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Autor Thema: Looking Glass  (Gelesen 668 mal)
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StS
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Obsessed with the "mess" that's America


« am: 22. April 2018 um 17:39 »



Entstehungsdaten:
USA-Kanada 2018

Regie:
Tim Hunter

Darsteller:
Nicolas Cage
Robin Tunney
Marc Blucas
Kassia Conway
Ernie Lively

Trailer


Eigentlich sollte der 2018er Thriller „Looking Glass“ das Spielfilm-Debüt des angesagten Werbe- und Videoclip-Regisseurs Dori Oskowitz werden. Als das letztlich jedoch nicht zustande kam, ging der Job an Tim Hunter, der bis heute weiterhin am besten für seine beiden '80er-Jahre-Veröffentlichungen „Tex“ und „River´s Edge“ bekannt ist sowie seit damals vorrangig als Regisseur diverser Episoden einer langen Liste verschiedener TV-Serien tätig war – unter ihnen solch hochklassige Shows wie „Twin Peaks“, „Carnivàle“, „Dexter“, „Mad Men“, „American Horror Story“, „Deadwood“, „Hannibal“ und „Breaking Bad“. Auf einem Skript von Jerry Rapp („Gutshot Straight“) und Matthew Wilder („Dog Eat Dog“) basierend sowie einen in bestimmter Hinsicht unweigerlich an Gay Talese´s 2016er True-Crime-Buch „the Voyeur´s Motel“ erinnernd, wird die Geschichte des Ehepaars Ray (Nicolas Cage) und Maggie (Robin Tunney) erzählt, welches nach dem tragischen Unfall-Tod ihrer Tochter eines dieser typischen amerikanischen „Rasthäuser“ in einem verschlafenen Wüsten-Städtchen im Südwesten des Landes übernimmt, um dort (sowohl fernab der City als auch der sie und ihre Beziehung anhaltend belastenden Vergangenheit) einen „Neustart“ zu wagen…

Als sie nach einer zehrenden Fahrt mitten in der Nacht eintreffen, erwartet sie keiner zur Übergabe – stattdessen finden sie die Schlüssel unter der Fußmatte hinterlegt sowie eine ihnen „alles Gute“ wünschende Nachricht des bisherigen Eigentümers Ben (Bill Bolender) vor. Insgesamt gibt es zehn Zimmer, für die eine Reinigungs-Dame täglich aktiv wird, direkt hinter dem Empfangs-Bereich knüpft eine möblierte Wohnung an, welche sie sofort beziehen können, der generelle Zustand (Außenanlagen, Einrichtung, Bausubstanz) ist zwar „ein wenig betagt“, nichtsdestotrotz okay, die kalkulierten Preise sind verhältnismäßig günstig und die Location (direkt an der Hauptstraße gelegen) scheint zu passen. Sogleich macht sich Ray an die Arbeit – säubert Klimaanlagen-Filter, den Pool, richtet schief hängende Wandbilder etc. – während sie sich so gut und schnell es geht einzuleben versuchen. Touristen verirren sich bloß selten in die Gegend – die Zahl der Übernachtungen hält sich demnach in Grenzen. Einer, der indes regelmäßig bei ihnen einkehrt, ist der Trucker Tommy (Ernie Lively) – und das stets in Begleitung junger Prostituierte sowie immerzu den Wunsch äußernd, nach Möglichkeit doch bitte „Room 10“ zu mieten…

Im Rahmen seiner Erledigungen stößt Ray irgendwann auf eine verschlossene Tür, durch die er (nach dem Aufbrechen) u.a. in einen Keller gelangt, in dem er allerlei Wartungs-Utensilien sowie einen Zugang zu einem „Kriech-Zwischenboden“ entdeckt, an dessen Ende wiederum eine Leiter hinauf in eine kleine Kammer führt, in der ein „Zwei-Wege-Spiegel“ einen geheimen Einblick in eines der Zimmer preisgibt. Anfangs reagiert er geschockt und verheimlicht es Maggie, um sie nicht zu beunruhigen – allerdings schleicht er sich an einem der folgenden Abende kurzerhand dorthin zurück, um die BDSM-Session einer hübschen lokalen Domina (Kassia Conway) mit einem kaum minder attraktiven weiblichen Gast (Jacque Gray als Jessica) zu beobachten. Erregt seitens des Gebotenen, wirkt sich das fortan auch positiv auf sein und Maggie´s Sexualleben aus – bis jemand auf einmal ein totes Schwein in den Pool wirft und die Nachrichten vermelden, dass Jessica brutal ermordet aufgefunden worden sei. Maggie belastet das zunehmend – weshalb sie erneut gewisse Medikamente einzunehmen beginnt. Parallel dazu sieht sich Ray wiederholten Besuchen und Befragungen des örtlichen Sheriffs (Marc Blucas) ausgesetzt, der ihn offenbar verdächtigt…

„Looking Glass“ fängt durchaus vielversprechend an – primär dank seiner bedrückten, aber dennoch mit einem Grad an Hoffnung voranblickenden Charaktere, seines vertrauten, jedoch eine spezielle (unaufdringlich heraufbeschworene) „Atmosphäre“ ausstrahlenden Schauplatzes – da günstige Motels jener Art ja meist (auf die Sauberkeit und/oder Sicherheit bezogen) „etwas Unbehagliches“ an sich haben – sowie der von Hunter gewählten „Slow-Burn“-Annäherungsweise an die Materie. Ray und der Zuschauer wundern sich jeweils darüber, warum Ben geradezu sofort nach dem Verkauf „untergetaucht“ ist – also die Stadt verlassen hat sowie per Handy nicht mehr erreicht werden kann – ebenso wie warum seine Stamm-Gäste andauernd möglichst in „Nr.10“ nächtigen wollen. Maggie und Ray sind zuversichtlich, mit diesem „Schritt“ die richtige Entscheidung getroffen zu haben – allerdings gehen sie mit dem ihnen Widerfahrenen und den zugehörigen Auswirkungen (in erster Linie auf den Tod ihres Kindes bezogen) noch immer unterschiedlich um: Als Maggie sich bspw. Info-Broschüren von Adoptions-Agenturen beschafft – wie vor dem Umzug bereits mal angesprochen – reagiert er prompt wütend darauf; es für „noch zu früh dafür“ haltend…

Erfreulich zu registrieren ist, dass letzterer (altbekannt-unoriginellen) Story-Facette innerhalb der Handlung nicht allzu hohes „Gewicht“ verliehen wurde: Es ist nachvollziehbar, weshalb Maggie und Ray einander gegenüber so agieren und reagieren, wie sie es im Vorliegenden tun – sie eher wenig gemeinsam unternehmen; sich momentan „nicht besonders nahe“ zu sein scheinen – was zudem auch (über den damit verbundenen „natürlichen Drang“ hinaus) sein Interesse an den Frauen erklärt, denen er begegnet. Aus dem Verborgenen heraus wird er Zeuge verschiedener sexueller Akte, die ihn und seine Phantasie „beflügeln“ sowie eines Nachts dazu führen, dass er seit längerem mal wieder mit Maggie schläft – wobei er sehr rege und dominant auftritt. Zeitgleich geschieht der Mord an Jessica: Mehrfach wird zwischen dem Anblick des Paares im Bett und ihrer Strangulation hin und her gewechselt – eine Verknüpfung von Schuldgefühlen, Zuneigung, Lust und Gewalt, aus welcher der Streifen jedoch nichts Substanzielles zu generieren in der Lage war. Weder erfahren die psychologischen Aspekte der Situation, Umstände und Protagonisten eine „Vertiefung“ noch hat man sich für den „Pfad“ eines Voyeurismus-zentrierten Thrillers entschieden…

Als jemand ein totes Schwein in den Pool wirft, in dessen aufgeschnittenem Bauch Ray das Foto eines einige Wochen zuvor ebenfalls in dem Motel getöteten Mädels namens Crissy entdeckt, fährt er den Kadaver stracks raus in die Wüste und verbrennt ihn dort, anstatt die Cops zu rufen. Wer ist dafür verantwortlich? Etwa der beileibe nicht unbedrohlich wirkende Besitzer der Tankstelle gegenüber (Barry Jay Minoff aus „Exposure“) – oder einer dessen ihn häufig bloß „creepy-schweigsam“ (arg klischeehaft, beinahe unfreiwillig komisch) anstarrenden Mitarbeiter (unter ihnen Jason K. Wixom aus „Zombie Hunter“)? Vielleicht ja Trucker Tommy? Und was wusste Ben von all dem? Während Maggie fortan zu Tabletten greift, um sich zu beruhigen, schwankt Ray indes zwischen Verdächtigungen und Paranoia – begibt sich an Nachforschungen (z.B. indem er der feschen Dominatrix Cassie folgt, mit der er Jessica kurz zuvor noch gesehen hatte) und versucht mit Ben in Kontakt zu kommen. Er findet heraus, dass Crissy eine lebensfrohe, gern gesehene Ortsansässige war, deren Killer noch „auf freiem Fuß“ ist. Steht ihr Tod mit dem Jessicas in Verbindung? Die Einheimischen gehen jedenfalls davon aus, dass der Täter „ein Fremder“ war…

Ergänzt um einen „Vibe“, der einen leicht an „Psycho“ erinnert, verfügt „Looking Glass“ über ein brauchbares Ausgangs-Szenario und eine ordentliche Anzahl an Fragen, Verstrickungen und „Abgründen“, deren Summe und Kombination eigentlich eine wahrhaft reizvolle Mystery-Komponente hätte erwarten lassen. Das Problem ist nur, dass schlichtweg nichts bedeutsam Aufregendes daraus gemacht wurde – und das sowohl auf inhaltlicher als auch stilistischer Ebene – weshalb einem die Geschehnisse im Verlauf zunehmend „gleichgültiger“ werden. Wiederholt schaut Sheriff Howard bei Ray und Maggie vorbei – um „die Neuen“ willkommen zu heißen, sich nach Ben zu erkundigen, weil er den Geschmack ihres Gratis-Kaffees schätzt sowie um Ray (nach einigen Tagen) über seine Vermutung in Kenntnis zu setzen, jener würde ihm „gewisse Dinge“ hinsichtlich der beiden Verbrechen verschweigen: U.a. verwundere es ihn, dass Ray das Schwein auf die von ihm gewählte Weise „entsorgt“ hat – worüber hinaus er herausgefunden habe, dass Ray ungefähr zu der Zeit, als Crissy ermordet wurde, schon einmal in der Stadt war, um sich das Motel anzusehen und mit Ben über den Verkauf zu sprechen…

Mit Brille, Bart, schwarzen Haaren sowie meist Flanell-Hemden tragend, verkörpert Nicolas Cage („Leaving Las Vegas“) Ray angenehm zurückhaltend. Einzig als er an einer Stelle in einer Bar mit einem „Rausschmeißer“ aneinander gerät, nachdem er Cassie (gefiel mir prima: Kassia Conway aus „the Scent of Rain & Lightning“) aufgesucht und an einem Tisch ein Stück weit „bedrängt“ hatte, kommt er mal „ein wenig aus sich heraus“. Überdies ist noch ein feiner emotionaler Moment beim Betrachten eines Fotos seiner verstorbenen Tochter anzuführen. In Sachen Charakterzeichnung ist die Figur allerdings nicht gerade „reichhaltig“ verfasst worden – im Einklang mit allen übrigen. Die beste Performance liefert derweil ganz klar Robin Tunney (TV´s „the Mentalist“) ab, welche eine Menge aus ihrem Part herausholt: Maggie verdient unsere Empathie – trauert, ohne dabei jedoch zu resignieren. Schade, dass das Skript sie überwiegend derart „passiv im Hintergrund“ positioniert hat. Marc Blucas („Thr3e“) ist in der Rolle des „aufdringlichen“ Sheriffs annehmbar – wogegen die verbliebenen Akteure, zu denen noch Bill Bolender („RoboCop 2“), Ernie Lively („Passenger 57“) und Jacque Gray („Phobic“) zählen, durchweg kaum der Rede wert sind…

Rein handwerklich hat Hunter ein solides B-Movie geschaffen, dem viele nächtliche Szenen, einzelne herausstechend farbkräftige Beleuchtungen sowie bestimmte markante Motive (á la Menschen, die durch Jalousien hindurchspähen) einen unverkennbaren „Neo-Noir-Touch“ verleihen. Das Budget war nicht zu knapp bemessen, der Score Mark Adlers („Henry & June“) und Kristin Gundreds kommt klangvoll daher und die Kamera-Arbeit Patrick Cadys („Girlfight“) vermag man zumindest als „zweckdienlich“ einzustufen. Leider entfaltet sich die Story nicht sonderlich spannend: Zu lange wird sich darauf verlassen, dem Publikum wichtige Informationen vorzuenthalten – bis man dann schließlich das volle Ausmaß der Ray und Maggie widerfahrenen Tragödie präsentiert erhält, ebenso wie (etwas später) die Identität des Killers, welche aufmerksame Zuschauer jedoch bereits rund eine halbe Stunde zuvor durchschaut haben sollten. Nicht alle Fragen werden beantwortet; das Ende ruft bei einem eher ein Schulterzucken anstatt Zufriedenheit hervor. „Unterm Strich“ entpuppt sich „Looking Glass“ somit als ein enttäuschend mauer, oberflächlicher Thriller, der zugleich den nächsten belanglosen Eintrag in der nur noch in Ausnahmefällen interessanten Filmographie Nic Cages bildet…

gute
3 Narrenkappen


« Letzte Änderung: 22. April 2018 um 19:47 von StS » Gespeichert

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