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Autor Thema: Mann unter Feuer  (Gelesen 7855 mal)
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freeman
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« am: 02. Oktober 2004 um 02:57 »

Spoiler wie immer: Wer den Trailer kennt, weiß, was ich verraten werde.

Mann unter Feuer



Man on fire oder wie der dämliche deutsche Titel verkündet: Mann unter Feuer *am Kopf kratz* war heute auserkoren mich zu unterhalten. Und meine Fresse, was wurde auf den Film bisher eingedroschen. Sprüche wie: „Reaktionäres Machwerk“ und „sicher einer der neuen Lieblingsfilme von Bush“ waren dabei noch die nettesten Reaktionen.

Aber ich bin ja nicht hier, um die Meinungen anderer wiederzukäuen, also habe ich mir das Remake des Filmes Man on Fire, der im Jahre 1987 von Elie Chouraqui gedreht wurde, einmal genau angesehen. Ironischerweise wollte Tony Scott, der Regisseur des Remakes, schon bei dem Original die Regie führen, aber man hielt ihn angeblich für zu unerfahren. Wer den Spruch liest und sich dann mal über Chouraquis Oeuvre vor Man on Fire informiert, wird sich hier, nach dem katastrophalen deutschen Titel des Remakes, zum zweiten mal am Kopf kratzen. Zwinkern

Zu dem eher schwachen Original mit Scott Glenn, dass ich vor Jahren einmal im TV gesehen habe und das mir nur wegen seiner konsequent düsteren Atmosphäre halbwegs zusagen konnte, hat sich storytechnisch nicht all zu viel verändert: Der wesentlichste - sofort augenscheinliche Unterschied - ist der Wechsel der Location aus Europa, nach Mexico City, wo Entführungen und Lösegelderpressungen zu einem Big Business geworden sind.

In dieser unsicheren Zeit entschließt sich die Familie Ramos einen Bodyguard für ihre kleine Tochter Pita zu engagieren, damit diese ungefährdet zur Schule und wieder zurück gelangt. Man engagiert Creasy, einen Alkoholiker und gebrochenen Mann, der mit seiner Vergangenheit hadert, von der man aber leider nichts erfährt (einer der wenigen Schwachpunkte des Filmes). Pita gelingt es recht schnell den mürrischen Panzer des verbitterten Mannes zu knacken und beide finden zueinander, werden Freunde.

Der beste Freund Creasys wird später behaupten, Pita habe Creasy gezeigt, dass es gut sei, weiterzuleben und er hat recht. Beide verschmelzen zu einer Einheit, sind für einander da und brauchen sich gegenseitig: Creasy wird so wieder zu einem denkenden, fühlenden Menschen, empfindet Freude und sogar Stolz für seinen Schützling. Pita erhält in Creasy eine Art Ersatzfamilie, weil ihre Eltern eigentlich nie Zeit für sie haben.

In diese Idylle platzt dann bald die Realität von Mexiko City mit all ihrer Brutalität. Creasy wird zusammengeschossen und Pita entführt. Die Lösegeldübergabe endet in einem Desaster und Pita wird getötet.

Nun kennt der halbtote Creasy kein Halten mehr und findet Unterstützung bei einer Reporterin, die ihm wichtige Tips zuspielen wird und ihm bei seinem erbarmungslosen Rachefeldzug unterstützt, denn:

Creasy: „Vergebung ist eine Sache zwischen denen und Gott, mein Job ist es, das Treffen zu arrangieren.“

Auf diesem Wege gibt es auch einige handfeste Überraschungen, die hier aber nicht verraten werden sollen.

Denzel Washington trägt den Film mühelos und kann bei der Entwicklung seines Charakters Creasy aus dem Vollen schöpfen: Vom alkoholisierten Wrack, zum auftauenden Eisblock, über den glücklichen, mit beiden Beinen im Leben stehenden Mensch, hin zum kaltblütigen Racheengel. Er überzeugt auf ganzer Linie. Von der kleinen Dakota Fanning, die die Pita spielt, wird er aber fast an die Wand gedrückt. Mein Gott kann die Kleine spielen, was sie ja schon in Ich bin Sam oder Taken von Steven Spielberg bewiesen hat, aber das hier war schon fast aus einer anderen Welt. Klasse. Christopher Walken beweist einmal mehr, warum er zu Hollywoods besten und einprägsamsten Nebendarstellern und Charakterköpfen gehört. Rachel Ticotin als Reporterin, Giancarlo Giannini (bekannt aus Hannibal) als Chef der AIF und Radha Mitchell als Mutter runden den eindrucksvollen Cast mit ihren Leistungen ab.

Am meisten kann aber Regisseur Tony Scott beeindrucken. Er verpasst dem Film teils unglaubliche Adrenalinstöße alleine durch seine optischen Spielereien. Schon die in den Eingangsminuten innerhalb von 5 Minuten komplett durchgespielte Entführung - von der Entführung eines jungen Mannes, über die Verhandlungen, hin zu Lösegeldübergabe und Geiselfreilassung - entfacht einen Bildersturm, der sich auf der Netzhaut einbrennt. Bei dem Aufeinandertreffen von Creasy und Pita fährt Scott dieses Stilmittelbombardement etwas zurück, um es dann wieder unvermittelt auf den Zuschauer einprasseln zu lassen: verkürzte Verschlusszeiten, rasend schnelle Zooms und Kameraschwenks, wackelige Handkamera und Einstellungen, die von ihrer Länge her einem Lidschlag gleichkommen, verdeutlichen Creasys Suff, die Panik bei der Entführung der kleinen Pita und den Rausch bei der Suche nach Vergeltung. Einfach unglaublich und vor allem zieht es den Zuschauer hinein in das Geschehen, fordert seine ganze Aufmerksamkeit und erschafft eine unglaubliche Sogwirkung.

Unterstützung erhält Scott nicht nur durch seine tollen Schauspieler, sondern auch durch Brian Helgeland, der ein spannendes Drehbuch lieferte und seinen Charakteren Zeit gibt, sich zu entwickeln, so dass diese dem Zuschauer wirklich ans Herz wachsen. Und dann ist da noch Harry Gregson Williams, der Schöpfer des Soundtracks, der einfach als grandios bezeichnet werden muss. Williams ließ landestypische Musikelemente einfließen, vereinte diese mit unglaublich gut passenden Samples meiner Lieblingsband Nine Inch Nails und lässt auch die absolut unverwechselbare Stimme von Lisa Gerrard ertönen, die einzelne Szenen zu einem akustischen Hochgenuss werden lässt. Hier stimmt einfach alles.

Schließen möchte ich mit den teils sehr negativen Kritiken und den Vorwurf, der Film sei reaktionär oder eine glorifizierende Rachephantasie. Ich denke der Film ist weit davon entfernt reaktionär zu sein. Dazu ist er in den ersten 80 Minuten, die aus der Annäherung zwischen Creasy und Pinta bestehen, viel zu feinfühlig. Hier hat der Film seine besten Momente, ist witzig und wird durch die „Beziehung“ zwischen Bodyguard und Schutzbefohlenem sehr emotional aufgeladen. Es folgt die Entführung und plötzlich stößt der Film den Zuschauer, den er gerade so gut in das Geschehen involvieren konnte, weg. Zu abschreckend, zu brutal geht Creasy vor, foltert und tötet ohne jegliches Erbarmen, führt seinen Opfern gar Bomben ins Rektum ein!!! Alles wirkt plötzlich richtig kalt und man hat nicht eine Minute das Gefühl, man schaut hier bei etwas zu, das richtig ist oder irgendwie glorifiziert werden sollte. In dieser Phase beginnt Creasy für den Zuschauer plötzlich richtig fremd zu wirken und er hat so gar nichts heldenhaftes an sich.
Vollkommen obsolet wird der Vorwurf des Reaktionären oder des Gewaltverherrlichenden spätestens bei dem hochemotionalen, tieftraurigen Ende an dem eine Erkenntnis bleibt: Was kann ein Einzelner gegen derartige Zustände wie sie in Mexico City vorherrschen oder gegen ein korruptes System tun? NICHTS!
Klingt das nach Gewaltverherrlichung oder stupider Rachephantasie? Ich denke nicht.

Was bleibt ist ein Film, der aufwühlt, mitreißt und den Zuschauer in ein Wechselbad der Gefühle stürzt:
 10 Narrenkappen

Weitere Infos gibt es unter:
http://www.manonfiremovie.com/

In diesem Sinne:
freeMAN ON FIRE <-- gefällt mir echt Zwinkern
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Ikarus
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« Antwort #1 am: 02. Oktober 2004 um 13:36 »

Eigentlich hatte ich ja nicht vor mir den Film anzuschauen, aber nach dieser Lektüre hier werd ich mir das wohl doch nochmal überlegen.
Auf jeden Fall wieder mal eine tolle Filmkritik die aber durch einen fetten Spoiler etwas getrübt wird.
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so long
Ikarus

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freeman
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« Antwort #2 am: 02. Oktober 2004 um 15:06 »

Hallo Ikarus, sag mal bitte an, was du als fetten Spoiler ansiehst, ich werde dann versuchen entweder das ganze zu rechtfertigen oder abzuändern, je nachdem was du meinst.

In diesem Sinne:
freeman
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Iám Groot


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« Antwort #3 am: 02. Oktober 2004 um 16:05 »

Zitat von: "freeman"
führt seinen Opfern gar Bomben ins Rektum ein!!!

ich denke Ikarus wird diesen satz meinen
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Sir Khan
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« Antwort #4 am: 02. Oktober 2004 um 16:34 »

oder hier: bei dem hochemotionalen, tieftraurigen Ende an dem eine Erkenntnis bleibt: Was kann ein Einzelner gegen derartige Zustände wie sie in Mexico City vorherrschen oder gegen ein korruptes System tun? NICHTS!
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freeman
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« Antwort #5 am: 02. Oktober 2004 um 16:57 »

Hm, naja also zu Futures Vermutung nur soviel: Es handelt sich dabei nur um eine Szene, die Creasys Kaltblütigkeit unterstreicht, von diesem Element braucht man sich aber den Kinogenuß nicht zerstören zu lassen.

Zu Sir Khans Meinung:
Hier hole ich etwas weiter aus, ohne zu viel verraten zu wollen. Ich bin heute morgen erwacht (gegen 14:00 Zwinkern ) und lag so in meinem Bett und habe darüber nachgedacht, dass ich genau zu diesem Zeitpunkt, nachdem ich einen Tag über den Film geschlafen habe, innerhalb von 30 Minuten einen Totalverriß des Filmes schreiben könnte, ohne mich großartig anzustrengen. Ich könnte mir sogar meine eigene Argumentation spielend leicht um die Ohren hauen. Einzig und allein, der von dir herausgepickte Satz macht meine Meinung für mich halbwegs sattelfest. Denn hier habe ich meine Gefühle direkt nach dem Film beschrieben. Der Satz sollte niemand suggerieren, dass man es hier mit einem Happy End oder einem Unhappy End zu tun hat (in Wirklichkeit ist es nämlich je nach Argumentationsführung einfach nur als wunderschön oder eben als dumm  und eine Bestätigung der These: "Rache funktioniert und ist etwas gutes" zu bezeichnen), er sollte nur meine Gedanken und Gefühle nach dem Film widerspiegeln. Also quasi mein subjektives Empfinden. Denn wenn man das Ende so empfinden kann, wie ich es getan habe, dann ist der Film keine platte Rachephantasie, deutet man das Ende und die damit einhergehende Moral nur ein wenig anders kann man den Film komplett auseinandernehmen.

Mehr wollte ich eigentlich nicht zum Ausdruck bringen. Wenn ich mich da "falsch ausgedrückt" habe, tut es mir leid. Auf jeden Fall sollte sich keiner von diesem "Spoiler" den Filmgenuss verderben lassen. Für weiterführende Diskussionen zu dem Thema "reaktionäre Rachephantasie/Gewaltverherrlichendes Machwerk oder eher stimmiger Actionthriller mit trauriger Moral" stehe ich wirklich gerne zur Verfügung, weil mich hier die Sicht anderer brennend interessieren würde.

In diesem Sinne:
Auf ins Kino Zwinkern
freeman
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Sir Khan
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« Antwort #6 am: 02. Oktober 2004 um 17:04 »

Wenn ich weiss, dass der Film ein "unhappy end" hat, macht dieser sich für mich direkt umso interessanter Zwinkern .
Wie dem auch sei: DU BIST DER BESTE! - I love you, Honeybunny Zwinkern  Zwinkern  Zwinkern
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freeman
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« Antwort #7 am: 02. Oktober 2004 um 17:32 »

Peinlich!

In diesem Sinne:
freeman
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DerNarr
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« Antwort #8 am: 02. Oktober 2004 um 19:03 »

Aber wird im Trailer auch gesagt, dass Pita stirbt?? Dann hab ich wahrscheinlich nicht aufgepasst...  Peinlich!
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freeman
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« Antwort #9 am: 02. Oktober 2004 um 20:16 »

Ja, nicht explizit, aber hintenrum klingt es mehrmals an. Ausserdem ist Washington ja auf einem Rachefeldzug und nicht auf einem Wiederbeschaffungstrip.

In diesem Sinne:
freeman, wenn jetzt noch was spoilert brech ich heulend zusammen. Hihihi, nee, immer her mit der Kritik
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schneiderbernd!


« Antwort #10 am: 02. Oktober 2004 um 20:50 »

Sagt mal, weiss einer wie das Lied heißt das immer in dem Trailer läuft?
Hört sich nach Everlast an oder ist ein Track von Nine Inch Nails?
Das geht mir nämlich nicht mehr aus dem Kopf raus!
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freeman
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« Antwort #11 am: 02. Oktober 2004 um 22:25 »

Hm, also in dem Trailer ist auf jeden Fall ein Sample von den Nine inch Nails zu hören, ist aber nen älterer Song, bei dem ich jetzt den Namen nicht genau zuordnen kann, denn bei Namenszuordnungen von Songs bin ich grauselig schlecht, ABER ich kann sagen, dass nur folgende Songs sein können:

"The Mark Has Been Made"
"The Wretched (Version)"
"The Art of Self Destruction, Part One"
"The Downward Spiral (The Bottom)"
"The Great Below"
"Self Destruction, Part Two"

Weil diese den Eingang in den Film geschafft haben, ABER ich bin mir fast 100 pro sicher, dass es eine verlangsamte Version von The Wretched ist, also Song Nummer 2.

Hoffe geholfen zu haben.

In diesem Sinne:
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Ikarus
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« Antwort #12 am: 03. Oktober 2004 um 11:07 »

Wie derNarr schon angemerkt hat, meinte ich das hier:

Die Lösegeldübergabe endet in einem Desaster und Pita wird getötet.
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so long
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« Antwort #13 am: 03. Oktober 2004 um 12:50 »

Einer von diesen Songs ist der Song den du suchst:
http://www.soundtrack.net/trailers/?cid=M&id=1389
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Hannibal
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« Antwort #14 am: 04. Oktober 2004 um 18:21 »

Klasse Review...ins Kino werde ich mangels Begleitung wohl nicht gehen, aber die RC3-Disc - vorrausgesetzt Wow listet die demnächst - ist gebongt Zwinkern

MFG
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