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Autor Thema: Scorched Earth  (Gelesen 360 mal)
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StS
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Obsessed with the "mess" that's America


« am: 06. Mai 2018 um 17:19 »



Entstehungsdaten:
Kanada-USA 2018

Regie:
Peter Howitt

Darsteller:
Gina Carano
Ryan Robbins
Dean S. Jagger
John Hannah
Stephanie Bennett

Trailer


Konkrete „Endzeit-Western“ gibt es eigentlich recht wenige, wenn man post-apokalyptische Werke mit nur einer gewissen Auswahl/Anzahl entsprechender Genre-Elemente (á la „Mad Max 2: the Road Warrior“ oder „the Book of Eli“) mal außen vor lässt. Als prominentestes Beispiel kommt einem da natürlich schnell Kevin Costner´s 1997er Zuschauer- und Kritiker-Flop „the Postman“ in den Sinn – worüber hinaus mir spontan noch ein paar Kurzfilme einfallen, unter ihnen die stimmungsvoll-ruhige, sich um ein lesbisches Pärchen rankende 2015er Produktion „the Lotus Gun“ von John´s Tochter Amanda Milius. Bei „Scorched Earth“ haben wir es nun (2018) mit einem Action-orientierten amerikanisch-kanadischen B-Movie der betreffenden Art zutun: Basierend auf einem Drehbuch der Skript-Autoren Kevin Leeson („Mongolian Death Worm“) und Bobby Mort („Locked Down“) – welcher als Schreiberling übrigens auch an 102 Episoden der Satire-Sendung „the Colbert Report“ beteiligt war – führte der bislang primär für Veröffentlichungen wie die Agenten-Parodie „Johnny English“, den High-Tech-Thriller „Antitrust“ sowie die romantische Komödie „Laws of Attraction“ verantwortliche Brite Peter Howitt Regie, während in der Hauptrolle die ehemalige „Muay Thai“- und „Mixed Martial Arts“-Fighterin Gina Carano zu sehen ist…

In naher Zukunft leidet der verbliebene Rest der Menschheit an den Auswirkungen einer „the Cloud-Fall“ genannten verheerenden ökologischen Katastrophe, der Unzählige zum Opfer fielen: Selbst Jahre später ist die Luft und Umwelt noch immer stark verschmutzt, existiert die „moderne Zivilisation“ (wie man sie bis dato kannte) kaum noch, sind Wasser-Aufbereitungs-Tabs und Silber (in Form von Pulver für die Filter spezieller Gas-Masken) überlebens-notwendig – was diese Güter zur neuen „Welt-Währung“ avancieren ließ – und ist die Nutzung fossiler Brennstoffe (etwa um damit Fahrzeuge zu betreiben) inzwischen strengstens verboten. Wer letzteres Gesetz bricht, auf den wird prompt ein Kopfgeld („tot oder lebendig“) ausgesetzt, welches darauf abzielende „Bounty Hunter“ im Folgenden dann meist einzutreiben versuchen. Einer eben jener ist Attica Gage (Carano) – eine toughe Einzelgängerin, die sich aktuell gerade auf dem Weg nach New Montana befindet, um dort die Leiche ihrer jüngsten „Beute“ (Luvia Petersen als zuvor im Rahmen eines Shootouts getötete Chavo) abzuliefern. Zugleich will sie die Gelegenheit nutzen, ihren alten Freund Doc (John Hannah) zu besuchen, der in dem kleinen Örtchen nunmehr als Arzt ansässig ist, seit er eine schwere Bein-Verletzung erlitten hatte…

Beim lokalen Sheriff (Patrick Gilmore) holt sie sich ihre Entlohnung ab und bringt zudem in Erfahrung, dass in einigen Meilen Entfernung ein Macht-gieriger Herr namens Jackson (Ryan Robbins) eine Siedlung gegründet und zu einer „Zufluchtsstätte für Kriminelle“ erklärt hat, welche er seither „unbehelligt“ regiert. Da er an der Spitze der „Most Wanted“-Liste steht und Gage ihm ohnehin schon lange „aus persönlichen Gründen“ auf der Spur war, entschließt sie sich (Doc´s Warnungen zum Trotz) dazu, Chavo´s Identität anzunehmen und nach „Defiance“ zu reiten – wo es ihr (dank Chavo´s Ruf und ihrem „sich nichts bieten lassenden Auftreten“) tatsächlich gelingt, in Jackson´s „engere Kreise“ aufgenommen zu werden. Es ist in dem Kontext, dass sie von seinem Plan erfährt, in einer ehemaligen Silber-Mine zu schürfen, sowie dass er für die zugehörigen Arbeiten Bewohner der umliegenden Regionen zu verschleppen gedenkt. Stetig beginnt sich die Lage für sie zuzuspitzen – u.a. da Jackson´s „rechte Hand“ Lear (Dean S. Jagger) sie weiterhin „kritisch beäugt“ und ein Angriff auf New Montana bloß noch eine Frage der Zeit zu sein scheint. Bevor sie in Aktion treten kann, taucht jedoch plötzlich jemand vor Ort auf, der Gage kennt und obendrein gar noch „eine Rechnung mit ihr offen“ hat…

„Scorched Earth“ hatte kein sonderlich hohes Budget – was dem Endergebnis immer mal wieder anzusehen ist. Dennoch fällt das nie „ernsthaft störend“ auf und hat man die zur Verfügung stehenden Mittel durchaus ordentlich einzusetzen gewusst. Klar, die düsteren, abnorm-mächtigen, oft gelblich-grün schimmernden sowie von Blitzen durchzuckten Wolken stammen „aus dem Rechner“ – doch unabhängig dessen kommt kaum CGI zum Einsatz. Rund um Vancouver gedreht, passen die Landschaften (Berge, Wälder, Steinbrüche etc.) ebenso prima zum angedachten Setting wie das regnerische Wetter, welches den Boden häufig in tiefen Matsch verwandelt – ähnlich wie bei John Hillcoat´s „the Road“. Die fürs Make-up und die Bekleidung zuständigen Crew-Mitglieder haben gut dafür gesorgt, dass alles glaubwürdig „dreckig und abgenutzt“ ausschaut, die wenigen noch verwendeten Fahrzeuge wurden zum Teil mit gewissen „Panzerungen“ ausgestattet und mir gefielen einige erspähte Details, wie dass selbst Gabe´s Pferd über eine Luftfilter-Vorrichtung verfügt. Zwar kann „Defiance“ den Eindruck eines „Touristen-Western-Dorfs“ nicht ganz „abschütteln“ bzw. kaschieren – allerdings muss man da nicht so pingelig sein, meiner Meinung nach…

Leider mutet das Skript Leesons und Morts inhaltlich hochgradig unoriginell und „verbraucht“ an: Es geht mir dabei keineswegs um die zahlreichen Elemente und Motive, die klassischen Genre-Werken á la Sergio Leone´s „A Fistful of Dollars“ entnommen wurden, sondern vielmehr um die uninspiriert-oberflächliche Art, wie die Story ausgestaltet wurde. In Anbetracht dessen, dass Umwelt-Verschmutzer (gerade im Vergleich zu all den Räubern und Mördern, die sich sonst dort so herumtreiben) hier nun als solch „schlimme Verbrecher“ gelten, ist schon eine Portion „Drüberhinwegsehen“ erforderlich – zumal es offenbar eh nur noch vereinzelte Autos und begrenze Benzin-Vorräte gibt. Auf die zehrend-harten Lebens-Bedingungen der unter diesen Umständen eine friedliche Existenz führen wollenden Menschen wird derweil bloß „rein beiläufig“ eingegangen: Etwa sieht man die Bürger New Montanas eingangs nur kurz in ihrem landwirtschaftlich geprägten Alltag und werden die Angehörigen einer wiederholt angegriffenen „Pilger-Karawane“ ausschließlich als „Opfer“ dargestellt. Als Resultat dieser Gegebenheit bangt man nicht um ihre Schicksale – was aufgrund ihrer uninteressant-mauen Charakter-Zeichnung so bedauerlicherweise ebenfalls auf unsere zentrale Protagonistin zutrifft…

Ursprünglich sollte „Scorched Earth“ mit einem männlichen Lead aufwarten – bevor man sich dann allerdings dafür entschied, das zu ändern, sowie Gina Carano mit an Bord kam, welche dem Projekt nun immerhin einen stärkeren Reiz in der Hinsicht verleiht. Im Gegensatz zu Streifen wie „Haywire“, „Fast & Furious 6“, „In the Blood“ und „Deadpool“, in denen man ihre Ausstrahlung und Kampf-Skills effektiv einzusetzen wusste, wurde Gina in „Extraction“, „Heist“ und „Kickboxer: Vengeance“ zuletzt aber auch einige Male „unergiebig verschenkt“. Im Vorliegenden hält sich das round about die Waage: Während sie in den verschiedenen ihr zugestandenen Action-Szenen überzeugt – inklusive diverser Schießereien sowie Kämpfe mit und ohne anderweitigen Waffen (z.B. Klingen) – sind ihre „mimischen Defizite“ in den „interpersonellen“ indes unverkennbar. Dennoch tritt sie selbstbewusst auf, ist nicht „hölzerner“ als die meisten ihrer Genre-Kollegen (á la Adkins, Seagal, van Damme oder Daniels) und überdies keine unattraktive Frau. Gabe wird nicht als „übermächtig“ portraitiert – stattdessen muss sie eine Menge einstecken und lehnt nicht jedes Unterstützungs-Angebot kategorisch ab. Minder positiv sind dagegen zwei bis drei plumpe One-Liner zu werten, die heutzutage eigentlich nur noch den „schlichtesten“ B-Movie-Fans zusagen dürften…

Generell sind die Dialoge nicht wirklich prickelnd anzuhören und mangelt es den Figuren an „Dimensionalität“. Sicher, Gabe ist beileibe keine „noble Heldin“ – u.a. tötet sie den Sheriff New Montanas, mit dem sie noch nie so recht ausgekommen war, als jener bei einem Angriff auf Jackson gefangen genommen wird, da sie befürchtet, er könnte sie auffliegen lassen, um so sein eigenes Leben zu retten – doch nimmt man ihr nie wahrhaft ab, sich möglicherweise ihrem Feind anzuschließen, nur weil jener ihr Einfluss und Reichtum verspricht – zumal das Publikum zu dem Zeitpunkt bereits weiß, dass sie unbedingt Rache an ihm für die Ermordung ihrer Schwester (Alisha Newton aus „the Hollow“) ausüben will. Parallel dazu bemüht sich Gabe darum, Jackson´s misshandelte Freundin Melena (schwach: Stephanie Bennett aus „Leprechaun: Origins“) zu retten, die gelegentlich für die Anwesenden im Saloon singt – das allerdings mit einer Stimme, die eindeutig nicht Bennetts ist. Als „Haupt-Baddie“ der Geschichte agiert Ryan Robbins („Spectral“) unterdessen ebenso „stereotyp-okay“ wie Dean S. Jagger („the Hunter´s Prayer“) als sein misstrauischer „Henchman“ Lear – worüber hinaus John Hannah, der ja schon in Howitt´s 1998er Debüt „Sliding Doors“ mit von der Partie war, seinen Neben-Part als Gabe´s Mentor und Freund Doc „unterhaltsam-solide“ über die Bühne bringt…

„Scorched Earth“ ist weder langweilig noch handwerklich mies gemacht – das Problem liegt darin, dass er nahezu komplett „belanglos“ anmutet. Der Score Rich Walters („Dead Rising: Endgame“) ist eine routinierte, einfach nur „zweckdienliche“ Komposition – die Bebilderung Kamal Derkaouis („Kindergarten Cop 2“) erzeugt denselben Eindruck. Sich durchweg ernst nehmend, überraschungsarm-vorhersehbar entfaltend sowie eine Umsetzung vorweisend, der man keinerlei „Leidenschaft“ anmerkt, hätte es in erster Linie einer besser ausgearbeiteten Vorlage, einem ambitionierteren Regisseur und einem (zumindest etwas) höheren Budget gebraucht, um aus der Materie ein zufrieden stellend unterhaltsames, atmosphärisches, mit in Erinnerungen verbleibenden Set-Pieces gesegnetes Ergebnis zu erschaffen. Wenigstens kann man sich (einiger ruhigerer Phasen zum Trotz) über die Zahl der Fights und Shootouts (samt einzelner zu verzeichnender „Härten“ sowie der erfreulichen Verwendung von „traditionellem Kunst-Blut“) nicht beklagen – wenngleich auch keine dieser Momente sonderlich „aufregend“ arrangiert wurde bzw. mitzuverfolgen ist. Was am Ende bleibt, ist ein enttäuschender retro-futuristischer post-apokalyptischer Action-Western, der nicht allzu viel aus seiner durchaus interessanten Prämisse herauszuholen vermochte…


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« Letzte Änderung: 08. Mai 2018 um 17:45 von StS » Gespeichert

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