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Autor Thema: Black Christmas (1974, US-RC0, 25th Anniv.Edition)  (Gelesen 12063 mal)
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StS
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Obsessed with the "mess" that's America


« am: 02. September 2006 um 20:00 »

[align=justify]

“Black Christmas”
 
Deutscher Titel:  … Jessy - Treppe in den Tod   Mit den Augen rollen
Entstehungsjahr:  … 1974

Technische Daten:

Regionalcode:  … 0
Vertrieb: … Critical Mass
Laufzeit: … ca. 98 Min. (NTSC)
Bildformat: … 1:33:1

Sprachen: … Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: … - / -
Freigabe: … Unrated

Regie:  Bob Clark

Darsteller:
Olivia Hussey
Keir Dullea
Margot Kidder
John Saxon
Marian Waldman
Andrea Martin


Film-Kritik:

Prinzipiell ist ein Remake eine feine Sache, an der es keinen Haken gibt. Sicher, das neu Auflegen eines bereits vorhandenen Werks ist kein überschäumend kreativer Akt – doch wie viele Produktionen da draußen können das schon reinen Gewissens von sich behaupten? Innovative Ideen sind kaum mehr auszumachen – und im Verhältnis zu der restlichen Masse an Veröffentlichungen fallen Neuverfilmungen (anteilsmäßig) allenfalls spärlich ins Gewicht. Wie die zweite Hälfte des Wortes „Showbusiness“ klar zum Ausdruck bringt, geht es vornehmlich ums Geld. Selbst der Indie-Bereich lebt nicht bloß von Luft und Liebe der Fans, sondern von deren Dollars (Euros, Pfund etc.). Ein lukratives Hollywood-Remake sichert die Finanzierung kleinerer Projekte in dessen Windschatten, was nicht nur dem Genre zugute kommt, sondern auch neue Talente hervorbringt, die belebende Impulse und Ideen mit sich führen. Horror ist wieder „in“, selbst in den Kinos dieser Welt – nicht zuletzt dank Erfolgen wie „the Ring“, „Dawn of the Dead“ oder „the Hills have Eyes“. Viele kennen die Originale nicht – oder jene interessieren sie kaum, da sie, aufgrund der Kultur oder des Zeitgeists, keinen persönlichen Zugang zu ihnen finden, weshalb man sich über die Angleichung freut und so vielleicht doch noch neugierig auf den eigentlichen Ursprung wird. Und ob man nun, wie im Falle von „TCM“ (2003), eine „5“ hinter den Titel setzt oder die Bezeichnung „Re-Imagining“ wählt, ist fürs Endergebnis letztendlich egal. Aber viele nörgeln ja auch über jede Fortsetzung, Roman-, Comic- und Game-Verfilmung, ohne dass sie erkennen, dass die überwältigende Mehrheit der „normalen Filme“ ebenfalls nicht gerade origineller daherkommt. Remakes ergänzen die Legacy ihrer Vorlage nur – eine Demontage oder Schädigung ist ausgeschlossen. Wenn man das Original mag bzw gar „liebt“, ändert eine schlechte Neuauflage kein Stück daran. Ist letztere unterhaltsam oder liefert gar frische, interessante Ansätze – umso besser! Man kann nur gewinnen – schließlich zwingt einen keiner, sich ein solches Produkt anzusehen! Lange Rede, kurzer Sinn: Erst die 2006er Version von „Black Christmas“ brachte mich dazu, das 32 Jahre zuvor unter der Regie von Bob Clark entstandene Ur-Werk, welches ebenso unter den Namen „Stranger in the House“, „Silent Night, Evil Night“ sowie (in Deutschland) „Jessy: Treppe in den Tod“ bekannt ist, mal genauer zu betrachten. Danke, aktueller Hollywood-Trend, für diese Inspiration, die Du mir so hast zukommen lassen…  

In der besinnlichsten Zeit des Jahres sind die Menschen in der kleinen Universitätsstadt Bedford gerade dabei, sich auf traditionell amerikanische Weise auf das vor der Tür stehende Weihnachtsfest einzustimmen: Man trifft letzte Vorbereitungen, fährt über die Feiertage heim zur Familie, organisiert Wohltätigkeits-Veranstaltungen, um Geld für Bedürftige zu sammeln, oder nutzt den Anlass einfach als Vorwand, aufgrund der eigenen Stimmungslage mal wieder zum Alkohol zu greifen, womit sich die allgemeine Heiterkeit angesichts persönlicher Probleme besser ertragen lässt. Am Abend vorm Fest herrscht im Haus der Studentinnen-Verbindung „Pi Kappa Sig“ eine ausgelassene Party-Laune, weshalb auch keiner mitbekommt, dass draußen auf dem Grundstück eine Gestalt herumlungert, die sich schließlich sogar, nach einer Kletteraktion die Gebäudefassade hinauf, Zugang zum Dachboden verschafft und fortan in jener mit Gerümpel und alten Möbeln vollgestellten Örtlichkeit unentdeckt lauert...

Kurz darauf erhalten die auf dem Campus verbliebenen Sorority-Girls Barb (Margot Kidder), Jess (Olivia Hussey), Phyl (Andrea Martin) und Clare (Lynne Griffith) im Erdgeschoss einen obszönen Anruf, was in der jüngsten Vergangenheit anscheinend häufiger vorgekommen ist, denn nach dem Erkennen („Hey,quiet! It´s him again – the Moaner!“) versammeln sich alle um das Telefon herum und lauschen den merkwürdigen Lauten, die der Unbekannte von sich gibt. Folgend ist die Stimmung aber nur kurzzeitig gedämpft, denn schon bald trifft die lebenslustige Miss MacHenry (Marian Waldman) ein, ihres Zeichens Aufsichtsperson der Verbindung, welche einem guten Schlückchen hier und da keineswegs abgeneigt ist und allein durch ihre Anwesenheit augenblicklich wieder für Heiterkeit sorgt. Nachdem Clare ein erneutes Mal mit der stark angeheiterten Barb aneinander geraten ist, geht sie nach oben aufs Zimmer und packt ihren Koffer zu Ende, da sie am nächsten Morgen von ihrem Vater abgeholt wird. Sie ist das erste Opfer des Killers, welcher ihre Leiche im Anschluss mit auf den Dachboden schleppt und auf einem Schaukelstuhl mit einer Puppe im Arm arrangiert, während unten die Party fröhlich weiter geht…

Der Christmas-Tag beginnt für Jess mit einer schweren Entscheidung: Sie ist schwanger und muss ihrem Freund (Keir Dullea) nun mitteilen, dass sie eine Abtreibung durchführen lassen will, da sie für ein Kind noch nicht bereit ist und ohnehin Zweifel hat, in Peter den richtigen Mann fürs Leben gefunden zu haben. Das Timing ist fern von ideal, denn sie konfrontiert ihn damit just vor einer wichtigen Prüfung (ein Klavier-Vorspielen, um Konzertpianist werden zu können), welche er dementsprechend in den Sand setzt, was zusammen mit einem abgelehnten Heiratsantrag besonders hart an ihm bzw seinem Ego nagt. Zurück im Verbindungshaus, muss sie den nächsten unschönen Anruf über sich ergehen lassen und erfährt zudem von Clare´s Vater (James Edmond), dass seine Tochter nicht zum vereinbarten Treffpunkt gekommen ist und scheinbar seit gestern von keinem mehr gesehen wurde. Man geht davon aus, Clare sei in Folge des Streits abgehauen, wofür sich Barb teilweise die Schuld gibt, während über Jess die persönlichen Probleme gerade zuhauf hereinbrechen und Miss Mac einen zunehmend schweren Stand damit hat, dem Vater angesichts der lockeren Umgangsart der Mädels (Alkohol, Jungs etc) zu versichern, dass es richtig von ihm war, seine Tochter dort wohnen zu lassen – bis die rüstige Dame ebenfalls spurlos verschwindet. Als man schließlich die örtliche Polizei einschaltet, muss sich der zuständige Beamte, Lt.Fuller (John Saxon), fortan an zwei Fronten engagieren: Da aktuell auch noch eine 13-jährige Schülerin vermisst wird, organisiert er einen Suchtrupp, der die ganze Stadt durchkämmt – zugleich wittert er die Verbindung zu den obszönen Telefonaten, weshalb er an der betreffenden Leitung eine Fangschaltung einrichten lässt. Als sich die Ereignisse immer mehr zuspitzen, erfährt er etwas, das ihn einen inzwischen wahrhaft klassischen Satz aussprechen lässt: „Jess: The Calls are coming from…“

Ganz recht, Ihr habt richtig gelesen und (vermutlich) vervollständigt: „...inside the House!" – und das ganze 5 Jahre bevor sich Carol Kane in „When a Stranger calls“ (1979) mit genau jener schockierenden Aussage konfrontiert sah. Eigentlich ist es erstaunlich, dass „Halloween“ (1978) bis heute allgemein bzw weitestgehend als „Ur-Slasher“ angesehen wird, wo jener offensichtlich diverse Motive von „Black Christmas“ aufgegriffen sowie zum Teil nur minimal variiert hat. Im Endeffekt lassen sich nahezu alle „Regeln“ des Genres bereits hier erkennen, welche in „Scream“ (1996) unlängst anschaulich zusammengefasst wurden. Das gesamte „Stalk´n´Slay“-Muster, in Verbindung mit den vornehmlich weiblichen, sexuell aktiven Opfern, ist vorhanden, lange bevor John Carpenter oder Sean S.Cunningham („Friday the 13th“, 1980) jenes aufgriffen und einer breiten Öffentlichkeit präsentierten. Man könnte selbst so weit gehen und mutmaßen, die Inspiration zu der grotesken Stimme des Killers in Fulci´s „New York Ripper“ (1982) stamme eventuell daher, wie sich die Anrufe in diesem Fall anhören – „Scream 2“ zollte diesem verzerrt wirkenden Gemurmel (am Anfang in der Toilettenkabine) ebenfalls Tribut. In Anbetracht der seit damals entstandenen Werke, mit all den Revivals, Sequels und Variationen, ist es ist schon unglaublich, was sich alles in diesem (verhältnismäßig) wenig bekannten Streifen wiederentdecken lässt. Die Verbindung zu „Halloween“ ist dabei zweifelsohne am stärksten: Neben dem Beuteschema des Mörders decken sich viele verwendete Stilmittel – beide Filme eröffnen beispielsweise mit einer aus der Ego-Perspektive gefilmten Sequenz, die schleichenden Kamerabewegungen sowie einige andere Einstellungen sind sich mehr als nur ähnlich. Und jetzt kommt´s: Clark und Carpenter kannten sich in den Siebzigern, als ersterer mit der Idee einer Fortsetzung schwanger ging, in welcher der (inzwischen inhaftierte) Killer aus einer Nervenheilanstalt ausbrechen und am Feiertag des 31.Oktobers erneut ein Blutbad anrichten sollte! Da Clark aber in Sachen Projektauswahl lieber vom Horror weg wollte, verwarf er diesen Plan, den John allerdings (unabhängig) weiterführte – der Rest ist Geschichte. Geistig lässt sich „Black Christmas“ demnach quasi als Prequel zu „Halloween“ bezeichnen, obwohl Bob später mal äußerte, seine Herangehensweise wäre wohl etwas anders ausgefallen.    

Statt die Morde direkt in den Mittelpunkt der Betrachtung zu rücken und diese besonders ausgefallen bzw blutig zu gestalten, konzentrierte sich Clark, ähnlich wie Carpenter, hauptsächlich auf seine Figuren sowie den Aufbau einer dichten Atmosphäre. Der fantastische Einstieg, gefilmt aus der Sicht des Killers (PoV-Kameraarbeit), baut augenblicklich ein bedrohliches Gefühl auf, da der Zuschauer sowohl zum Voyeur wird als auch einen Einblick in den Kopf des Mannes erhält, dessen Unheil-bringende Absicht dementsprechend von Minute eins an kristallklar ist. Während des Verlaufs wird immer wieder wirkungsvoll zwischen subjektiven und objektiven Einstellungen gewechselt, wodurch Spannung entsteht und man als Betrachter selbst bei den Taten erneut in die Haut des Täters schlüpft und diese förmlich mitbegeht, statt sie nur aus einer neutralen Position heraus zu goutieren. Die Tötungen finden fast ausschließlich im Off statt, wie schon bei „Psycho“ sieht man an keiner Stelle eine Waffe ins Fleisch eindringen – die Konzentration auf den Anblick einer mit jeder zugefügten Verletzung immer lebloser werdenden Hand, während man unscharf im Hintergrund das stetige Hinunterstoßen eines Objekts auf das Opfer sieht und parallel dazu draußen vor dem Haus ein Kinderchor Weihnachtslieder singt, erzeugt einen gleichwohl gewichtigen Effekt. Was an Gore „fehlt“, wird locker durch die angepasst düstere Stimmung wettgemacht, welche herrlich unheilvoll daherkommt. Die Art, wie sich die Kamera durchs Haus bewegt, lässt jenes auf der einen Seite begrenzt und unübersichtlich wirken (kleine Zimmer, Wandschränke, der mit Gerümpel gefüllte Dachboden etc), andererseits wird die zentral gelegene Treppe immerzu derart ins Bild gerückt, dass sie die Impression einer weitläufigen, schwer zu überwindenden Entfernung hinauf in den ersten Stock erweckt. Gekonnt spielt der Film mit den Erwartungshaltungen und zieht die Spannungsschraube im Vorfeld der Übergriffe jeweils geschickt an: Das Ticken einer Uhr hört sich in völliger Stille umso lauter an, irgendwo im alten Gebäude knistern und knirschen ständig die Holzdielen, Türen quietschen, ein Hund bellt, die Nacht ist dunkel – dann erhascht man einen Blick auf einen Gegenstand, der als Waffe verwendet werden könnte, gefolgt von einem „Erschrecker“ sowie der endgültigen Ausführung, welche absichtlich weitestgehend der eigenen Phantasie überlassen wird. Hier liegen die Stärken von „Black Christmas“ – im Aufzeigen eines subtilen Terrors, genährt von menschlichen Urängsten, wie vor Dingen in den Schatten oder ganz natürlichen Geräuschen alter Häuser, die nichtsdestotrotz unweigerlich Gänsehaut erzeugen.

„Billy“, so der mögliche Name des Killers, bekommt man zu keiner Zeit wirklich vor Augen. Er ist, genauso wie Michael Myers, motiv- und gesichtslos, bestenfalls als dunkle Silhouette zu sehen – seine Hände oder ein furchteinflößend aufgerissenes Auge stellen die einzigen erkennbaren Details dar. Gerade letzterer Anblick bietet einen dieser Momente, wie man ihn sich in jeder guten Horror-Produktion wünscht. Was Billy in der Vergangenheit getan hat oder wo genau seine Geisteskrankheit herrührt, kostet einige Überlegungen, da es keine konkreten Hinweise darauf gibt – mit Ausnahme seiner Taten sowie einiger Satzfetzen aus den Telefonaten, welche allerdings beinahe völlig unverständlich sind. Wie es scheint, haben er und eine gewisse „Agnes“ irgendwas Schreckliches getan, was wohl irgendwie mit einem „Baby“ in Verbindung steht, weshalb er vermutlich hauptsächlich Frauen tötet, eine derartige Obsession gegenüber Jess und ihrer angedachten Abtreibung entwickelt und Clare eine Puppe in den Arm legt. Wenn man den Kontext betrachtet, hat er vor diesem Tag (soweit wir wissen) außerdem eine junge Frau vergewaltigt und ein gerade mal knapp jugendliches Mädchen im Park ermordet. Seine obszönen Anrufe sind wohl die verstörendsten, die ich je zu hören bekommen habe. Sie klingen schlichtweg grotesk, sind teils erstaunlich vulgär, vermengen verschiedene Laute, Stimmen, Tonlagen und Persönlichkeiten in unterschiedlichen Lautstärken sowie Intensitäten miteinander, was unweigerlich an die Botschaften Satans in „the Exorcist“ (1973) erinnert, und wirken sich auf die Sinne aus wie Fingernägel, die über eine Schultafel kratzen. Vor allem ein (frühes) „Gespräch“ mit Barb bleibt in Erinnerung: Als jene ihm Contra bietet, schreit er sie zunächst weiter an, bevor er schlagartig still wird, in einer ganz ruhigen, ernsten Stimme „I´m going to kill you“ sagt und im Anschluss auflegt. Extremely freaky, creepy Shit!

Die Besetzung gefiel mir überraschend gut – nur mit Andrea Martin (“Wag the Dog“) hatte ich einige „Probleme“, was jedoch weniger an ihrer Performance, vielmehr an dem gewählten „Barbara Streisand“-Look lag. Olivia Hussey (Zeffirelli´s “Romeo and Juliet“/“Psycho 4“) spielt Jess, die Hauptfigur der Geschichte, welche keinesfalls jungfräulich daherkommt, sondern gerade erfahren hat, dass sie schwanger ist und darüber hinaus gar unbedingt einen Abbruch durchführen lassen möchte. Die Zuschauersympathie befindet dennoch jederzeit auf ihrer Seite. Ihre ruhige, gefasste Art, trotz ihrer „Lage“ gepaart mit einem Hauch Unschuld, ist sehr ansprechend – sie ist eine charakterstarke junge Frau, die mit ihrer feministisch orientierten Haltung ebenso problemlos ins heutige Bild einer Studentin passen würde, da sie keinesfalls dazu bereit ist, an dem Punkt ihres Lebens für ein Kind den angestrebten Werdegang aufgeben zu müssen. Zudem ist Hussey´s argentinischer Akzent einfach entzückend. Margot Kidder (“Sisters“/“Superman“) spielt das ständig fluchende, rauchende, angetrunkene, in manchen Situationen etwas bösartige und unsensible Party-Girl Barb. Dass ihr Verhalten bloß ein Abwehr- bzw Schutzmechanismus ist, geht aus verschiedenen kleinen Details hervor, wie etwa einer anfänglichen Unterredung mit ihrer Mutter. Kidder trifft den Ton, da sie diese Unsicherheiten in speziellen Momenten subtil zum Vorschein bringt. Irgendwie mag man sie, denn sie lässt sich von dem Anrufer nicht einschüchtern, nutzt die Unwissenheit eines Polizisten aus, um sich mit jenem einen Scherz zu erlauben, und bringt unabhängig davon eine menschliche Note in ihr Verhalten ein, so dass der Part nie eindimensional wirkt. Lynne Griffin (“a Touch of Hope“) ist schlichtweg perfekt als das erste, unverkennbar unberührte Opfer – sie ist schön, zerbrechlich, Daddy´s little Darling. Keir Dullea, der Dave Bowman aus „2001: a Space Odyssey“, spielt den neurotischen Peter, dem an einem Tag sowohl der Wunsch nach einer Familie als auch die Karriere als Pianist entgleitet, weshalb er eine zunehmende Wut entwickelt, die ihn denkbar gefährlich werden lässt. Es gelingt ihm schnell, dass der Betrachter ihn (gewollt) nicht ausstehen kann. John Saxon (“a Nightmare on Elm Street“/“Beverly Hills Cop 3“) ist als engagierter Lieutenant zu sehen – mit der Wahl, ihn als Cop zu casten, kann man ohnehin nie etwas falsch machen. Marian Waldman (“Deranged“) ist köstlich als Miss Mac, die überall im Haus Schnaps versteckt hat (sogar im Spülkasten der Toilette!) und gute Laune unter den Mädchen verbreitet. Negative Ausfälle habe ich keine zu vermelden, wer genau den Killer gespielt hat, geht aus den Credits leider nicht hervor.

In den letzten Jahren sind die Angreifer immer stärker in den Mittelpunkt gerückt – sie sind die Aushängeschilder geworden, nicht unbedingt die (potentiellen) Opfer. Hier hat man sich noch auf letztere konzentriert, weshalb ihre Charaktere einen reichhaltigeren und dadurch überzeugenderen Eindruck vermitteln. Die jungen Leute rebellieren gegen gesellschaftliche Restriktionen und gestalten ihr Leben auf dem Campus nach eigenen Vorstellungen. Die Umgangsformen sind locker, selbst wenn kein Sex gezeigt wird – eine der wenigen „Genre-Regeln“, die unbeachtet bleiben, selbst wenn der freizügige Zeitgeist in vielen Augenblicken durchschimmert. Das Vorgehensmuster basiert auf keiner bestimmten Moralvorstellung – die Unschuldigste stirbt zuerst, die Schwangere steht im Mittelpunkt, obwohl sie abtreiben will und auch am Ende ihre Meinung mitnichten geändert hat. Das 70er-Jahre-Gefühl ist unverkennbar, weit über die grauenhaften Tapeten und Frisuren hinaus. Gemischt wird alles mit einem dunklen Humor, der ironische Auflockerungen bietet und zugleich offenbart, dass Clark einen deutlichen Sinn dafür besitzt – seinen größten Erfolg feierte er später mit „Porky´s“ (1982). Die Mischung stimmt: Ein unerwarteter Schneeball ins Gesicht, das Abfüllen eines Kindes auf einer öden Wohltätigkeitsveranstaltung mit Sekt, der als Weihnachtsmann verkleidete Student, welcher ständig seine Laune mit Flüchen kundtut, ein Cop am Empfang, der Barb´s schmutzigen Gag nicht durchschaut, während seine Kollegen sich über ihn lustig machen (etc) – diese kleinen Ergänzungen werten den Unterhaltungsgrad sowie die Figuren ein zusätzliches Stück weit auf. Dass Polizisten in Werken wie diesen meist nicht gerade die Schlausten sind, ist ja förmlich zu einer bis heute anhaltenden „Tradition“ geworden, doch gegen Ende gestaltet sich das hier einfach als zu extrem, was mich nahtlos zu den Schwächen bringt, die zweifelsohne ebenfalls vorhanden sind: Das Ende wurde weit offen gehalten und schreit geradezu nach einer Fortsetzung – mit nur wenig Fantasie ist es jedoch möglich, „Halloween“ als eine solche anzusehen. Trotzdem bleibt, für sich allein betrachtet, einfach zuviel im Dunkeln – zum Beispiel was es mit Billy´s Motiven auf sich hat, nach welchem Muster er vorgeht (vor allem angesichts der zwei anderen erwähnten Verbrechen) und so weiter und so fort. Das Finale wird vom inkompetenten Verhalten der Gesetzeshüter überschattet, die nicht einmal das ganze Haus durchsuchen bzw sichern und folgend gar einen weitaus schwerwiegenderen Fehler begehen. So cool die Schlusseinstellung auch sein mag – sie erhält dadurch einen negativen, unbefriedigenden Beigeschmack. Ohne nun weiter ins Detail zu gehen, bleibt noch Peter´s zu offenkundig in Szene gesetzter Gewaltausbruch nach seiner gescheiterten Prüfung zu nennen, der zwar sein Aggressionspotential offenbart, die dadurch erhoffte falsche Fährte allerdings zu offensiv in den Vordergrund rückt. Die hohe Lautstärke des Telefons, als sich alle darum versammeln und dem Gestöhne lauschen, hat mich schmunzeln lassen, und zudem bin ich mir sicher, dass jemand Clare´s vors Dachbodenfenster gesetzte Leiche hätte sehen müssen…

„If this Picture doesn't make your Skin crawl – it's on too tight!“ lautete damals die Tagline. Leider kommt, dem ungeachtet, letzten Endes keine wirkliche Hochspannung auf. Das Tempo ist ruhig, Gore geradezu non-existent. Hätten diese Punkte gestimmt, würde der Film inzwischen mit Sicherheit im gerechten, verbreiteten Ruf eines Klassikers stehen. Zumindest geizt das Remake nicht mit dem Vergießen des roten Lebenssafts, und wenn man das Original so betrachtet, kann man problemlos verstehen, warum eine Neuinterpretation eine gute Wahl bildet – schließlich lassen sich beinahe alle Elemente problemlos in die Gegenwart übertragen und den aktuellen Sehgewohnheiten ohne größere Mühe angleichen. Trotz einiger kleiner Schönheitsfehler bleibt unterm Strich ein hochgradig atmosphärischer, gut gespielter sowie aufs Wesentliche konzentrierter Slasher-Thriller, der fraglos mehr Aufmerksamkeit verdient und diese hoffentlich dank der 2006er Version von Glen Morgan auch erhalten wird …  knappe „8 von 10“

 8 Narrenkappen


Screenshots:






Bild & Ton:
Für einen (zum Entstehungszeitpunkt dieser Edition) 25 Jahre alten Film kann sich das Bild durchaus sehen lassen, auch wenn es sich nicht um die überarbeitete Fassung einer späteren DVD-Veröffentlichung handelt. Diese Erstauflage besitzt das ursprüngliche 4:3-Format („Open Matte“-Transfer) – die Qualität ist besser als erwartet, obwohl gelegentlich (natürlich) kleinere Schwächen auftreten, wie zum Beispiel einige Grain-Effekte, ein Blaustich in verschiedenen dunkleren Szenen sowie sporadische Unruhe des Bildes in manchen Einstellungen. Verunreinigungen (wie Kratzer) sind erstaunlicherweise nur selten auszumachen, die Farben wirken teilweise etwas matt bzw weich, spiegeln aber nichtsdestotrotz ein herrliches 70er-Jahre-Gefühl wider. Die Schärfe ist okay. Der Ton ist gleichwohl annehmbar ausgefallen – man muss aber ebenfalls das Alter des Films beachten (außerdem ist dieser ja zudem „nur“ eine Low-Budget-Produktion). Die Dialoge sind klar verständlich, die grotesken Anrufer-Laute werden wirkungsvoll eingesteuert, vorhandenes Rauschen erreicht kein auffällig negatives Level, im Hintergrund-Bereich herrscht jedoch meist Stille. Hier ist nur eine 2.0-Tonspur vorhanden, die nachfolgende VÖ hat man hingegen mit einer zusätzlichen 5.1-Variante ausgestattet.  


Menüs:
Die Menüs wurden allesamt „stumm & starr“ gehalten – dementsprechend gibt es im Kapitelanwahl-Bereich auch nur Screen-Shots der betreffenden Chapter. Die Extras lassen sich allesamt vom Hauptmenü aus anwählen, welches dasselbe Motiv wie das Cover der DVD besitzt. Man hat alles sehr einfach gestaltet, was aber zu dem Film passt. Eine stimmige Instrumentalmusik-Untermalung wäre allerdings trotzdem wünschenswert sowie angemessen gewesen.




Extras:
Das Bonusmaterial ist nicht gerade üppig ausgefallen: Man bekommt Filmographien der fünf Hauptdarsteller (in Form von Texttafeln), den Trailer des Films (mit einer Laufzeit von stolzen 4 Minuten, 12 Sekunden) sowie ein Interview mit John Saxon geboten, welches 25 Jahre nach der Entstehung des Werks geführt und trotz der Länge von (leider) unter fünf Minuten in zwei (separat anwählbare) Clips geteilt wurde. Kurioses Detail am Rande: Im Untermenü des Interviews, in welchem man sich den jeweiligen Teil aussuchen kann, ist die Adresse der Boutique eingeblendet, die Saxon´s Gesprächs-Garderobe bereitgestellt hat.



 4 Narrenkappen  (knapp)


Fazit:

Film:  Siehe den letzten Absatz meiner Kritik.

DVD:  Die „25th Anniversary Edition“ ist eine vollkommen solide DVD-Veröffentlichung, an welcher es, vor allem angesichts des Alters des Ursprungsmaterials, eigentlich kaum etwas auszusetzen gibt, das irgendwie negativ aus dem erwarteten Rahmen herausragt. Wenn man die Möglichkeit besitzt, sollte man allerdings besser zur später erschienen „Special Edition“ aus demselben Hause („Critical Mass“) greifen, denn jene Version verfügt über ein 1.66:1-Bildformat, eine 5.1-Tonspur, ein Wendecover sowie zusätzliches Bonusmaterial.  

Film:  8 Narrenkappen  (knapp)
DVD:  6 Narrenkappen  (knapp)[/align]
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Vince
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Debakelvince


« Antwort #1 am: 02. September 2006 um 20:22 »

Zitat von: "StS"
Deutscher Titel: … Jessy - Treppe in den Tod  Mit den Augen rollen


 Lautes Lachen
Danke, dass du's trotzdem eingebaut hast... muss mich allerdings selbst noch dran gewöhnen (in den Reviewindex hätte ich jetzt fast doch Black Christmas eingetragen).
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StS
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« Antwort #2 am: 02. September 2006 um 22:37 »

Zitat von: "Vince"
Zitat von: "StS"
Deutscher Titel: … Jessy - Treppe in den Tod  Mit den Augen rollen

 Lautes Lachen
Danke, dass du's trotzdem eingebaut hast... muss mich allerdings selbst noch dran gewöhnen (in den Reviewindex hätte ich jetzt fast doch Black Christmas eingetragen).

Hey, hab ich doch gesagt, dass ich das nun fortan so mache... Zwinkern
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dÆmonicus
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Dragon


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« Antwort #3 am: 02. September 2006 um 22:54 »

Nett, dass du "deine" Remakes gleich zu Beginn verteidigst.  Zwinkern  Aber immerhin haben sie dir ja einen Fast-Klassiker näher gebracht. Auf jeden Fall wieder eine schön ausgearbeitete Review und (Holla die Waldfee!) zu einem Film den ich kenne und dessen DVD bei mir auch noch auf der Einkaufsliste steht.
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StS
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« Antwort #4 am: 02. September 2006 um 23:43 »

Zitat von: "daemonicus"
Auf jeden Fall wieder eine schön ausgearbeitete Review und (Holla die Waldfee!) zu einem Film den ich kenne und dessen DVD bei mir auch noch auf der Einkaufsliste steht.

Danke.   Sehr glücklich
Wie würdest Du den Streifen denn bewerten?
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dÆmonicus
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Dragon


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« Antwort #5 am: 02. September 2006 um 23:58 »

Zitat von: "StS"
Wie würdest Du den Streifen denn bewerten?


Ich würde auch 4 Kappen geben, der Schluss ist (wie du auch bemerkt hast) etwas unbefriedigend. Aber trotzdem ein creepy Oldschool Slasher.  Sehr glücklich Leider etwas in Vergessenheit geraten.
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Samir
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« Antwort #6 am: 11. Februar 2007 um 15:28 »

so mittlerweil auch gesehen und du Stefan hast recht gehabt, als du sagtest der würd mir gefallen. Toller atmosphärischer Horrorfilm, die Kameraführung fand ich über genial, lange shots die die spannung aufbauen, die Egoperspektiv aufnahmen sind noch effektiver und besser als die eröffnung von Halloween. Alles in allem ein klasse Film. Dt. Titel ist totaler schwachsinn aber naja.

Review hab ich noch nicht gelesen aber die tage sicher noch sag dann bescheid
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fg
Samir (figge Power-> Gruß LL) Ach Liquid Zwinkern
StS
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Obsessed with the "mess" that's America


« Antwort #7 am: 05. April 2007 um 06:55 »

Zitat
DUI Driver Kills Bob Clark, Son In Car Crash...

There's nothing that makes me more angry than when people die because of f-cking dip sh-t morons who think they can drink and drive. Today the LA Times had the displeasure of reporting the news that legendary director Bob Clark (67), along with his son (22), were killed in a major car crash on the Pacific Coast Highway in Pacific Palisades around 2AM. Bob Clark was responsible for bringing such classics as A Christmas Story, Porky's, Black Christmas and Children Shouldn't Play With Dead Things to the big screen. Read on for the tragic news.

The LA Times reports:

Film director Robert Clark and his son Ariel were killed in an early morning collision along a stretch of Pacific Coast Highway in Pacific Palisades, authorities said.

Clark directed the classic holiday film "A Christmas Story" in 1983 and was also the producer of the "Porkys" films, along with about two dozen other features.

The crash, which occurred about 2:30 a.m., left the highway closed between Temescal Canyon Road and West Sunset Boulevard until 10:40 a.m., while police investigated at the scene, said Kevin Maiberger, a spokesman for the Los Angeles Police Department.

Police said Clark, 67, and his son, who was 22, were found dead at the scene in the silver Infiniti.

The driver and passenger of the other vehicle, a GMC Yukon, were taken to the UCLA Medical Center with "serious" injuries, Maiberger said. Both of them are thought to be in their 20s. The male driver is expected to be charged with driving under the influence of drugs or alcohol, Maiberger said.

Maiberger added that speed was another factor in the crash, but he said the investigation has not determined to what extent. "I'm not sure if that means one car, or both cars were speeding," he said.
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Vince
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Debakelvince


« Antwort #8 am: 05. April 2007 um 13:38 »

Oh Mann, da kann ich zustimmen, es gibt kaum Sinnloseres als ein Unfallopfer durch einen betrunkenen Fahrer. Schade, dass es sowas immer wieder geben muss.
R.I.P. ...
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