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Autor Thema: Picnic at Hanging Rock (Mini-Serie, 2018)  (Gelesen 1355 mal)
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StS
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Obsessed with the "mess" that's America


« am: 16. Dezember 2018 um 17:10 »



Entstehungsdaten:
Australien 2018

Regie:
Larysa Kondracki
Michael Rymer
Amanda Brotchie

Darsteller:
Natalie Dormer
Lily Sullivan
Samara Weaving
Madeleine Madden
Lola Bessis
Harrison Gilbertson
Inez Currõ

Trailer


Basierend auf dem hoch geschätzten, 1967 erschienen Roman „Picnic at Hanging Rock“ Joan Lindsays, welcher seine hiesige Veröffentlichung unter dem Titel „Picknick am Valentinstag“ erfuhr, schuf Regisseur Peter Weir mit seiner gleichnamigen 1975er Spielfilm-Adaption einen unbestrittenen Klassiker des australischen Kinos. Im Vorliegenden soll es nun allerdings um eine aus dem Jahr 2018 stammende, in Gestalt einer rund 300-minütigen Mini-Serie (in sechs Teilen) daherkommende „Neu-Interpretation“ eben jener mysteriös-dramatischen Geschichte gehen. Von den beiden Skript-Autorinnen Alice Addison („the Hunter“) und Beatrix Christian („Jindabyne“) verfasst sowie von Larysa Kondracki („the Whistleblower“), Amanda Brotchie (TV´s „Squinters“) und Michael Rymer („Queen of the Damned“) in Szene gesetzt, weist die Materie dieses Mal einige evidente Ergänzungen und „Modernisierungen“ (etwa hinsichtlich bestimmter Motive und Hintergründe) auf – bleibt dabei den wesentlichen Aspekten des mehrschichtigen Historien-Stoffes aber dennoch gebührend treu…

In einer ländlichen Gegend Victorias hat die aus England zugereiste Witwe Hester Appleyard (Natalie Dormer) in einem geräumig-schönen Herrenhaus ein Mädchen-Internat gegründet, in welchem sie und ihre Lehrerinnen (unter ihnen Lola Bessis und Yael Stone) die Adoleszenten sowohl in schulischen als auch „in gesellschaftlichen Dingen“ unterrichten – u.a. um die Hoffnung deren Eltern zu erfüllen, dass ihre Töchter auf diesem Wege nach ihrem Abschluss ihren „sozialen Stand“ entweder würdig zu vertreten oder per entsprechender Heirat zu verbessern befähigt sind. Länger schon haben sich die Schülerinnen auf einen Ausflug gefreut, der sie am 14. Februar 1900 zu einer „Hanging Rock“ genannten Fels-Formation in einigen Kilometern Entfernung führt: Ein ausgelassener Tag in der weitestgehend unberührten Natur jenes Ortes sollte es werden – Relaxen und Kuchen-Essen inklusive – doch endet ausgerechnet der mit einem Mal im Schrecken, als vier aus der Runde urplötzlich „spurlos verschwinden“, nachdem sie sich zuvor von den anderen abgesetzt hatten…

Bei den Vermissten handelt es sich um Miranda (Lily Sullivan), welche sich (als einziger weiblicher Spross einer Rancher-Familie) als ein „Wildfang“ charakterisieren lässt, Marion (Madeleine Madden), deren einflussreicher Vater eine von vielen missbilligte Beziehung mit einer Aborigine (ihrer Mutter) eingegangen war, Irma (Samara Weaving), die nach der Scheidung ihrer wohlhabenden Eltern in Mrs. Appleyard´s Obhut gegeben wurde, sowie um die junge Lehrerin Greta McGraw (Anna McGahan), zwischen der und Marion sich mit der Zeit „Gefühle entwickelt“ hatten. Während die Tage (einer innigen Suche zum Trotz) ohne Erfolg verstreichen, gefährdet die „emotional angespannte Lage“ im College und in der Öffentlichkeit schon bald die Zukunft der Schule. Was nur ist dort am Mount Diogenes geschehen? Ein Unfall oder ein Verbrechen? Steht das eventuell in irgendeiner Weise mit Hester´s Vergangenheit in Verbindung – oder mit etwas, das im Internat vorgefallen ist? Just dann verbreitet sich die Meldung, dass eines der Mädchen (lebendig) gefunden wurde…    

„Picnic at Hanging Rock“ eröffnet mit Hester, wie diese – ganz in Schwarz gekleidet, samt Hut und Trauer-Schleier – in Begleitung eines Maklers die edle, möblierte, auf einem riesigen Anwesen gelegene Villa besichtigt: Es ist ihr Wille, sich „eine neue Existenz“ aufzubauen – fernab der Heimat, in dieser Kolonie des Britischen Empires. Das große, sonst menschenleere Gebäude wirkt bedrückend, angrenzend unheimlich – seine neue, sehr selbstsicher auftretende Besitzerin geheimnisvoll. Sie ist vermögend und eloquent – allerdings klingt bei ihr punktuell ein leichter „Arbeiterklasse-Akzent“ hindurch. Entschlossen konzentriert sie sich auf das Etablieren der ins Auge gefassten Institution – was ihr im Folgenden auch gut gelingt. Sie ist eine strenge, auf das Wahren von Regeln, Etikette und ihres Rufs bedachte Rektorin – selbst wenn das bedeutet, sich den aufrichtigen Avancen eines netten Doktors (Don Hany) zu widersetzen. Sie möchte ihre Eigenständigkeit sowie das von ihr Erreichte aufrechterhalten – doch werden gewisse „Risse in der Fassade“ nach dem Valentinstag immer offenkundiger…

Die Jugendlichen im Internat hegen alle individuelle Sorgen und Wünsche – sehen sich dazu gezwungen, Empfindungen zu verbergen, und blicken Zukünften entgegen, die beträchtlich „fremdbestimmt“ sind. Miranda bspw. ist „mit dem Land verbunden“: Genießt es, zu reiten oder barfuß durch die Natur zu streifen, und würde später gern auf der Ranch ihrer Eltern leben und arbeiten – allerdings werden ihre Brüder jene erben und erhofft sich ihr Vater für sie, dass die erhaltene Bildung ihr „mehr“ (in einem „für sie besseren Umfeld“) ermöglicht. Marion indes hat damit zu kämpfen, dass sie als ein „Bastard“ gilt, andere sie aufgrund ihrer „indigenen Abstammung“ geringschätzig betrachten und sie sich obendrein zu Miss McGraw hingezogen fühlt – während sich Irma „abgeschoben“ wähnt und es sie betrübt, dass keiner ihr die ersehnte Zuneigung spendet. Sie sind nicht freiwillig auf dem College, rebellieren jeweils auf ihre Art und finden Trost, Unterstützung und Geborgenheit innerhalb ihrer sich (unabhängig einzelner „Reibereien“) schrittweise wohltuend stark festigenden Freundschaft…

Aus der Gruppe ihrer Mitschülerinnen sind zudem noch Sara (Newcomerin Inez Currõ) und Edith (Ruby Rees aus „the Hunt“) herauszustellen: Erstere ist die jüngste vor Ort – eine mit Miss Appleyard des Öfteren „aneinander geratende“ sowie Miranda geradezu (wie eine große Schwester) „verehrende“ Waisin, deren Vormund ständig „in der Welt herumreist“ – letztere dagegen eines der minder beliebten Mädchen, welches mit Miranda, Marion und Irma aber bis hin zu deren Verschwinden (direkt mit auf dem Berg) unterwegs war. Betreut und unterrichtet werden sie u.a. von der schwer religiösen, eigenwilligen, sie ohne Bedenken auch „physisch bestrafenden“ Lehrerin Dora Lumley (Yael Stone aus TV´s „Orange is the new Black“), der herzensguten Mademoiselle Dianne de Poitiers (Lola Bessis aus „Thirst Street“) sowie der mit Marion „eine geheime Connection“ aufbauenden Greta McGraw (Anna McGahan aus „100 Bloody Acres“). Im Verlauf sind es dann übrigens Sara und Dianne, die sich nicht mit den „offiziellen Angaben“ zufrieden geben, sondern selbst aktiv nachhaken und hinterfragen…

„Picnic at Hanging Rock“ wartet überdies noch mit weiteren zentralen Charakteren auf – á la Mike Fitzhubert (Harrison Gilbertson aus „Need for Speed“), der von seiner Familie infolge eines „Skandals“ (das Küssen eines seiner Kadett-Kameraden) zu seinem reichen, militärisch geprägten Onkel (Nicholas Hope) nach „Down Under“ geschickt wurde, wo er nun den sich entfaltenden Fall unmittelbar miterlebt und sich zunehmend „obsessiver“ selbst auf die Suche nach den Vermissten begibt, Sara´s Bruder Albert (James Hoare aus „the Lears“), welcher für den Colonel in dessen Stallungen tätig ist und sich mit Mike anfreundet, sowie der für die polizeiliche Aufklärung zuständige Sgt. Bumpher (Jonny Pasvolsky aus „Rabbit“), dem das Fehlen klarer Spuren merklich „zu schaffen macht“. Es sind eine Menge Personen und Sub-Plots, die in diesen fünf Stunden aufgeboten werden – wobei es zu registrieren ist, dass die Macher ihnen reihum in einem ordentlichen Maße „gerecht werden“ wollten. Die Sache ist bloß, dass man einigen Bereichen der Story dadurch unnötig (bzw. unvorteilhaft) viel Aufmerksamkeit gewidmet hat…

Dass die Geschichte in gewichtigen Teilen in Rückblenden erzählt wird, funktioniert prima und sorgt für einen kontinuierlichen Zuwachs an Informationen, welche ihrerseits wiederum (gedeihlich) ein umfassendes Gesamtbild ergeben. Während die Protagonisten im Original-Film (speziell im Vergleich) eher „oberflächlich gestrickt“ anmuten, hat man sie hier mit allerlei „Hintergründen“ und „Beziehungs-Verwicklungen“ versehen, welche mitunter selbst über die Inhalte des ursprünglichen Romans hinausgehen. Der Fokus liegt deutlicher auf persönliche Eindrücke, zwischenmenschliche Dramen, verborgene Geheimnisse sowie die Geschehnisse im Umfeld des Internats gerichtet als auf die konkreten (rätselhaften) Ereignisse rund um den betreffenden Picknick-Ausflug. Hätte man einzelne nicht unbedingt eng mit der Mystery-Komponente verzahnte Handlungs-Elemente ein wenig „gestrafft“ – oder wohlmöglich ganz auf sie verzichtet – wäre das dem Eindruck der Mini-Serie in der Hinsicht (gerade im Zuge der „mittleren“ Episoden) mit Sicherheit ein Stück weit zugutegekommen…

In Addition dazu greift das Skript verschiedene Themen-Punkte auf, die unweigerlich mit der Materie verknüpft sind – u.a. die „Gebarensart“ der Kolonial-Gesellschaft in jener Ära, wozu auch die restriktive „Rolle der Frau“ zu zählen ist, die abwertende Haltung gegenüber den australischen Ureinwohnern, das (zu unterdrücken versuchte) „sexuelle Erwachen“ der Mädels sowie der zarte, sich oft nonverbal darbietende „Intimitäts-Grad“ ihrer Freundschaft. Simultan wurden aber ebenso diverse „zeitgemäß-moderne Komponenten“ mit eingebunden – unter ihnen das standhafte zur Wehr setzen gegen aufdringliche Männer, das Streben nach weiblicher Autonomie, das sich selbst Zufügen von Verletzungen sowie mehrere „gleich-geschlechtliche Zuneigungen“ (einschließlich einer „allegorischen Lesung“ aus Henry James' 1898er Roman „the Turn of the Screw“). Es ist unverkennbar, dass die Verantwortlichen der Vorlage Lindsays ein gewisses „Update“ unterziehen wollten…

Bei „Picnic at Hanging Rock“ wird der Titel jedes Mal in großen, knallig-pinken Buchstaben eingeblendet, der Score Cezary Skubiszewskis („Turkey Shoot“) kommt „verspielt-aktueller“ daher als bei den meisten um 1900 herum angesiedelten Film-Projekten und die Ausstattung ist nicht nur exquisit und Detail-versessen (Gebäude, Einrichtungen, Kutschen, Röcke, Blusen, Accessoires etc.), sondern zudem gelegentlich „hochgestochen“ extravagant und farbenkräftig – vor allem wenn es um Miss Appleyard´s Garderobe geht: Da werden Erinnerungen an „Bram Stoker´s Dracula“ wach – etwa angesichts der feschen Brillen, die Hester ab und an trägt. Cinematographer Gary Phillips („the Railway Man“) hat die tollen Locations optisch schick „ins rechte Licht gerückt“ – einzelne prächtige „Wide Shots“ und kreativ-ungewöhnliche Kamera-Perspektiven mit eingeschlossen – griff in entsprechenden Momenten aber ebenfalls auf gezielte Nahaufnahmen zurück, bspw. um auf jenem Wege ein „bedrückend-klaustrophobisches Feeling“ zu erzeugen…

Peter Weir´s Werk besticht durch seine „diffus-verträumte“ Atmosphäre, welche auch diese Adaption im Rahmen einiger Passagen aufzubieten vermag. Der abgelegene Berg mit seinem magnetischen, Uhren anhaltenden Gestein, seltsame Wolkenbildungen, der malerische See, die umliegenden Wälder, ein unerklärbarer, alle übermannender „Schlummer“, das spurlose Verschwinden der Frauen: In Kombination mit der Art, wie diese Einstellungen arrangiert wurden – samt Zeitlupen-Einsatz, inspiriertem Sound-Design, der gewählten Musik-Untermalung und „Weichzeichner-Optik“ sowie der Blicke und Bewegungen der komplett in strahlendem Weiß gekleideten Mädels inmitten der „Wildnis“ – bleiben einem diese Szenen am stärksten im Gedächtnis haften. Einen markanten Kontrast dazu bieten derweil ein paar düstere, dem „Gothic Horror“ zuordenbare Images (primär im Kontext der Schule – z.B. die mit einer Laterne im nächtlichen Nebel wartende Hester), von denen einzelne (wie zig Maden am Boden oder ein an eine Tür genageltes Tier) jedoch „tendenziell unpassend“ wirken...

Was genau geschah dort am Mount Diogenes am 14.02.1900? Ein Unfall, ein Verbrechen, ein „Entfliehen“ oder gar etwas Übernatürliches? Wie bei Weir und im ursprünglichen Buch wird einem keine eindeutige Antwort darauf geliefert – allerdings fließen im Vorliegenden einige Hinweise aus dem einst auf Anraten von Lindsay´s Lektorin entfernten (1987 posthum veröffentlichten) „18. Kapitel“ mit ins Preisgegebene ein. Derjenige, der sich alles „haarklein erläutert“ wünscht, hat demzufolge „Pech“. Dass man am Ende „nicht ganz zufrieden gestellt“ zurückgelassen wird, ist also durchaus möglich – woran die Performances der vier Leads jedoch keinerlei Anteil haben, denn Lily Sullivan („Jungle“), Samara Weaving („the Babysitter“), Madeleine Madden (TV´s „Tomorrow, when the War began“) und Natalie Dormer („In Darkness“) portraitieren ihre Figuren jeweils restlos überzeugend. Insbesondere letztere glänzt als undurchsichtig-dominante Miss Appleyard, der nach eben jenem „Vorfall“ am Valentinstag all das zuvor mühsam Aufgebaute mit einem Mal (schrittweise) zu entgleiten droht…

Fazit:  Die 2018er Mini-Serie „Picnic at Hanging Rock“ ist eine unterhaltsame, ansprechend anzusehende, ergiebig besetzte Kombination aus einem ins Surreale neigenden Mystery-Drama und einer edlen „Historien-Seifenoper“, welche „unterm Strich“ aber leider weder die „eigenwillige Faszination“ des zugrunde liegenden Romans noch die der 1975er Erstverfilmung erreicht…

knappe
6 Narrenkappen


« Letzte Änderung: 16. Dezember 2018 um 18:22 von StS » Gespeichert

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