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Autor Thema: All Superheroes must die  (Gelesen 399 mal)
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StS
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Obsessed with the "mess" that's America


« am: 20. Oktober 2019 um 16:23 »



Entstehungsdaten:
USA 2011

Regie:
Jason Trost

Darsteller:
Jason Trost
Lucas Till
James Remar
Sophie Merkley
Lee Valmassy
Sean Whalen
Nick Principe

Trailer

Ursprünglich unter dem Titel "Vs" konzipiert, handelt es sich bei "All Superheroes must die" (2011) um einen Low-Budget-"Indie" von Drehbuchautor, Produzent, Editor, Regisseur und Hauptdarsteller Jason Trost ("the FP"), den er für gerade einmal 20.000 Dollar realisierte und welcher schließlich auf dem "Toronto After Dark"-Festival seine Weltpremiere feierte. Das zugrunde liegende Skript hatte er binnen weniger Tage verfasst – bevor es dann für knapp zwei Wochen in seiner Heimatgemeinde Frazier Park (Kalifornien) "vor die Kameras" ging: Eine ziemliche Herausforderung für ein durchaus ambitioniertes Projekt dieser "kleinen Größenordnung", welche Trost jedoch (unabhängig der letztlichen Qualität des Geschaffenen) u.a. dank seines beherzten Einsatzes, einer effektiven Planung sowie der Mitwirkung verschiedener Personen aus seinem Bekanntenkreis zu meistern vermochte…  

Das "Story-Kerngerüst" des Streifens ist ein überaus reizvolles: Eines Nachts erwachen vier "Superhelden" aus einer erlittenen Bewusstlosigkeit in einer scheinbar verlassenen Stadt – jeweils mit einer Injektionswunde am Handgelenk sowie ohne jeder Erinnerung, wie er oder sie dorthin gekommen ist. Das Schlimmste ist jedoch: Sie befinden sich nicht mehr im Besitz ihrer "besonderen Kräfte"! Der Mangel an Kontext-Infos führt dazu, dass sich das Publikum im Rahmen dieses Einstiegs quasi selbst so "desorientiert" wie die betreffenden "Kostüm-Träger" vorkommt – ihres Zeichens John aka Charge (Trost), Ben aka Cutthroat (Lucas Till), Charlie aka The Wall (Lee Valmassy) sowie Jill aka Shadow (Sophie Merkley). Im Folgenden dauert es jedenfalls nicht lange, bis sich herausstellt, dass ihr "alter Erzfeind" Rickshaw (James Remar) hinter der Sache steckt, welcher sich "etwas Fieses" für sie ausgedacht hat…

Klar hätte Rickshaw seine Widersacher in ihrem nun ja geschwächten Zustand leicht töten können – wenn nicht seine eigentliche Absicht darin liegen würde, sie erst einmal leiden zu lassen: Er will ihnen ihre (für ihn als sicher geltende) Niederlage nämlich so bitter wie möglich gestalten, indem er sie im Vorfeld förmlich "zerbricht" – sie vor geradezu zum Scheitern verurteilte Herausforderungen stellt und ihnen somit u.a. ihre Zuversicht raubt. In diesem Sinne hat er vielerorts Sprengsätze platziert sowie die Bewohner als Geiseln genommen: Per Kameras überwacht, müssen Charge und Co. fortan eine Reihe perfider Aufgaben absolvieren, bei denen sowohl ihre als auch die Leben der Verschleppten auf dem Spiel stehen. Jede "Runde" resultiert in weiteren Opfern. Rasch wird ihnen das ihnen auferlegte "Entscheidungs-Dilemma" deutlich: Die Unschuldigen oder doch eher sich selbst retten…

In der einen oder anderen Weise erinnert einen "All Superheroes must die" an gewisse Veröffentlichungen der Filmgeschichte – bspw. an "Kick Ass", "Saw", "Die hard with a Vengeance" und "the Running Man". Allein schon aufgrund des Umfangs der finanziellen Mittel und sonstigen Ressourcen, die jenen Projekten zur Verfügung standen, kann man da natürlich keine direkten Vergleiche ziehen – nichtsdestotrotz hat sich Trost in bestimmten inhaltlichen und/oder stilistischen Bereichen offenkundig von ihnen "inspirieren" lassen. Losgelöst dieser "Einflüsse" betrachtet, markiert die zentrale Prämisse des Werks seine bedeutsamste Stärke – denn wer würde nicht gern mal sehen, wie sich die Angehörigen der "Avengers" oder der "Justice League" verhalten und behaupten würden, wenn sie inmitten einer "Krisen-Situation" plötzlich nicht mehr auf ihre "Superkräfte" zurückgreifen könnten?

Sozusagen als "ganz gewöhnliche Menschen" – also ohne sich unsichtbar machen zu können oder übermäßig stark oder schnell zu sein – müssen sie sich in Gefahr begeben. Wie wirkt sich das auf sie aus? Erkeimt Angst? Verlässt sie der Mut? Wie weit sind sie zu gehen bereit, um die Geiseln (unter ihnen Brian "Crank" Taylor) zu befreien, die zudem gar überwiegend "gesichtslos" sind, da Rickshaw sie in neutrale weiße Overalls gekleidet sowie den meisten obendrein auch "Kapuzen" über die Köpfe gezogen hat – was bei einem unweigerlich den Begriff "Kollateral-Schäden" heraufbeschwört, von denen es in Comic-Adaptionen ja nicht selten welche gibt. Nährt das die Option, eben jene (zugunsten ihres eigenen Überlebens) "im Stich zu lassen" – getreu der Devise "live to fight another day"? Was löst es in ihnen aus, sie nicht retten zu können? Sie sind es schließlich nicht gewohnt, derart "hilflos" zu sein…

Obgleich der Film mit Flashbacks aufwartet, erhält der Zuschauer nie die "Fähigkeiten" von Charge, Cutthroat, The Wall und Shadow aufgezeigt: Wenige an der Zahl, beleuchten diese in die Vergangenheit zurückreichende Sequenzen stattdessen in erster Linie ihren (vorrangig freundschaftlichen) Umgang miteinander. Auch vorm Hintergrund des niedrigen Budgets, hat es mich persönlich überhaupt nicht gestört, dass man keinen von ihnen je "in Aktion" sieht – also wie sie vorher waren; bevor ihnen Rickshaw das angetan hat. Frei einer "Origin-Story" – nur mit einer flüchtigen Erwähnung, dass eines Tages "etwas aus dem Himmel gefallen" war – sowie dank des beschriebenen unmittelbaren Einstiegs ins Geschehen sind wir dazu gezwungen, das Quartett rein im Zuge der Verlaufs-Entfaltung kennenzulernen. Schade bloß, dass die zugehörige Charakterzeichnung nicht besser geraten ist…

Gemeinsam bilden sie kein wirkliches "Team": Unsicherheiten, Differenzen und Geheimnisse sind ebenso zu registrieren wie Gefühle á la Zuneigung oder Missmut, die zum Teil bewusst verborgen gehalten werden – was ihre "Effektivität" entsprechend mindert. Leider mangelt es den Figuren (und den sie verkörpernden Darstellern) am nötigen Charisma, um einen in einem ergiebigen Maße "emotional zu involvieren". Lee Valmassy ("Feng huo fang fei") und Sophie Merkley ("Control Tower") agieren beide jeweils "ausdrucksarm-hölzern" – ähnlich wie Lucas Till ("Kristy"), der einem aber immerhin seiner "adretten äußeren Erscheinung" wegen ein kleines Stück weit positiver in Erinnerung verbleibt. Letzteren dürfte einige vor allem aus einer anderen "Superhelden-Reihe" kennen – nämlich als Alex Summers aka Havok in den "X-Men"-Streifen "First Class", "Days of Future Past" und "Apocalypse"…

Den interessantesten Part in "All Superheroes must die" hat sich Jason Trost ("Officer Downe") selbst zugeschustert: Charge ergreift die Initiative, schreckt nicht davor zurück, "harte Entscheidungen" zu fällen, und setzt viel daran, Rickshaw aufzuspüren und zur Strecke zu bringen. Ihm ist klar, dass die "Spielchen" auch darauf abzielen, dass sie sich gegenseitig angehen – was spätestens als herauskommt, dass sich Cutthroat´s Schwester unter den Geiseln befindet, ein arg "brisanter Faktor" wird. James Remar ("Horns"), dessen Szenen übrigens an einer Location innerhalb von fünf Stunden gedreht wurden, portraitiert Rickshaw mit sichtlichem Vergnügen: An sich hat er kaum mehr zu tun als herumzusitzen und Monologe zu führen – Erläuterungen, Anweisungen und Kommentare – doch seine "akzentuierte" Performance macht Laune und injiziert dem Werk einen dienlichen Zacken an "Verve"…

Die Handlanger Rickshaws tragen eine Menge zum "Comic-haften Touch" des Werks bei: Da gibt es bspw. einen wie "Uncle Sam" gekleideten irren Kannibalen mit einem Flammenwerfer (Sean Whalen aus "Twister") sowie einen muskulösen tätowierten Hünen (Nick Principe aus "the Last Heist"), gegen den Charge einen brutalen Trampolin-Cage-Fight antreten muss – plus einige bewaffnete Wachen in flauschig-dicken Tier-Kostümen. Kurzum: Die Baddies sind allesamt (passend) "over-the-Top" gestaltet worden. Wie so häufig in dem Genre, sollte man über diverse Dinge lieber nicht weiter nachdenken – neben den just genannten etwa wie es Rickshaw eigentlich gelungen ist, seine Kontrahenten zu überwältigen und ihnen das Serum zu spritzen, woher er eben jenes hat, wie er das komplette Städtchen übernehmen oder wie bloß Charge´s angewandte "Triangulations-Taktik" wahrhaft von Erfolg gekrönt sein konnte…

Aufgrund der spärlichen finanziellen Mittel war seitens der Cast und Crew in verschiedenen Bereichen der Produktion Einfallsreichtum gefragt. Einzelne Sets und Kostüme (welche von Jason´s Schwester und "Project Runway"-Kandidatin Sarah Trost angefertigt wurden) sind erfreulich kreativer Beschaffenheit, die Musik-Untermalung wurde gut gewählt und die "HD-Optik" ist beileibe nicht unansehnlicher als bei zig anderen vergleichbaren (häufig erheblich teureren) B-Movies. Spektakuläre Action braucht man sich indes (erwartungsgemäß) keine zu erhoffen: Die betreffenden (punktuell platzierten) Momente sind eher "klein skaliert" und wurden des Öfteren per Nutzen der "Shaky-Cam-Methode" arrangiert, um so bestimmte "Limitierungen" (u.a. bei Detonationen sowie den Kampf-Choreographien) zu kaschieren…

"All Superheroes must die" verfügt über eine konsequent düstere Atmosphäre sowie über ein paar "Härten" – leider aber auch über ein Tempo, das bisweilen nicht straff genug gehalten wurde. Spannung kommt nur wenig auf, so einige Dialoge hätte man definitiv kürzer fassen können und der auf das Quartett einwirkende "Zeitdruck" hätte meiner Meinung nach intensiver vermittelt werden müssen. Mit einem ausgefeilteren Skript und mehr Geld wäre sicher ein packenderes, befriedigenderes Ergebnis möglich gewesen. Dass gewisse Leute den Film als "billig und lahm" abtun, kann ich verstehen – aber Trost gebührt unzweifelhaft Lob dafür, mit nur rund $20.000 ein solches Werk gestemmt zu haben, das zudem ohne Einsatz von CGIs auskommt. Dank der Potential-starken Story-Idee würde ich mich über ein höher budgetiertes sowie mit ausgeprägterer "Tiefe" versehenes Remake durchaus freuen…

gute
3 Narrenkappen
(auch wenn der Streifen unter Berücksichtigung der Rahmenbedingungen
seiner Verwirklichung im Prinzip einen kleinen "Bonus" verdient hätte)

« Letzte Änderung: 20. Oktober 2019 um 16:50 von StS » Gespeichert

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