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Autor Thema: Wind River  (Gelesen 292 mal)
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StS
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Obsessed with the "mess" that's America


« am: 10. September 2017 um 17:12 »



Entstehungsdaten:
USA-Kanada-GB 2017

Regie:
Taylor Sheridan

Darsteller:
Jeremy Renner
Elizabeth Olsen
Graham Greene
Gil Birmingham
Julia Jones
Kelsey Asbille

Trailer


Es war schon ein „Kontrast“, als ich mir im Rahmen meines Urlaubs im Wüsten-Sultanat Oman bei über 40 Grad Außentemperatur ausgerechnet „Wind River“ (2017) in einem stark klimatisierten Kino angesehen habe – schließlich entfaltet sich Taylor Sheridan´s dramatischer Thriller, welcher nach Denis Villeneuve´s „Sicario“ und David Mackenzie´s „Hell or High Water“ sowohl den Abschluss der von ihm verfassten „American Frontier Trilogy“ als auch seine zweite eigene Regie-Arbeit (nach dem 2011er Horror-Streifen „Vile“) markiert, in den eisig-verschneiten Weiten Wyomings, in denen es durchaus vorkommen kann, dass eine Person unter bestimmten Umständen dermaßen kalte Luft einatmet, dass ihm oder ihr im Zuge dessen „die Lunge gefriert“: Sich eben jene dabei (aufgrund von aufgeplatztem Gewebe) mit Blut füllt sowie man daran dann letztendlich ertrinkt (sprich: einen qualvollen Tod erleidet)…

Ein solches Schicksal ereilt unmittelbar zu Beginn des Films die 18-jährige Natalie (Kelsey Asbiolle) – allerdings „erst“ nachdem sie zuvor brutal verprügelt und vergewaltigt wurde sowie mehrere Meilen barfuß durch die Nacht geflohen bzw. gerannt war. Als der für eine US-Behörde tätige Jäger Cory Lambert (Jeremy Renner) ihre Leiche in einem abgelegenen Teil des Titel-gebenden Reservats amerikanischer Ureinwohner entdeckt, wird die noch nicht sonderlich erfahrene FBI-Agentin Jane Banner (Elizabeth Olsen) dorthin beordert, um die bloß aus sechs Mann bestehende zuständige Polizei-Behörde bei der Evaluation des Falles zu unterstützen. Rasch muss sie jedoch erkennen, dass das für sie in dieser für sie ungewohnten Umgebung (u.a. auf die Witterung und den Umgang mit den Anwohnern bezogen) keine leichte Aufgabe werden wird – weshalb sie Cory kurzerhand um seine Mithilfe bittet…

Aus eigenen Erlebnissen schöpfend, hat der selbst mal mit einer „Native American“ liierte Sheridan seine (übrigens auf wahren Begebenheiten beruhende) Geschichte geflissentlich so gestaltet, dass das Publikum die Perspektive zweier „kaukasischer“ Protagonisten (im Sinne des im englischen Sprachraum entsprechend genutzten Synonyms) präsentiert erhält, die sich mit den schwierigen Bedingungen der sich ihnen auf dem Stammes-Gebiet bietenden Situation auseinandersetzen müssen – und so werden einem innerhalb der recht klassisch aufgebauten „Ermittlungsstruktur“ verschiedene (nicht nur soziologische) Informationen dazu dargeboten: Der betreffende „Subtext“ ist klar zu registrieren. Allein schon die Tatsache, dass es bis heute noch keinerlei offizielle Statistiken hinsichtlich der Zahl „verschwundener“ Frauen jenes ethnischen Hintergrunds gibt, ist bereits ja „so eine Sache für sich“…

Der Alltag vor Ort wird überwiegend als trostlos und schwierig dargestellt: Arbeitslosigkeit, Armut und fehlende „Chancen“ sind nur drei der Faktoren, welche über die Jahre hinweg zu markanten Alkohol- und Drogenproblemen geführt haben. Das einstmals stolze Volk – reich an „Vergangenheit und Kulturgut“ – ist inzwischen nicht mehr als bloß noch „ein Schatten seiner selbst“. Meist sind die Bewohner anderen gegenüber ablehnend eingestellt – sei es Behörden oder Angestellte einer im Auftrag der Regierung in der Region tätigen Bergbau-Gesellschaft. Die generelle Kooperationsbereitschaft ist also relativ niedrig – das Frustrations- und Gewaltpotential dagegen hoch sowie die „Frage nach der jeweiligen Jurisdiktion“ eine ebenfalls mit zu berücksichtigende Gegebenheit. All diese „Spannungen“ tragen dienlich ihren Beitrag zum Aufbau bzw. zur Festigung einer düster-bedrohlichen Stimmungslage bei…

Cory begleitet und hilft Jane, innerhalb dieser verzwickten Konstellation zurechtzukommen sowie ihren Job auszuführen. Er ist ein „Fährtenleser“ und „Beschützer“, der Nutzvieh davor bewahrt, von Wölfen oder Berglöwen gerissen zu werden. Seine eigene, mit Natalie damals selbst gut befreundete Tochter Emily fiel vor einiger Zeit einem ähnlichen, nie aufgeklärten Verbrechen zum Opfer – was u.a. darin resultierte, dass die Ehe mit seiner indianisch-stämmigen Frau Wilma (Julia Jones) zerbrach. Er bemüht sich weiterhin redlich darum, ein ordentlicher Vater ihres gemeinsamen Sohnes Casey (Teo Briones) zu sein – und hält auch noch immer regelmäßigen Kontakt zu Wilma´s Eltern. Emily´s Tod belastet ihn schwer – und doch agiert er zuverlässig und präzise, ist empathisch und nutzt die „schmerzhaft-frisch neu aufgewühlten“ Emotionen nun als „Antrieb“ dafür, zumindest diesen Täter zu fassen…

Jane hatte ihren „Marschbefehl“ erhalten, ohne sich vernünftig auf den Auftrag vorbereiten zu können: Regulär in Las Vegas eingesetzt, kennt sie sich weder mit dem Terrain noch den Leuten aus – muss sich sogar passende, von Wilma´s Familie zur Verfügung gestellte sowie einst Emily gehörende Winterkleidung ausleihen. Schnell wird ihr bewusst, auf Cory angewiesen zu sein: Obgleich er ja eigentlich kein „Gesetzeshüter“ ist, animiert sie ihn daher dazu, mit ihr den Killer zu jagen – und begibt sich im Folgenden außerdem daran, durch ein beherztes Auftreten sowohl Achtung als auch Vertrauen seitens der Personen um sich herum zu gewinnen. Sie ist clever, engagiert sowie ernüchtert diesbezüglich, dass das FBI kein Team schicken „darf“, da Natalie „rein faktisch betrachtet“ erfroren ist – ihr Tod also nicht als Mord eingestuft werden kann; der eindeutigen Umstände zum Trotz…

Unabhängig dessen, dass Sheridan mit Jane Banner (ähnlich wie schon Emily Blunt´s Kate Macer in „Sicario“) erneut „nur“ einen „männliche Unterstützung benötigenden“ weiblichen Part erschaffen hat, verkörpert Elizabeth Olsen („Silent House“) sie rundum überzeugend – während Jeremy Renner („Arrival“) das „aufgewühlte Innenleben“ Corys subtil (vorrangig via Mimik und Blicke) vermittelt sowie dabei eine der wertigsten Performances seiner Karriere abliefert. Die Momente, in denen er mit Jane und/oder Natalie´s Dad (Gil Birmingham aus der „Twilight Saga“) über Emily´s Tod (bzw. den daran anknüpfenden Umgang damit) spricht, bleiben einem unweigerlich im Gedächtnis. Nach „Avengers: Age of Ultron“ und „Captain America: Civil War“ markiert dies ja das nunmehr dritte gemeinsame Projekt der beiden talentierten, eine ergiebige „natürliche Chemie“ miteinander aufweisenden Mimen…

Als der sachlich-abgeklärt Erläuterungen á la „This isn´t the land of backup, Jane: This is the land of you´re on your own!“ darlegende ranghöchste örtliche Polizei-Beamte tritt Graham Greene („Die Hard with a Vengeance“) gewohnt kompetent in Erscheinung, Jon Bernthal („Baby Driver“) hat hier bereits zum zweiten Mal von dem gelegentlich ja selbst als Schauspieler (etwa bei TV´s „Sons of Anarchy“) vor der Kamera stehenden Sheridan eine wichtige kleine Nebenrolle „erhalten“ – worüber hinaus des Weiteren u.a. noch Julia Jones („Hell Ride“), Kelsey Asbille („Street Run“), James Jordan („Seraphim Falls“) und Tokala Clifford („Swelter“) mit von der Partie sind. Losgelöst einer Ausnahme, wurden die Charaktere allesamt ansprechend „reserviert“ und glaubwürdig gezeichnet und portraitiert – was den „dramatisch-zwischenmenschlich Komponenten“ umso mehr „Gewicht“ verleiht…

Sheridan´s Anspruch war es, dass der Zuschauer „ein Gefühl für die Figuren“ entwickelt, welche sich wohlig von all den „eindimensionalen Stereotypen“ abheben, wie man sie zuhauf in vergleichbaren Mainstream-Genre-Veröffentlichungen findet. Sie (inklusive ihrer Sorgen, Erfahrungen, Erlebnisse etc.) prägen die Handlung – verhalten sich nachvollziehbar und reden in beseelt verfassten Sätzen. Ihre ernsten, individuellen, zum Teil (nicht nur in geographischer Hinsicht) „isolierten“ Situationen sind ähnlich „rau“ wie das eisige Klima Wyomings. Ergänzt um rezitierte, punktuell eingespielte poetisch-klangvolle Gedichts-Auszüge „unterstreicht“ der hervorragende Score Nick Caves („the Proposition“) und Warren Ellis' („the Road“) die bedrückend-kühle Atmosphäre ein zusätzliches Stück weit – ebenso wie die feine Bebilderung Ben Richardsons („Beasts of the Southern Wild“)…

Der Kriminal-Fall an sich ist nicht sonderlich verzwickt oder vielschichtig: Relativ gradlinig schreiten die Ermittlungen in einem ruhigen, genau richtig bemessenen Tempo voran – bevor eine unerwartete, sich zunehmend beklemmender zuspitzende Rückblende einsetzt und ein famos arrangierter, geradezu „brachialer“ Shootout ausbricht, der es wahrlich „in sich hat“. Generell ist es so, dass wenn in dem Film Schüsse fallen, sie (so wie in der ersten Hälfte von „Sicario“ auch) über eine „Wucht“ verfügen, die u.a. aufgrund ihrer (realistischen) Lautstärke und „Folgen“ unweigerlich eine entsprechende „Wirkung“ beim Betrachter hervorrufen Schrägstrich erzielen. Alles in allem gehört Taylor Sheridan´s „Wind River“ mit zu dem Besten, was das Kinojahr 2017 zu bieten hat: Ein hochklassiger, atmosphärischer dramatischer Thriller sowie würdiger Abschluss der „American Frontier“-Trilogie…

starke
8 Narrenkappen


« Letzte Änderung: 10. September 2017 um 17:30 von StS » Gespeichert

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