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Autor Thema: Dark  (Gelesen 170 mal)
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StS
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Obsessed with the "mess" that's America


« am: 08. Juli 2018 um 17:18 »



Entstehungsdaten:
USA 2015

Regie:
Nick Basile

Darsteller:
Whitney Able
Alexandra Breckenridge
Michael Eklund
Brendan Sexton III

Trailer


Am 14. August 2003 wurden weite Flächen des Nordostens der USA sowie des angrenzenden kanadischen Staatsgebiets seitens eines gravierenden Strom-Ausfalls lahmgelegt, der insgesamt rund 50 Millionen Leute betraf und teilweise erst nach mehreren Tagen beendet Schrägstrich behoben werden konnte. Vor diesem Hintergrund siedelte Drehbuch-Autor Elias („Gut“) eine fiktive Geschichte an, die Spielfilm-Regie-Debütant Nick Basile schließlich mit einem nicht sonderlich hohen Budget (50.632 Dollar davon aus einer „Kickstarter“-Kampagne stammend) in Szene setzte. „Dark“ lautet der Titel dieses u.a. von Joe Dante („Gremlins“) produzierten Psycho-Dramas, welches im September 2015 seine Welt-Premiere auf dem gern als „das 'Sundance' Deutschlands“ bezeichneten Festival in Oldenburg feierte sowie von Anfang an durch die Gestaltung seines Promo-Materials „etwas irreführend“ vermarktet wurde: Poster-Artwork und Trailer lassen den Streifen nämlich wie einen klassischen Horror-Thriller wirken – während er tatsächlich eher eine entschleunigte, beklemmende Charakter-Studie ist…

Kate (Whitney Able) ist ein ehemaliges Model, das sich ihren Lebens-Unterhalt inzwischen als Yoga-Anleiterin verdient und jüngst erst bei ihrer Freundin Leah (Alexandra Breckenridge) in deren Loft in Brooklyn eingezogen ist. Seit einiger Zeit schon sind die beiden ein Paar – doch plagen Kate gewisse „Zweifel“ an ihrer Beziehung, was sich u.a. dadurch zeigt, dass sie noch immer nicht fertig ausgepackt hat. Als Leah – von Beruf aus eine professionelle Fotografin, die sich registrierbar auf eine gemeinsame Zukunft mit ihrer Partnerin freut – zu einem des längeren geplanten Trip abreist, ist die Stimmung zwischen ihnen (auch wegen eines vorausgegangenen Streits) nicht unbedingt gut. Allein in der Wohnung, weiß Kate nicht so recht, wie sie sich vernünftig beschäftigen soll – und so sieht sie sich einige alte Erinnerungsstücke an, zerbricht versehentlich ein Glas und kauft anschließend einige Dinge in einem kleinen Laden in der Nachbarschaft ein. Plötzlich versiegt jedoch die Elektrizität: Deutlich über New York City hinaus. Mit jeder verstreichenden Stunde wird Kate zunehmend „unruhiger“…

„Dark“ eröffnet mit einem durchaus freizügigen, klischeefrei-realistischen lesbischen Liebes-Akt, in dessen Verlauf Kate Leah wiederholt dazu auffordert, sie zu würgen – was letztere allerdings ablehnt, die Leidenschaft abebben lässt sowie mit zur Etablierung der Charaktere beiträgt. Als ihr einer ihrer Kurs-Partizipanten Komplimente macht und sie zu einem Drink einzuladen versucht, ist sie merklich geschmeichelt-angetan davon und ringt damit, sein Angebot nicht vielleicht doch anzunehmen. Leah erzählt sie prompt von jener „Anmache“ – in erster Linie, wie es scheint, um sie eifersüchtig zu machen. Kate ist kein „junges Mädel“ mehr und weiß, dass Leah ständig mit „attraktiven Menschen“ arbeitet – so hatten sie sich schließlich kennengelernt. Die entsprechenden Körper-Maße gehören der Vergangenheit an – Narben an ihren Handgelenken zeugen von einer zurückliegenden Suizid-Absicht. Offenbar leidet sie unter Minderwertigkeits-Komplexen und ausgeprägten depressiven Phasen, hat sich in der neuen Umgebung noch nicht eingelebt und denkt darüber nach, sich eventuell von Leah zu trennen – obgleich jene zweifellos viel für sie empfindet und ihr stets einen „emotionalen Halt“ geboten hat…

Vor diesem Film hatte Basile zwei Shorts sowie die Doku „American Carny: True Tales from the Circus Sideshow“ gedreht – und auch im Vorliegenden mutet der dargebotene Stil oft stärker „aufzeigend natürlich“ als „künstlich arrangiert“ an. Das Publikum begleitet Kate beinahe 24 Stunden lang – u.a. bei relativ alltäglichen Handlungen und Erledigungen – im Zuge derer einem die Figur „näher gebracht“ wird, ohne sie dabei allzu sympathisch oder irgendwie „zugänglicher“ als sie tatsächlich ist zu präsentieren. Es herrschen sommerliche Temperaturen und gibt keine Klima-Anlage in dem Loft, welches sich wiederum in einem ehemaligen Fabrik-Gebäude in einer „wenig glamourösen Gegend“ der Stadt befindet. Ohne Strom funktionieren Kühlschränke und Fernseher nicht – obendrein bricht das Telefon-Netz zusammen, weshalb Kate und Leah sich nicht erreichen können. Eingangs lässt sich Kate kaum davon „beeindrucken“ – etwa da sie sich CDs via Batterie-betriebenem Player anhören kann – doch je näher der Abend rückt, desto anwachsender beginnt sich das zu ändern…

Nach dem Durchsehen alter Fotos (aus ihren „aufregenden Model-Zeiten“, von einstigen Affären etc.) stylt sie sich zurecht, zieht sich ein sexy-schickes Kleid an, posiert für einige per Selbst-Auslöser geschossene Aufnahmen, bedient sich am Alkohol-Vorrat der Wohnung und bricht nach Sonnenuntergang zu einer ein paar Blocks entfernt gelegenen Bar hin auf, welche dank Kerzen und Generator gar auch geöffnet hat. Dort trinkt sie weiter, flirtet heftig mit einem lässigen Kanadier (Michael Eklund), der – so wie sie – eigentlich in einer festen Beziehung ist, reagiert „angefressen“ auf seine Zurückweisung, als sie ihn fragt, ob er denn nicht mit zu ihr nach Hause möchte, und torkelt schließlich „ohne Gesellschaft“ heim – wo sie prompt ein merkwürdiges, nicht unbeängstigendes Erlebnis mit ihrem noch einen Zacken kräftiger betrunkenen Nachbarn John (Brendan Sexton III) hat. In den nur spärlich (bspw. durch entzündete Fass-Feuer) erleuchteten Straßenzügen sorgt man sich als Zuschauer unweigerlich um sie – speziell in ihrer Verfassung – doch ist sie drinnen wirklich sicherer?

Erstaunlicherweise blieb es damals in New York weitestgehend „friedlich“: Es gab kaum Panik – und das nicht einmal zwei Jahre nach „9/11“ – sowie (ganz anders als beim Blackout 1977) bloß vereinzelte Plünderungen und Übergriffe. Einsam und beunruhigt, potenzieren sich die Empfindungen Kates hin zu offener Angst und Paranoia: Sie gerät zur Überzeugung, gestalkt zu werden, registriert Schritte im Flur vor ihrer Tür (plus wiederholtes Rütteln am Knauf) und steigert sich immer tiefer in diese Ansichten und Auffassungen hinein. Ist Robert (in seinem ihn eventuell „enthemmenden“ Suff) gefährlich? Treibt sich ein Fremder in dem Gebäude herum? Was führt ihre Bar-Bekanntschaft im Schilde, als jener Herr plötzlich dann doch bei ihr auftaucht, da sie ihren Ausweis in dem Lokal liegengelassen hatte? Soll sie mit ihm intim werden – oder sollte sie ihn eher fürchten? Ist einiges davon wohlmöglich überhaupt nicht real – sondern nur ein Erzeugnis ihrer Phantasie? Diverse Gefühle durchfluten und beeinflussen sie – ihre Verzweiflung steigt und ihr Geisteszustand fängt zu „erodieren“ an…

In „Dark“ liefert Whitney Able eine kraftvolle Performance ab: Sie portraitiert die mit Depressionen ringende Kate umfassend glaubwürdig und „trägt“ den Film über weite Strecken hinweg auf sich allein gestellt. Leicht übergewichtig sowie sporadisch ungeschminkt, ähnelt Kate nur noch bedingt der bezaubernden Sam, welche Whitney in Gareth Edwards' „Monsters“ verkörpert hat: Able gebührt Respekt, sich derart „uneitel“ gezeigt zu haben. Mit etlichen im Loft verteilten Bildern von ihr als Model wird Kate auch ständig quasi darauf aufmerksam gemacht, dass sie sich seither „verändert“ hat. Sie ist wehmütig und psychisch instabil – kommt sich unattraktiv, ungeliebt, isoliert und frei einer „klaren Perspektive im Leben“ vor. Obgleich man sie nicht gerade zu mögen lernt und man ebenso kein echtes Mitleid mit ihr entwickelt, ist sie einem dennoch nicht „egal“. Die Beziehung zwischen ihr und Leah mutet „authentisch“ an, Laura Breckenridge (TV´s „the Walking Dead“) macht ihre Sache prima und in Neben-Parts sind u.a. noch Brendan Sexton III („7E“) und „Wu-Tang Clan“-Rapper Redman mit von der Partie…

Basile behält das ruhige Tempo kontinuierlich bei, welches einige gewiss als „zu langatmig“ erachten dürften, die Laufzeit beträgt rund 90 Minuten, in deren zweiten Hälfte es kaum noch Dialoge zu verzeichnen gibt, die Kamera-Arbeit Trent Ermes' („Lama“) ist übersichtlich und „fern von hektisch“ beschaffen, der Score Kenneth Lampls („Frontera“) geht in Ordnung und für Kundige gibt es Songs von Künstlern wie Dead Can Dance und Nina Simone herauszuhören. Überdies wurde das Sound-Design effektiv eingesetzt, mangelt es dem Ganzen keineswegs an einer beklemmenden Atmosphäre und sind punktuelle Suspense-Momente durchaus existent. Kate´s Befinden wird nachvollziehbar vermittelt und Basile spielt mitunter geschickt mit der Erwartungshaltung des Publikums – siehe nur mal die Mitwirkung Michael Eklunds („Poker Night“), der stets cool ist, aber nur selten „nette Typen“ mimt. Dennoch bleibt der Gesamt-Eindruck merklich hinter dem ähnlicher Werke (wie z.B. Roman Polański´s „Repulsion“ und „the Tenant“) zurück und habe ich das präsentierte Ende so leider irgendwann voraussehen können…

Fazit:  Nick Basile´s „Dark“ ist eine stimmungsvolle, etwas „sperrige“ Kombination aus einem Charakter-Drama und „slow burn“-Psycho-Thriller: Ein nicht uninteressanter „Indie“ (u.a. mit einer feinen Hauptdarstellerin), dessen letztlicher Unterhaltungswert alles in allem jedoch nicht übers Mittelmaß hinauskommt…


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« Letzte Änderung: 09. Juli 2018 um 18:16 von StS » Gespeichert

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