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Autor Thema: The Legend of Bruce Lee  (Gelesen 9957 mal)
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Sir Jay
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« am: 26. Juli 2009 um 11:37 »

The Legend of Bruce Lee

Originaltitel: Legend of Bruce Lee, The
Herstellungsland: China
Erscheinungsjahr: 2008
Regie: Kurioserweise lassen sich hierzu nicht einmal Infos aus der ImDB entnehmen ._.
Darsteller: Danny Chan Kwok-kwan, Ray Park, Gary Daniels, Mark Dacascos, Michael Jai White, Michelle Lang

Technische Daten
Label: HMH
Laufzeit: 186 min
Bildformat: 1,78:1 (anamorph)
Sprachen: Deutsch 5.1; Mandarin 2.0
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Ländercode: 2 Pal
Freigabe: FSK 18

Anlässlich der Olympischen Spiele, die 2008 in Beijing stattfanden, sollte dieses Ereignis mit der Ehrung eines der größten Kulturgüter, die China je herausgebracht hat, angeheizt werden. Bruce Lee erfährt nach zweihundertachtunddrölfzig billigen Ablegern der Bruceploitation Maschinerie und der recht gelungenen Filmbiographie „Dragon – The Bruce Lee Story“ nun eine neuaufgelegte Darstellung seines Lebens in Form einer knapp 50 teiligen TV-Serie.

Um aus dieser Produktion maximalsten Wert herausmelken zu können, wurde der wesentlichste Inhalt der Serie zu einem 3 stündigen Film zusammen geschnitten, und auf die hiesigen Videotheken im internationalen Raum los gelassen. Es ist nur ein Bruchteil von dem, was man von der Serie zu sehen bekommt, und doch kann man Sichtung des Zweiteilers, ohne sich zu weit aus dem Fenster zu lehnen behaupten, eine verdammt miese Biographie begutäugelt zu haben.

Die Schwierigkeiten mit denen der Film zu kämpfen hat sind ärgerlich, die daraus resultierenden Konsequenzen fatal. Hier werden einige prinzipiell faktgemäße Lebensstationen des Meisters mit einem vollkommen falschen Licht beleuchtet und andere Erlebnisse komplett abgeändert. Nicht selten werden dabei die eigentlichen Überzeugungen, Wertvorstellungen und Lebensphilosophien des echten Bruce Lee über Bord geworfen, so dass der vom Schauspieler Kwok-Kwan Chan dargestellte Lee in einem einzigen Meer von grauenhaft peinlicher Selbstgefälligkeit badet.

Wie viel die Produzenten von Lees Überzeugungen und historischer Korrektheit halten, zeigt sich bereits in der aller ersten Szene, in der Bruce Li (ich nenne die dargestellte Figur jetzt mal so, um sie vom echten Lee zu unterscheiden) tatsächlich am Internationalen Karate Turnier in Long Beach California teilnimmt, um am Ende als Champion hervorzugehen! Wer die Dokumentationen „Curse of the Dragon“ oder „A Warrior's Journey“ verfolgt hat, weiß, dass Lee's Funktion in dieser Veranstaltung war revolutinierende Trainingsmethoden zu präsentieren; beim Besten Willen hat er nicht am eigentlichen Turnier teilgenommen, um sich mit den anwesenden Schwarzgurt-Experten zu messen. Das war nicht Lee's Stil. Das ist aber sehr Wohl Li's Stil. Zusätzlich darf hier die Darstellung des Kampfes angeprangert werden, der im brutalsten und blutigsten Voll-Kontakt präsentiert wird, wie es zu der damaligen Zeit in solchen Tournaments einfach nicht zuging. Genau das waren gerade von Lee persönlich kritisierte Einschränkungen im Wettkampf.


JaJa, genauso hat es sich zugetragen. Hauptsache Bruce Lee kämpft...

Nun sind erst 5 min vergangen, und schon hat der Film sämtlichen Bezug zum historischen Vorbild verloren. Das Trauerspiel nimmt jedoch weiterhin seinen Lauf, und erlangt ungeahnte Tiefen. Der hier dargestellte Bruce Li ist ein einziger, bemitleidenswerter Volltrottel, der sowohl im Jung Stadium, als auch später als angesehener Sifu, erhobenen Hauptes diverse Dojos betritt und, mit überheblichen Grinsen den örtlichen Kampfkunst Guru mit einem Spruch der Marke „Du wirst schon sehen, was du davon hast“ herausfordert, und schließlich ordentlich auf die Mütze bekommt.

Es ist eine einzige Schande zu sehen zu müssen, wie der Bruce Li große Reden schwingt, und schließlich vor allen Leuten seinem Gegner MEHRMALS im Film hoffnungslos unterliegt. Es ist zwar richtig, dass sich Lee mit unterschiedlichen Kampfkünstern gemessen hat, (wie sonst sollte er auch an sein umfassendes Wissen an Stilrichtungen gekommen sein?) doch es darf stark bezweifelt werden, dass sich die Kämpfe tatsächlich so zugetragen haben, und dass Lee sich wirklich so oft blamiert hat. Die Krönung des ganzen ist schließlich, als er vor lauter Überheblichkeit seinem letzten finalen Herausforderer hämisch zusichert, er habe in seinem ganzen Leben noch nie einen Kampf verloren. Hier machte sich der Film (und damit Bruce Li) nun endgültig lächerlich.


Auch der historisch wichtige Kampf zwischen Lee und einem Kung Fu Meister findet nicht wie sich tatsächlich zugetragen in einem Dojo, sondern in einer alten lagerhalle, voller Bettlaken statt...

Fassungslos über die hier dargestellte Arroganz, die dann auch nicht selten für Li ein böses Ende nimmt, sind sämtliche meine Hoffnungen zerstört, noch irgend etwas brauchbares aus dem Film herausfiltern zu können. Es wird sich sogar an der bereits in „Dragon the Bruce Lee Story“ falsch dargestellten Rückenverletzung bedient, die auftischt, Lee sei von seinem Herausforderer hinterhältig in den Rücken getreten worden. Das mag vielleicht wesentlich spektakulärer und dramatischer rüber kommen, als die tatsächlich sich zugetragene Rückenzerrung, die eigentlich nur lediglich das Ergebnis einer ungenügenden Aufwärmung war, doch so hätte der Film zumindest eine Gegebenheit richtig dargestellt. Seltsam auch ist es hier zuhören zu müssen, wie Li quasi seine eigenen Philosophien von einem Universitätsprofessoren eingetrichtert bekommt, anstatt sie selbst zu erschaffen. Darüber hinaus wird sein inflationärer Gebrauch des Namens seiner Eigenkreation "Jeet Kune Do" so was von überstrapatziert, dass dem Zuschauer nichts mehr übrig bleibt, als sieses Kampfkunstprinzip als klassischen Stil unter zu ordnen, genauso wie es Bruce Lee beim besten Willen nie aufgefasst haben wollte...


Links Li beim Üben der Siu Lim Tao Form (haha, da kenn ich mich halt aus) und rechts bei seinen patentierten 2-Finger Liegestützen, hier alternativ mit 3 Fingern ausgeführt...das kann ich aber auch...

Händeringend auf der Suche nach irgendwelchen positiv herausragenden Seiten des Filmes wird man immerhin bei den recht ordentlich choreographierten Fights fündig, die zudem noch eine äußerst zufriedenstellende Quantität aufweisen können. Die Imitationen bekannter Bruce Lee Posen des Hauptdarstellers sind hervorragend, und zusammen mit dessen Gesicht, das dem echten Lee wirklich sehr ähnelt, ist die Illusion an einigen Stellen wirklich perfekt. Zusätzlich sind die Cameos einiger bekannter Martial Arts Darsteller wie Marc Dacascos, Michael Jay White oder Gary Daniels durchaus gelungen. Gerade der Kampf mit Herrn Daniels hat ganz besondere Klasse, auch wenn er nur von kurzer Dauer ist und überraschenderweise unentschieden endet.


Yup, that's Lee all right...

Zumindest die Begegnungen mit unseren Helden sind richtig gut gelungen; Daniels ist schon eine verdammt coole Sau...

In diesen Momenten kann der Film noch tatsächlich glänzen, doch dann plötzlich bekommt man wieder historisch wichtige Figuren wie Meister Yip Man oder Dan Inosanto vorgesetzt, bei denen gar nicht erst versucht wurde eine Ähnlichkeit zu den realen Vorbildern aufzubauen. Der Vorgang einiger Kämpfe verfügt über deutliche Matrix Anleihen, die die Kontrahenten gerne an die Seile hängen, und trashige Einlagen zum besten geben. Außerdem werden dann auch noch solch grenzdebile Ratschläge wie „Wenn du Bruce Lee besiegen willst, musst du gegen ihn kämpfen“ in den Raum geworfen, die dann ganz klar die Grenze zu Trash Dialogen überschreiten. Diese sauhohle Bemerkung hat schon die Qualität eines Ed Wood Zitates der Marke „Er ist tot, und irgend jemand ist dafür verantwortlich...“.


Und den hier will mir der Film nun allen Ernstes als Meister Yip Man verkaufen...Inosanto hat es noch viel viel schlimmer erwischt...

Nun gewinnt der Film jedoch noch durch die grauenhafte deutsche Synchronisation einiges an Trashwirkung hinzu. Abgesehen davon, dass die Sprecher ihre Zeilen noch unmotivierter vor sich hin schwafeln, als in jedem drittklassigen Porno, was jedoch zumindest eine harmonierende Einheit mit den hoffnungslos schlechten Schauspielern bildet, ist die Übersetzung unter aller Sau, und lässt Meister Yip Man höchst persönlich etwas von einem „Ein Inch Schlag“ faseln.
Man solle den Schlag aus einem INCH Entfernung vollführen...Das schmerzt...am ganzen Körper.
Dass die Übersetzer keine Ahnung von Kampfkunst haben zeigt sich an der Tatsache, dass der im westlichen Sprachgebrauch bekannte Kung Fu Stil „Wich Chun“ hier stets treu dem hochchinesischen O-ton als „Yong Chun“ prononciert wird. Dann wiederum darf der O-Ton in Frage gestellt werden, da hier selbst sämtliche Amerikaner dem Mandarin mächtig sind, inklusive Bruce Li selbst, der nach allgemeiner Faktenlage jedoch lediglich Kantonesisch sprach...


Ob Trauer, Freude oder Frust, der Gesichtsausdruck hält...3-Emotionen-Taft...

Es ist einfach nur schrecklich was hier dem fachkundigen Zuschauer vorgetischt wird. Dass sich der Film, bzw die Serie das große offizielle Lebenswerk zu Bruce Lee schimpft ist schlichtergreifend eine Unverschähmtheit, und würde die verwesete Leiche Lee's Angesichts dieser höchst zweifelhaften cineastischen Selbstdarstellung im Grabe routieren lassen. Mit Ausnahme von Kwok Kwan Chan, der Bruce Lee einigermaßen gut immitiert, jedoch jede Menge Dünnpfiff verzapft, agiert das restliche Darsteller Ensemble überaus lahm und unmotiviert; ganz weit vorne Michelle Lang, als Li's Frau Linda, die selbst angesichts der Leiche ihres Mannes keine Anzeichen von Emotionen aus ihrem steinernen Gesicht meißeln lässt. Die scheußlich billige C-Optik, die beängstigend an Daniel den Zauberer erinnert (!!!!!!!!!) rundet das ganze Machwerk schließlich negativ ab, und so hinterlassen uns die Chinesen ein gnadenlos verfälschtes, und nicht unbedingt rühmendes Bild ihres großen Volkshelden.
3 Narrenkappen

Die DVD schmückt, wie es sich für die Marke Bruce Lee prinzipiell gehört ein "FSK 18 Siegel" und bietet neben einer Kapitel und einer Sprachauswahl...sonst nichts...außer ein annehmbares Bild, doch das ist wie erwähnt in Daniel Optik...

Die Steelbook Edition enthält auch ein 16:9 Bildformat und ist codefree
« Letzte Änderung: 26. Juli 2009 um 11:40 von Sir Jay » Gespeichert
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« Antwort #1 am: 26. Juli 2009 um 12:18 »

Die Bilder sind aber ganz schön gestaucht Jay Lautes Lachen
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« Antwort #2 am: 26. Juli 2009 um 12:46 »

Der Regisseur ist Li Wenqi.
Ansonsten gut geschrieben, ausführliche Information, aber schreckt mich jetzt nicht ab. Mit der Digitaloptik kann ich gut leben, bzw. dürfte ansonsten vieles nicht schauen. Mein Wissen über Bruce Lee ist jetzt nicht wirklich immens und außerdem ist es ja keine Dokumentation, sondern eine Dramaturgie, so daß mich die ganze Aufzählung der Ungenauigkeiten nicht weiter belangt. Das ist in etwa "der Film ist scheiße, weil das Buch anders ist" Argumentation, wenn Jemand das Zweite vergöttert, und das Erste ihm niemals diese Phantasie bieten kann.
Der Cast ist gut, und wenn die Action dennoch reinhauen soll...Aber eilen tut es jetzt nicht, zumal ich noch die The Legend of Huo Yuan Jia vor Mir hab.
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« Antwort #3 am: 26. Juli 2009 um 13:05 »

Danke für die Warnung! Den kann ich dann ja getrost auslassen, obwohl ich durchaus Interesse an einem Bruce Lee-Biopic hätte!
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« Antwort #4 am: 26. Juli 2009 um 13:20 »

Naja. Historisch korrekt war Ip Man ja nun auch nicht, sondern eher auf seine Japaner-Kloppe bedacht.  Verwundert
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« Antwort #5 am: 26. Juli 2009 um 15:27 »

Keine Animation?  Zwinkern

Super Ding Jay, aber wie Punisher sagte die Bilder sind etwas gestaucht.
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Sir Jay
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« Antwort #6 am: 26. Juli 2009 um 15:36 »

warn prob mit power dvd, hab die pics ausversehen nicht im original bildformat, sondern im aktuellen fenster format herausgeben lassen, und ich dachte halt das wäre die originalgröße Zwinkern

@Kenix
Ein Buch ist letztlich auch nur eine literarische Ausarbeitung persönlicher Phantasie.
Aber das Leben von Bruce Lee war keine Fantasie, und ich bin jemand, den Bruce Lees Lebenseinstellung und auffassung über Kampfkünste nachhaltig stark geprägt hat, und wenn ich dann eben so einen Mist sehe, wird mir schlecht Zwinkern
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