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Autor Thema: Last Rampage: the Escape of Gary Tison  (Gelesen 818 mal)
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StS
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Obsessed with the "mess" that's America


« am: 22. Juli 2018 um 17:06 »



Entstehungsdaten:
USA 2017

Regie:
Dwight H. Little

Darsteller:
Robert Patrick
Alex MacNicoll
Heather Graham
Bruce Davison
Chris Browning
Molly C. Quinn

Trailer

„I, the Lord thy God, am a jealous God,
visiting the iniquitiy of the fathers
upon the children unto the third and fourth
generation of them that hate me.”
– Exodus 20:5 –

Der dramatische Crime-Thriller „Last Rampage: the Escape of Gary Tison“ (2017) basiert sowohl auf einer Reihe realer Begebenheiten aus dem Jahr 1978 als auch auf dem eben jene thematisierenden gleichnamigen 1999er Roman James W. Clarkes, welcher von den beiden Drehbuch-Autoren Álvaro Rodríguez („Machete“) und Jason Rosenblatt („Zero Night Stand“) adaptiert sowie von Regisseur Dwight H. Little („Marked for Death“) in Szene gesetzt wurde. Damals hatten die drei Brüder Ray (Casey Thomas Brown), Donnie (Alex MacNicoll) und Ricky (Skyy Moore) ihren Vater Gary (Robert Patrick) sowie einen weiteren Straftäter (Chris Browning als Randy) mit Waffen-Gewalt aus einem Gefängnis mit niedriger Sicherheits-Stufe befreit, in welches letztere zuvor wegen „guter Führung“ überstellt worden waren. Ohne einen einzigen Schuss abfeuern zu müssen, gelang den jungen Männern ihr Vorhaben – worauf sie ein altes verlassenes Haus irgendwo in der Einöde Arizonas ansteuerten, von dem aus sie Gary´s Bruder Joe (William Shockley) per Kleinflugzeug außer Landes bringen sollte…

Im Film nimmt ein erfahrener Sheriff (Bruce Davison) umgehend die Ermittlungen auf und gerät Gary´s religiöse Ehefrau Dorothy (Heather Graham) zum einen in den Blickpunkt der Cops, zum anderen in den der Presse: Während erstere meinen, ihr Infos über den aktuellen Aufenthaltsort ihrer Familie entlocken zu können, belagern Journalisten sie geradezu „rund um die Uhr“. Es ist dank ihrer freundlichen Art, dass es die noch nicht lange in dem Beruf aktive Reporterin Marisa (Molly C. Quinn) tatsächlich schafft, „einen Draht“ zu ihr aufzubauen und so u.a. einen Artikel über „ihre Seite der Geschichte“ zu schreiben. Davon überzeugt, ihr Gatte sei seinerzeit unschuldig verurteilt worden, hatte Dorothy ihre Söhne in genau dem Glauben aufgezogen – doch beginnt vor allem Donnie schon bald zu erkennen, dass sich sein Dad charakterlich kaum von dem eiskalt-rücksichtslosen Randy unterscheidet. Es ist nachdem Joe „einen Rückzieher macht“ – ihnen seine Unterstützung verweigert – ihr Wagen mit einem platten Reifen liegenbleibt und sie ein zufällig vorbeikommendes Auto zum Anhalten bewegen können, dass Gary schließlich „sein wahres Gesicht“ zeigt…

„Last Rampage“ eröffnet mit dem eingangs zitierten Bibel-Auszug und präsentiert dem Zuschauer im Folgenden ein solides „True Crime“-B-Movie mit einer sich über wenige Tage erstreckenden Ereignis-Kette im Fokus, an die sich heutzutage sicher nicht mehr allzu viele erinnern dürften (nicht bloß daher hätte man getrost auf einen kurzen anfänglichen „Ausblick auf den Schluss“ verzichten können, meiner Meinung nach). Weder der Ausbruch an sich noch die daraus hervorgegangenen Verbrechen waren sonderlich „spektakulär“ – womit ich die begangenen Morde allerdings in keinerlei Weise irgendwie „abwerten“ möchte, zumal sich Kinder unter den Opfern befanden – weshalb sich das Werk inhaltlich auch stärker auf die Verhältnisse, Spannungen und Dynamiken innerhalb der Familie konzentriert. Selbstredend werden einem die „Stationen ihrer Flucht“ gen Mexiko und die parallel dazu laufenden Bemühungen der Gesetzeshüter ebenfalls dargereicht – doch „Action“ im klassischen Sinne gibt es (vom Durchbrechen zweier Straßen-Sperren mal abgesehen) kaum…

Robert Patrick („Double Dragon“) nimmt man den dominant-manipulativen, von seinen Angehörigen bedingungslosen Gehorsam und Respekt verlangenden Patriarchen und Gewalt-Täter Gary Tison anstandslos ab. Dass Patrick „raue Typen“ bestens verkörpern kann, ist ja nichts Neues – und genau dafür bot sich ihm hier nun eine weitere perfekte Gelegenheit, die er mit unverkennbarem Engagement wahrgenommen hat. Seine einschüchternde Erscheinung, das Gefühl, dass es selbst in ruhigeren Momenten stets „in ihm brodelt“, plötzlich auftretende „aggressive Entladungen“: Little konnte sich glücklich schätzen, ihn für das Projekt gewonnen zu haben (beide hatten zuvor bereits im Rahmen der TV-Serien „Scorpion“ und „From Dusk till Dawn“ zusammengearbeitet). Sogar die „religiöse Komponente“ passt bei ihm – siehe wie sich Patrick auf seinem Twitter-Account selbst vorstellt: „Ground yourselves firmly in God, worship him and him alone! Father, Husband, Actor, Episcopalian & Boozefighter.“ Was ich indes als nicht ganz optimal empfand, war dass man Gary den einen oder anderen „Oneliner“ zugeschrieben hat – was nur bedingt mit dem „Ton des Drumherums“ harmoniert…

Generell ist die Dialog-Qualität mäßig, des Öfteren generisch sowie mit Klischees durchsetzt geraten. Obendrein wird so einiges unnötigerweise ausgesprochen, das eigentlich klar aus den Geschehnissen hervorgeht, und klingt manch eine „markante“ Text-Zeile eher „cineastisch“ als „natürlich“. Auch hätten die Charakter-Zeichnungen in „Last Rampage“ gern weiter in die „Tiefe“ der Figuren vordringen dürfen: Zwar besitzt jede die eine oder andere individuelle Eigenschaft – doch wirklich „drei-dimensional“ mutet keine von ihnen ausgestaltet an. Die wechselseitige Beziehung zwischen Gary und seinen Söhnen bildet den größten Reiz der Story: Die Jungs kennen ihren Vater rein aus den Erzählungen ihrer Mutter sowie von wöchentlichen Gefängnis-Besuchen her – idolisieren ihn und folgen seinen Anweisungen in der Hoffnung darauf, seinen Zuspruch zu erhalten. Das ist es, was sie dazu antreibt, bei diesem kriminellen Unterfangen mitzumachen. Sie glauben daran, dass Gary ein „netter Kerl“ ist, der unschuldig in einen „Justiz-Irrtum“ verwickelt wurde – dass er sich von Leuten wie Randy „abhebt“ sowie dass sie alle „südlich der Grenze“ endlich zu einer „richtigen Familie“ werden können…

Den ältesten Tison-Spross portraitiert Alex MacNicoll („McFarland, USA“) ordentlich: Donnie´s Ringen zwischen Loyalität gegenüber seinem Vater und dem, was ihm sein Anstand und Gewissen nach dem Zeuge werden des ersten Mordes sagt, ist interessant beizuwohnen, da ihn das ja unweigerlich auf einen „Konfrontationskurs“ mit Gary und Randy führt. Es wird sein Ziel, zumindest seine von Skyy Moore („Two Step“) und Casey Thomas Brown („Reach Me“) zufrieden stellend gemimten jüngeren Brüder zu „retten“, welche ihrerseits geschockt und verunsichert reagieren, ihren Dad jedoch nicht enttäuschen oder „in den Rücken fallen“ wollen. Als Randy gefiel mir Chris Browning („Bright“) unterdessen prima – während Heather Graham („Horns“) als tendenziell psychisch gestörte, naive zu ihrem Mann stehende Dorothy hinter einer altmodisch-großen Brille sowie unter einer (nicht voll überzeugenden) dunklen Perücke nicht gerade leicht auszumachen ist sowie eine gute Darbietung dieser u.a. viel betenden und diverse Interviews zu den Ereignissen gebenden Figur abliefert, an denen sie aufgrund der Art der Erziehung ihrer Söhne eine augenfällige Mitverantwortung trägt…

Dorothy freundet sich ein Stück weit mit der jungen Reporterin Marisa an, da jene sich ihr gegenüber höflich gibt und sie ihr die Möglichkeit offeriert, ihre „Sicht der Dinge“ zu berichten. Zudem hat sie sich eigentlich schon immer eine Tochter gewünscht – gern so jemand wie sie. Molly C. Quinn (TV´s „Castle“) blieb mir in der Rolle – welche übrigens eine fiktive ist, die auf der Basis mehrerer realer Journalisten damals konzipiert wurde – leider zu „blass“ – worüber hinaus sich der zugehörige Sub-Plot mit der Zeit als merklich oberflächlich entpuppt. Ähnlich verhält es sich mit Sheriff Cooper: Ihn gab es ebenfalls nicht – stattdessen wurden die Ermittlungen verschiedener Behörden im Vorliegenden quasi in seiner Person „vereint“. Schade, dass seine „Jagd“ (angesichts zahlreicher Gespräche und Befragungen) nicht wirklich „zu packen vermag“ – doch wenigstens ist auf Screen-Veteran Bruce Davison („Willard“) verlass, der ihm ein gediegenes Charisma verleiht. Überdies sind in Neben-Parts u.a. noch William Shockley („Showgirls“), John Heard („Assault on Wall Street“), Jason James Richter („Free Willy 1-3“) und Megan Gallagher (TV´s „Millennium“) mit von der Partie…

Alles in allem ist „Last Rampage: the Escape of Gary Tison“ ein solider Vertreter der entsprechenden Film-Gattung geworden. Regisseur Dwight H. Little war in den vergangenen Jahren vor allem im TV (bei Serien wie „Bones“ und „Prison Break“) tätig und hat hier mit eingeschränkten finanziellen Ressourcen handwerklich routinierte, passabel unterhaltsame Kost abgeliefert. Der Score von Tobias Enhus und Robert´s Bruder Richard Patrick (Leader der Band Filter) untermalt die oft staubig-ausgebleichten Wüsten-Impressionen Schrägstrich Bilder Rafael Leyvas („Drone Wars“) stimmig, das Tempo ist weder zu hoch noch zu niedrig und das „'70ies-Setting“ weitestgehend glaubwürdig. An sich ist die Geschichte (unabhängig ihrer „wahren Ursprünge“) ja keine sonderlich originelle oder unvorhersehbare – und gern hätte ich den „zentralen Kern“ des Familien-Dramas (über die „Konfrontations-Momente“ hinaus) einen Zacken „emotional intensiver“ empfunden – allerdings merkt man dem Ergebnis schon an, dass die Beteiligten ihre Mitwirkung nicht bloß als ein reines „Cash-Grab-Unterfangen“ angesehen haben: Etwas, das ich durchaus zu schätzen weiß.

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« Letzte Änderung: 22. Juli 2018 um 17:09 von StS » Gespeichert

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