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Autor Thema: Multi-Facial  (Gelesen 106 mal)
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StS
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Obsessed with the "mess" that's America


« am: 10. November 2019 um 14:06 »



Entstehungsdaten:
USA 1995

Regie:
Vin Diesel

Darsteller:
Vin Diesel
Lewis Steidl
Cara Gaffen
Phillip Jones

Clip


Bei "Multi-Facial" haben wir es mit einem Kurzfilm aus dem Jahr 1995 zutun, der mit Vin Diesel in der Hauptrolle aufwartet sowie von dem heutigen Action-Star obendrein gar produziert, verfasst und in Szene gesetzt wurde: Ein autobiographisches Debüt, in dessen Konzeption und Verwirklichung er eine Menge Frust über bestimmte Erfahrungen und Erlebnisse im Rahmen seiner Jobsuche als Schauspieler mit gemischt-ethnischer Herkunft hat einfließen lassen. In den frühen '90ern, nachdem er das staatliche Hunter College in New York abgebrochen hatte, war Diesel (Geburtsname: Mark Sinclair) nach Hollywood gereist, um dort eine Karriere "vor der Kamera" in Angriff zu nehmen – u.a. da er zuvor als Theater-Darsteller ein bestärkendes Maß an Zuspruch erhalten hatte. Als es ihm über mehrere Monate hinweg jedoch nicht gelang, gecastet zu werden, kehrte er ernüchtert in seine Heimatstadt zurück – wo ihm seine Mutter Rick Schmidt´s Buch "Feature Filmmaking at Used-Car Prices" schenkte, welches ihn dazu ermutigte und anregte, seine Ziele auf aktive Weise eigenständiger anzugehen…

Im Folgenden schrieb er das Skript für ein urbanes Drama mit dem Titel "Strays" – konnte aufgrund seiner fehlenden Bekanntheit und Connections die für eine Realisierung notwendige Finanzierung allerdings nicht zusammenbekommen. Um jene Begebenheiten möglichst zu ändern, brachte er stattdessen relativ spontan (innerhalb einer Woche) die Vorlage des hier nun zur Besprechung vorliegenden, ohne Abspann knapp 19-minütigen Werks "zu Papier" und drehte jenes dann für rund 3000 Dollar binnen drei Tagen ab. In der Zeit abermals erkeimende Zweifel an dem von ihm Angestrebten schaffte er hauptsächlich dank der beherzten Unterstützung seiner Familie zu überwinden – und spätestens als er das Geschaffene im renommierten "Anthology Film Archives Center" in Manhattan präsentieren durfte sowie das Feedback überaus positiv ausfiel, wähnte er sich "auf dem richtigen Weg". Eine Vorführung auf dem Festival in Cannes avancierte ebenfalls zu einem Erfolg – worauf er sich erneut "Strays" zuwandte und damit schließlich auf'm "Sundance" in Park City, Utah Anfang 1997 Weltpremiere feierte…

In "Multi-Facial" verkörpert Diesel Mike, welcher unmittelbar zu Beginn eine Anekdote darüber erzählt, wie er mit seiner Freundin mal ein Restaurant besucht sowie im Verlauf einem nahebei sitzenden Mann eine runtergehauen hatte, der offenbar mit ihr flirtete. Wenig später hatte sich jedoch herausgestellt, dass jener homosexuell war – was ihm prompt leid tat und ihn dazu veranlasste, kurzerhand auch seine Begleiterin zu schlagen, da der von ihm registrierte "Blickkontakt" unter den Umständen ja von ihr ausgegangen sein musste. Gemeldet hätte sie sich seither nicht mehr bei ihm, wundert er sich dabei noch. Ein klischeehafter (profaner, hitziger, muskulöser, tätowierter) "Guido", dieser Mike, denkt man sich – bevor ein Kamera-Schwenk preisgibt, dass es sich bei der Situation in Wahrheit um ein Vorsprechen für eine Rolle handelt. Nicht wirklich zufrieden verlässt er das Gebäude und ruft seinen Manager an, von dem er den Text zum Vortragen erhalten hatte, und berichtet ihm von seiner Sorge, dass ihn der Inhalt des Monologs in einem "schlechten Licht" dastehen lassen würde… 

Der beschriebene Einstieg ist ein ziemlich cleverer: Das Publikum weiß noch nichts über Mike – entwickelt jedoch rasch ein "Bild" von seiner Person und wird stracks davon überrascht, dass das wiederum bloß eine von ihm gespielte Rolle ist (komplett mit Abzieh-Tattoo und unechtem italienischen Akzent). Simultan ist es allerdings auch Diesel, der in Gestalt seiner Performance auf Anhieb die Beachtung des Zuschauers gewinnen möchte: Er selbst will beeindrucken und Interesse für sich erwecken – was ihm auf diese Weise durchaus einträglich gelingt. Angrenzend die gesamte Laufzeit Schrägstrich Story des "Shorts" besteht aus verschiedenen Auditions, die Mike besucht: Bei einer sagt man ihm bereits im Wartezimmer, dass er nicht dunkelhäutig genug für den Part sei – einem anderen Casting-Director schwebt eher ein "Wesley-Snipes-Typ" vor. Mal ist es sein Gebaren – mal das Äußere (u.a. hat Mike eine Glatze – man hätte aber gern jemanden mit Dreads). Als Latino könnte er durchgehen – doch leider spricht er kein spanisch. Es ist ein frustrierender, zermürbender Prozess, den viele in der Branche nur allzu gut kennen…

Der Titel "Multi-Facial" ist natürlich ein auf den Begriff "Multi-Racial" beruhendes Wortspiel. Selbst wenn man vielseitig ist, muss man das von den Entscheidungsfällern Gewünschte im richtigen Augenblick parat haben – ist (neben dem eigenen Können) überdies von Vorgaben und persönlichen Vorstellungen abhängig. Manchmal stimmt die "Chemie", ein spezieller "Faktor" oder ein gewisses "Mischverhältnis" (etwa in dem Sinne, sich eher forsch oder doch besser zurückhaltend zu geben) nicht – die Herausforderungen und emotionalen Belastungen sind zahlreich. In einer Szene beschwert sich eine Berufs-Kollegin Mikes darüber, dass sie immerzu als "Blondchen" abgestempelt wird. Als eine Kellnerin ihre Kaffee-Order aufnimmt, bestellt sie ihn "nicht zu hell und nicht zu dunkel" – was Mike hintergründig-grüblerisch schmunzeln lässt. Diesel´s Drehbuch mutet ähnlich "ungeschliffen" wie seine Regie an – doch steuert das alles (inklusive einiger netter Details sowie der ordentlich getroffenen "Balance" aus ernsten und ins Amüsante tendierenden Momenten) im Ganzen mit zum unleugbaren "Charme" des Werks bei…

Gegen Ende probiert es Mike bei einem Termin mit einer intimen, prägnanten Geschichte aus seiner Kindheit: Damals hatte er sich eine Aufführung des Theaterstücks "A Raisin in the Sun" angesehen – einem Drama-Klassiker, in welchem sein Vater auftrat und dessen Darbietung ihn sehr beeindruckte. Im Anschluss daran war er lange der Überzeugung gewesen, jener wollte ihn dazu animieren, ein bedeutsamer schwarzer Schauspieler zu werden. Erst nach seinem Tod ist ihm aber klar geworden, dass sich sein Vater keineswegs von ihm erhoffte, ein "schwarzer Schauspieler" zu sein: Er wollte, dass Mike einfach nur ein Schauspieler wird. Emotional hat Diesel auch da die grundlegende Botschaft ansprechend mit eingebunden: Chapeau! In mimischer Hinsicht erlauben ihm die unterschiedlich gearteten Auditions (mit ihren Mono- und Dialogen sowie gar einer Rap-Einlage), seine Wandelbarkeit und "Bandbreite" unter Beweis zu stellen – und das wahrhaft Anerkennung gebührend: Der Mann hat eindeutig Talent. Schade, dass sich das bei seiner Projekt-Auswahl heutzutage nur noch bedingt registrieren lässt…

"Multi-Facial" ist nicht bloß ein "Werbe-Video" eines damals unbekannten, auf sich aufmerksam machen wollenden Arbeitsuchenden – sondern zugleich ein erfreulich "unaufdringlicher", inspiriert durchdachter, unterhaltsamer kleiner "Short", der u.a. Steven Spielberg mit dazu bewog, Diesel extra eine Rolle in "Saving Private Ryan" hineinzuschreiben, von wo aus an seine Karriere bekanntermaßen ja "durchstartete". An eine bestimmte Sache, die mir ein Stück weit "ironisch" vorkam, musste ich beim Ansehen jedoch unweigerlich denken: Mike argumentiert wiederholt, dass es "Größen" wie Poitier oder Pacino (dessen "Tony-Montana-Stil" er an einer Stelle imitiert) nicht nötig gehabt hätten, Werbespots oder Soaps zu drehen – sie es mit ihrem Können so weit gebracht hätten, ohne sich "unter Wert zu verkaufen". Nunja, dank Veröffentlichungen wie den drei in dieser Kritik genannten (plus z.B. "Boiler Room" und "Find me guilty") wissen wir, dass Diesel eigentlich zu "mehr" imstande ist, als meist nur in eher "dum(m)pfen" Streifen wie jene der "Pitch Black"-, "xXx"- und "the Fast and the Furious"-Reihen mitzuwirken…

starke
7 Narrenkappen


« Letzte Änderung: 10. November 2019 um 14:29 von StS » Gespeichert

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