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Autor Thema: the Bronx Bull  (Gelesen 584 mal)
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StS
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Obsessed with the "mess" that's America


« am: 01. April 2018 um 17:30 »



Entstehungsdaten:
USA 2016

Regie:
Martin Guigui

Darsteller:
William Forsythe
Joe Mantegna
Mojean Aria
Paul Sorvino
Natasha Henstridge
Penelope Ann Miller
Tom Sizemore

Trailer


Es gibt Film-Projekte, die kann man von Anfang an im Prinzip nur belächeln. Bei „the Bronx Bull“ haben wir es mit einem solchen Fall zutun: Basierend auf dem Buch „Raging Bull II: Continuing the Story of Jake LaMotta“, welches von Chris Anderson, Sharon McGehee und LaMotta himself geschrieben wurde, sollte die zugehörige (hier im Fokus stehende) Adaption ursprünglich eigentlich genauso heißen und sowohl ein Prequel als auch ein Sequel des 1980er Meisterwerks Martin Scorseses bilden. Schon 2012 mit einem rund sieben Millionen Dollar betragenden Budget abgedreht, verklagte „MGM“ die Verantwortlichen jedoch kurzerhand und konnte auf jenem Wege ein Erscheinen des Streifens erfolgreich verhindern – bis sich auf eine Änderung des Titels verständigt sowie das Biopic schließlich erst im Januar 2017 (relativ „sang- und klanglos“) in den USA veröffentlicht wurde. Anstelle von Leuten wie Scorsese, Paul Schrader, Joe Pesci und Robert DeNiro vor und hinter der Kamera führte der bis dato noch nicht gerade erfahrene Martin Guigui („Beneath the Darkness“) auf der Grundlage eines von ihm und Rustam Branaman („Livers ain´t cheap“) verfassten Skripts Regie, während sich die Cast-Reihen aus diversen „B-Movie-Mimen“ zusammensetzen…

Eröffnet wird im Jahr 1960, in welchem sich der Profi-Boxer Giacobbe "Jake" LaMotta (William Forsythe) – seines Zeichens Weltmeister im Mittelgewicht von 1949 bis 1951 – inzwischen bereits aus dem besagten Sport zurückgezogen hat: Im Rahmen einer Befragung vor einem „illegale Aktivitäten und Verbindungen“ untersuchenden Ausschuss des US-Senats räumt er ein, 1947 einen Kampf gegen Billy Fox absichtlich verloren zu haben, da ihm „Vertreter des organisierten Verbrechens“ dafür eine spätere „Chance auf die WM-Krone“ zugesagt hatten – was so dann ja auch eingetreten war. In diesem Kontext berichtet er dem Komitee überdies von einigen prägnanten Ereignissen und Begebnissen aus seiner Jugend, die im Folgenden in Gestalt mehrerer Flashbacks aufgezeigt werden: 1937 lebte er (Mojean Aria) als Teenager noch bei seinen Eltern in New York City – wobei er vor allem von seinem „handgreiflich-strengen“ Vater Giuseppe (Paul Sorvino) eine klare „Survival of the Fittest“-Mentalität anerzogen erhielt, die er regelmäßig in verschiedenen „Hinterhöfen“ bei brutalen „Street Fights“ zur Schau stellte, welche ihm einen einschlägigen Ruf ebenso wie einige Dollar für die Familie bescherten…

Es dauerte nicht lange, da landete er in „Juvenile Detention“ – wo ein im Boxen bewanderter Priester (Ray Wise) allerdings rasch sein „rohes Talent“ erkannte und ihn fortan „fachkundig“ trainiert hat. Prompt wechselt der Film zurück in die '60er, in denen sich Jake u.a. Geldnöten, einem erhöhten Alkohol-Konsum sowie anwachsenden Problemen mit seiner damaligen Frau Sally (Natasha Henstridge) ausgesetzt sieht. Als sie ihn verlässt, versucht er sich kurzzeitig als Stand-up-Komödiant, wird von zwei „zwielichtigen Typen“ (Tom Sizemore und Mike Starr) als Türsteher eines Strip-Clubs angeheuert und tritt neben Bekanntheiten wie Jane Russell (Dahlia Waingort) und Rocky Graziano (James Russo) als Darsteller in einer Regie-Arbeit seines Kumpels Rick (Joe Mantegna) auf. Zudem fängt er eine Beziehung mit einer „aus wohlhabendem Hause“ stammenden Dame (Penelope Ann Miller) an – welche aber ebenfalls nur begrenzt hält – und verträgt sich erneut mit seiner inzwischen jung-erwachsenen Tochter Lisa (Rebecca Forsythe), der er einige Probleme mit Drogen und ihrem Boyfriend Paco (Alex Meraz) zu überstehen hilft – bevor er zu guter Letzt noch eines Abends seine insgesamt siebte Gemahlin Denise Baker (Alicia Witt) kennenlernt…

Jake LaMotta (10.07.1922-19.09.2017) war ein klassischer „Pressure Fighter“ mit mächtigen „Nehmer-Qualitäten“ – und Scorsese hat ihm mit „Raging Bull“ (bzw. „Wie ein wilder Stier“) ein würdiges, nachhaltiges „cineastisches Denkmal“ erschaffen. In „the Bronx Bull“ (übrigens ein weiterer echter Spitzname LaMottas) geht es dagegen bloß wenig ums Boxen oder um seine beeindruckende Karriere im Ring – vielmehr wurde eben jene Phase seiner Vita bis auf ein paar flüchtige Schwarzweiß-Rückblenden im Grunde völlig ausgelassen. Von seiner Struktur her an „the Godfather: Part II“ erinnernd, wird sozusagen „das Drumherum beleuchtet“ – und das eine unschöne Anzahl unsubtiler Klischees vorweisend. Gespielt von einem „dick auftragenden“ Paul Sorvino („the Devil´s Carnival“), schlägt ihn sein trinkfreudig-dominanter Vater bspw. „zur Abhärtung“ wiederholt mit einem Gürtel, lässt ihn gegen einen Erwachsenen antreten, um so die eigenen Schulden bei einem Wirt zu begleichen, und kettet ihn nach einer Niederlage „zur Strafe“ ans Bett. Unbestritten beruht das Gebotene auf wahren Begebenheiten – doch ruft die „unfeinfühlige“ Art der Präsentation schon früh unweigerliches „Augenrollen“ hervor und verhindert zugleich ein ergiebiges „emotionales Miteinbeziehen“ des Publikums…

Als junger LaMotta verbleibt Mojean Aria („Hara Kiri“) weitestgehend „blass“: Meist prügelt er sich an unterschiedlichen Locations mit irgendwelchen Gegnern (im hinteren Abschnitt einer Bar, in Seitengassen, mit Wärtern und Mithäftlingen im Jugendknast etc.) oder bemüht sich gemeinsam mit seinem Buddy Rick (Eric Mamann aus „Namour“) darum, die sprichwörtlichen „Weichen“ für eine Zukunft als Profi-Boxer zu stellen. Im restlichen Verlauf wird Jake indes von William Forsythe („the Devil´s Rejects“) verkörpert – und das sogar relativ überzeugend. Zwar sieht er Aria absolut nicht ähnlich – wohl aber dem „realen Vorbild“ – worüber hinaus ihm harte, zu Wutausbrüchen neigende Charaktere ja beileibe nicht fremd sind. Erwartungsgemäß ist seine Performance fern der Qualität jener DeNiros – allerdings ist sie die mit Abstand beste dieses Werks bzw. Ensembles. Trotz einiger „später“ Bestrebungen, in der betreffenden Hinsicht zumindest „an sich zu arbeiten“, wird er einem im Ganzen nicht sonderlich sympathisch. Multiple Ehen – teils mit „häuslicher Gewalt“ – diverse Jobs, einige Geschäfte und Connections der „in ihrer Seriosität anzweifelbaren Sorte“ sowie sechs Monate in einer „Chain Gang“ infolge einer Verurteilung: Der Mann hatte ein „schwer zu bändigendes Ego“ und „bewegtes Dasein“, keine Frage…

Trivia: LaMotta ist in rund 19 Filmen und Serien aufgetreten – unter ihnen „the Hustler“ (mit Paul Newman), Mario van Peebles' „New Jack City“ und „Maniac Cop“ (William Lustig ist sein Neffe!). Das Projekt, auf dessen Entstehung im Vorliegenden eingegangen wird, ist „Cauliflower Cupids“ von Peter Savage – der hier „Rick“ heißt, zuvor Pornos gedreht hat und von Joe Mantegna („House of Games“) etwas zu stereotyp (sowie gelegentlich „zu stark grimassierend“) portraitiert wird. Als zwei der Frauen in Jake´s Leben agieren Penelope Ann Miller („Along came a Spider“) und Natasha Henstridge („the Whole Nine Yards“) solide – haben aber nicht gerade „reichhaltiges Material“ zugestanden erhalten – Tom Sizemore („the Relic“) und Mike Starr („Billy Bathgate“) sind als „Gangster“ gut aufgelegt bei der Sache und als Lisa LaMotta ist William´s echtes Töchterchen Rebecca Forsythe („Replace“) mit von der Partie. In kleineren Rollen lassen sich obendrein u.a. noch Harry Hamlin (TV´s „L.A. Law“), Bruce Davison („X-Men“), Robert Davi („Die Hard“), James Russo („On the Doll“), Valentina de Angelis („Everlasting“), Ray Wise („the Lazarus Effect“), Alex Meraz („Bright“), Joey Diaz („Grudge Match“) sowie eine ungewohnt dunkelhaarige Alicia Witt („Urban Legend“) erspähen…

Inklusive so mancher Parallele zwischen bestimmten Ereignissen und Entscheidungen inner- und außerhalb des Rings wirkt „the Bronx Bull“ wie eine arg konventionell und oberflächlich gestrickte Kreuzung aus einem „auf altmodisch getrimmten“ B-Movie und einem „Made-for-TV“-Drama über die „private Seite“ LaMottas, bei der es den Autoren leider an Talent in den Bereichen Dialoge, Figuren-Zeichnung sowie auf die „inhaltlichen Gewichtungen“ bezogen fehlte (bspw. werden die eigentlich ja reizvollen Connections Jakes zur „Mafia“ nie weiter konkretisiert). Auch der Bebilderung Massimo Zeris, der Musik-Untermalung Ched Tollivers und der Regie Guiguis mangelt es – markanter Umgebungen und Epochen (wie die NYer '30er, '60er und '80er) zum Trotz – an Eigenschaften wie einem kräftigeren „Flair“ – wobei die genutzten Studio-Backlot-Kulissen und die „unbeseelte“ Inszenierung das Aufkommen einer ansprechend ausgeprägten „Atmosphäre“ durchweg verhindern. Qualitativ unbefriedigend und nur bedingt unterhaltsam, ist es unschwer nachvollziehbar, dass „MGM“ diesen Streifen nicht als „Raging Bull II“ veröffentlicht sehen wollte. Fans von LaMotta und Forsythe können gern mal einen Blick riskieren – allen anderen rate ich eher davon ab…

2 Narrenkappen
zu verorten nahe der Grenze zur
3 Narrenkappen


« Letzte Änderung: 01. April 2018 um 17:46 von StS » Gespeichert

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