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Autor Thema: Ravenhawk  (Gelesen 2002 mal)
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StS
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Obsessed with the "mess" that's America


« am: 22. Januar 2007 um 18:27 »

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“Ravenhawk”

Entstehungsdaten:  
USA 1996

Regie:  
Albert Pyun

Darsteller:
Rachel McLish
William Atherton
John Enos
Mitch Pileggi
Ed Lauter
Michael Champion
Nicholas Guest
Vincent Klyn

Trailer:
http://german.imdb.com/title/tt0117446/trailers [/align]


[align=justify]Ehe der deutsche Regisseur Uwe Boll 2003 mit seiner Videospiel-Adaption „House of the Dead“ aus der B-Movie-Anonymität heraustrat und zu einem der (von Fans) am meisten gehassten bzw kritisierten Vertreter seiner Zunft avancierte, dürfte der hawaiianer Albert Pyun, ein Günstling der Ikonen Toshiro Mifune und Akira Kurosawa, diese wenig schmeichelhafte Stellung innegehabt haben. Für seine pseudo-philosophischen Zukunftsvisionen bekannt, gerne auch mal inklusive Cyborgs und/oder in osteuropäischen Landen umgesetzt, schlummert in dem Mann eine Art cineastischer Avantgardist, der nur noch nicht die Mittel bzw Wege gefunden hat, seine Visionen ungefiltert zu realisieren. Dass Pyun per se kein (handwerklich) untalentierter Filmemacher ist, beweist er immer dann, wenn er für ein Projekt ein angemessenes Budget zur Verfügung hat – so wie im vorliegenden Fall, dem 1996er Action-Thriller „Ravenhawk“, einer Auftragsarbeit des amerikanischen Pay-TV-Senders „HBO“:  

Da in den USA die indianischen Ureinwohner seitens der Regierung per Gesetz Entscheidungssouveränität über ihr Stammesland zugesichert erhalten haben, kommt ein findiger wie skrupelloser Senator (John de Lancie) irgendwann auf die Idee, einen umstrittenen, aber äußerst lukrativen Plan inmitten eines Shoshonen-Reservats zu realisieren – nämlich die Errichtung einer Giftmülldeponie. Natürlich spricht sich der zuständige Rat gegen diese Entweihung ihres geheiligten Bodens aus, worauf Philip Thorne (William Atherton) damit beauftragt wird, jegliche Probleme für die potentiellen Investoren schnellstmöglich zu lösen, was in brutalen Einschüchterungsaktionen resultiert. Besonders die einflussreiche Familie Shadowfeather weigert sich vehement, von ihrer Position abzuweichen – also beschließen die fünf Haupt-Involvierten vorort (neben Thorne noch Rikker (Mitch Pileggi), Fowler (Michael Champion), Rice (Dick Warlock) und Daggert (Ed Lauter), seines Zeichens der örtliche Sheriff), die Sache ein für alle Mal zu klären: Sie ermorden das Ehepaar (Pato Hoffmann/Kimberly Norris) und schieben die Tat ihrer jungen Tochter Rhyia (Karina Yharra) in die Schuhe, die seit jener Nacht in einen katatonischen Schock-Zustand abgeglitten ist. Vor Gericht stellt man die Geschehnisse als ein außer Kontrolle geratenes Ritual dar – die Angeklagte wird für Schuldig befunden und in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen…

12 Jahre später ist aus dem kleinen Mädchen eine erwachsene Frau (Rachel McLish) geworden, die während der ganzen Zeit verbissen an ihrer indianischen Kultur festgehalten sowie ihren Körper geradezu obsessiv gestählt hat. Ihre inzwischen stabile Mental-Verfassung führt nun dazu, dass sie in ein reguläres Gefängnis überstellt werden soll: Auf der Fahrt verunglückt der Transporter jedoch – er stürzt eine Böschung hinab, und Rhyia vermag sich gerade noch so aus dem Wrack zu befreien, bevor eine Explosion das Fahrzeug zerreißt. Die Behörden halten sie für tot, weshalb sie relativ gefahrlos in das Reservat zurückkehren kann, wo sie entsetzt die vielen Veränderungen wahrnehmen muss (u.a. die mitten in der Natur errichtete Anlage). Umgehend begibt sie sich nun ans Stillen ihres Verlangens nach genugtuender Vergeltung: Zuerst befreit sie ihr damaliges Pferd aus den Händen seines derzeitigen (gewalttätigen) Besitzers, dann nimmt sie sich die Mörder ihrer Eltern vor – einer nach dem anderen bringt sie diese zur Strecke, was zu einer wachsenden Unruhe innerhalb der beteiligten Kreise führt, zumal sich Thorne darüber hinaus mit einem hartnäckigen, speziell für Stammes-Angelegenheiten zuständigen Marshall (John Enos) herumschlagen muss. Drei hinzugezogene Experten (sprich: Profikiller) sollen in Folge dessen das Problem aus der Welt schaffen…

Bei „Ravenhawk“ brauchte Pyun nicht zu befürchten, dass die Finanzierung auf wackeligen Füßen steht oder Produzenten nachträglich an seiner Vision herumbasteln, um eine unkompliziertere Vermarktung zu gewährleisten, denn das gesamte Werk entbehrt nahezu vollständig etwaige inhaltliche oder inszenatorische Ecken und Kanten, wie man sie sonst von seinem Schöpfer gewohnt ist. Offensichtlich floss keinerlei Herzblut in die Entstehung des Produkts mit ein – in jeder Sekunde seiner Laufzeit wirkt der Streifen wie solide, routiniert umgesetzte Fließbandware, die einer breiteren Masse zusagen könnte. Drehbuchautor Kevin Elders, welcher tatkräftig an der „Iron Eagle“-Franchise beteiligt war, lieferte eine überraschungsarme 08/15-Vorlage ab, die eine abgegriffene Rache-Story per Hinzufügen ökologischer und ethnischer Ansätze aufzuwerten versucht – diese Intention fruchtet allerdings, hauptsächlich in Anbetracht ihrer halbherzigen, dürftig ausgeprägten Integration, kaum. Wer bislang dachte, Seagal´s Botschaft in „On Deadly Ground“ erschien arg aufgesetzt, kann hier Zeuge einer noch eindeutigeren Alibi-Funktion einer ähnlichen Thematik werden. Wie jede einzelne vorhandene Figur, egal ob nun gut oder böse, sind leider auch die Indianer nichts weiter als Stereotypen: Selbst dazu bereit, für ihre Grundsätze in den Tod zu gehen, sind sie Menschen von hoher Moral sowie seit Jahrhunderten Opfer des „weißes Mannes“, der sie immerzu benachteiligt, ausgenutzt und zudem ihre Freiheit stetig vermindert hat – ferner sind ihm die „zu ihrem Schutz“ erlassenen Gesetze weitestgehend egal, wenn sie seine angestrebten Interessen blockieren. Aufdringlich werden diese Gegebenheiten nie präsentiert, eher nebenbei in Gestalt kurzer Aufnahmen Souvenirs verkaufender Ureinwohner oder solcher, die in Wild-West-Shows Touristen unterhalten. Dieses Vorgehen „subtil“ zu nennen wäre aber eine Frechheit – vielmehr verkommt die Angelegenheit so förmlich zu einem rein beiläufigen Aufzeigen der Situation, welcher auf diese Weise nicht viel mehr Gewicht als dem eines flüchtigen Untertons zugesprochen wird. Selbiges gilt übrigens ebenso für die ökologischen Aspekte – ein Nebensatz, dass die Einrichtung Luft und Grundwasser gleichermaßen verpestet, ist schon das Höchste der Gefühle. Action ist trumpf – alles andere ist zweit- oder gar drittrangig.  

Prinzipiell gefallen mir durchtrainierte Frauen sehr gut, wobei meine persönliche Geschmacksspanne von, sagen wir mal, Keira Knightley über Gabrielle Reece bis hin zu diversen Tennis-Spielerinnen reicht – wichtig ist dabei bloß, dass die feminine Ausstrahlung der betreffenden Damen erhalten bleibt und keinen maskulinen Zügen weicht. Die zweifache „Ms.Olympia“ Rachel McLish („Aces: Iron Eagle 3“/„Getting Physical“) hat diese Grenze ein Stück weit überquert – glücklicherweise aber nicht in der Entfernung einer Sue Price, Pyun´s „Star“ seiner „Nemesis“-Sequels, welcher ich beim besten Willen keine Attraktivität mehr zusprechen kann. Nun gut, erneut rückt Al also eine Bodybuilderin, deren schauspielerischen Fähigkeiten gen null tendieren, seiner Vorliebe entsprechend „Detail-verliebt“ ins rechte Licht: Knappe Outfits bringen ihre Statur-Beschaffenheit dominant zur Geltung, öfters gibt es sogar Kamerazooms oder Slo-Mo-Einstellungen, welche einzelne Muskelpartien gesondert hervorheben, einmal darf sie in einer Höhle gar nackt vor einem Feuer hocken – Mukibuden-Fetischisten wird´s gefallen, ansonsten rutscht das eher in die Kategorie „Irritation“ oder „unfreiwillige Komik“. Den Mantel des Schweigens über Rachel´s Dialog-Wiedergabe-Skills belasse ich an dieser Stelle besser mal intakt. Die Charakterzeichnungen sind ausnahmslos mau ausgefallen sowie maximal aufs Nötigste beschränkt worden, verkörpert werden die Figuren von einer Reihe brauchbarer B-Film-Akteure: William Atherton („Die Hard“/„Into the Sun“) verleiht dem Baddie seinen vertraut unsympathischen Einschlag, ihm zur Seite steht der aus den „X-Files“ bekannte Mitch Pileggi („Shocker“), Ed Lauter („Cujo“/„Extreme Justice“) mimt einen korrupten Gesetzeshüter. John Enos („Bullet“/„Phone Booth“) verbleibt in seiner Rolle meist blass und wurde wahrscheinlich maßgeblich aufgrund seines Aussehens gecastet, die beiden Pyun-Regulars Vincent Klyn (TV´s „Baywatch“/„Knights“) und Nicholas Guest („Night Hunter“/„Dollman“) treten als Profi-Killer in Erscheinung, jeweils am Telefon schauen „Star Trek´s“ John de Lancie („Good Advice“) und Mitchell Ryan („Judge Dredd“/„Halloween 6“) in Form von Cameos kurz mal vorbei. Mit der Besetzung kann man, angesichts der Gesamtumstände dieser Produktion, eigentlich zufrieden sein.

Die meisten Szenen spielen sich in der freien Natur ab und weisen dementsprechend einen unstrittigen Western-Touch auf (Rhyia reitet viel, nutzt Pfeil und Bogen usw), die ihr überlieferten Kenntnisse entpuppen sich als äußerst nützlich – selbst im Kampf gegen technisch überlegen ausgestattete Widersacher (automatische Waffen, Fahrzeuge, Wärmebildkameras etc), was wohl eine versteckte Botschaft symbolisiert. Pyun, der Sergio Leone einen seiner großen Vorbilder nennt, fängt die Anmut der Landschaften optisch ansprechend ein: Gedreht wurde (u.a.) in Utah, New Mexico und Arizona…Schluchten, Felswände und beeindruckende Gesteinsformationen bieten hervorragende Settings…ein riesiger Staudamm, eine Tal-überspannende Brücke sowie jener See, an dem das berühmte Pam/Tommy-Homevideo entstand, stellen zusätzliche fotogene Locations dar. Zwar machte Albert in „Knights“ ungleich besseren Gebrauch der Schönheit dieser Region, nichtsdestotrotz bietet sie auch hier ein stimmiges Panorama für die erzählte Geschichte. Die Kameraarbeit weiß zu gefallen: In erster Linie verschiedene Luftaufnahmen, welche die Menschen im Vergleich zu den Umgebungen klein und unbedeutend wirken lassen – abermals eine Parallele zum Erd-verbundenen Gedankengut der indianischen Kultur. Die gebotene Action haut einen jetzt nicht unbedingt vom Hocker, ist aber passabel umgesetzt worden: Vorwiegend genügsam unspektakulär, dafür erfreulich realistisch gehalten – ausgenommen ein physikalisch schwer nachvollziehbarer Sprung auf ein Pferd. Manche Kletterpartie sieht klasse aus, der Rest eher durchschnittlich, zumal man bestimmte Situationen genau gemäß dem gängigen Schema arrangiert hat – vgl. die Befreiung aus dem Unfallfahrzeug, von dem sich die betreffende Person dann in Zeitlupe entfernt, während das Wrack im Hintergrund in Flammen aufgeht und schließlich explodiert…

Was „Ravenhawk“ letzten Endes unter die Marke des glatten Durchschnitts drückt, ist das banale Skript, welches weder Überraschungen aufzubieten noch nervige inhaltliche Patzer zu umgehen vermag. Schwache Dialoge und massig Klischees (wie den schwarze Kleidung tragenden, Opern-Arien hörenden Villain oder die eiskalten Verfolger, welche hervorragend jagen können, allerdings beim Erlegen der Beute fatale Defizite vorweisen) ergänzen sich negativ mit Logikproblemen (kompetente CSI-Leute sind in jenem Zuständigkeitsbereich offensichtlich Mangelware) sowie ärgerlichen Details (bestes Beispiel: Rhyia wird angeschossen, Minuten später ist die Verwundung kein Thema mehr). Die Stimmen und Visionen, die Thorne in speziellen Augenblicken heimsuchen und ihn an die dank seiner Taten erzeugten Geister der Vergangenheit erinnern, hätte man problemlos weglassen können, ebenso hat mich das Ende etwas gestört, da es die merkliche Pro-Selbstjustiz-Ausrichtung quasi mit einem billigenden, gar unterstreichenden Händedruck in den Abspann entlässt, welcher wiederum diesen schlicht gestrickten, trotzdem einigermaßen unterhaltsamen Action-Thriller (nach dem Einblenden einer belanglosen Epilog-Texttafel) schließlich ausklingen lässt

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Gespeichert

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