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Autor Thema: Matando Cabos (Metalpak)  (Gelesen 9689 mal)
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Vince
Steelbook
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Debakelvince


« am: 08. März 2007 um 18:48 »

Matando Cabos (2004)
Metalpak
OT: Matando Cabos



Technische Daten
Vertrieb: I-On New Media
Regionalcode: 2
Laufzeit: 99 Min.
Regie: Alejandro Lozano
Darsteller: Tony Dalton, Ana Claudia Talancón, Pedro Armendáriz Jr., Kristoff Razcinsky, Raúl Méndez, Joaquín Cosio, Gustavo Sánchez Parra, Rocío Verdejo, Silverio Palacios, Jacqueline Voltaire, Pedro Altamirano, Norman Sotolongo
Bildformat: 1,78:1 (anamorph / 16:9)
Sprachen: DD 5.1 Deutsch, Spanisch
Untertitel: Deutsch
Freigabe: Keine Jugendfreigabe

Film
Vive México!
Me late mucho México.


Natürlich, warum auch nicht? Du bist Mexikaner. Aber so langsam fängt die ganze Filmwelt an, Mexiko zu lieben. Ja, gut, zum ganz großen Wurf hat es bei den Oscars dann doch nicht gereicht.

Alemán! Partiron la madre.

Ich weiß, alter pachuco, ich weiß. Aber hey - was sagt denn schon so ein Oscarsieg aus? Del Toros Niederlage hindert die mexikanische Filmindustrie jedenfalls nicht daran, die Welt im Sturm zu erobern.
Ich meine - schau dir mal “Matando Cabos” an. Glaubst du etwa, der sei nach dem Oscarabend nicht mehr gedreht worden?

Also, was haben wir da... na klar, einen weiteren Tarantino-Parasiten. Muss ich zunächst mal so böswillig konstatieren, denn mal ehrlich, schon wieder eine Verwechslungsgeschichte? Schon wieder allerhand schräge Figuren, die sich gegenseitig auf den Füßen stehen und am Ende eine dicke Pointe, als sich der Knoten löst? Also, in den USA und in Großbritannien ist man da inzwischen schon weiter. Sag mal, charro, weißt du, was Nu Metal ist?

Pues yo no sé, a la mera y si.

Das ist eine Musikrichtung, die Ende der Neunziger total angesagt war. Ungefähr zur gleichen Zeit wie Post-Tarantino-Gangsterfilme. Aber weißt du, wer heute noch Nu Metal hört? Keiner. Der Zug ist abgefahren, Mann. Und irgendwie beschleicht mich das Gefühl, dass dem Gangsterflick ein ähnliches Schicksal bevorsteht. Glaubt man den Kritiken, hat “Smokin’ Aces” gerade erst im Kino auf dem High Level ziemlich abgestunken. Wozu dann also noch importieren, wenn die Scheiße schon hausgemacht bis zum Himmel stinkt? Denn eines steht mal fest: euer “Matando Cabos” ist dermaßen oldschool, ein solcher lupenreiner Mix aus “Pulp Fiction”, “Snatch” und “In China essen sie Hunde”, dass höchstens ein paar Nostalgiker und Nerds beim Gedanken an den Plot eures Streifens einen Steifen kriegen.

Ey, pendejo! No me caigas en los huevos, güey.

Reg dich ab, Kumpel, du hast ja Recht. Warum soll ich dir mit Grundsätzen auf die Eier gehen, wenn ich nichts Ordentliches zu sagen habe? Also, zur Ehrenrettung deiner Landsmänner: Was ich da gesehen habe, hat zwar nichts mit del Toros Originalität zu tun, die er der mexikanischen Zelluloidindustrie (zu schade, dass man diesen schönen Begriff wegen der Digitalisierung des Films zunehmend nur noch der Gewohnheit wegen sagen darf) seit “Pan’s Labyrinth” als positive Eigenschaft auferlegt hat. Aber ich muss zumindest eingestehen, dass das leicht schmuddelige Gesamtwerk sehr abwechslungsreich ist und damit ordentlich Laune gemacht hat. Keine Frage.

Was schon seltsam ist, denn es geht ganz schön dreist kopiert los, wenn die beiden Hauptfiguren auf der Toilette sitzen und sich Stories über einen Gangsterboss erzählen. Hatten wir tratschende Gangster und deren bebilderte Fantasie nicht schon in der Fußmassagen-Angelegenheit zwischen Jules und Vincent? Aber gut, es ist zumindest schön geschnitten und führt einige wichtige Charaktere mitsamt deren Hintergründen, auf die immer sehr viel Wert gelegt wird, ein. Ohne zu beanspruchen, dass diese Hintergründe den Fakten entsprechen, denn sie könnten auch eine Erfindung des Erzählers sein - das lässt Platz für spätere Plottwists und andere Überraschungen.
Und weißt du was, charro?

Te chingaron?

Nein Mann, die haben mich nicht übers Ohr gehauen. Ich war zufrieden damit. Wirklich! Obwohl ich jeden Dialog schon mal irgendwo vernommen, jede Kameraperspektive irgendwo mal gesehen habe. Lediglich der Trunk Shot fehlt, dafür gibt’s aber eine im-hinteren-Teil-eines-Vans-sitz-Perspektive, wie in “Jackie Brown”.
Tatsache ist nur, ich mochte die Charaktere. Ein Kunststück, das Genrebeiträge wie “51st State” oder “Layer Cake” bei mir nicht fertiggebracht haben. Sie sind interessant, weil sie nicht ganz so selbstzweckhaft kurios wirken, obwohl sie es manchmal sind. Besonders der Wrestler Mascarita / Ruben hat es mir angetan, er mit den ihm innewohnenden zwei Seelen. Der arme Tor. Er, dessen (verjährte) Karriere so schön mit bewusst verschmutzten TV-Berichten vergangener Tage erklärt wird. Er, der “Nacho Libre” quasi überflüssig macht. Man könnte sagen, “Mantando Cabos” beinhalte “Nacho Libre” und noch viel, viel mehr.

Denn Ruben ist freilich nur eine Figur in dem sich einmal mehr entfaltenden Netz von Figuren. Er nimmt zunächst die “Mr. Wolfe”-Position ein, da er zwei unfähigen Gangstern - den Hauptfiguren - bei einem Problem mit einem Wagen zur Hilfe kommt und sich von einem von ihnen dann auch noch anhören muss: “Das hätte ich auch noch geschafft”. Woher kenne ich noch gleich diese Respektlosigkeit?

Eres una verdadera lata.

Wieso, soll ich diese allgegenwärtigen Parallelen etwa verdrängen? Sie sind nun mal da, jederzeit. Was ich Alejandro Lozano aber zugute halte, ist, dass er nie stagniert oder linear vorgeht, sondern im Zickzack von einer Situation zur nächsten springt. Seine Regie ist dabei recht abwechslungsreich, genau wie die Charaktere - nie den Bogen überspannend übertrieben, aber eben auch nie konventionell; schräg, aber nicht bescheuert.
Ach übrigens, pachuco... sag mal was Lustiges!

Andaba en las nubes.

Siehst du, genauso läuft das auch in “Mantando Cabos”. Da sind keine oder nur schwache Pointen, und dann ist da noch diese hilflose Bemühung, philosophische Nichtigkeiten in die Sprechblasen zu legen, was komplett misslingt. Aber trotzdem gibt es dezente Komik zwischen den Figuren, eine unterschwellige Lakonie, die dem hysterischen Gesabber mancher Genrekollegen mit viel Persönlichkeit entgegnet.

Weißt du, Kumpel... ich werde mich dann in Zukunft doch eher an Guillermo del Toro heften, wenn es um sehenswerte Filme aus mexikanischer Hand geht. Oder an Alfonso Cuarón, oder Alejandro González Iñárritu. Was Lozano hier bringt, ist möglicherweise potenzieller Kult, vielleicht aber auch nur das in unsere Breitengrade überschwappende Nebenprodukt, das von dem momentanen Boom mexikanischer Filme profitiert. Es ist Nu Metal aus dem Jahr 2004, und 2004 ist er halt nicht mehr Nu, sondern Old. Aber das geht in Ordnung, denn hin und wieder rockt auch der alte Scheiß noch.

Entendi ni madre, alemán!

Macht nichts. Hauptsache, ich habe dich verstanden.
 6 Narrenkappen

Bild
Eher verwaschene Farben und blasse Konturen, die wohl vor allem darauf zurückgehen, dass es sich um ein kleineres Projekt handelt. Allerdings gleiten die Bilddefizite teilweise in die gewollten Stilmittel über, so dass das gar nicht so negativ ins Gewicht fällt - passt schon so.
 4 Narrenkappen ,5

Ton
Es handelt sich um einen erstaunlich ruhigen Film, der höchstens hin und wieder mal ein paar Schießereien vorzuweisen hat. Diese sind dann auch weniger laut und effektiv als gewünscht. Anderes wiederum, wie vereinzeltes Vogelgezwitscher etc., ertönt kristallklar aus den Rears. Die Stimmen, als Synchronisation nicht ganz so gut gelungen (aber auch keine Katastrophe), kommen gut verständlich aus den Boxen.
 6 Narrenkappen

Menüs und Verpackung
Es gibt nett animierte Menüs mit animierten Übergängen und ebensolchen Untermenüs. Als Verpackung wurde der limitierten Fassung ein dem Steelbook stark ähnelndes Metalpak spendiert, das eben nur eine andere Scharnierfunktion und ein etwas anderes Plastikinlay hat. Ein Booklet wäre dann die Sahnehaube gewesen - ist sie leider nicht.
 8 Narrenkappen

Extras
Die Extras sind schön komprimiert. Da gibt es zum einen den Kinotrailer, eine Trailershow mit anderen Titeln (Calvaire, Deep Water, Moon Over Tao, Red Shoes, Saikano - Ultimate Weapon, Sakuya - The Demon Slayer, Shinobi, Survive Style, Tokyo Zombie) und zuletzt ein einstündiges Making Of, das überwiegend aus Darstellerinterviews und Filmausschnitten (in relativ schlechter Bildqualität) besteht.
 4 Narrenkappen

Fazit
Freunde gepflegter Tarantino-Tradition dürfen einen Blick wagen, wenn Oscar Cabor entführt wird. Wer aber neue Ideen erwartet, ist definitiv auf dem falschen Dampfer. Allerdings sind die Mexikaner dann doch für so manchen schrägen Einfall gut und bieten zumindest einen vergnüglichen Abend. Die DVD ist nicht mehr als solide.
 6 Narrenkappen  

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StS
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Obsessed with the "mess" that's America


« Antwort #1 am: 08. März 2007 um 19:08 »

Pfiffig geschriebene Kritik, Vincenzo, fein fein - der Film, von dem ich übrigens nie zuvor gehört hab, reizt micht trotzdem wenig...  Zwinkern
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Vince
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Debakelvince


« Antwort #2 am: 08. März 2007 um 19:26 »

Nanu, ich habe einen Film gesehen, von dem du noch nie was gehört hast? Dass es sowas noch gibt!  Zwinkern
Danke für die Rückmeldung!  Sehr glücklich
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StS
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Obsessed with the "mess" that's America


« Antwort #3 am: 08. März 2007 um 19:30 »

Zitat von: "Vince"
Nanu, ich habe einen Film gesehen, von dem du noch nie was gehört hast? Dass es sowas noch gibt!  Zwinkern
Danke für die Rückmeldung!  Sehr glücklich

Bitte, bitte!  Zwinkern
Ist aber wirklich so: allein den Titel hab ich echt noch nie zuvor gehört...  Mal scharf überlegen
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Hannibal
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« Antwort #4 am: 08. März 2007 um 20:03 »

Ich hab schon davon gehört Sehr glücklich
Ein Artikel in der DVD Vision hat mein Interesse geweckt, aber deine Review hat das ganze jetzt wieder ein wenig relativiert. Scheint doch nicht so der Kracher zu sein...hm...für sehr wenig Geld, werd ich dem ne Chance geben, aber es muss schon sehr günstig sein Zwinkern
Die Review ist allerdings erste Sahne, überaus amüsant & originell geschrieben. Klasse!

MFG
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freeman
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« Antwort #5 am: 09. März 2007 um 00:18 »

LOL, sehr geile Kritik und eine der ersten zu dem Streifen von jemanden, den ich einschätzen kann, da mich der streifen interessierte, seit ich das Steelbook in den Händen hielt. Leider scheinen dann die ION typischen Lobeshymnen wieder nen bissel überzogen zu sein ... schade. Warte ich mal aufs Pay TV.

In diesem Sinne:
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Vince
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Debakelvince


« Antwort #6 am: 09. März 2007 um 12:50 »

Danke, danke, danke! Im Müller (zumindest in meinem Müller war's so) sollte man das Metaldings eigentlich für 14,99€ bekommen. Für den Preis hat der ofdb-Shop ihn auch auf Lager. Das geht dann imo auch schon klar. Ich hab den halt spontan in einem Kaufrausch nach erfolgreichem Abschluß meines Soziologie-Nebenfaches mitgenommen, da fällt es immer etwas leichter, kritische Blindkäufe zu tätigen.  Zwinkern

Hier mal eben der von freeman erwähnte, zweifellos überzogene Werbetext auf dem Backcover:

Zitat
Mexiko rockt gewaltig und liefert derzeit die heißesten Filmimporte. So wie dieser abgefuckte, rabiate und komplett durchgeknallte Verwechslungs-Thriller. Gewalttätig, vulgär, abgefahren und grenzenlos komisch - Matando Cabos schlägt genau in die Kerbe, die Tarantino und Guy Ritchie mit ihren besten Filmen in die Herzen der Kinofans geschnitzt haben. Der Publikumsrenner des Fantasy Filmfests ist eine actionreiche, unfassbar coole Gangstercomedy mit schwindelerregend hohem Gagpotential. Wunderbar respektlos und herrlich durchgedreht ist Matando Cabos endlich mal wieder ein Film der richtig abgeht!
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dÆmonicus
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Dragon


« Antwort #7 am: 09. März 2007 um 14:48 »

Ich sprech zwar kein mexikanisch, aber ich erkenne trotzdem eine tolle Review. Film wird wohl eher an mir vorübergehen.  Sehr glücklich
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Vince
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Debakelvince


« Antwort #8 am: 09. März 2007 um 16:05 »

Zitat von: "daemonicus"
Ich sprech zwar kein mexikanisch, aber ich erkenne trotzdem eine tolle Review. Film wird wohl eher an mir vorübergehen.  Sehr glücklich


Sind eh überwiegend Schimpfwörter.  Zwinkern

Thx!
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« Antwort #9 am: 10. März 2007 um 01:00 »

Um mal das Nivau im Board mal wieder nen bissel zu heben:

Wieviel zeigt sie hier?
Ana Claudia Talancón

Dürfte die Tochter von nem Gangsterboss sein, mit der man eigentlich net pimborn sollte ... die ist aber megasüß ... hat wieder eine ihre No Nudity Clauses ausm Vertrag radiert? Wenn ja, werd ich doch mal zuschlagen müssen ... wenn nein, kann ich warten Lautes Lachen

In diesem Sinne:
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Vince
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Debakelvince


« Antwort #10 am: 10. März 2007 um 13:55 »

Ich kann mich nicht an eine einzige Moppe erinnern. Ich glaube, der Film hat 0 Nudity.

EDIT: Ach ja, da ist eine kurze Pimperszene, in der man aber null sieht. Die gute Dame sitzt zwar aufrecht und reitet den Cowboy, trotzdem ist die Bettdecke sogar noch über die Moppen gezogen.

Soviel zum Niwau...
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« Antwort #11 am: 10. März 2007 um 15:00 »

Also eine voll geschmäcklerische Liebesszene in einem bösen Tarantinoklon? Irgendwie rücken die 3/5 in immer weitere Fernen Zwinkern

In diesem Sinne:
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mongkok80
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« Antwort #12 am: 27. Januar 2008 um 10:34 »

Der Film klingt ein bisschen wie Nicotina, auch ein netter Versuch, aber naja... Trotzdem, Hauptsache mexikanisch, und schon allein deswegen interessant. Problem dabei: da mein Bruder spätestens seit Secuestro Express um Latinofilme im Allgemeinen einen grossen Bogen macht Traurig, werd ich mir die DVD wohl selbst auf die Einkaufsliste setzen müssen.

Viva México, cabrones!!  Headbanger
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Vince
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Debakelvince


« Antwort #13 am: 27. Januar 2008 um 22:16 »

Der Film klingt ein bisschen wie Nicotina,

Der ist exakt wie Nicotina. Allerdings imo schon einen Tick besser.
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