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Autor Thema: the Archer  (Gelesen 137 mal)
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StS
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Obsessed with the "mess" that's America


« am: 02. Dezember 2018 um 16:54 »



Entstehungsdaten:
USA 2017

Regie:
Valerie Weiss

Darsteller:
Bailey Noble
Jeanine Mason
Bill Sage
Michael Grant Terry

Trailer


Bei „the Archer“ haben wir es mit einem dramatischen Thriller aus dem Jahr 2017 zutun, der sich im Rahmen einer auf wahren Begebenheiten beruhenden, in Teilen bis heute weiterhin gängigen Praxis entfaltet: Da die Kapazitäten der staatlichen Gefängnisse in den USA schon länger nicht mehr ausreichen, gibt es obendrein eine große Zahl privater, Profit-orientierter Vollzugsanstalten, die ebenfalls Verurteilte aufnehmen. Ihre Gewinne fahren die Betreiber primär durch eine möglichst hohe Auslastung ein, da sie in der Regel „pro zu versorgender Person“ bezahlt werden: Ein System, bei dem entsprechender Missbrauch (in Einzelfällen) geradezu „vorprogrammiert“ erscheint. Ein besonders gravierender Skandal dieser Art wurde 2008 in Pennsylvania aufgedeckt, wo zwei Richter insgesamt 2,6 Millionen Dollar „Schmiergeld“ angenommen sowie im Gegenzug dafür die gewünschten „Zuweisungen“ realisiert hatten – u.a. indem Kinder und Teenager unnötig hart/lang für begangene Taten wie z.B. das Veralbern eines Rektors auf „MySpace“ oder das Betreten eines verlassenen Gebäudes bestraft wurden. In diesem Kontext ist die 2013er Doku „Kids for Cash“ zu empfehlen – worüber hinaus man ohnehin ja immer mal wieder von bestimmten „unzureichenden Bedingungen“ in solchen Einrichtungen liest, denen es häufig nicht bloß an qualifizierten Kräften mangelt…

Lauren (Bailey Noble) ist eine gute Schülerin und talentierte Sport-Bogenschützin, die just mit ihrer Mannschaft einen weiteren Sieg errungen hat und sich nach dem zugehörigen Feiern nun (am Abend) mit ihrer Team-Kameradin Emily (Grace Victoria Cox) ein Hotel-Zimmer teilt. Rasch wird klar, dass sie an „mehr“ als nur einer platonischen Freundschaft mit letzterer interessiert ist – doch bevor sie einander „näherkommen“ können, taucht plötzlich Emily´s Boyfriend Daniel (Timothy Granaderos) auf, der bereits des Öfteren durch gewalttätiges Verhalten ihr gegenüber aufgefallen war. Als Lauren Zeuge wird, dass er sie grob am Arm packt, schreitet sie kurzerhand ein und prügelt ihn krankenhausreif. Im Folgenden zeigt er sie jedoch an – und als Emily die „Notwehr-Situation“ bei der Anhörung dann nicht offiziell bestätigen mag, wird Lauren vom Gericht prompt „bis auf Weiteres“ in das von Robert Patrice (Bill Sage) geleitete „Paradise Trails Girls' Detention Center“ überwiesen, welches etliche Meilen abseits der nächsten Ortschaft irgendwo in den kalifornischen San Jacinto Bergen gelegen ist. Während Lauren´s Mutter (Dendrie Taylor) der Verfügung relativ hilflos entgegen steht, muss ihre Tochter fortan erst einmal lernen, sich in dieser neuen Umgebung zurechtfinden, in der sie auf diverse Mädels trifft, die überwiegend aufgrund ähnlicher Vergehen dort „einsitzen“…

Robert, der Direktor des Jugend-Straf-Camps in „the Archer“, ist ein ehemaliger Gunnery Sergeant, hat früher mal eine Medaille im Bogenschießen bei den Olympischen Spielen gewonnen und jagt überdies gern Wild auf jene Weise – weshalb Lauren (ihres sportlichen Backgrounds wegen) natürlich unweigerlich sein Interesse weckt und er sie unmittelbar nach ihrer Ankunft auch stracks zur Seite nimmt, um ihr via einer „Pfeil-Metapher“ zu deutlichen, wie diese Erfahrung sie hoffentlich wieder „in die richtige Bahn zurückführen“ wird. Binnen Stunden muss Lauren erkennen, dass Robert´s Handvoll Angestellte die ihnen verliehene Macht auf verschiedenartigen Wegen (durch Erniedrigungen, Provokationen, übertrieben fiesem Drill etc.) missnutzen – allen voran Michael (Michael Grant Terry), seines Zeichens Sohn des Chefs. Jeglicher Kontakt mit der „Außenwelt“ ist untersagt. Als Lauren eines Tages dabei erwischt wird, Emily heimlich per Anruf zur Aussage animieren zu wollen, nachdem sie dafür in Robert´s Büro eingedrungen war, lässt der ihre Strafe umgehend um ein komplettes Jahr verlängern. Bestürzt und wütend, entschließt sie sich, einen Flucht-Versuch zu wagen – und das gemeinsam mit ihrer „aufsässigen, aber netten“ Mitinsassin Rebecca (Jeanine Mason), welche genau das zuvor schon ein paar Mal erfolglos (allein) probiert hatte…

Regisseurin Valerie Weiss („A Light beneath their Feet“) und Drehbuchautor Casey Schroen („the Mercy of the Jungle“) haben einen Film erschaffen, der gleichermaßen unterhaltsam wie „oberflächlich-uneben“ daherkommt und den man sich in etwa wie eine Kreuzung aus einem typischen „Lifetime Television“-Drama und einem gewisse (u.a. aus diversen „Women-in-Prison-Flicks“ der '70er und '80er vertraute) „Exploitation“-Elemente aufweisenden B-Movie-Thriller vorstellen kann. Eine junge Frau engagiert sich für eine schlecht behandelte Freundin – von der sie vor Gericht jedoch im Stich gelassen wird, da jene sich nicht weiter gegen ihren Partner „auflehnen“ will – gerät infolge dessen in die (im Vorliegenden zudem noch korrumpierten) „Mühlen der Justiz“ und wird nach einem überzogenen Urteil postwendend „frei von Rechten“ in eine sogenannte „Besserungs-Anstalt“ verlegt, in der sie sich wiederum den willkürlichen Schikanen des Personals ausgesetzt sieht. Motive wie „System-Kritik“ und „Female Empowerment“ sind klar zu registrieren. Zusätzlich werden diese Punkte um eine markante „LGBT-Komponente“ ergänzt, die zwar in der Hinsicht, dass Lauren und Rebecca im Verlauf ebenfalls „zueinander finden“, nicht gerade subtil eingebunden wurde, an sich aber dennoch durchaus zeitgemäß (sowie fern von „störend“) anmutet…

„the Archer“ wartet mit einer Auswahl bekannter „Versatzstücke“ bzw. Motive auf, die man bereits aus einer Vielzahl anderer „Knast-Streifen“ (oder Serien á la „Orange is the new Black“) kennt. Die Neuankömmlinge begrüßt Robert neben einem frisch erlegten, an einem Seil nur wenige Meter vom Bus entfernt aufgehängten Wildschwein stehend, die Einheitskleidung ist alt und abgenutzt, unter der Dusche werden die Girls gelegentlich durch ein Guckloch in der Wand beobachtet, hinter der Michael dann meist masturbiert, die Verpflegung (in welche gern auch mal reingespuckt wird) ist weder allzu lecker noch von hochwertiger Qualität und etwaige „sportliche Ertüchtigungen“ lassen eine „kundige Anleitung“ sträflich vermissen. Da Rebecca sich „zu fügen“ weigert, muss sie u.a. mit einem angebundenen Beton-Schalstein in der prallen Sonne übers Gelände hin und her rennen sowie mit am Rücken gefesselten Händen aus einer Schale essen – während ein „impulsiver Wutausbruch“ Laurens flugs darin resultiert, dass sie Pferde-Exkremente in einen Rucksack schaufeln sowie diesen anschließend bei einem Marsch durchs Umland mit sich herumschleppen muss. Es ist jedoch anzuführen, dass das nie sonderlich „graphisch“ arrangierte Gebotene keinen Eindruck heraufbeschwört, den ich irgendwie als „sleazy“ bezeichnen würde…

Auffällig ist, dass die Männer hier fast allesamt misogyne, gierige und/oder gewalttätige „Widerlinge“ sind – die Frauen ihrerseits indes überwiegend „Opfer“, die sich „kräftiger zur Wehr setzen“ bzw. „emanzipieren“ müssen. Speziell bei Robert und Michael geht das mit relativ eindimensional-stereotyp gestrickten Rollen einher: Bis auf vereinzelte Charakter-Facetten (Stichwort: Auspeitschen) sind sie einfach nur gängige „Baddies“. Innerhalb jenes Rahmens agiert Bill Sage („Welcome to Willits“) aber immerhin ordentlich – nicht ohne Charisma sowie mimisch kompetent – wogegen Michael Grant Terry (TV´s „Bones“) seinen sadistisch-unempathischen Sohn quasi in der Tradition unzähliger konventionell-klischeehafter „Bully“- Schrägstrich Wärter-Parts der Film-Geschichte portraitiert. Als Richter Bodkin, mit welchem Robert diesen ebenso profitablen wie illegalen „Deal“ getroffen hat, tritt Kurt Fuller („Frozen Ground“) derweil ähnlich „zweckdienlich-annehmbar“ in Erscheinung wie Dendrie Taylor („the Fighter“) als Lauren´s Mutter, Grace Victoria Cox (TV´s „Under the Dome“) als sich letztlich nicht von ihrem handgreiflichen Freund Daniel (Timothy Granaderos aus TV´s „13 Reasons why“) lösen wollende Emily sowie Kyanna Simone Simpson („Fist Fight“) und Ana Markova („Blissful“) als zwei weitere in der Einrichtung inhaftierte Mädchen…

„the Archer“ profitiert eine Menge von seiner überzeugenden Hauptdarstellerin Bailey Noble, welche mir bereits in dem 2015er „Martyrs“-Remake ins Auge gefallen war – und das nicht bloß deshalb, weil sie „eine echte Schönheit“ ist, die vom Aussehen her glatt eine Schwester Daisy Ridleys sein könnte: Nein, die 1990 in Bethlehem, Pennsylvania geborene ehemalige „Prom Queen“ ihrer High-School meistert die (u.a. Ehrgeiz, Verunsicherung, Wut, Zuneigung und Entschlossenheit umspannende) Bandbreite an Emotionen, welche Lauren durchlebt, in vollem Umfang glaubwürdig. Obgleich auch ihre Rolle keineswegs „tiefschürfender Natur“ ist – bspw. verbleibt es unerwähnt, wo konkret ihre „aggressive Ader“ eigentlich herrührt – nimmt man sie ihr anstandslos ab und „fiebert“ ergiebig mit ihr mit. Und Jeanine Mason („Default“) als Rebecca? An ihrer Performance hatte ich nichts auszusetzen: Sie hat ihre Sache prima gemacht. Eingangs wirkt jene wie ein klassischer „rebellischer Teen“ – doch wird einem ihre „Verletzbarkeit“ mit der Zeit immer offenkundiger gewahr. Sie und Lauren haben beide individuelle Stärken und Schwächen, entwickeln Vertrauen zueinander und bilden (samt des zwischen ihnen erkeimenden bzw. hervortretenden „lesbischen Subplots“) ein sympathisches Duo, welches es irgendwann wagt, gemeinsam das Risiko einer Flucht einzugehen…

Nachdem sie Michael überwältigen und fesseln können, entscheiden sich Lauren und Rebecca bewusst für eine Route durch unwegsames Gelände, anstatt die direkte Strecke „zurück in die Zivilisation“ zu wählen. Sie rechnen mit einigen Stunden, bis man auf ihr „Verschwinden“ aufmerksam werden dürfte. Auf ihrem Weg steuern sie Robert´s einsam im Wald gelegenes Haus an, in das sie einbrechen, um zu duschen sowie sich Essen und saubere Klamotten zu beschaffen. Per Zufall entdecken sie dabei außerdem eine Menge Bargeld sowie Beweise für seine unrechtmäßigen Machenschaften. Just dann kehrt Robert jedoch unerwartet heim – worauf sich Lauren stracks ein Pfeil&Bogen-Set greift und es zu einer ersten „bewaffneten Auseinandersetzung“ kommt: Die Hatz ist eröffnet! Alles in allem haben Regisseurin Weiss und ihr Team solide Arbeit abgeliefert: Die präsentierte Action ist von der „realistischen, eher unspektakulären, wohl aber effektiven“ Sorte, das von Anfang an hohe Tempo lässt nie nach, es gibt vereinzelte „Härten“ zu verzeichnen und der Verzicht auf Shootouts mit Pistolen oder Gewehren ist positiv zu registrieren. Schade nur, dass man (wie leider nicht gerade selten in diesem Genre) nicht zumindest etwas mehr Wert auf „Logik“ gelegt hat – u.a. da Robert als erfahrener Jäger Lauren normalerweise ja deutlich hätte überlegen sein müssen…

Fazit:  „the Archer“ ist ein ansprechend straffer, kurzweilig-unterhaltsamer dramatischer Jugend-Thriller, dem definitiv ein „weniger oberflächlich“ verfasstes Drehbuch zu wünschen gewesen wäre – sowohl auf die Figuren als auch auf die Ausgestaltung der Story bezogen…

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« Letzte Änderung: 02. Dezember 2018 um 17:07 von StS » Gespeichert

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