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Autor Thema: Koyaanisqatsi  (Gelesen 6289 mal)
0 Mitgliedern und 1 Gast betrachten dieses Thema.
gelini71
Syncro Schauer
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Beiträge: 7.943


Keine Angst - ich bin es nur


« am: 20. Juli 2009 um 18:03 »


Originaltitel: Koyaanisqatsi
USA 1982
Regie: Godfrey Reggio
Kamera: Ron Fricke
Musik: Philip Glass
Laufzeit: 82 Minuten
FSK: ab 6 Jahren


Handlung
Bei „Koyaanisqatsi“ handelt es sich um einen Experimentellen Dokumentarfilm ohne Handlung , Schauspieler oder Plot – es gibt nur Bilder & die Musik von Philip Glass. Das Wort „Koyaanisqatsi“ stammt aus der Sprache der Hopi Indianer & ist keine Schrifftsprache. Das Wort bedeutet ungefähr „Verrücktes Leben“ , „Leben außer Kontrolle“ oder auch „Lebenszustand der verändert werden muß“.
Die ersten 17 Minuten bekommt man ruhige Landschaftsaufnahmen zu sehen , dann tritt der Mensch in Erscheinung & die Bilder werden immer hektischer. Wir sehen wie der Mensch auf unserer Erde lebt & wie er die Erde verändert hat. Höhepunkt ist kurz vor Schluß das über 20 Minütige „Das Netz“ , welches immer wieder den selben Melodiebogen spielt , diesen aber im Takt der Bilder immer hektischer werden lässt.
Dieser Film hat keine näher nacherzählbare Handlung.    

Kritik
Anfang der 80iger Jahre – so langsam hält das Umweltbewusstsein Einzug in die Gesellschaft. Die Partei „Die Grünen“ kommen in den Bundestag , man Demonstriert gegen Atomkraft oder gegen Atombomben & überhaupt stellt man den allgemeinen Lebenswandel in Frage. Da kommt ein Dokumentarfilm in die Kinos , der mit seinem Anspruch wie die Faust aufs Auge in den damaligen Zeitgeist passt – „Koyaanisqatsi“.
Der Film wird schnell ein Renner in den Programmkinos , ganze Schulklassen strömen in diesen Film um danach in Diskussionsrunden über die „Message“ zu reden. Ganze Abhandlungen werden darüber geschrieben & bis bald Mitte der 90iger läuft dieser Film immer mal wieder in den Mitternachtsvorstellungen der kleinen Stadtkinos.

Nun - was ist so anders als bei anderen Dokumentarfilmen ? „Koyaanisqatsi“ verzichtet komplett auf eine Struktur oder eine Erklärung – er zeigt lediglich Bilder. Diese werden auf eine , für damalige Verhältnisse , recht eigene & auch teilweise sehr hektische Art verbunden. Zusammen mit der für Mainstreamhörern sehr fremdartigen Musik von Philip Glass entstand eine Art überlanger Videoclip , dessen Aussage man sich selber über die Bilder bilden konnte.



1982 war das ganze natürlich neu & anders – MTV war gerade mal auf Sendung gegangen & stellte die gesamtem Sehgewohnheiten einer Generation komplett um. Die erste MTV Generation liebten die schnellen Schnitte & die Ästhetik schneller Bildfolgen unterlegt mit Musik – so gesehen war Filmemacher Godfrey Reggio ein Pionier.
Reggio betont in der auf der DVD befindlichen Dokumentation , das sein Film nur zeigen wolle & er keine Wertung abgebe – was allerdings nur der halbe Teil der Wahrheit ist. Tatsächlich schafft er es durch die Montage verschiedenster Bilder eine Aussage bzw eine Kritik am modernen Lebensstil zu machen. Die Sätze , welche die Hopi Indiamer am Ende beim letzten Stück singen & die am Ende des Film übersetzt werden stärken den Willen von Reggio , Kritik am modernen Leben zu machen noch mehr.

Nun kann man den Film von zwei Grundsätzlichen Seiten sehen. Zum einen halt als einen 82-minütigen Videoclip mit Rauschhafter Musik unterlegt , der einen komplett gefangen nimmt & den Zuschauer nachdenklich zurücklässt. Oder aber man findet diese Bilderflut einfach nur abartig , die Message viel zu platt & die Montagen zu billig (so z.B. das nach 22 Minuten Atompilze in den Landschaften explodieren).



Bei aller berechtigter Kritik sollte man aber immerzu bedenken , das dieser Film ein Kind seiner Zeit war. Fast 6 Jahre drehten & bastelten die Macher an diesem Streifen , der ausgerechnet dann in die Kinos kam als der Zeitgeist der damaligen Zeit nach eben solchen Filmen suchte. Und wie schnell es wieder mit so was vorbei sein kann dürfte Reggio selber bemerkt haben , als die beiden Nachfolgefilme „Powaqqatsi“ & „Naqoyqatsi“ böse an der Kinokasse floppten & bei weiten nicht den Status von „Koyaanisqatsi“ erreichten.

Der Film lebt gleichberechtigt von zwei Dingen – zum einen von der wunderbaren Kameraarbeit von Ron Fricke , der einfach wunderschöne Bilder eingefangen hat. Alleine die Landschaftsaufnahmen der ersten Viertelstunde sind zum reinlegen schön. Aber auch bei den nachfolgenden hektischen Bildern schafft es Fricke immer wieder zu überraschen. Dabei wird kein Effekt ausgelassen – von Super Slow-Motion über Zeitraffer bis hin zum Fisheye werden alle Tricks & Register gezogen die es gibt. Das dieser Mann als einer der besten Kameramänner der Welt gilt ist mit diesem Film nachvollziehbar.



Der zweite gleichberechtigte Punkt ist die Musik von Philip Glass. Es handelt sich hierbei um moderne Klassik , der sogenannten Minimalmusik. Diese Musik wird mit einem sehr großen Orchestra gespielt & enthält nur Minimale Melodienveränderungen (daher auch der Name). Für Mainstreamhörer dürfte die Musik am Anfang recht Gewöhnungsbedürftig , ja sogar viel zu Monton sein. Sie entfaltet auch erst ihre Wirkung im Zusammenhang mit den Bildern , dann aber zeigt sich das jeder kleine Tempowechsel oder auch kleine Veränderung auch eine Stimmungsänderung beim Zuschauer mit sich zieht.

„Koyaanisqatsi“ ist unverkennbar ein Kind seiner Zeit , aber als Experimenteller Dokumentarfilm eine Klasse für sich. Lange Zeit war dieser Film in Studentenkreisen ein Must-seen Film gewesen. Leider hat sich auch mit der Änderung des Zeitgeistes der Focus auf diesen Film verändert – die heutige Generation kennt diesen Film schon gar nicht mehr. Doch auch wenn vieles der Aussage in der heutigen Zeit überholt ist , so ist die Montage von Bildern & Musik auch heute noch sehenswert.
Ein Film den es sich zu entdecken lohnt.          



Fazit
Love it or leave it – besser kann man das Fazit nicht schreiben. Entweder man ist von der Bilder & Musikflut ergriffen oder man hält das ganze nur für einen hektischen Brainfuck. Kalt lässt einem dieser Film sicher nicht. Ich finde es geil & gebe deshalb
10 Narrenkappen
Die Deutsche DVD ist i.M. wieder erhältlich , in UK ist die DVD von MGM aber für weniger Geld als in Deutschland zu bekommen (identisch mit der Deutschen – wie bei MGM gewohnt). Der Film ist in jeder Version uncut.

Die DVD – die technischen Details
Menü
Starre Bildtafeln wie bei MG üblich – erfüllt den Zweck
 
Bild
Das Bild ist höchst wechselhaft. Neben starken Korn bis hin zum scharfen Bild ist alles dabei , was wohl auch an den diversen Quellen liegt. Immer noch übern Durchschnitt.
7 Narrenkappen

Ton
Der 5.1 Ton gibt die Musik äußerst Dynamisch wieder – wer taube Nachbarn hat darf hier gerne mal die Grenzen seiner Anlage austesten. Vor allen der Hochtöner wird stark gefordert. Große Effekte gibt es aber nicht  
8 Narrenkappen

Extras
Neben dem Trailer eine sehr Informative Dokumentation über Reggio & Glass (circa 22 Minuten / OmU)
4 Narrenkappen

Die Bilder aus diesem Film habe ich von der offiziellen Webseite – und die sind teilweise Spiegelverkehrt (keine Ahnung warum).

Links zum Thema

Offizielle Koyaanisqatsi Webseite
ofdb-Eintag
Wikipedia Eintag

Trailer

<a href="https://www.youtube.com/watch?v=PirH8PADDgQ" target="_blank">https://www.youtube.com/watch?v=PirH8PADDgQ</a>

Erstveröffentlichung dieser Review bei Liquid-Love , Review wurde aber auf den neusten Stand gebracht.
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Jorin
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« Antwort #1 am: 20. Juli 2009 um 18:17 »

Ich hab das Ding, habs aber nie länger als 10 Minuten durchgehalten.  Peinlich!
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gelini71
Syncro Schauer
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Keine Angst - ich bin es nur


« Antwort #2 am: 20. Juli 2009 um 18:19 »

Wieso ? Hat die Musik genervt ?
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Jorin
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« Antwort #3 am: 20. Juli 2009 um 18:35 »

Nö, es war mir zu langweilig.
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The Punisher
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Timelord


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« Antwort #4 am: 20. Juli 2009 um 19:41 »

Hab mal bei You Tube rein geguckt aber gleich wieder abgestellt, not my cup of tea
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« Antwort #5 am: 20. Juli 2009 um 20:06 »

Danke fürs feine Review. Film war mir aber auch immer zu anstrengend.
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Kenix
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« Antwort #6 am: 20. Juli 2009 um 21:49 »

Wenn ihr mal weiterschaut, gegen Ende stürzen Bay-artig massenhaft die Hochhäuser ein  Lautes Lachen.

Fand den bei der ersten Sichtung irgendwann mal vor Ewigkeiten faszinierend und würde eigentlich auch zu dem Ausdruck "Eine Klasse für sich" greifen. Muß man sich sicherlich ein wenig darauf einstellen, aber belohnt wird man dennoch. Die beiden Nachfolger hab ich trotzdem nie geschaut.
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gelini71
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Keine Angst - ich bin es nur


« Antwort #7 am: 21. Juli 2009 um 06:28 »

Wenn ihr mal weiterschaut, gegen Ende stürzen Bay-artig massenhaft die Hochhäuser ein  Lautes Lachen.
So was mußt Du bei LL schreiben - dann stürzt sich die Meute darauf  Lautes Lachen

Von den Nachfolgern habe ich nur „Powaqqatsi" damals im Kino gesehen , der ist zwar auch nicht schlecht hat mich aber bei weiten nicht so geflashed wie dieser hier. Den dritten Film kenne ich auch nicht.
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