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Autor Thema: Steven Wilson - The Raven that refused to sing (and other Stories)  (Gelesen 2487 mal)
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gelini71
Syncro Schauer
Moderator
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Beiträge: 8.220


Keine Angst - ich bin es nur


« am: 03. März 2013 um 16:49 »


K-Scope 2013

Offizielle Steven Wilson Webseite

• Steven Wilson – Gesang, Gitarre, Mellotron, Keyboards, Bass
• Nick Beggs – Bass, Backing Vocals
• Guthrie Govan – Gitarre
• Adam Holzmann – Fender Rhodes, Hammond Orgel, Piano, Minimoog,
• Marco Minnemann – Schlagzeug
• Theo Travis – Saxophon, Flöte, Klarinette
sowie
• Jakko Jakszyk – Backing Vocals
• Alan Parsons – Gitarre
und das London Session Orchestra

Produziert von Steven Wilson, Co-Produzent und Toningenieur: Alan Parsons
Aufgenommen in den East West Studios, Los Angeles vom 15.09.2012 bis 21.09.2012
London Session Orchestra aufgenommen am 17.10.2012 in Angel Studio, London

Tracklist
01. Luminol – 12:10 
02. Drive home – 7:37 
03. the Holy Drinker – 10:13 
04. the Pin Drop – 5:03 
05. the Watchmaker - 11:43
06. the Raven that refused to sing – 7:57 
 
 
 
10 Narrenkappen Narrentip

Die Zukunft beginnt hier - Wer braucht schon Porcupine Tree wenn er solch ein gutes Album bekommen kann ?

Die Meldung war eine kleine Sensation – Steven Wilson produziert sein drittes Soloalbum unter eigenem Namen zusammen mit der Produzentenlegende Alan Parsons. Zum einen überwog die Vorfreude was diese beiden Musiker zusammen austüfteln würden, aber es gab auch etwas Verwunderung. Denn bis dato hatte Steven Wilson sich immer selber produziert und noch nie Hilfe von einer anderen Person angenommen und Alan Parsons war eher nicht dafür im Verdacht als Produzent für andere Musiker sehr umtriebig zu sein.

Wer jetzt nicht so bewandert in der Musikgeschichte ist hier ein kleiner Aufriss wer dieser Alan Parsons überhaupt ist. Parsons, geboren 1948 in London, machte zunächst eine Ausbildung zum Tontechniker bei der EMI und wurde schließlich fest angestellter Produzent und Tontechniker in den berühmten Abbey Road Studios. Er produzierte Klassiker wie „Music“ von John Milles, „Sebastian“ von Steve Harley oder „Year of the Cat“ von Al Steward aber auch eher unbekannte Bands wie Ambrosia, Pilot oder Keats. 1973 erhält er den Grammy für das Album „Dark Side of the Moon“ von Pink Floyd – berühmte Toneffekte wie die Kassen in „Money“ oder die Uhrenkakophonie in „Time“ gingen auf sein Konto. Nach drei gemeinsamen Tourneen erhält Parsons von Pink Floyd das Angebot als fest angestellter Produzent und Tontechniker für die Gruppe zu arbeiten. Parsons lehnt ab (er wird später sagen: „...eine Tour mit denen ist ein grauenhaftes Erlebnis“)* und gründet stattdessen mit dem ehemaligen Musikmanager Eric Woolfson das Alan Parsons Project. Mit ihrer Mischung aus klassischen Prog-Rock mit einem Schuß Pop wird das Project einer der Erfolgreichsten Acts der Spät-Siebziger Jahre werden – und das obwohl weder eine Tour noch TV Auftritte stattfinden und sich dieses Project eher Anonym gibt. Nach dem Musicalflop „Freudiana“ 1990 trennen sich die Geschäftlichen und Privaten Beziehungen von Parsons und Woolfson. Seither ist Alan Parsons Solo unterwegs, macht wenn er Lust hat ein Album oder geht auf Tour (ebenfalls nur wenn er Lust dazu hat) und gibt Kurse für angehende Produzenten. Regelmäßig bekommt er Angebote für Produktionsjobs, die er idR immer ablehnt. Das er bei Steven Wilson zusagte ist (wie schon erwähnt) eine kleine Sensation.

Allerdings ist Parsons nicht der alleinige Produzent dieses Albums wie einige Webseiten vorschnell berichtet haben – Er war diesmal nur der Tontechniker und Co-Produzent. Steven Wilson ist und bleibt ein kleiner Diktator und lässt sich eben nicht gerne die Verantwortung abnehmen und so ist er auch weiterhin der Produzent seiner Musik, auch die Endabmischung besorgte Wilson selber. Doch Parsons war für die Produktion des Albums enorm wichtig, denn im Gegensatz zum Vorgänger „Grace for Drowing“ entstand das Album spontan unter Live Bedingungen. Lediglich acht Tage Produktionszeit hat das Album benötigt, das ganze sollte möglichst spontan passieren. Parsons langjährige Erfahrung sorgte dafür das Wilson sich komplett auf das spielen und erarbeiten der Musik konzentrieren konnte.

Grundlage für dieses Konzeptalbum waren diverse Gruselgeschichten die sich Steven Wilson selber ausgedacht hat oder auf Konzepten des Coverkünstlers Hajo Müller basieren  - und schuf damit sogar eher unfreiwillig eine weitere Verbindung zu Alan Parsons, denn bekanntermaßen war sein Project Debüt die Vertonung klassischer Gruselgeschichten von Edgar Allan Poe. In den Geschichten von Wilson geht es aber weniger um klassischen Horror sondern eher um den großen Themenkomplex der Menschlichen Psyche und die „Geister“ die in ihr wohnen.

Durch die sehr spontane und schnelle Produktion macht das Album direkt von Anfang an einen wesentlich aufgeräumteren Eindruck als der Kopflastige Vorgänger „Grace of Drowning“. Komplex ist die Musik aber immer noch, leichtes Hitparadengedudel ist hier nicht zu erwarten stattdessen gibt es auch weiterhin unzählige Stilbrüche. Wilsons Musik verlangt immer noch die gesamte Aufmerksamkeit des Hörers. Auch ist es auffällig das sich seine Musik sämtlichen Versuchen einer einfachen Katalogisierung entzieht – Rock mit Jazz und einer Brise klassischen Prog-Rock verfeinert mit allerlei Experimentellen Kram, das wäre so ungefähr das wie man das ganze beschreiben könnte. Man sollte als Hörer schon in Lust und Laune sein sich auf diese Reise der Klänge einzulassen.

Wilson selber bezeichnet das Album als „klassisches Prog-Rock Album“ – was man so durchaus unterschreiben kann wenn man den Einstiegssong „Luminol“ hört – Hammond Orgel, Querflöte, diverse Tempobrüche. Es klingt als wären Jethro Tull mit King Crimson zusammen im Studio zugange. Doch Wilson kopiert nicht einfach alte Klassiker, er zitiert eher gekonnt die Vergangenheit und gibt ihr eine eigene moderne Note – man achte auf das äußerst verzwickte Drumming was irgendwie keiner Taktart gehorcht oder das geile Basssolo von Nick Beggs im ersten Drittel.

Mit „Drive Home“ geht es direkt danach in Richtung Ballade und dieser Song könnte durchaus in die Frühzeit von Porcupine Tree reinpassen, vor allen das epische Gitarrensolo gefällt. „Holy Drinker“ beginnt erst Free-Jazz mäßig, um dann auf einmal in Rockgefilde abzugleiten – auch hier wieder ein total asymmetrisches Drumming. Spätestens hier beginnt man vor der Begleitband den Hut zu ziehen – was die Jungs da Live im Studio abziehen ist mehr als beeindruckend.

Auffällig auch das trotz der vertrackten Rhythmen die Musik als solches verdammt melodisch ist. Bestes Beispiel ist sicherlich der auf dem ersten Blick etwas spröde und sehr melancholische Titeltrack, bei dem zu Anfang recht monoton auf den selben wenigen Noten rumgeritten wird. Doch nach einiger Zeit merkt man das man diese kleine Melodie nicht mehr aus dem Kopf bekommt und die Story um den alten Mann, der in einem Raben seine tote Schwester wiedererkennt wächst zu einem großen Song. Ein Ohrwurm, auch wenn es am Anfang gar nicht so klingt

Wer es vertrackter mag der wird „the Watchmaker“ lieben, eine total wilde Komposition die keiner Linie folgt. Wirkt am Anfang ziemlich konfus, ja schräg aber auch dieser Song wächst mit der Zeit – ist aber von den sechs Songs auf diesem Album der wohl schwierigste.

Steven Wilson schafft das Kunststück, auf der einen Seite sehr vertraut zu klingen ohne irgendwie in diese blöde Retroschiene zu verfallen. Seine Definition von Prog-Rock bezieht sich auf das Vergangene mit der gleichzeitigen Einbeziehung des hier und jetzt. Kein „Früher war alles besser“ sondern ein „Im Morgen liegt die Zukunft“. Die Musik ist eingängig (für seine Verhältnisse) ohne dabei schnell langweilig zu werden und verfügt (wie immer) über wunderbare Longplay Eigenschaften. Wer sich die Mühe macht zudem in die Geschichten einzutauchen der wird mit einem richtigen Tripcharakter belohnt.
Mit diesem Album hat Steven Wilson der alten Tante Prog-Rock neues Leben eingehaucht. Nicht besser oder schlechter wie „Grace of Drowning“ sondern anders aber genauso gut. Der Jazzanteil wurde zurückgefahren, ist aber noch vorhanden und ergänzt sich prächtig mit dem gesamten Musikalischen Bild. Topalbum, absoluter Kauftip und mit Sicherheit bei den Alben des Jahres 2013 ganz vorne mit dabei.   

Das Album erscheint in diversen Formaten – als einfache CD, als CD/Blu-Ray Kombo oder als CD/DVD Kombo, als Doppelvinyl, als Download sowie als exklusiver Deluxe Version in Form eines großen gebundenen Buches wo der Zeichner Hajo Müller die Geschichten illustriert hat, mit dem Album als CD, der DVD und der Blu-Ray sowie mit einer weiteren Bonus CD (der Demofassung des Albums) – diese Fassung ist allerdings bereits offiziell ausverkauft.

Anspieltip: Drive home, Luminol, the Raven that refused to sing

* Zitat aus der Zeitschrift „Debüt“, Ausgabe Nr 8 / August 1984 
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