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Autor Thema: Tokyo Fist  (Gelesen 2668 mal)
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Jorin
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Beiträge: 17.462



« am: 06. April 2008 um 08:49 »

Tokyo Fist

Vertrieb: Rapid Eye Movies/Alive
Laufzeit: 87 Min.
Regionalcode: 2
Bildformat: 1,85:1 anamorph
Sprache(n): Dolby Digital 5.1 (Deutsch), Dolby Digital 2.0 (Japanisch)
Untertitel: Deutsch
Freigabe ab: Keine Jugendfreigabe

Regie: Shinya Tsukamoto
Darsteller: Kaori Fujii, Shinya Tsukamoto, Koji Tsukamoto

Film:

Tsuda, ein Versicherungsagent mit geregeltem Einkommen und fester Freundin, trifft in einer Phase, in der er nach Feierabend vor Müdigkeit kaum noch die Augen offen halten kann, einen alten Schulfreund namens Kojima, der jetzt an der Schwelle zum Profiboxgeschäft steht. Tsuda versucht es bei diesem zufälligen Treffen zu belassen, da er wohl die gemeinsame Vergangenheit vergessen will. Doch Kojima klopft immer wieder an die Wohnungstür des Pärchens. Ihn stört es kaum, dass er Tsuda dort selten antrifft. Kojima interessiert sich für Hizuru, Tsudas Freundin, die jedoch dessen Annäherungsversuche abweist. Erst als Tsuda einen Eifersuchtsanfall hat, zieht Hizuru bei ihm aus und geradewegs zu Kojima. Daraufhin besucht Tsuda seinen alten Schulfreund um ihm eine Abreibung zu verpassen. Kurz danach steht Tsuda mit verbeultem und blutunterlaufenen Gesicht vor der Tür des Boxclubs, in dem auch Kojima trainiert, um für spätere Auseinandersetzungen, oder um Aggressionen loszuwerden, den Sandsack anzugehen...

Shinya Tsukamoto (Tetsuo) wird mit 'Tokyo Fist' dem Science Fiction Genre erstmals untreu. Er schafft eine Geschichte über eine Dreiecksbeziehung, und über den Versuch Freiheit zu erlangen, indem man sich selbst, und oft auch anderen, Schmerzen zufügt. Natürlich kommt Tsukamoto dabei nicht drumherum die Schmerzen und ihre Ursache grafisch explizit darzustellen. Dabei übertreibt er es jedoch ein ums andere Mal. Zerbeulte vor Blut triefende (und vor allem sekundenlang spritzende) und deformierte Gesichter zu sehen mag noch erträglich sein, aber spätestens, wenn sich Hizuru ihre selbst gestochenen Piercings aus dem Körper reißt, reichts mir dann auch. Nach eigenen Angaben will der Regisseur die Menschen in Japan, die verwöhnt sind vom andauernden Frieden in ihrem Land, wachrütteln und sie lehren den gegenwärtigen Zustand zu schätzen. Ich weiß nicht, ob die Sichtung von 'Tokyo Fist' vorrangig den gewünschten Effekt erzielt, oder ob große Teile der Zuschauer sich einfach angeekelt abwenden, nach dem Motto: Was für ein abstoßender Film. Die Explizite Darstellung des sich Verletzens überlagert meines Erachtens nach die Botschaft und verhindert außerdem die Identifikation mit den Charakteren. Und wenn das der Fall ist, funktioniert der Film nicht mehr.

Tsuda wird von Regisseur selbst verkörpert, sein Bruder Koji spielt den Boxer Kojima. Sicherlich ist ein Grund für diese Besetzung das eher geringe Budget. Tsukamoto arbeitet komplett unabhängig. Sein Budget setzt sich aus Geld zusammen, das er sich bei Familie und Freunden leiht. Außerdem war Shinyas Bruder früher selbst aktiver Boxer. Bei seinem ersten Kampf wurde er derart schlimm verprügelt, dass er ab diesem Zeitpunkt nur noch als Trainer arbeitete. Als Koji 30 wurde, wollte er es noch einmal wissen. Seine Mutter war jedoch weniger begeistert und so besetzte ihn Shinya kurzerhand in 'Tokyo Fist'. "So war jeder zufrieden" Erinnert sich Tsukamoto. Die schauspielerischen Leistungen der beiden Brüder und des restlichen Ensembles gehen in Ordnung. Sie passen sich den überzogenen Gewaltausbrüchen an. Ihr Spiel wirkt oftmals übertrieben.

Gefilmt wurde zu mindestens 90% mit Handkamera. Das ist gewöhnungsbedürftig. Besonders dann, wenn eine statische Aufnahme vom Mond gemacht werden soll und das Bild mit großem Zoom natürlich ziemlich wackelt. Jedoch vermittelt diese Art des Filmens große Dynamik. Auch in Szenen, die eigentlich kaum dynamisch sind. Tsukamoto versucht damit unter Umständen die Gefühlsebene der Protagonisten nach außen zu kehren. Gegen Ende hin, hatte ich den Eindruck, dass die Kamera ruhiger wird, obwohl die Gewalt auf ihrem Höhepunkt ist. Innerlich sind die Charaktere wohl freier und ausgeglichener als zu Anfang.

Ein Film also, den man sich eventuell ein zweites Mal ansehen würde, wäre da nicht die extreme Gewaltdarstellung, die so manchen abschrecken wird. Tsukamoto hat hier einen Film abgeliefert, der sich ein bisschen selbst im Wege steht, sowohl was die Entfaltung von Wirkung und Botschaft betrifft, als auch auf das Potential bezogen, mehrfach gesehen zu werden.

5 Narrenkappen

Bild:

Richtig scharf ist das Bild eigentlich nie. Es scheint als hätte man einen Weichzeichner drübergelegt. Öfters ist Hintergrundrauschen auszumachen, in dunklen Szenen rauscht schon mal das gesamte Bild, aber nie so stark, dass es richtig störend wäre. An vielen Stellen ist das Bild farbig eingeleuchtet, beziehungsweise mit einem Filter überlegt. Hier bekommt man sattes orange oder blau geliefert, die Mehrzahl der Szenen ist jedoch blass und farblos gehalten, was wohl vom Regisseur beabsichtigt war. Leider mindern die vielen Verschmutzungen und Blitzer noch einmal den Gesamteindruck, sodass unterm Strich vier Punkte bleiben.

4 Narrenkappen

Ton:

Der japanische Originalton liegt in DD 2.0 vor, die Synchronfassung in DD5.1. Auf die Tonqualität reduziert liegt der Originalton eine Nasenlänge vor der deutschen Tonspur vorausgesetzt der AV-Receiver unterstützt DPL II. Was der deutsche Ton dem Japanischen an Klarheit der Dialoge voraus hat, macht der O-Ton jedoch mit der insgesamt besseren Abmischung wieder wett. Der jap. Ton klingt räumlicher. Besonders während der Sequenzen im Boxclub, oder im Ring wird das deutlich. Insgesamt kann man gute vier Punkte vergeben.

4 Narrenkappen

Extras:

An Bonusmaterial gibt es leider nur den Kinotrailer, 5 weitere Trailer zu REM-Veröffentlichungen und ein Musikvideo. Schwach.

1 Narrenkappe

Fazit:

Tokyo Fist' ist lohnenswert für Leute mit starken Nerven und einer gewissen Unempfindlichkeit für derbe Gewaltszenen. Diejenigen die diese Eigenschaften vorweisen können, werden den Film vielleicht sogar öfters ansehen. Bild und Ton der DVD gehen gerade noch in Ordnung, die Extras enttäuschen.

4 Narrenkappen

Dies ist ein vor langer Zeit unter Joomla veröffentlichtes Review und wurde nur "gerettet". Deswegen kann es zu kleinen Ungereimtheiten kommen, z.B. fehlende Bilder oder nicht nachvollziehbare Textstellen. Soweit möglich, wurde das Review jedoch geprüft und bereinigt.


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