine Stange, als hätte man ihn, Kopf an die Waden, in der Mitte entzweigeknickt, um gleich im nächsten Moment wie eine Sprungfeder aufzuhüpfen und in Kranich-Stellung zu gehen.
Welche Vorgeschichte nun dahintersteht, ist natürlich eine andere Frage. Diese Agilität erfordert viel Training, und zwangsläufig kommen einem moralische Fragen in den Sinn bezüglich der Frage, ob man so einen jungen Knirps wirklich so fordern sollte und darf. Da Lung sogar Hauptdarsteller ist und sich der Film um seine Ausbildung dreht, überträgt sich dieser moralische Aspekt auch auf die Filmhandlung: ist es sinnvoll zu zeigen, wie ein Mini-Knirps von einem zwar lustigen, aber strengen Tattergreis an seine körperlichen Grenzen geführt wird? Zugegeben, “Schildkröte” Simon Yuen geht mit seinem jungen Schüler zimperlicher um als mit Jackie Chan in “Sie nannten ihn Knochenbrecher”, der letztendlich durch sein Wassereimer-Stemmen und ähnliche Scherze sehr viel härter angepackt wurde. Dennoch ist die Art und Weise seiner Ausbildung zweifellos nahezu übereinstimmend mit der des Knochenbrechers. Auch hantiert der Knirps ganz zwanglos mit Wein herum. Allerdings sollten da selbst von deutschen Stellen mal beide Augen zugedrückt werden, was ja wohl auch geschehen ist, da die deutsche DVD (deren darauf enthaltene Fassung mir zur Besprechung vorliegt) ab 12 freigegeben ist; zumal das kleine “Schlitzauge” zu Beginn von einem wütenden Markthändler mit dem Hackebeil verfolgt wird, weil er ihn des Stehlens bezichtigt und ihm dafür die Hand abhacken will.

Neben dem Wichtelzwerg steht sein erwachsener Co-Star Leung Kar Yan etwas hilflos da, obwohl die spektakulärsten Kampfszenen auf seine Kappe gehen und er auch viel Charisma versprüht. Doch schießt der Plot hier einen Bock, denn irgendwie wird der Sinn seiner Präsenz nie so ganz klar. Mit der Lokaldame (O Yang Lin-Lung) wird ihm sogar eine Love Interest vorgesetzt, aber die ganze Sache mag sich nicht so recht entwickeln. Ansonsten hält er einfach nur als Beweis dafür her, dass die Ausbildung eines Knirpses alleine des Drunken Masters unwürdig ist. Es bedarf da schon noch eines erfahreneren Schülers, der dann eben mit einem zweiten Auszubildenden in Form von Kar Yan geboten wird. Aber rein strukturell macht seine Anwesenheit keinen Sinn. Der “Knochenbrecher” hat keinen Kollegen gebraucht, und selbst Quentin Tarantino schickt seine “Braut” in “Kill Bill” alleine zu Meister Pei Mei. Dafür entschädigt Kar Yan aber mit bester Spielfreude, wenn auch genretypisch mitunter sehr stark overactend.

Die Ausbildung als solche erweist sich allerdings als über alle Maßen unglaubwürdig. Als wir “Schlitzauge” und den “Fuchs” kennenlernen, haben sie zwar bereits eine Menge drauf, sehen aber letztendlich gegen viele Gegner doch alt aus. Einmal kurz von der “Schildkröte” ausgebildet (gefühlte Zeit: einen Tag), sind sie unbesiegbare Superschüler, die auf jeden Move die passende Antwort haben, und bedarf sie noch so viel Akrobatik. Zu lange hält sich Regisseur Yip Wing Cho in dem 80-Minüter vielleicht mit der Vorgeschichte um das Zusammenfinden der zwei Schüler und des Meisters auf, denn bevor es zur ersten Trainingseinheit kommt, ist schon viel Zeit vergangen. Will man da schnell zum alles entscheidenden Finale gegen den elegant gekleideten Gangster-Obermotz kommen, muss die Ausbildung schnell abgeschlossen werden.
Gelungen ist jedoch das Einhämmern der Trainingsreihe, die diesen Obermotz am Ende in die Knie zwingen wird. Die “Schildkröte” lehrt den “Fuchs” eine Reihe von Stilen, die wie Computerspiellevel übereinander geschichtet sind und bei denen man sich schrittweise auf die nächste Sphäre hocharbeiten muss. Die Bezeichnungen dafür sind so, wie man sie kennt: der “schlafende Mann” wird abgelöst vom “schlafenden Vogel”, dann kommt der “Affe”, die “Fee” und als Höhepunkt der “Gott”. Ganz besonders klasse: jede Sphäre wird mit einem von Echo unterlegten Urschrei abgeschlossen, der wohl irgendwie ein Gähnen darstellen soll und jenen Übergangspunkt auf die nächste Ebene markiert. Da nehmen sich Osten und Westen wohl nicht viel, denn als Spencer/Hill-Fan wird man unweigerlich an die Bud Spencer-Kopfnüsse mit dreifachem Echo erinnert. Zu bemerken ist weiterhin noch, dass “Tiger” Kar Yan, obwohl sonst mit einer ganz anderen Ausstrahlung, bei seinem Gesichtsausdruck der “schlafenden Fee” enorm an Jackie Chan erinnert.



Der Humor im Gesamten ist dann auch dementsprechend albern und dürfte nicht jedermanns Geschmack sein, aber wer das Genre mag, wird sich schnell heimisch fühlen. Die Dialoge drehen sich meist um das Angeben und Prollen. Mit Kampfeslust wird also ganz und gar nicht gegeizt. Das “Kämpfe nur, wenn es notwendig ist” scheint eine Erfindung der “Karate Kid”-Generation zu sein, denn die Chinesen, die man in diesem Film sieht, führen sich auf wie rollige Rüden - könnte man zumindest meinen, wenn sich Damen in der Nähe befinden würden, aber tatsächlich bleibt die Damen-Gesellschaft abgesehen von O Yan Lin-Lung außen vor. Zurückhaltung wird aber nicht einmal von der weisen “Schildkröte” ausgeübt, wobei diese es ob ihrer Fähigkeiten auch nicht nötig hat. Das Motto lautet jedenfalls “Offensive vor Defensive”.

Optisch fügt sich “Schlitzauge sei wachsam” nahtlos in das Bild der Zeit ein. Zu sehen bekommen wir Laubwälder, kleine Hütten, gemütliche Dörfer, Bars, Restaurants und Ausbildungstempel - eben das alte Lied. Lediglich die ersten Bilder, scheinbar eine Art Vorspann, stechen da hervor. Eingetaucht in einen fast komplett roten Hintergrund sehen wir mehrere Szenenmontagen von Trainingskämpfen der Hauptdarsteller, die dann jeweils mit einem Standbild abgeschlossen werden und schon mal eine erste Kostprobe dessen geben, was den Zuschauer in den folgenden 80 Minuten erwartet.

So ist “Shui quan guai zhao” (um mal die deutsche Übersetzung etwas auszuklammern) ein für den Genrefan leicht verdauliches Filmchen aus dem gleichen Produktionsjahr wie Chans erster “Drunken Master”. Geboten werden reichlich spektakuläre Kämpfe und ein witziges Dreigespann aus drei verschiedenen Generationen, das mit zugegeben etwas übertriebener Spiellaune glänzt. Der unausgewogene Plot kann aber keine Preise gewinnen, dafür ist die Einleitung zu lang und die Ausbildung zu kurz. Zudem bleibt der Sinn von Kar Yans Anwesenheit wohl für immer ein Geheimnis der Verantwortlichen, wenn er sich auch recht überzeugend aus der Affäre zieht. Ein Schlangenjunge und diverse komische Gesichter mit urzeitlichen Gähngeräuschen machen das zweifelhafte Sehvergnügen komplett.

Der Drunken-Master schlägt wieder zu
Schlägt denn der alte Drunken Master noch, Drunken Master noch, Drunken Master noch?
Jaaaaaaaa – er schlägt noch, er schlägt sich ganz fein. Und das, obwohl er schon so alt ist. Er ist so alt, dass er „Großvater“ genannt werden will.

Darum geht's dann auch im Film, wobei die Figur es nicht verdient hat, im Titel aufzutreten. Sie ist nur ein titelgebendes Nebenprodukt, das dem Machwerk durch die vielversprechende Bezeichnung „Drunken Master“ Zuschauer sichern will. „Kung Fu on Sale“ passt da schon besser, denn der Ansatz von Regisseur Su Chen Ping ist der, den auch im Osten der Welt immer weiter eintretenden Materialismus zu hinterfragen und dies mit der Tradition zu verbinden, die mit den Weisheiten und der Macht der allmächtigen Kung-Fu-Kampfkunst gleichgestellt ist.

Zu diesem Zweck präsentiert Ping ein Darstellertryptichon, das sich aber erst im Laufe der Zeit herauskristallisiert: Auf der obersten Stufe steht der weise Drunken Master, darunter der von Reichtum besessene Vater und darunter sein noch ungeformter Sohn, auf den nun entweder der Materialismus oder die Tradition der Kampfkunst abfärben kann. Mit dem Film wird also ein leeres Blatt beschrieben, ein leeres Blatt in Form unseres Hauptdarstellers (Sze Ma Lung).



Das ist ein vom Grundgedanken her gar nicht mal so übler Gedanke. Dafür ist der Film aber noch lange nicht gut, obwohl es ganz nett anfängt. Beinahe im Stil von „Einer, der auszog, das Fürchten zu lernen“ springt unser Sze Ma Lung grün bis an die Nasenspitze ins kalte Wasser der Freiheit und versucht, alleine zurecht zu kommen und seinen Weg zu gehen. Man glaubt hier an das Gute im Menschen, deshalb ist Lung tendenziell dazu bereit, den Weg der Tradition zu gehen... ach was, nicht tendenziell, im Eastern der 70er/80er ist das Wort „Subtilität“ unbekannt. Nennen wir das Pferd beim Namen: Lung ist urgeil darauf, endlich den bösen Buben dieser Welt eins auf die Zwölf geben zu dürfen.
So geil, wie er ist, so hilflos ist er aber auch. Und das führt uns schon zum Hauptproblem: eine Identifikationsfigur ist mit Sze Ma Lung keinesfalls gegeben. Es ist einfach nur jämmerlich, wie er sich von einer phrasendreschenden Bohnenstange (Choi Wang) verprügeln lässt oder wie er sich hilflos um das Bein eines Riesenklopses (Cheng Fu Hung) klammert. Lung stellt eine hoffnungslose Witzfigur dar, für die man eher Mitleid empfindet als ein Gefühl der Einheit. Daran ändern auch die gerade zum Ende zugegeben recht ansehnlichen Martial Arts-Häppchen nichts, die er uns serviert. Sein Helden-Faktor tendiert selbst nach erfolgreicher Ausbildung am Ende noch gegen Null. Was mich betrifft, hat er sein Flaschen-Image jedenfalls weg.

Sein Mentor, als welcher er ihn jedoch erst zum Schluss betrachtet, soll der Drunken Master sein, der aber diesmal leider nicht vom markanten Simon Yuen („Sie nannten ihn Knochenbrecher“) verkörpert wird, sondern vom etwas profilloseren, dennoch sehr erfahrenen Dean Shek. Der macht seine Aufgabe an sich nicht so schlecht, von der Präsenz des Simon Yuen ist er aber zumindest hier ein Stück weit weg. Das liegt mitunter auch am Drehbuch, denn Drunkieboy hält sich durchweg im Hintergrund. Selbst aktiv wird er kaum, sein Handeln beschränkt sich höchstens mal darauf, dass er seinen Schützling mit einem Stock „dirigiert“. Überhaupt hat unser Saufbold eine gewisse Affinität zum Sadismus, denn gerne hüpft er mal auf die Schultern von Lung und versohlt ihm mit dem Stöckchen den Hintern wie einem Pferdchen.
Das kann alles spaßig sein, ist es auch irgendwie, nur Struktur bekommt der Regisseur zum Verrecken nicht in seinen Film. Gerade der erweiterte Mittelteil rettet sich von einer belanglosen Szene zur nächsten und zeigt nur, wie Lung davon abgehalten wird, einen Job / einen Kung-Fu-Meister zu finden. Zum Schreien komisch ist die seltsame Ansammlung von Vagabunden und deren Aktivitäten. Da bietet die Truppe an, dass man einem ihrer Knochengerüste für einen Dollar so fest wie nur möglich auf den Brustkorb einhämmert – und nach dem ersten Schlag verzieht sich Knochi jammernd und quengelt: „Ich kann nicht mehr! Huiuiuuuuh!“ Die Marktschreierin, beinahe aussehend wie eine überzüchtete Perserkatze, führt die ganze Szenerie ad absurdum und lässt den Film zeitweise wie ein Kuriositätenkabinett aussehen. Zumal die Leutchen im Deutschen mit einer quietschigen Zeichentrick-Synchronisation gesegnet wurden. Der Sinn dieser Szenen muss wohl darin liegen, die Entschlossenheit Lungs aufzuzeigen, da auch Lung bei dem Verprügel-Spiel mitmacht und sich von oben genanntem Riesenklops Cheng Fu Hung mehrmals auf das Brustbein hämmern lässt. Aber irgendwie mag das nicht so recht funktionieren, denn obwohl er ganz tapfer immer wieder aufsteht, fliegt er letztendlich eben doch meterweit durch die Lüfte. Ping verfällt hier der Versuchung, Brachialstunts zu zeigen und darüber die Charakterisierung des Hauptdarstellers ins Lächerliche zu ziehen. Ein Held muss zwar Prügel einstecken können, aber seine Würde sollte er immer behalten. Und davon ist Lung in diversen Szenen meilenweit entfernt.



Apropos Prügel. Insgesamt okay, was geboten wird, aber da gibt es schon Besseres. Ganz erbärmlich sind die Zusammenschnitte der einzelnen Moves zu einer flüssigen Combo, die teilweise im Sekundentakt auftreten. Man könnte beinahe meinen, Agent Mulders Theorie über den Zeitverlust bei UFO-Entführungen würde sich bewahrheiten und sei gerade in dem Film geschehen. Andererseits gibt es durchaus ein paar kreative Ideen. Selbst die aus „Schlitzauge sei wachsam“ bekannte „Schlaftechnik“ (vielleicht auch noch aus anderen Filmen, ich bin im Genre nicht so bewandert) kommt wieder zur Anwendung, diesmal in Kombination mit der Kranich-Stellung. Allerdings ist das alles im direkten Vergleich etwas farbloser. Was vielleicht auch daran liegt, dass eine Darstellerhierarchie nur bedingt vorliegt und irgendwie jeder mal gegen jeden alt aussieht.

Kurz vor dem obligatorischen Endkampf (im atmosphärischen Wald, Let's get ready to rumble!) gibt's tatsächlich einen überaus banalen Plottwist, dramaturgisch voll im Stich gelassen und emotional vollkommen kalt lassend. Für die Grundaussage hat dieser Twist allerdings nur Gutes zu bieten, denn die Materialismus vs. Traditionalismus-Problematik wird zwar oberflächlich, aber zufriedenstellend aufgelöst. Jetzt wissen wir alle, dass Reichtum unehrenhaft ist und die Kunst des Kung-Fu als Bestandteil asiatischer Geschichte niemals mit Geld aufgewogen werden kann. Der ästhetische Aspekt der Kampfkunst steht da ein wenig im Hintergrund, was vielleicht auch erklärt, weshalb die Kampfszenen so durchschnittlich ausgefallen sind.

Vom Grundgedanken her gut gemeint, legt uns Regisseur Su Chen Ping im Endeffekt jedoch einen überaus verworrenen Martial Arts-Film vor, der sich um einen Grünschnabel dreht, welcher vor einer Abzweigung stehend sich zwischen „Böses Geld“ und „Gute Tradition“ entscheiden muss. Traurigerweise ist der Hauptdarsteller ein armes Würstchen, das sich einfach nicht zur Identifikation anbietet, und wenn man es noch so sehr versucht. Der „Drunken Master“ weist zwar einmal mehr alle Eigenschaften eines solchen auf, doch tatsächlich trinken oder das „Drunken Boxing“ ausführen sieht man ihn oder seine Schüler nie. Wer keine Mogelpackung haben will, sollte das berücksichtigen. Somit ist „Drunken Master schlägt wieder zu“ aka „Kung Fu on Sale“ gleichermaßen ansehbar wie verzichtbar.

Schnapsnase und Schlappohr
Mit wendungsreichen, ausgebufften Plots wird der klassische Martial Arts-Eastern wohl nie dienen können, auch dann nicht, wenn man sich etwas vom üblichen Ausbildungsmuster wegbewegt. Denn obwohl auf dieses auch nicht in “Schnapsnase und Schlappohr” verzichtet wurde, bemühte man sich, einen teils ernsthaften, teils aber auch comedylastigen Vendetta-Film mit vielen persönlichen und unpersönlichen Beziehungsgeflechten aufzubauen.

Der wieder mal Aufmerksamkeit erregende deutsche Titel lässt althergebrachte Albernheiten im Buddy-Format vermuten. Das ist aber ein Trugschluss: “Schnapsnase und Schlappohr” sind nicht etwa Buddies, sondern Erzfeinde, zu welchen sie durch den tragischen Tod eines jungen Bräutigams geworden sind. “Schnapsnase” ist der Drunken Master (Simon Yuen), der Henker des Bräutigams, und “Schlappohr” ist dessen Vater. Klar, dass da die Rachefetzen fliegen müssen.
Dabei sind sie beide keine Protagonisten. Diese Ehre wird einem streunenden Vagabundenpaar (Cliff Lok und Peter Chan Lung) zuteil, das als eine Art Bindeglied zwischen den beiden Feinden dient und dem wir über einen Großteil der Laufzeit bei ihrer Odyssee durch Steppen, Wälder, Dörfer und Lokale über die Schulter sehen. Die genaue Verbindung zwischen ihnen und dem Tod des Bräutigams ist mir jetzt im Nachhinein ehrlich gesagt gar nicht mehr so klar, genau wie die Umstände des Todes.



Das mag auch an einer unverträglichen Mischung aus Slapstick und Ernst liegen. Dafür ist das besagte Aufsuchen des Bräutigams durch den Drunken Master das beste Beispiel. Die Szene mag mit einer Tragödie enden, von gedrückter Stimmung ist da aber nix zu merken. Stattdessen verkleidet sich die alte Schnapsnase als Braut, um den jungen Unhold ein wenig zu verarschen. An irgendeinem Punkt fragt man sich dann ernsthaft, ob der blind ist, und zwar nicht spielerisch, so wie man einen Schiedsrichter beim Fußball der Blindheit beschuldigt, sondern wortwörtlich. Solange Simon Yuen noch einen Schleier über dem Gesicht trägt, mag man es ja noch akzeptieren, dass der Typ einen 70-Jährigen für seine Braut hält... aber mein Gott, irgendwann schaut er ihm direkt ins unverhüllte Gesicht, schrumplig und bärtig. Nun ja, jedenfalls kommt es unmittelbar darauf zur ersten Kampfchoreografie im Hochzeitsbett und dann zum besagten Tod.  Dieser ist jedoch vollkommen uneffektiv. Soll ich jetzt wirklich glauben, dass das Werfen eines Spielsteins an die Stirn zum Tod führt? Das ist jedenfalls so comedylastig inszeniert, dass man gar nicht so recht glauben mag, dass das letztendliche Resultat so endgültig ist.

Genau dies ist das Hauptproblem des Films: die Rachethematik passt eher zu Bruce Lee und lässt sich nur schwer in das neue Kung Fu Comedy-Konzept einfügen.
Im Endeffekt gibt es dann auch einen Bruch in der Filmmitte zu verzeichnen. Zu Beginn, wo noch Zeit gefressen werden muss, beschränkt man sich auf diverse Martial Arts-Episödchen von Cliff Lok und Peter Chan Lung, welche für die Story vollkommen unerheblich sind. Um Loks Figur wird vollkommen unmotiviert ein Mythos aufgebaut, dass er ein berüchtigter Kämpfer sei, deswegen in jedem Lokal freie Kost verlange und jeden Kung Fu-Lehrer locker besiegen könne. Die bruchstückhaft hintereinandergesetzten Szenen muten irgendwann an wie Sitcom-Slapstick. Wer die “Bullyparade” oder “Tramitz & Friends” kennt, der weiß so ungefähr, was einen hier erwartet. Irgendwie mischt sich sogar ein wenig Rainer Brandt mit ein, denn der Synchronisator  der berüchtigten Spencer/Hill-Dialoge war offenbar auch hier Vorbild für die zahlreichen Wortspielkuriositäten, die sich in diesem Film nicht selten um diverse Körpergerüche (bevorzugt Fürze und Käsefüße) drehen.
Was die Körperakrobatik betrifft, werden wir natürlich reichlich bedient. Cliff Lok schleppt ständig einen Bambusstab mit sich herum, der ihm dann auch zum besagten Mythos verhilft, und sein verlauster, bärtiger Weggefährte trägt stets eine geflochtene Matte bei sich, so dass der Film gut und gerne auch “Die Bambus-Brüder” hätte heißen können. Ihre Gegner sind nicht minder schräg ausgefallen: Ein Kung-Fu-Mexikaner mit Poncho und einem seltsamen Hutgestell (das im Design etwas an die Kopfbedeckungen der Blitzschleuderer aus John Carpenters “Big Trouble in Little China” erinnert) mischt ein Lokal auf, ein überheblicher Kampfschulenbesitzer fordert Lok mit seinem Brachial-Kung Fu, und ein diebischer Rockträger bezichtigt Lung selbst des Stehlens.



Der optisch auffallendste Gegner wird mit “Schlappohr” aber erst in der zweiten Hälfte vorgestellt, wo es weit weniger komisch zugeht. Schließlich muss man ja irgendwann auf den Punkt kommen, und die Rache für den Tod des eigenen Sohnes ist kein Zuckerschlecken. Trotzdem schmuggelt sich Lok erst einmal als Frau verkleidet in die Behausung von Schlappohr und sorgt wieder für kindliche Komik, bevor es schließlich zu insgesamt drei Entscheidungskämpfen kommt, bei denen der ein oder andere Teilnehmer sein Leben lässt. Auch die sind wieder in ihrer Endgültigkeit einfach nicht ernstzunehmen, wird doch dramaturgisch kein Hinweis darauf gegeben, dass es jetzt wirklich zur Sache geht. Man wähnt sich noch in der Sicherheit des Comedy-Sektors, als plötzlich der erste Kämpfer tot umfällt.
Die Kämpfe selbst sind in ihrer Choreografie einmal mehr sehr schön anzusehen, diesmal aber ungewohnt kurz, was ich jedoch nicht unbedingt negativ auslegen würde. Die Sache mit dem Nudelteig ist ganz witzig gelöst, und im vorhergehenden Fight zwischen Schnapsnase und Schlappohr wird die ganze Erhabenheit des Drunken Masters deutlich, welcher sich nicht mehr als nötig bewegt und starr, aber effektiv ist - ein angenehmer Kontrast zu den ausufernden Bewegungen aller anderen. Zwar wird wie üblich auf das eigentliche Drunken Boxing verzichtet, aber immerhin wird ab und zu mal von der Schnapsflasche Gebrauch gemacht, die an der Taille des Alten festgebunden ist.

So ist es in der Gesamtbetrachtung vielleicht gut gemeint, dass man sich mal am Rache-Plot versucht hat, jedoch hat man nicht daran gedacht, auch nur in einer Szene auf die Comedy-Inszenierung zu verzichten, so dass sich die eigentliche Rache als schlechter Witz herausstellt. Dabei ist der Slapstick im eigentlichen Sinne für Fans mal wieder sehr lecker, Simon Yuen gewohnt spaßig und der Unterhaltungswert nicht zu verachten. Ein wenig mehr Konsequenz zur einen oder anderen Seite hin wäre dennoch wünschenswert gewesen.

Saufbold und Raufbold
Wenn es um die deutsche Betitelung ausländischer Filme geht, unterliegen die Deutschen bekanntlich oft der Versuchung, Wohlklingendes zu produzieren und dafür erhebliche Sinnverfremdungen in Kauf zu nehmen. Auch “Saufbold und Raufbold” verkauft sich bestimmt  sehr gut, haut nur eben inhaltlich voll am Zentrum vorbei. Der “Saufbold” (mal wieder Simon Yuen in seiner angestammten Drunken Master-Rolle) mag noch so durchgehen, aber sein Schüler (Lee Yi Min) ist alles andere als ein “Raufbold”. Das ist schon tragische Ironie, denn während viele andere Filme aus der Zeit und aus dem Genre aggressive Darsteller zeigten, die keine Chance auf einen Kampf ausließen, machte man es sich ausgerechnet hier zur Aufgabe, zu hinterfragen, wann die Anwendung der Kung Fu-Kunst wirklich angemessen ist und wann man das Kämpfen lieber lassen sollte. Und in Deutschland stand man nun da, hatte einen wundervollen Reim auf “Saufbold”, aber inhaltlich keine wirkliche Berechtigung, ihn einzusetzen. Da man den Schüler des Drunken Master aber wohl kaum “Abstinenzbold”, “Verzichtbold” oder “Defensivbold” nennen konnte, siegte am Ende doch albern gehaltene  Ästhetik über Semantik.

Der Titel ändert aber nicht das, was es im Film zu sehen gibt. Wieder wird ein Knirps zum weisen, aber kauzigen Trunkenbold geschickt, um von ihm die große Kunst des Kämpfens zu erlernen. Überraschenderweise fällt die Philosophie diesmal aber ganz anders aus: Verwende deine Macht nur, um anderen zu helfen; nicht, um ihnen Schaden zuzufügen. Was Jackie Chan in seiner Spätphase international berühmt machte, praktiziert also auch unser Drunken Master, der alte Mann mit der Weinflasche. Diplomatie kommt an erster Stelle. Obwohl es hier mit der Bescheidenheit eines Jackie Chan noch nicht so weit ist: Lee Yi Min darf zwar nicht kämpfen, lässt aber keine Möglichkeit aus, damit zu protzen, dass sein Meister ihn einen “Kämpfer der Spitzenklasse” genannt hat - oh ja, er schreibt es sogar in fetten Buchstaben auf seinen Reisebeutel.



Der Anfang dreht sich wie schon in “Schlitzauge sei wachsam” implizit um Erziehung, was uns nach unserer westlichen Erziehung alles sehr fremd erscheint. Da schickt ein Elternpaar seinen achtjährigen Sohn zum Drunken Master aufs Land und verabschiedet sich volle zehn Jahre von ihm, nur damit er Kung Fu lernen kann. Nach den zehn Jahren kehrt der Knirps als junger Mann zurück und wird recht herzlich, aber doch sehr unspektakulär empfangen (vielleicht so, als sei er gerade eine Woche auf Mallorca gewesen... und das bei der bis zum Exzess beanspruchten Mimik und Gestik, die man sonst im Genre gewohnt ist). Noch am gleichen Tag soll er seinem Vater bei einer geschäftlichen Angelegenheit helfen, indem er seine neu gewonnenen Kampfkünste vorführt. Und was Papi da sieht, gefällt ihm nicht, so dass er Sohnemann prompt wieder zurück zum Saufbold schickt. Oooooo-kaaaaay!
Nicht unterschlagen werden darf die Tatsache, dass unser Hauptdarsteller zu dem Zeitpunkt bereits gut kämpfen kann, sein Vater nur ausgerechnet in dem Moment zu seinem Sohn hinsieht, als der die Technik “betrunkener Affe” anwendet. Und Daddy glaubt, sein Sohn wäre besoffen und könne in Wirklichkeit überhaupt kein Kung Fu. Natüüüüürlich. Liebe Drehbuchautoren. Ich bin hin und weg.

Immerhin ist dies eine der wenigen Szenen, in denen wir wirklich mal so etwas wie Drunken Boxing erleben dürfen. Die Betonung liegt auf “so etwas wie”, aber gut, man ist ja genügsam nach den von diesem Stil vollkommen befreiten so genannten “Drunken Master”-Filmen “Schlitzauge sei wachsam”, “Der Drunken Master schlägt wieder zu” und “Schnapsnase und Schlappohr”. Simon Yuen bedient uns sogar in einer Szene mit diversen Moves und Techniken, wie sie die Spieleentwickler von “Virtua Fighter” ihrem Charakter Shun-Di eingeflößt haben, inspiriert aus diesem oder einem anderen Film. Die Fights gehören in der Breite überhaupt definitiv zum oberen Drittel und stoßen in Einzelfällen auch in die Spitze. Einer dieser Einzelfälle ist der Kampf von Lee Yi Min gegen drei Speerkämpfer. Einzig problematisch in dieser Hinsicht ist die fehlende Qualität der Gegner. Der Meister der Gegenfraktion ist ein altes Klappergestell, Yi Mins ultimativer Endgegner mag zwar technisch was drauf haben, ist ansonsten aber recht ausdruckslos und weit von der optischen Kuriosität eines “Schlappohr” (“Schnapsnase und Schlappohr”) entfernt.

Im Mittelteil wird dem Hauptdarsteller zugunsten der Comedy in einer Kneipe ein Sidekick zur Seite gestellt, eine knabenhafte junge Frau, die dann auch prompt darauf konzipiert ist, als Mann durch die Landschaft zu düsen und ihre freche Schnauze gegen die Bösewichte einzusetzen. Das mag mal was anderes sein, ist aber unter dem Strich doch sehr unmotiviert. Warum gibt sie beispielsweise vor, ein Mann zu sein? Wie hilft ihr das weiter? Zumal man ihr den Mann trotz allem nie abkauft; als jemand mit “er” auf sie hinweist, stutzt man mit den Ohren. Darüber hinaus mag sie als Sidekick nie so recht etwas zur Story beitragen können, höchstens mal zum Dialoganteil - als Plappermaul im Hintergrund.

Aber mein Gott, was soll’s denn, das ist ein Martial Arts-Film, da muss mit anderem Maß gemessen werden. Definitiv ist der Film besser durchstrukturiert als einige Kollegen; die Kämpfe tauchen in angenehmen Zyklen auf, haben die richtige Länge, die Darstellerhierarchie ist logisch und die Austragungsorte abwechslungsreich. In der Hinsicht kann Tong Diks Streifen durchaus überzeugen. Gewürzt werden zudem gerade die Kämpfe mit hin und wieder richtig einfallsreichen Kameraeinstellungen. So beobachtet die Kamera einen Kampf im Wald aus dem Hintergrund, springt an den Fight heran und wieder zurück, während man Lee Yi Min bei seiner “betrunkener Affe”-Technik durch die Augen sehen und mitschwanken kann. Der Vorspann nimmt derweil spezifische Szenen aus dem Film vorweg und unterlegt sie mit Cast & Crew-Informationen.



Hauptdarsteller Yi Min mutet zwar auf den ersten Blick an wie eine Jackie Chan-Kopie, entwickelt aber mit der Zeit seinen eigenen Stil und kann sich zu einem halbwegs sympathischen Darsteller mausern. Simon Yuen spielt ganz routiniert seine Palette ab, allerdings ist sein Buckel, den man ihm gerade bei der Präsentation der “Todeskralle” deutlich sichtbar verpasst hat, sehr gewöhnungsbedürftig. Sehr lustig ist es übrigens, dass Yuen in den zehn Jahren der Ausbildung  entgegen seinem Schüler kein bisschen gealtert ist.

“Saufbold und Raufbold” ist daher letztendlich doch noch einer der besseren “Drunken Master”-Filme, da das, worauf es ankommt, unter dem Strich richtig gemacht wurde. Die Fights sind mehr als zufriedenstellend, die Filmstruktur ist ausgewogen und die Protagonisten sind gut drauf.  Es gibt zwar vieles zu bemängeln, aber das sind Sachen, die für das Genre kaum von Belang sind.
Also dann, im Sinne der deutschen Verballhornung von Filmtiteln:
Let’s sauf & rauf!

Filme gesamt:
 6 Narrenkappen

Bild
Vorweg: Von der Technik der vier Silberlinge darf man sich im Gesamten keine Wundertaten erwarten, die auch nur annähernd in den Bereich dessen kämen, was die DVD zu leisten vermag. Betrachtet man das Alter dieser Eastern und ihr Genre, so sind folgende Erkenntnisse schon im Voraus abzusehen: Das Bild aller vier Filme ist durchgehend verschmutzt, unscharf, streckenweise verrauscht und grobkörnig sowie mit blassen Farben versehen. Gerade in Totalen verschwimmen die Grenzen der Gegenstände und Personen teilweise zu Farbklumpen. Allerdings hört sich das alles nun schlimmer an, als es tatsächlich ist, denn ansehbar ohne Augenschmerzen bleibt doch alles, und die Verschmutzung kann man auch als Authentizität betrachten. Immer positiv denken!
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Ton
Machen wir’s kurz. Angeboten wird eine deutsche Monospur - sonst nichts. Von Effekten müssen wir überhaupt nicht reden. Ansonsten mischt sich Flackern unter, während die Stimmen ruhig klarer über den Center kommen dürften. Verstehen kann man alles, das war’s aber auch schon.
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Menüs




Die Menüs sind zwar extrem simpel, aber immerhin enorm nostalgisch. Aus dem Center ertönen chinesische Klischeemusik und chinesische Klischee-Kampfschreie. Ach, herrlich! Das Menü besteht aus sich bewegenden Farbklecksen, die bei Schärfeneinstellung zwei miteinander kämpfende Klischee-Chinesen zeigen würden. Bei der Auswahl wird es einem leicht gemacht: Kapitelauswahl oder Filmstart.
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Extras
Extras? Sicher, wenn man darunter auch die Kapitelunterteilung versteht.
Zur Ehre von EuroVideo ist allerdings anzumerken, dass man sich zumindest bei der Verpackung Mühe gemacht hat. Der stabile Pappschuber mit teilweisem Glanzeffekt kann sich sehen lassen, und die vier optisch aneinander angepassten Slim Cases sehen nebeneinandergereiht auch ganz schön fesch aus.
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Fazit
Wer mit dem Frühwerk Jackie Chans etwas anfangen konnte und nichts gegen die genretypische kindliche Komik hat, der darf ruhig einen Blick wagen und wird mit vier sehr unterhaltsamen Rohdiamanten der Kung Fu-Comedy-Welle belohnt. Schematisch laufen alle vier Filme ziemlich gleich ab, was aber kaum stört, solange man nur genug Martial Arts serviert bekommt. Und das ist der Fall. Die “Drunken Master”-Reihe ist aus heutiger Sicht als Ausgleich zu den CGI-Kampfspektakeln zu betrachten und zeigt der effekteverwöhnten Matrix-Generation, was wirkliche Körperakrobatik ist. Bei dem moderaten Preis der Box sollte man sich weder von der miesen DVD-Technik abschrecken lassen, noch von den fehlenden Extras, noch von der Tatsache, dass die Filme zum Teil geschnitten sind. Sie sind gut so, wie sie sind.
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Testequipment
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dÆmonicus
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Dragon


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« Antwort #1 am: 14. September 2005 um 22:50 »

Man deine Reviews erschlagen einen ja. Aber da ich masochistisch veranlagt bin, mach ruhig weiter.  Zwinkern



 Respekt!
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Vince
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Debakelvince


« Antwort #2 am: 14. September 2005 um 23:11 »

Kannst dir das Ding ja in vier Schichten reinziehen. Jeden Tag ein Film. Mr. Green

Aber hier noch ein Kurzreview für die, die nicht alles durchlesen wollen:
Filme Verwundert: : Guuuuuut. :!:
DVD Verwundert: : Schleeeecht. :!:
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Taran-tino
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« Antwort #3 am: 14. September 2005 um 23:16 »

Da hat einer aber wieder Zeit gehabt. Zwinkern  Hut ab, wollte die Box mir auch mal kaufen, aber das hat sich wohl erledigt.
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Vince
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Debakelvince


« Antwort #4 am: 14. September 2005 um 23:29 »

Zitat von: "Taran-tino"
Da hat einer aber wieder Zeit gehabt. Zwinkern  Hut ab, wollte die Box mir auch mal kaufen, aber das hat sich wohl erledigt.

Wieso, ist dir die Box technisch zu schlapp? Für 15-20€ lohnt die sich trotzdem, bei solchen Filmen fällt das ja nicht so ins Gewicht. Und dass sie (laut ofdb) z.T. gekürzt ist, finde ich in dem Fall auch nicht so dramatisch. Bei "Ong-Bak" ziehe ich die geschnittene sogar vor, weil der Dialogteil da für die Tonne ist.
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kaiserfranz
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« Antwort #5 am: 14. September 2005 um 23:56 »

Geschockt Erneut ein Hammerteil! Hast dir wieder extrem viel Mühe gegeben und wieder ne einwandfreie Arbeit abgeliefert, auch wenn mir das Genre eigentlich nicht so zusagt. Da waren die Simpsons schon eher mein Ding. Zwinkern

Gruss
kaiserfranz
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Debakelvince


« Antwort #6 am: 15. September 2005 um 00:07 »

Zitat von: "kaiserfranz"
Geschockt Erneut ein Hammerteil! Hast dir wieder extrem viel Mühe gegeben und wieder ne einwandfreie Arbeit abgeliefert, auch wenn mir das Genre eigentlich nicht so zusagt. Da waren die Simpsons schon eher mein Ding. Zwinkern

Tja, man muss ja vielseitig bleiben. Aber keine Sorge, Simpsons Season 2 kommt bestimmt! Zwinkern
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Hannibal
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« Antwort #7 am: 15. September 2005 um 17:43 »

Geschockt Du bist der Grand Canyon unter den Reviewern Zwinkern
Genial Sehr glücklich

MFG
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nai
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« Antwort #8 am: 15. September 2005 um 22:51 »

Ich nenne die Box auch mein eigen und finde die Qualität garnichtmal soo schlecht. Im Gegenteil, ich war sogar positiv überrascht. Das Preis/Leistungsverhältnis stimmt einfach! Und die Filme sind einfach geil...
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Vince
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Debakelvince


« Antwort #9 am: 15. September 2005 um 23:04 »

Also ich muss noch mal betonen, dass meine Bild/Tonbewertungen keine Referenzen sind. Dazu fehlt mir einfach das Equipment. Auf meinem Bildschirm hab ich eben ziemlich viele Verschmutzungen und sonstige Bildbeeinträchtigungen gesehen, und beim Sound kann man ja nun mal nicht viel erwarten bei Mono.
Die Filme selbst fand ich auch sehr unterhaltsam, aber es war mir auch wichtig, die definitiv vorhandenen Schwächen aufzuzeigen, die nun mal ganz einfach vorhanden sind.
Und dass das Preis-Leistungs-Verhältnis okay ist, da hoffe ich doch, dass das aus meinem Fazit hervorgegangen ist. Ich bereue jedenfalls keinen Cent, den ich für die Box ausgegeben habe. Man muss einfach gucken, bei welchen Filmen man auch auf die technische Qualität der Scheiben pfeifen kann, und diese Filme hier gehören eben auch dazu.
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