NarrenTalk - Der DVDnarr.com Podcast
DVDnarr.com   
Home Forum NarrenTalk (Podcast) Fotogalerie Amazon.de
Suche Hilfe
Registrieren
Benutzername:   Passwort:
Passwort vergessen?
Seiten: [1]   Nach unten
  Sende dieses Thema  |  Drucken  
Autor Thema: Inland Empire  (Gelesen 11809 mal)
0 Mitgliedern und 1 Gast betrachten dieses Thema.
Vince
Steelbook
*
Offline Offline

Beiträge: 4.348


Debakelvince


« am: 11. November 2007 um 23:54 »

Inland Empire
Originaltitel: Inland Empire
Herstellungsland: Frankreich / Polen / USA
Erscheinungsjahr: 2006
Regie: David Lynch
Darsteller: Laura Dern, Jeremy Irons, Harry Dean Stanton, Justin Theroux, Scott Coffey, Mikhaila Aaseng, Ian Abercrombie, Jeremy Alter, Scout Alter, Terry Crews, Cameron Daddo, Neil Dickson
 


Film
Matrjoschka - Schicht I



(Radiokrackseln)
“Sam?”
“Henry?”
“Lange her, was Sam?”
(Stille)
“Ja.”
(Gelächter des Publikums)
“Please stand by while we rise (both of us) and bow fervently to our good and great papa, the Chicago Tribune. Oh, oh!”
(Radiofiepen, Stromunterbrechung. Rhythmisches Klopfen, möglicherweise von einem menschlichen Herzen)

Zoomorphismus in Bunnyland - zum Wesen von Sitcoms. II



“Ich finde keinen Zusammenhang.”
“Du musst suchen.”
“Das Licht verändert sich.”
“Beziehe diese Information mit ein.”
“Ich kenne dich nicht. Wer bist du?”
“Ich kenne dich nicht. Was bist du?”
“Ich bin real.”
“Ich spiele real.”
“Wir wollen die Realität abbilden. Das geschieht im Spiel. Die Motorik, die dabei entsteht, ist real. Realität ist das Spiel ist die Realität.”
“...ist das Spiel. Oder willst du sagen, das Publikumsgelächter aus der Konserve sei real?”

(Das Herzklopfen hält an. Nun Radiokrackseln... ein Radioansager aus den Fünfziger Jahren ertönt mit euphorischer, heller Froschstimme; Fliege, buntes Sakko, Schmalztolle und Knautschgesicht, möchte man sich vorstellen. Er kündigt eine Sendung an, in der eine Diskussionsrunde Filme erörtert. Eine hell und unsicher sprechender Herr eröffnet die Runde.)

“Das größte Hindernis des “Inland Empire” zum Aufstieg in die Unsterblichkeit wird vielleicht “Mulholland Drive” sein, der schon jetzt das 21. Jahrhundert geprägt hat, wie es sein Nachfolger vermutlich nicht mehr können wird. Thematisch bieten sich Parallelismen am Stück auf; Laura Harring darf ihr Lächeln von einer Stoffcouch aus kurz vortragen. Der Hollywood-Schriftzug glimmt in mattem Licht am Horizont. Billy Wilders “Sunset Boulevard” hat sich aus einem Straßenschild entmaterialisiert und auf die Atmosphäre übertragen; auf den “Walk of Fame” wird Blut gekotzt und eine putzige Hasenfamilie ist dem Drei-Kamera-System einer Sitcom ausgeliefert. Doch die Totale ist schräg oben angesetzt und die charakterfokussierte Einstellung lauert in bedrohlicher Untersicht. Diese Hasen sind Monster, zoomorphe Menschenkreaturen, über deren anonymes Fleisch eine leblose Fellmaske liegt. Dazu unnatürlich schimmerndes Licht, in dessen Wechsel der Farbe auch mal ein Hase verschwindet, beklemmende Ruhe, ein bedrohliches Grummeln und blecherner Konservenapplaus, der vollkommen willkürlich eingestreut wird. David Lynch, Ladies and Gentlemen.

Lynch verabschiedet sich mit Ausbau seines Lebenswerkes - von Nebenspuren wie “Straight Story” abgesehen - zusehends weiter von rationalen Mustern und Kontinuitätsdenken, mehr denn je treibt sein neues Werk eine Spirale der Hermeneutik an. Nach der Doppelbeziehung Harring / Watts aus “Mulholland Drive”, die durch eine Traumebene auf ein Quadrupel verdoppelt wurde, reduziert sich “Inland Empire” wieder auf the one and only Laura Dern. Auch wenn morphotische Verhaltensmuster nicht ausbleiben; Dern bleibt Dern bis zum Schluss. Sie mag Verhalten und Identität ändern, das Äußere bleibt jedoch ein unerwarteter Anker in einer wilden Brandung.

Dadurch verbieten sich dem hier impulsiv und spontan arbeitenden Regisseur lineare Bezüge zwischen mehreren Charakteren und wie der Titel schon vermuten lässt, bleibt nur die Flucht von den Restbeständen paralleler Rangordnung ins endgültig Hierarchische. Nikki Grace aka Susan Blue (jeweils Dern) werden in einer rasenden Abwärtsfahrt bis auf ihren Grund durchleuchtet. Nicht umsonst fühlt sich die Betroffene “ins Gehirn gepisst”.

Rein narrativ brechen hierdurch alle Dämme. Kommunikation zwischen gleichberechtigt wichtigen Figuren findet nicht mehr statt, weshalb es keine logischen Handlungsabfolgen mehr geben kann. “Inland Empire” ist fragmentarisch gemustert, gebrochen, verhackstückt und mit Intervallen versehen, die über einzelne Szenen - ob sie nun fünf Minuten andauern oder fünf Sekunden - nicht hinauskommen. Wo man selbst bei Lynch bisher meistens noch ein gewisses Stück des Weges mit interpretativer Logik beschreiten konnte, bis man brutal an einer irrealen Hürde scheiterte, lohnt der Aufwand nun kaum mehr. Den Dreistünder mit dem Verstand nachvollziehen zu wollen, ist ein zum Scheitern verurteiltes Unterfangen.

Strukturelle Überschneidungen werden durch multiples Perspektivenarsenal geschaffen; wiederholte Szenen, gezeigt aus einem anderen, manchmal aber sogar gleichen Blickwinkel. Die Bergman-Schule ist präsent wie selten zuvor und insbesondere “Persona” darf sich mit Mimikry der Oberklasse geehrt fühlen. Ein Mädchen mit langem schwarzen Haar steht in einem Raum, dem Zuschauer den Rücken zugekehrt. In der Furcht, das Mädchen könne sich umdrehen und eine Fratze des Wahnsinns zum Vorschein bringen, umgeht Lynch alle durch visuelle Rezeption vorbestimmte (und damit berechenbare) Erwartung des Publikums und setzt an einer ganz anderen Stelle an, Überraschung zu erzeugen, der in Bergmans Film ausgetesteten Kameraarbeit zum Dank.

Indem gewisse Szenen wieder aufgenommen werden, bildet sich so etwas wie ein Trichter, der hinab führt auf die nächsttiefere Ebene. Ein Beispiel: Überblende von einer Clownsmaske auf eine Theaterbühne, wo eine Frau langsam von rechts nach links geht. Dann die Richtung wechselnd auf die starre Kamera zu. Als sie näher kommt, erkennt man, dass mit ihrem Gesicht etwas nicht stimmt - sie scheint eine grinsende Fratze zu bilden. Als man den bedrohlichen Ausdruck endlich identifiziert hat, ist es zu spät und das grinsende Ding ist bereits im Affenzahn auf uns zugelaufen. In einer späteren Szene spiegelt sich die Fratze in einem Fenster. Autarke Einzelmomente werden durch solche Klammerszenen in einen abstrakten Kontext geordnet. Sie bilden einen Trichter, der nach unten führt, ins nackte Seelenleben der Protagonistin hinein. Der Trichter auf dem neuen, tieferen Level ist kleiner, enger, dunkler. Eine Wohnung, in der ein Mädchen steht, ist hell - das Mädchen rennt aus der Wohnung hinaus mitten in einen rot schimmernden Flur. Es steigt die Treppen hinab und das Rot wird zu Blutrot wird zu Gedärmeblutrot wird düsterer, düsterer, schwarz. Schockeffekte wie eine plötzlich wild flackernde Lampe deuten den Schritt unter die nächste Schicht der Matrjoschka, auf dem unbeirrten Weg zum Kerngehäuse. Spärliche Wegweiser im Labyrinth.”

(Endlich... der Moderator unterbricht den Monolog.)

“Apropos Kamera. Was halten sie von der Kameratechnik? Und denken Sie, David Lynch führt ein Techtelmechtel mit der Kameratechnikerin? Und wieso ist der Regisseur selbst an der Kamera zu finden? Wie nennt man das dann... Inzest?”

(Überraschtes Gelächter, Applaus. Ein Rauschen übertönt die Aufnahme. Der unsicher wirkende Herr führt seine Argumentation schließlich fort. Der Moderator hingegen ist noch in anderen Gedanken. Ein Flüstern verrät, dass er gerade mit einer Blondine aus dem Publikum flirtet. Und dass er grinst.)

“...die DV-Kamera unterstützt dabei hervorragend das Wahrnehmungsfeld der Hauptdarstellerin. Eine Metaperspektive fehlt komplett. “Inland Empire” ist wie selbst auf einem Karussell zu sitzen, nicht bloß wie eines zu beobachten, das fährt. Das wäre zu gewöhnlich.

Und doch wird nicht nur die psychologische Abwärtsspirale durchleuchtet; zugleich wird das doppelbödige Spiel mit Traum und Realität wieder aufgenommen. Die Traumfabrik wird am Ende einer Szene oft hinzu geschaltet, um die scheinbare Wirklichkeit zu durchbrechen - manchmal so radikal, dass die Schauspielerin überrumpelt ist. Vom Publikum ganz zu schweigen.

Am Ende ist “Inland Empire” vielleicht zu verkopft und zugleich zu vertraut, um nach “Mulholland Drive” nochmals einen ähnlich revolutionären Effekt erzielen zu können. Wenn ich aber ein paar persönliche Worte hinzufügen darf...”
“Nur zu.”
“Es ist für mich der vielleicht interessanteste Lynch. Einer, dessen Atmosphäre sich zum greifbaren Mantel destilliert hat. Vielleicht nicht ganz so spektrenreich wie gewohnt, in seinem auserwählten Spektrum, dem Düsteren, dafür um so intensiver.
Meine Aufgabe ist es nicht, einen Universalschlüssel bereitzustellen, um beim Verstehen von “Inland Empire” behilflich zu sein. Interpretationen sind zwar auch hier wieder möglich, sie benötigen jedoch Zeit. Und sie decken immer nur eine einzelne Seite auf. Das Werk zu interpretieren hieße, ein Einzelframe aus dem Zusammenhang gerissen zu beurteilen. “Inland Empire” besteht aus 258.525 Einzelbildern. Doch selbst 258.525 Interpretationen würden es nicht vermögen, das Werk als Gesamtes zu erfassen. Ich hoffe deswegen vielmehr, der Aufgabe nachgekommen zu sein, die Sinneseindrücke in Worte zu kleiden, die am Ende jeder für sich selbst durchstehen muss.”

(Das Herzklopfen ist zur Unerträglichkeit angestiegen. Das Rauschen wird immer bedrohlicher. Der Moderator übernimmt wieder das Wort.)

“Gesprochen wie ein wahrer Kenner.”

(Das Publikum kreischt vor Lachen. Mitten im Taumel bricht das Lachen ab. Über bleibt das Rauschen.)

A Woman in Trouble - III



“Mach das Radio aus, Henry.”
(Henry drückt den Aus-Knopf.)
“Danke, Henry.”
“Gern geschehen, Sam.”
“Und nun begrüße Bill Hicks. Sag was, Bill.”
“See, I think drugs have done some good things for us, I really do. And if you don’t believe drugs have done good things for us, do me a favor: go home tonight and take all your albums, all your tapes, and all your cd’s and burn em’. 'Cause you know what? The musicians who’ve made all that great music that’s enhanced your lives throughout the years...
Rrrrrrrrrrrrrrrreal fuckin' high on drugs.”
(Rauschen. Das Publikum applaudiert. Standing Ovations. Rauschen. Puls.)
 9 Narrenkappen
Gespeichert
Vince
Steelbook
*
Offline Offline

Beiträge: 4.348


Debakelvince


« Antwort #1 am: 11. November 2007 um 23:55 »

Technische Daten zur DVD
Vertrieb: Concorde
Regionalcode: 2
Laufzeit: 172:21 Min.
Bildformat: 1,85:1 (anamorph / 16:9)
Sprachen: DTS 5.1 Deutsch, DD 5.1 Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Freigabe: FSK 16
Verpackung: Amaray Case



Bild
Die Entscheidung für die gewöhnungsbedürftige DV-Optik bedeutet für die Bildqualität eine schwere Einordnung. Fakt ist, die Kontraste sind jeweils ziemlich überreizt und es gibt bedingt durch die Technik immer wieder grobkörnige Szenen (abhängig von dem Hintergrund) und deutliche Nachzieheffekte bei Bewegung. Die Schärfe hingegen ist recht gut ausgefallen, auch die Farben wissen zu gefallen und insgesamt wird das Bild wohl weitestgehend so wiedergegeben, wie es geplant war.
 6 Narrenkappen

Ton
Auch für den Sound gilt, dass man zwischen Tonfehlern und künstlerischer Intention differenzieren muss. So hört man im Schwarzweiß-Prolog kaum die Stimmen der Akteure, die hier sehr leise abgemischt sind. Sobald Lynch es aber will, steigt die Lautstärke der Dialoge auf Normalniveau an.
Ansonsten sind ein paar herbe Effekte zu verkraften. Schreckhafte Naturen sollten sich in Acht nehmen, wenn die Lampe beginnt zu zucken oder wenn die berühmten Lynchschen Soundscapes über die Bilder hinwegrollen wie ein unheilverkündender Prophet, der nichts Geringeres als den Weltuntergang ankündigt. Wo der Hi-Tech-Ästhet bei der Bildqualität vielleicht schreiend davonrennen möchte, wird er durch den Wumms-Sound doch am Bildschirm gehalten.
 9 Narrenkappen

Verpackung und Menüs

So schlicht wie das Cover kommt auch die DVD-Verpackung her; mehr als eine normale Amaray gibt es nicht. Immerhin jedoch hat ein vierseitiges Kapitelblatt mit Produktionsnotizen Eingang gefunden in die Veröffentlichung.
Die Menüs sind da schon atmosphärischer: Im Hauptbereich grüßt die Hasenfamilie, bei der Sprachauswahl hingegen wird ordentlich getanzt. Da kann man es doch kaum abwarten, endlich in den Film einzusteigen.
 5 Narrenkappen

Extras
Lynch gilt allgemein als Bonusmaterial-scheu. Im Ausland allerdings hat es eine Doppel-DVD gegeben, die uns (mal wieder) erspart bleibt. Das Bonusprogramm der deutschen Scheibe sieht das Standard-Programm vor: Kinotrailer in Deutsch und Englisch, Infos zu Cast & Crew, Produktionsnotizen, eine Fotogalerie, ein DVD-ROM-Part mit Internetverbindung und Programmtipps mit weiteren Angeboten aus dem Concorde-Programm.
 1 Narrenkappe   

Fazit
Ein Film wie gemacht für Surrealisten und die Liebhaber von Experimentalfilmen jenseits des Mainstreams - Lynch-Fans werden ja ohnehin zuschlagen. Ein Störfaktor könnte die DV-Optik werden - ich persönlich habe sie nach kurzer Eingewöhnungszeit genossen und würde sie sofort wieder annehmen. Die DVD birgt ein der gewählten Optik entsprechendes Bild, einen ziemlich effektiven Sound und minimalistische Standard-Extras.
 5 Narrenkappen

Testequipment
TV-Gerät: Tevion 4:3
DVD-Player: Pioneer XV-DV313 5.1 Komplettsystem
Gespeichert
The Punisher
Hodor
Limited Edition
*
Offline Offline

Beiträge: 18.254


Iám Groot


WWW
« Antwort #2 am: 12. November 2007 um 16:01 »

9 von 10? Da hast du aber die rosarote Lynch Fanboybrille aufgesetzt Lautes Lachen. Ich zitiere mich mal selbst aus dem entsprechendem  Filmthread

Ich frage mich auf welchem LSD Trip der gute Lynch war als er diesen Streifen gedreht hat. Wer schon bei Mulholland Drive nicht durchblickt sollte Inland Emire lieber meiden denn hier blickt man erst recht nicht durch. Ich hatte eigentlich ein ähnliches Meisterwerk wie MD erwartet aber dem ist nicht so, wie StS schon erwähnte hat die DV Optik dem Film nicht gut getan. Für Lynch Fans sicherlich ein Pflichtfilm aber für alle anderen - vorallem Mainstreamfans - nicht geeignet. Wenn man noch gar keinen Film von Lynch gesehen hat sollte man auf keinen Fall mit Island Empire anfangen da man abgeschreckt werden kann. 7 Narrenkappen
Nur mal zum vergleich Mulholland Drive bekommt von mir die volle 10

Gespeichert

Mein DVD Profiler

I am haunted by dreams of blood, Visions of death and gore.
It is the future that I see,  and if this is truly my fate ... then so be it
Vince
Steelbook
*
Offline Offline

Beiträge: 4.348


Debakelvince


« Antwort #3 am: 12. November 2007 um 16:16 »

9 von 10? Da hast du aber die rosarote Lynch Fanboybrille aufgesetzt Lautes Lachen. Ich zitiere mich mal selbst aus dem entsprechendem  Filmthread

Nun, The "Ich habe dem Medaillon die volle Punktzahl gegeben" Punisher  Zwinkern ... selbst wenn man wie du der Meinung ist, dass der Film nicht die Offenbarung ist, sollte man doch erkennen können, dass bei diesem Film eine annähernde oder auch tatsächliche Höchstnote alles andere als utopisch ist. Insofern hat das nun wirklich nix mit Fanboybrille zu tun; wenn jemand gute Filme macht, erkenne ich das an, auch wenn es der x-te gute Film in Folge ist und die Versuchung groß ist, auch mal einen Lynch zu verreißen. Der Mann hat es einfach drauf, mich über Tage zu beschäftigen.

Die DV-Kamera empfand ich als sinnig, weil sie das Blickfeld der Hauptfigur besser darstellt. Das passt in die Thematik und erlaubt es, die Abwärtsspirale mitzumachen. Was genau hat dich denn daran so gestört? Oder ist es einfach nur der Umstand, dass die Optik dadurch halt etwas unästhetischer wirkt?
Gespeichert
Ronin
Steelbook
*
Offline Offline

Beiträge: 4.828


fire walk with me


« Antwort #4 am: 12. November 2007 um 16:17 »

Zja Vince. Ich würde mal sagen, deine Review ist ein echter Lynch geworden. Nur einmal nicht aufgepasst und schon hat man den Faden verloren. Zwinkern Ist aber auf jeden Fall eine interessante Herangehensweise.
Zitat
Den Dreistünder mit dem Verstand nachvollziehen zu wollen, ist ein zum Scheitern verurteiltes Unterfangen.
Das erinnert mich an "Lost Highway". An den habe ich mich, glaube ich, 3mal rangesetzt, aber nie zu Ende geschaut. Ich werde dem Film auf alle Fälle mal eine Chance geben. Allein weil´s ein Lynch ist.

Saubere Arbeit, Compadre.
Gespeichert

Vince
Steelbook
*
Offline Offline

Beiträge: 4.348


Debakelvince


« Antwort #5 am: 12. November 2007 um 16:23 »

An den habe ich mich, glaube ich, 3mal rangesetzt, aber nie zu Ende geschaut. Ich werde dem Film auf alle Fälle mal eine Chance geben. Allein weil´s ein Lynch ist.

Nur mit dem Unterschied, dass Lost Highway recht einfach einzuordnen ist: Vor der Metamorphose - Metamorphose - nach der Metamorphose. Solche roten Fäden fehlen hier komplett. Inland Empire ist mit Sicherheit der verwirrendeste Lynch (allerdings hab ich Eraserhead noch nicht gesehen), aber deswegen darf man nicht den Fehler machen, ihn als sinnlos zu bezeichnen. Die Szenen sind sehr wohl miteinander verbunden und sie haben sehr wohl Sinn, nur noch weniger als sowieso schon üblich lässt sich das nicht mit Logik herausfinden.

Und deswegen finde ich sogar, dass er weniger anstrengend ist als Mulholland Drive, denn hatte man da noch die Hoffnung, das Handlungsgerüst durchschauen zu können, versucht man es hier erst gar nicht mehr und lässt sich voll und ganz fallen - so wie es im Sinne Lynchs ist.
Gespeichert
The Punisher
Hodor
Limited Edition
*
Offline Offline

Beiträge: 18.254


Iám Groot


WWW
« Antwort #6 am: 12. November 2007 um 16:27 »

Nun, The "Ich habe dem Medaillon die volle Punktzahl gegeben" Punisher  Zwinkern

Das war Tuxedo, das Medalion kenne ich nicht Bätsch!


Die DV-Kamera empfand ich als sinnig, weil sie das Blickfeld der Hauptfigur besser darstellt. Das passt in die Thematik und erlaubt es, die Abwärtsspirale mitzumachen. Was genau hat dich denn daran so gestört? Oder ist es einfach nur der Umstand, dass die Optik dadurch halt etwas unästhetischer wirkt?

Genau das Zwinkern .
Gespeichert

Mein DVD Profiler

I am haunted by dreams of blood, Visions of death and gore.
It is the future that I see,  and if this is truly my fate ... then so be it
Vince
Steelbook
*
Offline Offline

Beiträge: 4.348


Debakelvince


« Antwort #7 am: 12. November 2007 um 16:32 »

Das war Tuxedo, das Medalion kenne ich nicht Bätsch!
Ach ja, richtig. Mein Fehler!  Mr. Green

Zitat
Genau das Zwinkern .

Soll Lynch beim nächsten Mal Michael Bay hinter die Kamera setzen? Wäre dir das genehmer?  Zwinkern
Gespeichert
Ronin
Steelbook
*
Offline Offline

Beiträge: 4.828


fire walk with me


« Antwort #8 am: 12. November 2007 um 16:33 »

Und deswegen finde ich sogar, dass er weniger anstrengend ist als Mulholland Drive, denn hatte man da noch die Hoffnung, das Handlungsgerüst durchschauen zu können, versucht man es hier erst gar nicht mehr und lässt sich voll und ganz fallen - so wie es im Sinne Lynchs ist.
Hm, wenn man aber gar nichts mehr hat, an das man sich bei einem Film klammern kann (Happy End, Bad End, wer-ist-der-Mörder etc.), dann fällt es umso schwerer, zu glauben, der Film hätte 9 Punkte verdient (keine Kritik an der Wertung an sich). Ich bewerte einen Film doch eigentlich nicht danach, ob er künstlerisch besonders wertvoll ist, sondern ob er mir gefällt. Wenn ich aber der Handlung kaum (oder gar nicht) folgen kann, weil sie von vornherein als unlogisch konzipiert wurde, kann mir so ein Film doch nicht gefallen.

btw: Welche Metamorphose? So weit habe ich Lost Highway noch gar nicht geschaut. Lautes Lachen
Gespeichert

The Punisher
Hodor
Limited Edition
*
Offline Offline

Beiträge: 18.254


Iám Groot


WWW
« Antwort #9 am: 12. November 2007 um 16:34 »

Soll Lynch beim nächsten Mal Michael Bay hinter die Kamera setzen? Wäre dir das genehmer?  Zwinkern

Einfach auf die DV Homevideo Optik verzichten Mr. Green
Gespeichert

Mein DVD Profiler

I am haunted by dreams of blood, Visions of death and gore.
It is the future that I see,  and if this is truly my fate ... then so be it
The Punisher
Hodor
Limited Edition
*
Offline Offline

Beiträge: 18.254


Iám Groot


WWW
« Antwort #10 am: 12. November 2007 um 16:35 »

btw: Welche Metamorphose? So weit habe ich Lost Highway noch gar nicht geschaut. Lautes Lachen

STEINIGT IHN Teuflisches Lachen
Gespeichert

Mein DVD Profiler

I am haunted by dreams of blood, Visions of death and gore.
It is the future that I see,  and if this is truly my fate ... then so be it
Vince
Steelbook
*
Offline Offline

Beiträge: 4.348


Debakelvince


« Antwort #11 am: 12. November 2007 um 16:50 »

Hm, wenn man aber gar nichts mehr hat, an das man sich bei einem Film klammern kann (Happy End, Bad End, wer-ist-der-Mörder etc.), dann fällt es umso schwerer, zu glauben, der Film hätte 9 Punkte verdient (keine Kritik an der Wertung an sich). Ich bewerte einen Film doch eigentlich nicht danach, ob er künstlerisch besonders wertvoll ist, sondern ob er mir gefällt. Wenn ich aber der Handlung kaum (oder gar nicht) folgen kann, weil sie von vornherein als unlogisch konzipiert wurde, kann mir so ein Film doch nicht gefallen.
Oh weia Ronin, das hört sich ja fast so an, als würdest du nur Formelbrei aus Hollywoods Küche essen. Was ist denn wenn mir der Film gefällt, weil er künstlerisch wertvoll ist. Wenn das Künstlerisch Wertvolle mir den Ausschlag gibt, den Film zu mögen?
Sieh es mal so: Lynchs Filme verursachen in mir Gefühle, die kein anderer Filmemacher in mir hervorzurufen versteht. Warum oder woher die Gefühle kommen weiß ich nicht, aber ich weiß: der Mann hat's drauf, weil er mich gepackt hat. So einfach sind Lynchs Filme im Grunde zu verstehen. Man soltle in erster Linie auf die Wirkung hören. Wenn sie da ist, okay, wenn nicht, dann nicht.

Zitat
btw: Welche Metamorphose? So weit habe ich Lost Highway noch gar nicht geschaut. Lautes Lachen

Nachdem Bill Pullman Patricia Arquette ermordet hat, kommt er ins Gefängnis. Als die Gefängniswärter am nächsten Tag die Zelle öffnen, sitzt da nicht Bill Pullman, sondern Balthazar Getty. Offenbar hat sich der Jazzer mitten in der Nacht in einen jungen Automechaniker verwandelt...
Gespeichert
Ronin
Steelbook
*
Offline Offline

Beiträge: 4.828


fire walk with me


« Antwort #12 am: 12. November 2007 um 17:09 »

Oh weia Ronin, das hört sich ja fast so an, als würdest du nur Formelbrei aus Hollywoods Küche essen.
Autsch. Das ging unter die Gürtellinie.  Zwinkern
Zitat
Was ist denn wenn mir der Film gefällt, weil er künstlerisch wertvoll ist. Wenn das Künstlerisch Wertvolle mir den Ausschlag gibt, den Film zu mögen?
Aber nur weil ein Film künstlerisch wertvoll ist ist er noch lange nicht gut. Ich würde Helge Schneider´s Werke auf jeden Fall das Prädikat "künstlerisch wertvoll" geben. Im Allgemeinen wird seine Kunst aber nicht anerkannt und eher als Schrott erachtet, weil viele mit seinen Filmen und seiner Musik einfach nichts anfangen können.
Das gleiche Argument kann man auch beim Film anwenden. Ich behaupte einfach mal, daß ich erkenne, wenn ein Film künstlerisch viel zu bieten hat. Wenn er (mir) aber, außer der Kunst, keine Unterhaltung bietet, kann ich ihn nicht als gut erachten. Unterhaltung ist ja schließlich der Grund, warum ich mir Filme anschaue. Ob es dabei nun um die x-te Verfilmung eines Rachefeldzuges geht, oder um einen Franzosen, der 3 Stunden lang in der Bahn sitzt und aus dem Fenster schaut, spielt in Punkto Unterhaltung eine eher sekundäre Rolle. Ich kann mich auch gut beim Nachdenken unterhalten. Zwinkern

btw: bis auf "Lost Highway" bin ich Lynch´s Werken auch verfallen
bbtw: den Spoiler habe ich mir gespart, da ich soeben beschlossen habe, dem Film noch eine Chance zu geben.
Gespeichert

Vince
Steelbook
*
Offline Offline

Beiträge: 4.348


Debakelvince


« Antwort #13 am: 12. November 2007 um 17:33 »

Aber nur weil ein Film künstlerisch wertvoll ist ist er noch lange nicht gut.
Hat ja so auch niemand gesagt.

Zitat
Ich behaupte einfach mal, daß ich erkenne, wenn ein Film künstlerisch viel zu bieten hat. Wenn er (mir) aber, außer der Kunst, keine Unterhaltung bietet, kann ich ihn nicht als gut erachten. Unterhaltung ist ja schließlich der Grund, warum ich mir Filme anschaue.

Aber nur weil ein Film unterhaltsam ist ist er noch lange nicht gut.  Zwinkern

Zitat
Ob es dabei nun um die x-te Verfilmung eines Rachefeldzuges geht, oder um einen Franzosen, der 3 Stunden lang in der Bahn sitzt und aus dem Fenster schaut, spielt in Punkto Unterhaltung eine eher sekundäre Rolle. Ich kann mich auch gut beim Nachdenken unterhalten. Zwinkern
Okay, das hört sich jetzt wieder anders an. Demnach definierst du Unterhaltung nicht als Unterhaltung im Sinne von "Entertainment", sondern mehr im Sinne des Erkennens von und sich Interessierens für eine Substanz, die im Film steckt. Und jetzt frage ich mich: Was wolltest du mit diesem Einwand hier

Zitat
Hm, wenn man aber gar nichts mehr hat, an das man sich bei einem Film klammern kann (Happy End, Bad End, wer-ist-der-Mörder etc.), dann fällt es umso schwerer, zu glauben, der Film hätte 9 Punkte verdient (keine Kritik an der Wertung an sich). Ich bewerte einen Film doch eigentlich nicht danach, ob er künstlerisch besonders wertvoll ist, sondern ob er mir gefällt. Wenn ich aber der Handlung kaum (oder gar nicht) folgen kann, weil sie von vornherein als unlogisch konzipiert wurde, kann mir so ein Film doch nicht gefallen.


sagen? Schließlich war die Unterhaltung im Sinne deiner Definition für mich ja durchaus vorhanden, und deshalb ist mir nicht ganz klar, wieso dir nicht ganz klar ist, wie man da die 9/10 ziehen kann...
Gespeichert
dÆmonicus
Globaler Moderator
*
Online Online

Beiträge: 33.444


Dragon


« Antwort #14 am: 12. November 2007 um 17:37 »

Nice Review. Film werde ich mal irgendwann sichten wenn ich Zeit und Hirn für habe.  Bätsch!
Gespeichert
Ronin
Steelbook
*
Offline Offline

Beiträge: 4.828


fire walk with me


« Antwort #15 am: 12. November 2007 um 18:07 »

Zitat
Zitat
Aber nur weil ein Film künstlerisch wertvoll ist ist er noch lange nicht gut.
Hat ja so auch niemand gesagt.
Könnte man aber so auslegen, vor allem wenn man den 2. Satz betrachtet:
Zitat
Was ist denn wenn mir der Film gefällt, weil er künstlerisch wertvoll ist. Wenn das Künstlerisch Wertvolle mir den Ausschlag gibt, den Film zu mögen?
Andersherum muss ich dir recht geben. Unterhaltung ist kein Garant für Qualität. Ansonsten wäre das deutsche  Fernsehprogramm ja auch gut und so weit will ich mich nicht aus dem Fenster herauslehnen. Zwinkern
Zitat
Okay, das hört sich jetzt wieder anders an. Demnach definierst du Unterhaltung nicht als Unterhaltung im Sinne von "Entertainment", sondern mehr im Sinne des Erkennens von und sich Interessierens für eine Substanz, die im Film steckt.
Richtig. Ich würde "Entertainment" aber nicht ausklammern, sondern als ein Teil der Sache ansehen.
Zitat
nd jetzt frage ich mich: Was wolltest du mit diesem Einwand hier
Zitat
Hm, wenn man aber gar nichts mehr hat, an das man sich bei einem Film klammern kann (Happy End, Bad End, wer-ist-der-Mörder etc.), dann fällt es umso schwerer, zu glauben, der Film hätte 9 Punkte verdient (keine Kritik an der Wertung an sich). Ich bewerte einen Film doch eigentlich nicht danach, ob er künstlerisch besonders wertvoll ist, sondern ob er mir gefällt. Wenn ich aber der Handlung kaum (oder gar nicht) folgen kann, weil sie von vornherein als unlogisch konzipiert wurde, kann mir so ein Film doch nicht gefallen.
sagen? Schli
eßlich war die Unterhaltung im Sinne deiner Definition für mich ja durchaus vorhanden, und deshalb ist mir nicht ganz klar, wieso dir nicht ganz klar ist, wie man da die 9/10 ziehen kann...
Das war im Detail vielleicht ein wenig unglücklich formuliert, aber von der Sache her, vor allem mit der von dir dargebrachten Definition von Unterhaltung, durchaus logisch.
Wenn der Storyverlauf des Films nämlich derart konfus ist, daß man ihm kaum folgen kann, bzw. jeder Versuch die Versatzstücke gedanklich zu ordnen, deiner Aussage nach, direkt zum Scheitern verurteilt ist, dann hält sich mein Interesse dafür doch stark zurück. Das wäre für mich keine Unterhaltung mehr, sondern würde mir eher wie ein Pflichtprogramm vorkommen, daß ich mir mal ansehen muss, um mitreden zu können.

Wie schon gesagt, deine Wertung stelle ich nicht in Frage. Ich denke, mit folgender Änderung wird das ein wenig klarer:

"Hm, wenn man aber gar nichts mehr hat, an das man sich bei einem Film klammern kann (Happy End, Bad End, wer-ist-der-Mörder etc.), daß der Film bei mir eher keine 9 Punkte bekommt Ich bewerte einen Film doch eigentlich nicht danach, ob er künstlerisch besonders wertvoll ist, sondern ob er mir gefällt. Wenn ich aber der Handlung kaum (oder gar nicht) folgen kann, weil sie von vornherein als unlogisch konzipiert wurde, kann mir so ein Film doch nicht gefallen."
« Letzte Änderung: 12. November 2007 um 18:09 von Ronin » Gespeichert

Vince
Steelbook
*
Offline Offline

Beiträge: 4.348


Debakelvince


« Antwort #16 am: 12. November 2007 um 21:05 »

Zitat
Wenn der Storyverlauf des Films nämlich derart konfus ist, daß man ihm kaum folgen kann, bzw. jeder Versuch die Versatzstücke gedanklich zu ordnen, deiner Aussage nach, direkt zum Scheitern verurteilt ist, dann hält sich mein Interesse dafür doch stark zurück. Das wäre für mich keine Unterhaltung mehr, sondern würde mir eher wie ein Pflichtprogramm vorkommen, daß ich mir mal ansehen muss, um mitreden zu können.

Das ganze Mißverständnis liegt darin, dass du einige Dinge falsch verstanden hast, wie man im oben zitierten Teil sieht. Es ist nämlich keineswegs so, dass der Film derart konfus wäre, dass man ihm überhaupt nicht mehr folgen kann - hab ich nie gesagt! Ich sagte, dass man mit Logik nicht weit kommt. Das ist ein himmelweiter Unterschied.
Und Pflichtprogramm, das man halt gucken muss, obwohl man es nicht will? Keineswegs! Was hab ich mich auf den Film gefreut und was fand ich ihn über die vollen drei Stunden unterhaltsam (jep!) und was hat er mich in der darauffolgenden Nacht den Schlaf gekostet, weil ich die ganze Zeit darüber grübeln musste. Also wenn das keine 9/10 wert ist, weiß ich auch nicht weiter.

Im Übrigen ist das samt und sonders aber auch schon alles in der Kritik erläutert. Zwinkern Insbesondere der Teil mit den Versatzstücken, die aber nun mal von der gleich bleibenden Hauptdarstellerin verbunden werden.
« Letzte Änderung: 12. November 2007 um 21:07 von Vince » Gespeichert
Ronin
Steelbook
*
Offline Offline

Beiträge: 4.828


fire walk with me


« Antwort #17 am: 12. November 2007 um 21:20 »

Das ganze Mißverständnis liegt darin, dass du einige Dinge falsch verstanden hast...
Hm, schaut so aus.  Verwundert
Gespeichert

Seiten: [1]   Nach oben
  Sende dieses Thema  |  Drucken  
 
Gehe zu:  



Impressum | Forumregeln | Kontakt | Sitemap
Powered by SMF 1.1.21 | SMF © 2006, Simple Machines