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Autor Thema: Conman in Tokio  (Gelesen 8734 mal)
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Vince
Steelbook
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Debakelvince


« am: 30. November 2006 um 20:39 »

Conman in Tokio (2000)
OT: Chung wa diy hap



Technische Daten
Vertrieb: e-m-s
Regionalcode: 2
Herstellungsland: Hongkong
Laufzeit: 98:39 Min.
Regie: Ching Siu-Tung
Darsteller: Louis Koo, Nick Cheung Ka Fai, Athena Chu Yun, Christy Chung, Ben Lam, Yasuaki Kurata, Leung Kar Yan, Joe Cheng
Bildformat: 1,85:1 (anamorph / 16:9)
Sprachen: DD 5.1 Kantonesisch, DD 2.0, DD 5.1, dts Deutsch
Untertitel: Deutsch
Freigabe: FSK 16

Film
“Casino Royale” ist derzeit in aller Munde und James Bond muss anno 2006 der Welt sein Pokerface gegen den fiesen Le Chiffre unter Beweis stellen. Doch auf die Art spielt man nicht in jedem Teil der Welt Karten. Jersy (Nick Cheung) beweist jedenfalls, dass sich selbst hysterischer Hongkong-Klamauk mit erfolgreichem Kartenspiel unter einen Hut bringen lässt. Es muss nicht immer die abgeklärte Tour sein. Ablenkung durch irres Herumzappeln kann manchmal auch ganz schön hilfreich sein...



Ching Siu-Tung, Mitbegründer der “A Chinese Ghost Story”-Trilogie, Szenarienbereiter von Jet Lis Indy-Variante “Schrift des Todes” und späterer Hilfszivi für den in die Breite gegangenen Steven Seagal in “Belly of the Beast”, ist hier verantwortlich für ein Gambler-Movie, das erstaunlich gut ein neues Rezept ausprobiert, indem es aus dem ruhigen bis dramatischen Genre  ein wahres Kartenspektakel macht, das kaum mal zu einer ruhigen Minute kommt. Von der ersten Minute an geht es total straight nach vorne. Siu-Tung bleibt sich selbst schön treu, indem er einen massiven Bleifuß an den Tag legt und sein Programm ebenso dynamisch wie kurzweilig vorantreibt.

Dies geschieht im allseits gefürchteten Bereich der Hongkong-Comedy, die auch in diesem Fall wieder kein Blatt vor den Mund nimmt. Doch treibt sie sich dabei so extrem in die Höhe, dass bald fast so etwas wie Anleihen bei “Simpsons”-Gags auftauchen. Als da wäre ein Weib, das die ganze Zeit ihren Freund anquengelt mit “Ich will shoppen! Ich will shoppen!”, über mehrere Szenencuts hinweg, bis der Mann irgendwann heulend im Schrank sitzt und verzweifelt seine Zustimmung gibt - wie Homer, wenn er gerade von seinen Kindern mit dem unausstehlichen “Dürfen wir nach Itchy & Scratchy-Land? Dürfen wir nach Itchy & Scratchy-Land?” beschallt wurde. Und wenn dann plötzlich der ständig fluchende Jersy auf Anraten seiner Freundin zusammen mit seinen Kumpels eine synchrone Gesangs- und Tanzeinlage à la Detlef “D” Soost bringt, um so die Flüche etwas sanfter wirken zu lassen, dann grüßt auch kurz der liebe Stephen Chow.
Ja, der Humor treibt sich so weit in absurde Höhen, dass da nicht einmal die “Lucky Stars” mithalten können - und wird darüber tatsächlich richtig witzig! Im Sinne von “da steckt eine Pointe dahinter”. Aber nicht etwa mit System, nein, scheinbar durch die reine Kumulation des Blödsinns entsteht so etwas wie richtiger, unter Umständen auch für den Westlichen greifbarer Humor.



Dabei ist die Story gar nicht mal so undurchdacht - zu Beginn scheint sich ein altes Western-Muster nach der Formel “Mein Name ist Nobody” zu entwickeln, denn es geht um einen in seiner Heimat Hongkong erfolgreichen Spieler (Nick Cheung), der nach Tokio kommt und dort sein absolutes Vorbild trifft, an dessen Fähigkeiten nicht einmal er heranreicht: Cool (Louis Koo).

Jedoch fehlt, das wird bald klar, der Aspekt des alternden Meisters und des auftrumpfenden Neulings, und so entwickelt sich Nick Cheung langsam zu einem ordinären Sidekick des viel ernster spielenden Louis Koo und der “Mein Name ist Nobody”-Ansatz kann vergessen werden. Koo wird zwar erst sehr spät eingeführt, doch dann ist er gleich Hauptdarsteller und um ihn strickt sich eine nicht unkomplizierte Geschichte, die größtenteils durch Rückblenden nacherzählt wird. Auf einmal ist Liebe im Spiel, ein ehemaliger Freund, der Cool seine Freundin gestohlen hat und sie in der Ehe nun misshandelt. Über das Kartenspiel, Cools Spezialität, wird dann Rache genommen.

Hierbei nutzt Siu-Tung die Gelegenheit, die “A Chinese Ghost Story”-Fantasy-Ansätze im Geiste weiterleben zu lassen, als er Cool zu einem magischen Meister der Kartenhandhabung aufbaut und ihn nicht nur im eigentlichen Spiel gut dastehen lässt, sondern die Piks und Herzen und Karos und Kreuze auch als tödliche Waffen verwendet.
In Konflikten, und davon gibt’s einige an der Zahl, tritt Cool mit Karten bewaffnet gegen Wurfsterne schleudernde oder AKs abfeuernde Gegner an, die entweder namenloses Projektilfutter sind oder wichtige Schlüsselfiguren in der Frage um den Verrat an Cool durch seinen alten Freund Yeung Kwong (Ben Lam). Zwar durch Verwischeffekte manchmal ein bisschen unterstützt, können sich die Effekte in den Kampfszenen dennoch gut sehen lassen. Da wirbeln die weißen Rechtecke durch die Luft wie in vielen Wuxia-Filmen Rosenblätter, bohren sich durch Fleisch und Knochen, schlitzen Kehlen und Handgelenke auf. Terence Hill mit seinen alten Fast Motion-Tricks würde glatt vor Neid erblassen, wenn er sähe, was Cool so alles mit seinen Werkzeugen auf dem Kasten hat.
Leider sind nicht alle Effekte so hundertprozentig gelungen, denn als schließlich Hubschrauber aus der Luft geschossen werden, sieht das nicht immer ganz sauber aus. Schön exorbitant ist die Art und Weise dennoch, wie dieser Streifen zu Ende geht.



Problematisch sind einige Stimmungsschwankungen, die normalerweise nicht so sehr ins Gewicht fallen würden, es diesmal aufgrund der Extremität der Comedy aber doch tun. Louis Koo passt sich seiner Rolle gemäß nicht dem Hongkong-Klamauk an, sondern macht seinem Namen “Cool” alle Ehre. Umso bedepperter steht sein hyperaktiver Bewunderer Jersy dann da, zuerst Held von ganz Hongkong, dann die Flachpfeife von Tokio.
Welch irrer Geist der Jersy-Figur innewohnt, sieht man dann in einem seiner Träume, den der Regisseur aus mir unerfindlichen Gründen visualisierte. Da sehen wir ein grottig animiertes Areal in billigster Computergrafik, in dem die Kamera sich wild dreht, im Hintergrund steht “Bejing Station” (im Schrifttyp der “PlayStation” geschrieben) und zwei Charaktere stehen sich in Kampfpose gegenüber und bekriegen sich schon bald. Das geht dann doch ein Stück zu weit...

Ansonsten ist die Story gar nicht mal so uninteressant, die Comedy gar nicht mal sooo unlustig und die Charaktere gar nicht mal so unsympathisch. “Conman in Tokio” ist wirklich kurzweilig, erlaubt sich nicht einmal dann Hänger, wenn es darum geht, den Herzschmerz Cools zu thematisieren. Die gezeigten Fights sind ordentlich, hätten aber durch weniger verwischte Effekte noch besser präsentiert werden können, und das Gambling-Szenario wird interessant umgesetzt, inklusive recht spannender Spielszenen, die vor allem einige Klischees des gemeinhin bekannten HK-Geblödel angenehm umdrehen.
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Bild
Die Bildqualität ist (unter-)durchschnittlich. Zwar bleiben Verschmutzungen und Grießeln im Rahmen, dafür ist das Bild sehr weichgezeichnet, die Kanten eher unscharf und die Farben blässlich. Dafür sind die Kontrastwerte in Ordnung und die Details kommen trotz der Weichzeichnung und leichten Unschärfe noch gut zur Geltung.
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Ton
Der deutsche Ton wird in drei Varianten angeboten: 2.0, 5.1 und dts. In vielen Szenen unterscheiden sie sich alle nicht allzu sehr voneinander, wenn es mal etwas lauter wird, dröhnt der dts-Ton zwar am besten, doch nur unerheblich. Der kantonesische O-Ton in 5.1 ist klar voluminöser und druckvoller, die Stimmen wirken hier weniger gepresst.
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Menüs
Die dicken Animationen im Hauptmenü lassen einen Fantasy-Klopper vermuten, was total am Ziel vorbeigeht - macht aber Spaß. Auch die Untermenüs sind teilweise animiert (Kapitel) oder zumindest musikalisch untermalt und alles in allem ganz nett gestylt.
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Extras
“Cine Magic Asia” von e-m-s... das ist nicht unbedingt eine Marke für konstant gleich bleibende Qualität. Mal trifft man es besser, mal weniger. “Conman in Tokio” hat wie zu erwarten das Sparprogramm getroffen: es gibt Trailer zu “2009 - Lost Memories”, “Fulltime Killer”, “Running Out Of Time 2", “The Nameless” und “Second Name” sowie den Originaltrailer und den deutschen Originaltrailer zum Hauptfilm. Kein Booklet.
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Fazit
“Conman in Tokio” ist loser Teil der “Conman”-Reihe, in der ursprünglich Andy Lau die Rolle des Cool innehatte. Vorwissen benötigt man aber nicht; das Geschehen ist gerade für einen Asia-Film sehr leicht zu verfolgen. Zu empfehlen sicher nicht für permanente Ablehner des Genres (Gruß an StS), aber wer nichts gegen HK-Comedy hat, könnte mit “Conman in Tokio” durchaus turbulente, unterhaltsame 100 Minuten erleben. Die DVD von e-m-s erfüllt die Mindestanforderungen (uncut, O-Ton, ausreichende Technik), spart aber leider mit Extras.
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Testequipment
TV-Gerät: Tevion 4:3
DVD-Player: Pioneer XV-DV313 5.1 Komplettsystem
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StS
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Obsessed with the "mess" that's America


« Antwort #1 am: 30. November 2006 um 20:50 »

Gruß zurück!   Sehr glücklich  

Den Film werde ich trotzdem links liegen lassen, sofern er mir mal über den Weg laufen sollte. An Deiner Kritik liegt das aber sicher nicht - oder vielleicht doch (?), denn das, was Du da zum Teil beschreibst, kling verdammt abschreckend für mich!  Zwinkern
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Vince
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Debakelvince


« Antwort #2 am: 30. November 2006 um 20:54 »

Kann ich mir - trotz Fehlens von Chubby Khan - gut vorstellen.  Lautes Lachen

Danke trotzdem fürs Feedback!
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StS
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Obsessed with the "mess" that's America


« Antwort #3 am: 30. November 2006 um 20:55 »

Zitat von: "Vince"
Danke trotzdem fürs Feedback!

Klar! Darüber lesen tu´ich ja gern - auch um wenigstens etwas in dem Bereich mitreden zu können...  Zwinkern
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dÆmonicus
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Dragon


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« Antwort #4 am: 30. November 2006 um 21:15 »

Da mir der Chan schon nicht zusagt, lass ich den wie der Stefan links liegen (da sind wir uns mal einig  Zwinkern ). Ansonsten schöne Review. Sehr glücklich
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freeman
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« Antwort #5 am: 01. Dezember 2006 um 00:10 »

Klingt ja massiv nach ner 1:1 Variante des God of Gamblers Franchises mit Chow Yun Fat ... Dachte echt, der Conman wäre in der Anlage halbwegs ernster. Dammit ... Brauch ich dann wohl nicht ...

Du hast oben irgendwie Ching Siu Ting stehen ... ich erwähn das nur, weil ich dachte, der Film sei gar nicht von Tung, jetzt weiß ich dank Lesens, dass dem aber genauso ist Lautes Lachen <-- und jetzt behaupte nochmal wer, ich würde die Reviews net GENAU lesen Zwinkern

In diesem Sinne:
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Vince
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Debakelvince


« Antwort #6 am: 01. Dezember 2006 um 13:07 »

Okidoki, habs korrigiert, du Erbsenzähler *lol*

Danke euch fürs Lesen! (Ist übrigens kein königliches "Euch" an den freeman, sondern daemonicus ist mit gemeint  Zwinkern  )
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dÆmonicus
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Dragon


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« Antwort #7 am: 01. Dezember 2006 um 14:06 »

Danke Ihm.  Zwinkern
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freeman
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« Antwort #8 am: 02. Dezember 2006 um 00:28 »

Zitat von: "Vince"
Danke euch fürs Lesen! (Ist übrigens kein königliches "Euch" an den freeman, sondern daemonicus ist mit gemeint  Zwinkern  )


Menno ...  Traurig

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In diesem Sinne:
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