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Autor Thema: Jeff Wayne - the War of the Worlds (the new Generation)  (Gelesen 2877 mal)
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gelini71
Syncro Schauer
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Beiträge: 8.174


Keine Angst - ich bin es nur


« am: 03. Dezember 2012 um 14:30 »


Sony 2012

Offizielle Jeff Wayne Webseite

Musiker
• Jeff Wayne – Keyboards, Synthesiezer
• Paul Hart – Keyboards
• Thomas Ganday – Keyboards
• Gaétan Schurrer – Keyboards
• Tom Woodstock – Keyboards, Gitarre
• Ken Freeman – Synthesieser
• Chris Spedding – Gitarre
• Laurie Wisefield – Gitarre, Mandoline
• Jo Partridge – Gitarre (“ULLAs”)
• Herbie Flowers – Bass
• Gordy Marshall – Schlagzeug
• Ray Cooper – Percussion
• the Littlechap Strings – Streicher
• Emma McCoy – Solo Chello

Die Sänger & ihre Rollen
• Liam Neeson – George Herbert, der Journalist
• Gary Barlow – Singstimme des Journalisten
• Ricky Wilson – the Artilleryman
• Alex Clark – the Voice of Humanity
• Maverick Sabre – Parson Nathaniel
• Joss Stone – Beth, Parson Nathaniels Ehefrau
• Jerry Wayne – NASA Techniker
• Tom Woodstock – the Heat Ray
• Lewis MacLeod – Marsianer

Produziert, Arrangiert & Dirigiert von Jeff Wayne
Ausführender Produzent: Jerry Wayne
Adaptiert von gleichnamigen Roman von H.G. Wells
Adaption & Songtexte: Doreen Wayne

Aufgenommen in den Olliewood Recording Studios, Hertfordshire UK (11.01.2011 bis 12.08.2012)
Liam Neesons Stimme wurde aufgenommen im Audio Department, New York USA (10.04.2011 bis 13.04.2011)

Tracklist
CD 1
01. the Eve of the War – 10:14 
02. Horsell Common and the Heat Ray – 12:13 
03. the Artilleryman and the Fightmachine – 12:03 
04. Forever Autumn – 7:34 
05. Thunderchild – 6:14

CD 2
01. the Red Weed Part 1 – 6:58 
02. the Spirit of Man – 12:07 
03. the Red Weed Part 2 – 5:20 
04. the Artilleriman returns - 3:21 
05. Brave new World – 12:14
06. Dead London Part 1 – 5:27
07. Dead London Part 2 – 3:48
08. Epiloge Part 1 – 3:22
09. Epiloge Part 2 NASA – 1:57 

   
3 Narrenkappen

Es gibt Dinge die kann man nicht verbessern – Jeff Wayne versucht es trotzdem und scheitert in allen Punkten
 
Im Jahre 1978 kam das Album „the War of the Worlds“ des bis dato unbekannten Produzenten Jeff Wayne heraus – eine Musikalische Adaption des gleichnamigen Science-Fiction Klassikers vom Britischen Autor H.G. Wells, Handlungstechnisch recht eng an der Romanvorlage gehalten, Musikalisch im Stil der damaligen Zeit in einer Mischung aus Prog-Rock, etwas Pop sowie Klassikelementen, gewürzt mit einer beeindruckenden Liste an Sängern und Schauspielern. Die Rolle des Erzählers übernahm Richard Burton, als Sänger waren u.a. Phil Lynott (Thin Lizzy), Justin Hayward (the Moody Blues) oder Chris Thompson (Manfred Manns Earth Band) zu hören. Wayne traf voll den Nerv des damaligen Zeitgeistes – Science Fiction Stoffe waren im Kino der große Renner und auch im Musikmarkt waren Konzeptalben mit Literarischen Themen ein Erfolg wie kurz zuvor das Alan Parsons Project mit ihren Adaptionen von Kurzgeschichten von Edgar Allan Poe oder Isaac Asimov bewiesen haben. Jeff Wayne ging nur einen Schritt weiter und vertonte einen ganzen Roman, das Album wurde dann etwas ungeschickt  als „Musical“ vermarktet weil es für das ganze irgendwie keine richtige Schublade gab.

Der Erfolg war Überwältigend – mehr als 13 Millionen verkaufte Exemplare Weltweit ist schon mal eine Hausnummer, es folgte sogar eine Deutsche Fassung mit Curd Jürgens in der Rolle des Reporters (sowie eine inoffizielle vom Radiosender SWF3 mit Frank Laufenberg als Sprecher). Der große Erfolg seines Erstlings schien Jeff Wayne aber auch zu lähmen – erst 1992 kam ein Nachfolger auf den Markt, eine Musikalische Bearbeitung der Spartakus Sage. Doch der Zeitgeist hatte sich in den 14 Jahren verändert – Grunge hatte den Musikmarkt kräftig gereinigt und die Jugend tanzte in Kellerclubs zu Technobeats, da war für Keyboardlastigen Prog-Rock kein Platz mehr und das Album floppte fürchterlich. Seither verwaltet Jeff Wayne sein schmales Musikalisches Erbe – nach Remaster und SACD Versionen, Remix Alben, einer Live Fassung (mit Richard Burton als CGI Hologramm) kommt nun „the new Generation“ der Invasion vom Mars, eine komplette Neuaufnahme des Konzeptalbums, angepasst an den heutigen Zeitgeist – wäre es ein Film würde man wohl von einem Reboot sprechen.

Das Konzept blieb zunächst einmal das gleiche: Eine Mischung aus Hörspiel bzw Hörbuch und Musiktheater. Die Sänger sind auch Schauspieler, einzig die Rolle des Journalisten wird auch diesmal von zwei Leuten besetzt – waren es im Original Richard Burton als Erzähler und Justin Hayward als Sänger sind es nun Liam Neeson (Erzähler) und Gary Barlow (Gesang).

Eine Tatsache läßt sich nicht schönreden: Die Fußspuren des Original sind verdammt groß und die meisten der neuen Besetzung scheitern in allen Ehren. Dies ist sicherlich nicht die Schuld der jeweiligen Sänger sondern die von Jeff Wayne der hier bei der Auswahl mehrmals kräftig danebengegriffen hat und einfach nicht die passenden Stimmen zu den Rollen gefunden hat. Man hat mehrmals das Gefühl das Wayne wohl eher auf die momentane Hitaparadenplazierung geschaut hat als auf die Tatsache das eine Stimme auch zur Rolle passen muß, anders ist wohl nicht zu erklären das da ein Alex Clark oder ein Maverick Sabre als Sänger / Darsteller auftauchen. Als Erzähler wurde Liam Neeson ausgewählt und diese Wahl kann als gelungen angesehen werden, zwar ist seine Stimme nicht ganz so tief und rauchig wie die von Richard Burton aber trotzdem passt diese auch perfekt in das ganze Szenario. Aber auch die neue Version hat das gleiche Problem wie die alte Fassung: Man merkt einfach das die einzelnen Stimmen nicht gemeinsam im Studio waren sondern die Aufnahmen an verschiedenen Orten und Zeiten gemacht wurden. Besonders auffällig ist es wenn Neeson mit der Figur des Artilleryman spricht – hier sind die Lautstärkeunterschiede, die unterschiedliche Tonqualität und die Distanz mehr als deutlich zu hören.

Da Neeson nicht singt springt für ihn Gary Barlow ein – man kann von dem Take That Mann halten was man will, als Sänger hier in diesem Szenario macht er sogar eine richtig gute Figur. Das war es leider schon mit den guten Worten. Eine wirklich schlimme Fehlbesetzung sind Joss Stone und Maverick Sabre als das Ehepaar Nathaniel in „Spirit of Man“. Sabre schafft es zu keiner Sekunde den Wahnsinn der Figur auch nur annähernd darzustellen, vollkommen Emotionslos singt und erzählt er seinen Part und ersetzt Gefühle einfach durch Schreierei. Joss Stone scheitert als liebende Ehefrau ebenfalls total, zwar singt sie gut aber es passt einfach nicht – wer das Original mit Phil Lynott und Julie Covington kennt (und liebt) wird sich hier mit Grausen abwenden.

Musikalisch hat sich auch einiges geändert – die Kompositionen sind zwar die gleichen geblieben, die Arrangements wurden aber etwas verändert. So wird jetzt „the Eve of the War“  wesentlich schneller gespielt und man hat so einen komischen elektronischen Dancebeat drunter gelegt – gefällt mir überhaupt nicht. Mal werden die Gitarren weiter nach vorne geholt („Horsell Common and the Heat Ray“) oder die Keyboards („the red Weed“). Auch sind jetzt neue Effekte dazugekommen wie die Zeitungsjungen bei „Horsell Common and the Heat Ray“ oder wenn der Journalist auf der Flucht ins Wasser springt dann wird für einen Moment die Musik dumpf.
Textlich wurde das ganze erweitert, sowohl bei den Erzähltexten als auch bei den Songs – man geht etwas mehr ins Detail. Größer geworden ist z.B. der Teil wo der Journalist den Artillerymann wiedertrifft. 
Wer das Original kennt wird auf der einen Seite sehr viel vertrautes wiederfinden, dann wieder irgendwelche seltsamen Neuerungen die teilweise ganz gut klingen aber manchmal auch wie ein Fremdkörper wirken. Nur stellte sich mir persönlich mehrmals die Frage warum nicht diesmal ein richtiges großes Orchester geholt wurde – die Verstärkung der Streicher mit Synthesizer klingt immer noch reichlich künstlich, die Flötentöne ebenfalls aus dem Computer sind immer noch billig bis unfreiwillig komisch. Hier hätte man was zum positiven ändern können.

Atmosphärisch ist das ganze immer noch ein beeindruckendes Stück Musik geworden – wenn in „the red Weed“ die Keyboardflächen, die E-Gitarre und die Soundeffekte aus dem Moog Synthesizer erklingen und ein dunkler Ambientsoundteppich aus den Boxen kommt dann wird die bedrohliche Wirkung des alles zerstörenden roten Krauts plastisch fühlbar. Oder wenn bei „Horsell Common and the Heat Ray“ die Menschenmenge um den Stahlzylinder steht, dieser sich langsam öffnet (ein ganz fieses Metall-auf-Metall Geräusch), die E-Gitarre langsam immer lauter wird, der Zylinder sich öffnet und sich der Kampfroboter entfaltet der dann mit seinem Heat Ray direkt mal Kampftechnische Fakten schafft – das ist Kopfkino erster Güte, Gänsehaut pur und der beste Beweis wie gut Musik Geschichten erzählen und Emotionen beim Hörer erzeugen kann. Übrigens – der berühmte Kampfschrei „ULLA“ ist gleichgeblieben.

Nur schade das die einzelnen Songs nun nicht mehr so wuchtig und packend rüberkommen. Sicher – „Forever Autunm“ war schon im Original etwas kitschig aber die neuen Keyboardlinien klingen einfach schmalzig. „Thunderchild“ ist im Original ein schöner Rocksong über den Kampf des Kannonenboot „Thunderchild“ gegen einen Marsroboter und somit ein schönes Sinnbild des Kampfes David gegen Goliath. Was bei Chris Thompson mit seiner Kraftvollen Stimme einfach bestens funktionierte klingt heute mit Alex Clark einfach nur Kraft- und Mutlos. Ricky Wilson (Sänger bei den Kaiser Chiefs) als Artillerymann zieht sich allerhöchstens durchschnittlich aus der Affäre. Und über das komplett misslungene „Spirit of Man“ habe ich mich ja schon ausgelassen.

Wäre das Album ein Film könnte man es wohl so am besten beschreiben: Ein Regisseur der vor ungefähr 30 Jahren einen Hit hatte nimmt sein Original Drehbuch, besucht die gleichen Drehorte, hat aber neue Schauspieler mit denen er den gleichen Film dreht den er bereits vor über 30 Jahren gedreht hat aber mit modernen Mitteln, Requisiten und Kostümen. Klingt etwas komisch ? Genauso aber klingt diese CD.

Manche Dinge kann man einfach nicht verbessern, vor allen wenn es Klassiker sind. Diese CD richtet sich wohl nur an Menschen die von Filmen nur die Remakes / Reboots anschauen weil dies moderne und zeitgemäßer sind und gleichzeitig die Originale ignorieren. Ob die Jugend als Hauptzielgruppe mit dieser im Victorianischen Zeitalter angesiedelten Geschichte was anfangen kann steht auch auf einem anderen Blatt. Im direkten Vergleich zieht das Reboot von „the War of the Worlds“ gegenüber dem 1978 Original eindeutig den kürzern. Modern heißt eben nicht unbedingt auch besser – auch wenn der Klang natürlich jetzt besser ist bleibt das Original von 1978 immer noch die erste Wahl und gehört in jede gute CD Sammlung.

Auch Optisch wurde dem ganzen eine Frischzellenkur verpasst: Die aufwändigen Zeichnungen im Begleitheft des Original sind neuen Computergrafiken gewichen die in ihrer Künstlichkeit irgendwie schon wieder cool wirken. Verpackt ist das ganze in einem schönen Mediabook, neben ausführlichen Liner Notes (deren Infogehalt allerdings eher Werbetexten gleicht) gibt es sowohl sämtliche Songtexte als auch die Sprechertexte zum mitlesen.
Erhältlich auch als Download sowie (ganz altmodisch) als Doppel Vinyl.
Gespeichert
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