NarrenTalk - Der DVDnarr.com Podcast
DVDnarr.com   
Home Forum NarrenTalk (Podcast) Fotogalerie Amazon.de
Suche Hilfe
Registrieren
Benutzername:   Passwort:
Passwort vergessen?
Seiten: [1]   Nach unten
  Sende dieses Thema  |  Drucken  
Autor Thema: Beowulf & Grendel (thailändische RC0)  (Gelesen 17506 mal)
0 Mitgliedern und 1 Gast betrachten dieses Thema.
StS
Globaler Moderator
*
Offline Offline

Beiträge: 24.740


Obsessed with the "mess" that's America


« am: 19. August 2006 um 19:31 »

[align=justify]

“Beowulf & Grendel”
 

Technische Daten:

Regionalcode:  … 0
Vertrieb: … United Home Entertainment
Laufzeit: … ca. 100 Min. (PAL)
Bildformat: … 2,35:1 (anamorph / 16:9)

Sprachen: … Englisch & Thailändisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: … Thailändisch
Freigabe: … - / -

Regie:  Sturla Gunnarsson

Darsteller:
Gerard Butler
Ingvar Eggert Sigurðsson
Sarah Polley
Stellan Skarsgård
Tony Curran
Martin Delaney
Eddie Marsan
 
Trailer:  
http://www.moviecentre.net/upcomingmovies/trailer/movie_id_536.htm


Film-Kritik:

„Beowulf & Grendel“ basiert auf dem bedeutenden skandinavischen Heldenlied „Beowulf“ – einem Gedicht anonymer Quelle, dessen genaues Entstehungsdatum bis zum heutigen Tage umstritten ist. Aufgrund der verwendeten Sprache, einer Kombination aus Spätwestsächsisch und anderen angelsächsischen Dialekten, geht man von einem Ursprung der mündlichen Überlieferung irgendwann zwischen 700 und 1000 nach Christus aus. Das einzig existierende Originalmanuskript wurde, paläographischen Untersuchungen nach, um der ersten Jahrtausendwende angefertigt. 1999 verfasste der Literaturnobelpreisträger Seamus Heaney eine neuenglische Übersetzung, im selben Jahr wurde die erste (den Namen tragende) Verfilmung (mit Christopher Lambert in der Hauptrolle) produziert, welche die Handlung aber stark variierte und in ein postapokalyptisches Setting übertrug. Zur selben Zeit entstand auch „the 13th Warrior“ von John McTiernan, welcher auf Michael Crichton´s Roman „Eaters of the Dead“ basiert, in dem viele Elemente des Originals verarbeitet wurden. Selbst J.R.R.Tolkien übernahm bestimmte Motive für seine Werke und veröffentlichte darüber hinaus die Besprechung „Beowulf: the Monsters and the Critics“ (1936). Dieses nun vorliegende Kino-Projekt (2005) thematisiert (auf in sich abgeschlossene Weise) bloß die erste Hälfte des Gedichts und ignoriert den zweiten Teil weitestgehend, in welchem u.a. der Kampf des Titel-gebenden Helden gegen einen mächtigen Drachen beschrieben wird. Allgemein ist in diesem Fall wichtig zu erwähnen, dass Regisseur Sturla Gunnarson bei seiner Interpretation den Stoff um nahezu alle Fantasy-Motive erleichtert sowie als tendenziell nüchterne Nordmann-Saga konzipiert hat, weshalb man besser bereits im Vorfeld von allen Hoffnungen oder Vorfreuden auf ein Epos im Stile von „the Lord of the Rings“ ablassen sollte.

Der Prolog, der den Titel „a Hate is born“ trägt, setzt 500 A.D. ein: Ein hoch gewachsener Troll, der sich in Begleitung seines Sohnes befindet, wird von dem dänischen König Hrothgar (Stellan Skarsgard) und dessen Männer an den Rand einer imposanten Steilküste gehetzt, da man ihn des Fisch-Diebstahls bezichtigt. Selbstverständlich bleibt eine Konfrontation nicht aus, bei der Hrothgar den Gejagten töten lässt, er dessen Kind allerdings verschont. Voller Trauer und Wut sucht letzterer nach dem Abziehen der Reiter die Leiche seines Vaters auf, schlägt dieser den Kopf ab und verschwindet damit in eine Höhle der bergigen Küstenregion, wo er in den nächsten Jahren, im Beisein des inzwischen mumifizierten Schädels, zu dem kräftigen Hünen Grendel (Ingvar Eggert Sigurdsson) heranwächst und einen Gedanken zum zentralen Aspekt seines Daseins macht: Rache! Dank seiner Kraft und Geschicklichkeit gelingt es ihm immer wieder, Krieger des Königs nahezu ohne die Chance einer Gegenwehr zu töten. Nach einem besonders blutigen Überfall, bei dem er eines Nachts 20 von Hrothgar´s besten Leuten innerhalb der eigentlich als sicher angesehenen Mauern der großen Mead Hall tötet, scheint der Dänenführer nicht mehr wirklich weiter zu wissen und wendet sich fortan demoralisiert der Wirkung des Alkohols zu – doch Hilfe naht in der Gestalt des sagenumwobenen Helden Beowulf (Gerard Butler), der sogleich nach Kenntnisnahme der Situation zusammen mit 14 Kameraden von Geatland, dem heutigen Süd-Schweden, aus aufbricht, um das Problem des befreundeten Königs, bei dem er seine Kindheit verbrachte, ein für alle Mal aus der Welt zu schaffen…

Schnell stellt sich für die erfolgsverwöhnten Kämpfer jedoch heraus, dass diese Jagd auf den Schrecken-verbreitenden Troll weit weniger einfach als erwartet ist, was nicht nur mit der unwegsamen Landschaft und den hervorragenden Ortskenntnissen ihres Gegnern zutun hat. Die Beobachtung, dass Grendel alle Personen verschont, die ihm kein Leid beschert haben, lässt Beowulf stutzig werden, bis er von der verstoßenen Hexe Selma (Sarah Polley) die Hintergründe der Vendetta erfährt. Unsicher, was er darüber denken soll, wartet er erst einmal ab und beobachtet interessiert die sich entfaltenden Ereignisse, wie beispielsweise dass sich die Anwohner inzwischen in ihrer Furcht sogar dem christlichen Gott zuwenden, da der herumreisende Priester Brendan (Eddie Marsan) bei einem Angriff auf die Siedlung verschont wurde und das als Beweis der Kraft seines Glaubens propagiert. Die Lage eskaliert allerdings, als Beowulfs Begleiter Grendels Höhle entdecken und die Überreste des Schädels seines Vaters zerstören – ferner kommt er hinter ein entscheidendes Geheimnis von Selma, zu der er sich zunehmend fasziniert hingezogen fühlt…      

„Beowulf & Grendel“ ist definitiv keine große Studio-Produktion, die Hollywood im Windschatten von Peter Jackson´s Popcorn-Erfolgen in Auftrag gegeben hat, um den Durst des Publikums nach derartigen Werken zu stillen, sondern ein (nicht nur vergleichsweise) kleiner Film mit einem konstant spürbaren „Indie“-Gefühl – und das ist gut so, denn dadurch konnte man es sich erlauben, Ecken und Kanten nicht zugunsten einer möglichst umfassenden Zuschauer-Kompatibilität abfeilen zu müssen. Drehbuchautor Andrew Rai Berzins („Blood & Donuts“) widerstand der Versuchung, ein pompöses Epos zu konzipieren, was bei der literarischen Vorlage leicht machbar gewesen wäre, und strich stattdessen beinahe alle übernatürlichen Elemente aus der Handlung. Das Grundgerüst der Legende ist dabei als Basis erhalten geblieben – nur entschied man sich für eine vieldeutigere Interpretation sowie Präsentation, die zwar den Mainstream-Appeal extrem schmälert, Freunden des Independent-Kinos hingegen umso mehr zusagen dürfte. Regisseur Gunnarsson („Such a long Journey“), der schon im Vorfeld große Mühe damit hatte, die Finanzierung zu sichern, bestand darauf, alles „on Location“ in Island zu drehen und keine Millisekunde CGI einzusetzen, was eine willkommene Abwechslung gegenüber den gängigen „Blue Screen“-lastigen Projekten darstellt. Beide Entscheidungen harmonieren hervorragend miteinander, hauptsächlich weil man den Look ebenfalls nicht auf Hochglanz trimmte, und verbinden sich zu einem rohen, altmodischen, kalten Eindruck, der perfekt zu der Landschaft passt, in der die Story angesiedelt ist. Nebel, Regengüsse, starke Winde, kaum Sonne, steil abfallende Klippen, eisige Gewässer, steinige Berge, Gletscher und weite Grasflächen bilden die entscheidenden, optisch wundervoll eingefangenen Hintergründe, welche die dichte Atmosphäre komplettieren. Einige Einstellungen sind geradezu atemberaubend schön und werden auch nicht von einem aufdringlichen Score übertüncht – zum Beispiel der Anblick eines Wikinger-Bootes, das zwischen Einbergen hindurch navigiert. Die Strapazen des Drehs (u.a. fegten Stürme von bedrohlicher Intensität über die Camps und Sets hinweg und verwüsteten diese zum Teil) haben sich, zumindest in dieser Hinsicht, vollends gelohnt.    

Allein schon angesichts des Umfangs sowie der Sprache des ursprünglichen Gedichts war von Anfang an klar, dass Aktualisierungen und Straffungen des Materials unausweichlich sein würden, weshalb Berzins im Zuge seiner Herangehensweise auf den beinahe kompletten zweiten Teil verzichtete und sich nicht nur beim Ausarbeiten der Dialoge von eigenen, eigenwilligen Ideen leiten ließ (dabei ist nämlich zu berücksichtigen, dass selbst die moderne Fassung von Heaney noch den Stabreim-Aufbau nutzt). Eine erste, gewöhnungsbedürftige Addition stellt ganz sicher die Hinzugabe eines gewissen dunklen Humors dar, in welche man sich erst einmal hineinfinden muss. Grendel´s üppige Gesichtsbehaarung im Kindesalter, seine grunzenden Laute, eine Selbstgeißelung, indem er sich öfters mit einem Stein gegen den Kopf schlägt, übel riechendes Urinieren gegen die Tür der Mead Hall, Kegeln mit abgeschlagenen Köpfen: Kurz nach Beginn kam in mir die Befürchtung auf, es mit einem ungewollten Schmunzel-Debakel á la „Vercingétorix“ zutun zu haben, doch allmählich gewöhnt man sich an den gewählten Stil und beginnt zu verstehen, wie sich diese Ausrichtungswahl ins Gesamtbild einfügt – schließlich war es keine Absicht, ein hoffnungslos deprimierendes Drama zu erschaffen, sondern zugleich eine Abenteuergeschichte zu erzählen, die getrost mal aufgelockerte Passagen beinhalten darf. Mit jener Entscheidung kann ich demnach leben – mit einer anderen allerdings weniger: Weitestgehend reden die Personen in älterem Englisch, doch im Verlauf des Bestrebens, bestimmten verbalen Ausbrüchen einen modernen Klang zu verleihen, hat man auf „aktuelle“ Flüche und Beschimpfungen zurückgegriffen, die mich persönlich immerzu von den eigentlichen Situationen entfremdet haben. Als Hrothgar zum ersten Mal Grendel als einen „fucking Troll“ bezeichnet, habe ich meinen Ohren kaum getraut – gelegentliche Sätze wie „This Troll must be one tough Prick“ sind aber durchaus so gewollt und passen zwar irgendwie zur erwähnten Leichtigkeit, nur nicht in mein geschmackliches Bild eines solchen Werks, weshalb es mich schlichtweg störte. Zudem sehe ich die Vorgabe, den Schauspielern keine angeglichenen Akzente abzuverlangen, sondern sie „ganz natürlich“ sprechen zu lassen, als ungünstig an, denn diese gebotene, deutlich herauszuhörende Vielfalt (Butler ist Schotte, Sigurdsson Isländer, Polley Kanadierin, Skarsgard Schwede etc) löst das Geschehen ansatzweise von der Verwurzelung in jener Zeit sowie geographischen Lage – vielleicht mögen manche das als „universell“ auffassen, ich nicht.

Es ist schnell ersichtlich, dass es sich bei dieser Version des Stoffes nicht um ein mystisches „Creature Feature“ handelt, sondern bewusst eine andere Richtung eingeschlagen wurde. Dies wird besonders deutlich in der Gestaltung der Figur des Grendels, denn statt eines Monsters handelt es sich bei ihm hier um einen großen, haarigen, kräftigen Mann, der aufgrund fehlender Bildung bloß primitive Sprachlaute von sich gibt und nur die Mörder seines Vaters tötet, ohne Unschuldige zu schädigen – unsentimentale Sympathie ist ihm gewiss. Diese Vermenschlichung dient klar der Intention des Films, dem Publikum zwei Seiten der Medaille aufzuzeigen sowie etwas zum Nachdenken mit auf den Weg zu geben. Mit dem Schriftzug „from the Sea – a Hero“ lernen wir den ruhmreichen Kämpfer Beowulf kennen, wie er als Schiffbrüchiger in voller Kampfmontur dem Meer entsteigt. Aber warum ist er eigentlich der Held – und nicht der arme Troll, dem man ungerechtes Leid zugefügt hat? Folgend reist er nach Dänemark, um seinem Ziehvater zu Hilfe zu kommen sowie seinem Ruf gerecht zu werden, doch vorort wird, mit dem Erfahren der gesamten Hintergründe, aus einer einfachen Mission ein moralisches Dilemma, denn letztendlich besitzen beide Kontrahenten überhaupt keinen Grund, einander zu bekämpfen. Er ist von Natur aus ein loyaler Mensch, aber zugleich mit starken Überzeugungen behaftet, weshalb er unweigerlich Probleme mit der Lage bekommt, da es keine gerechte Sache ist, für die er sich einsetzen soll. Die Idee dahinter gefällt mir, doch mit zwei Veränderungen hätte man sie in meinen Augen wesentlich effektiver gestalten können: Statt Beowulf ungewöhnlich ruhig einzuführen, wäre eine sieg- bzw glorreiche Schlacht vorteilhafter gewesen, um so den späteren (inneren) Prozess mit mehr Gewicht zu versehen (Stichwort: Fallhöhe). Ferner hätte ich den Prolog weggelassen und stattdessen als Rückblende parallel zum Bewusstwerden der Motive Grendels (seitens des Jägers) eingefügt, um dem Betrachter auf diese Weise gleichwohl ein „Aha“-Erlebnis zu bescheren.  

Auf der einen Seite hat Berzins die Legende um bestimmte Motive und Inhalte erleichtert, auf der anderen fügte er neue Ansätze und Passagen hinzu, um seine Interpretation mit mehr Substanz zu unterfüttern. Neu ist etwa die Figur der Selma – eine ausgestoßene, gottlose, intelligente Hexe, welche die Zukunft voraussagen kann und deshalb, trotz ihrer Güte, von den Bewohnern gemieden wird. Sie ist es, die Beowulf Grendels Motive näher bringt und letztendlich verstehen lässt. So clever dieser Schachzug auch sein mag, vor allem weil er im Kontext ziemlich gut funktioniert, stört wiederum die zu moderne Konzeption der Rolle, denn sie erscheint vielmehr wie eine emanzipierte Frau der Gegenwart und wirkt daher recht deplaziert innerhalb des ganzen Settings. Neben der durch sie thematisierten Intoleranz der Menschen werden noch eine ganze Reihe anderer Punkte angesprochen, die sich problemlos auf die heutige Zeit übertragen lassen, zum Beispiel die Auswirkungen einer Humanisierung des Gegners, Einflüsse der Religion auf eine Gesellschaft oder das in Frage stellen von Leitsätzen bzw politischen Entscheidungen. Ein Priester verkauft das Christentum als einzige Chance auf Rettung, worauf sich viele Dänen aus Furcht taufen lassen – und trotzdem nützt es ihnen letzten Endes nichts. In diesen Szenen spiegelt sich erneut der humoristische, fast satirische Touch des Skripts wider, denn in ihrer Furcht sind sie ziemlich zügig dazu bereit, eine neue Konfession anzunehmen. Moralische Fragen werden genauso aufgeworfen wie einige über den Sinn militärischer Interventionen – in ihrer Fülle verbleiben sie jedoch beinahe allesamt oberflächlicher Art, ohne genügend in die Tiefe zu gehen. Hätte man diese Punkte passender ausgearbeitet, hätte das Werk deutlich besser funktioniert.

„Beowulf & Grendel“ lebt überwiegend von seinen facettenreichen Charakteren und profitiert ungemein von seiner makellos zusammengestellten Besetzung. Der unter einer üppigen Kopfbehaarung kaum zu erkennende Stellan Skarsgard (“Good Will Hunting“/“King Arthur“) meistert seinen Part als gebrochener, ehemals stolzer König superb, der im Verlauf zunehmend dem Alkohol verfällt, während er hilflos mit ansehen muss, wie seine Leute nacheinander getötet werden – aufgrund einer von ihm begangenen Tat, welche er ja mit einem gnädig gemeinten Akt abschloss, nur dass das verschonte Kind nun feindselig zurückgekehrt ist. Dem relativ unbekannten Ingvar Eggert Sigurdsson („K-19: the Widowmaker“) gelingt es auch ohne einer (verständlichen) Zeile Text, Grendel die nötigen Emotionen zu verleihen, so dass man Sympathie ihm gegenüber entwickelt. Sein Gegenüber wird von Gerard Butler („Phantom of the Opera“) gespielt, der sich nach Auftritten in „Tomb Raider 2“, „Reign of Fire“ oder Fank Miller´s „300“ langsam zum Idealbild eines kernigen Mannes entwickelt. Er bildet, weit über seine optische Erscheinung hinaus, eine perfekte Wahl – so stell ich mir einen charismatischen nordischen Krieger vor. Butler trifft die ruhigen Töne ebenfalls, vor allem beim Aufzeigen des inneren Konflikts und im Zusammenspiel mit seiner talentierten Kollegin Sarah Polley (“Go“/“eXistenZ“/“Dawn of the Dead“), die dank ihrer wilden roten Mähne hier gar noch attraktiver als sonst ausschaut. Selma bildet den Schlüssel zu allem und leitet den Umdenkprozess des Helden in Form von Warnungen wie „Be careful with what you don´t understand“ erst ein. Trotz Misshandlungen in der Vergangenheit ist sie zugleich stolz, eigenständig und einfühlsam sowie sich ihrer Sexualität bewusst – außerdem kennt nur sie allein alle Zusammenhänge. Sarah portraitiert die Außenseiterin faszinierend sinnlich, im selben Moment wirkt sie aber so noch mehr wie ein Fremdkörper in jener kalten, kargen Welt, was aufgrund der Rollenkonzeption zusätzlich verstärkt wird. Unabhängig ihrer Performance ist die Schauspielerführung allgemein etwas uneben – manche Gefühle werden zu theatralisch rübergebracht, andere wirken im Kontext besonders befremdlich unzeitgemäß.    

Im Endeffekt haben Gunnarsson und Berzins eine ambitionierte Independent-Produktion anti-epischer Natur realisiert, bei der auf ein Hollywood-typisches Spektakel zugunsten einer eher nüchternen, realitätsnahen Erzählweise verzichtet wurde, welche so (unaufdringlich) wichtige Botschaften, u.a. über die Auswirkungen von Ignoranz und Verantwortung, ohne gravierende Ablenkung vermitteln kann. Statt auf digitale Ergänzungen zu setzen, griff man auf altmodische sowie kreative Tricks zurück, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen, wie die Verwendung spezieller Kamerawinkel, um Grendel deutlich größer als seine Mitmenschen wirken zu lassen, oder das Nutzen echter Landschaftspanoramen anstelle von künstlich eingefügten Hintergründen. Darüber hinaus vervollständigt die treffende Ausstattung, also die getragenen Kostüme und errichteten Sets, den Eindruck von Authentizität, was aber leider nicht für die Dialoge gilt, die insofern den ausschlaggebenden Kritikpunkt bilden. Da die Inszenierung ruhig, arm an Action und reich an Unterredungen ist, fallen die Verfehlungen besonders deutlich auf. Es ist offensichtlich, was die Macher erreichen wollten, nur finden sich letztendlich nicht alle Ideen und Elemente zu einer homogenen Ganzheit zusammen. Wohlmöglich hätte man weniger an der Vorlage verändern sollen, denn ohne Vorkenntnisse kommen einem gewisse Ereignisse (gerade im Schlussdrittel) zu unausgewogen vor, beispielsweise die Art von Grendels Ableben oder eine darauf plötzlich auftauchende Figur, welche man selbst in der Lambert-Variante besser eingeführt hat. Was unterm Strich bleibt, ist ein vielschichtiges, hervorragend besetztes und bebildertes Period-Piece, das allerdings stark an diversen im Rahmen der Adaption herausgenommenen Freiheiten krankt  …  4 von 10. Schade.  

 4 Narrenkappen


Screenshots:






Bild & Ton:
Die Bildqualität würde ich als „gerade noch in Ordnung“ bezeichnen: Überzeugen kann sie vor allem bei Szenen, die tagsüber spielen, während besonders nachts sowie bei Nebel (vor allem in letzteren Fällen) durchaus Verunreinigungen (z.B. Grain-Effekte) auszumachen sind. Die Tonqualität passt sich diesem Eindruck beinahe nahtlos an: Zwar wirkt die 5.1 Dolby Digital Tonspur nicht sonderlich dynamisch und wird so gut wie nie wirklich gefordert, doch sie steuert etwaige Hintergrundgeräusche (meistens in Form von Wind oder Brandungswellen), den schönen Score sowie die Dialoge klar vernehmbar ein. Zu bedenken ist dabei überdies, dass es sich primär um einen ruhigen Film ohne epische (Sound-) Ausschmückungen handelt, der auch (von der Optik her) nicht auf Hochglanz getrimmt wurde.


Menüs:
Nach einem kurzen Intro gelangt man in das starr gehaltene Hauptmenü, welches vom Aufbau her den anderen (unter-) Menüs gleicht: Im Hintergrund eine Landschaftsaufnahme, rechts die Auswahlmaske, links im Vordergrund das (jeweils leider leicht unscharfe) Abbild eines der Hauptdarsteller. Diese optische Gestaltung hat mir nur wenig zugesagt. Dafür lassen sich im Kapitelanwahl-Bereich kurze Clips der betreffenden Chapter finden, alle Menüs wurden zudem mit unterschiedlichen Auszügen aus dem hervorragenden Score unterlegt.




Extras:
Fehlanzeige.

 0 Narrenkappen


Fazit:

Film:  Siehe den letzten Absatz meiner Kritik.

DVD:  Die Bild- und Tonqualität ist jeweils noch solide, bis auf die optische Gestaltung sind die Menüs ansprechend arrangiert worden (mit Musikuntermalung sowie Clips der Chapter). Leider glänzen die Extras durch völlige Abwesenheit. Die DVD befindet sich in einer Amaray-Hülle, welche wiederum in einem stabilen Pappschuber steckt. Darüber hinaus ist zu erwähnen, dass man auf dem Cover zwei Fehler begangen hat: Der Mann heißt „Gerard Butler“, nicht „Gerard Butle“, zudem handelt es sich um eine RC0 (angegeben ist „RC3“).  

Film:  4 Narrenkappen
DVD:  4 Narrenkappen (ganz knapp)[/align]
Gespeichert

Ja, ich lebe noch!
Steelbook
*
Offline Offline

Beiträge: 2.555



« Antwort #1 am: 19. August 2006 um 20:20 »

Schönes Review, wobei der Text nun nicht so schlimm klingt wie es die endgültige Punktezahl vermuten lässt. Wirklich schade scheint nur, dass der zweite Teil von vorne herein weggelassen wurde und somit auch kein Epos zustande gekommen ist. Kommt da noch ein zweiter Teil von? Und gibts noch mehr Screenshots von der Polley?
Zwinkern
Gespeichert
dÆmonicus
Globaler Moderator
*
Offline Offline

Beiträge: 33.994


Dragon


WWW
« Antwort #2 am: 19. August 2006 um 21:01 »

Danke für die wie immer gute Review. Scheint ja auf jeden Fall interessant zum ansehen zu sein. Da muss ich mir wohl mal selber ein Bild von dem Film machen, falls ich ihn mal sehr günstig irgendwo sehe.  Sehr glücklich
Gespeichert
StS
Globaler Moderator
*
Offline Offline

Beiträge: 24.740


Obsessed with the "mess" that's America


« Antwort #3 am: 19. August 2006 um 23:08 »

Da die RC1 bald erscheint (oder schon raus ist?), wird ne dt.VÖ ebenfalls sicher demnächst mal anstehen. Ich denke nicht, dass ein zweiter Teil folgen wird, denn der würde ja, allein schon aufgrund des Drachens, gegen die gewollte Richtung der Macher bei diesem Film verstoßen (keine F/X etc). In meinen Augen waren die zu offensiven Modernisierungen auf jeden Fall ein Grund dafür, dass mir der Streifen leider letzten Endes nicht wirklich zusagte. Hab lange darüber nachgedacht (nach dem Sichten hatte ich Daemonicus ne PN geschrieben, in der ich meinte, dass ich nicht genau wisse, was ich davon halten soll), doch beim darüber Nachdenken und dem folgenden Schreiben der Kritik wurde mir klar, dass die 4/10 durchaus gerechtfertigt sind. Um es mit meinem letzten Wort zu sagen: Schade, denn die Zutaten und Intentionen waren gegeben und gut. Macht Euch aber gerne ein eigenes Bild (vielleicht mit ner besseren DVD-VÖ), bin dann gespannt, was Ihr dazu zu sagen habt. Sehr glücklich

Ach ja - und natürlich gerne:   Zwinkern



Gespeichert

Vince
Steelbook
*
Offline Offline

Beiträge: 4.348


Debakelvince


« Antwort #4 am: 20. August 2006 um 16:06 »

Pfui, das ist ja mal wieder ein Film, der mich überhaupt nicht interessiert. Review ist aber nicht pfui.  Zwinkern
Gespeichert
StS
Globaler Moderator
*
Offline Offline

Beiträge: 24.740


Obsessed with the "mess" that's America


« Antwort #5 am: 20. August 2006 um 19:03 »

Zitat von: "Vince"
Pfui, das ist ja mal wieder ein Film, der mich überhaupt nicht interessiert. Review ist aber nicht pfui.  Zwinkern

Na immerhin, danke! Zwinkern

Hab eh einen schweren Stand mit meiner Review-Auswahl hier (geht Dir wohl auch nicht viel anders) - aber von dem wußte ich zum Beispiel, dass Daemonicus Interesse an dem Streifen hat...  Zwinkern
Gespeichert

dÆmonicus
Globaler Moderator
*
Offline Offline

Beiträge: 33.994


Dragon


WWW
« Antwort #6 am: 20. August 2006 um 19:04 »

Zitat von: "StS"
Zitat von: "Vince"
Pfui, das ist ja mal wieder ein Film, der mich überhaupt nicht interessiert. Review ist aber nicht pfui.  Zwinkern

Na immerhin, danke! Zwinkern

Hab eh einen schweren Stand mit meiner Review-Auswahl hier (geht Dir wohl auch nicht viel anders) - aber von dem wußte ich zum Beispiel, dass Daemonicus Interesse an dem Streifen hat...  Zwinkern


Das Interesse hab ich immer noch. Und die Review-Auswahl ist passt ja, aber so richtig gut habt ihr eure letzten Review-Filme auch nicht benotet.  Zwinkern
Gespeichert
Vince
Steelbook
*
Offline Offline

Beiträge: 4.348


Debakelvince


« Antwort #7 am: 20. August 2006 um 19:30 »

Also mein letztes Review hier hat in der Filmwertung ne 9 bekommen, Dämoni!

Ansonsten klar, so richtig im Mainstream drinne sind wir beide nicht... liegt bei mir vor allem daran, dass ich auch gucke, was schon bei der ofdb geschrieben wurde. und da die Blockbuster alle immer schon verseucht sind mit ca. 1 Million Kritiken, hab ich da auch gar keen Bock mehr drauf...
Gespeichert
dÆmonicus
Globaler Moderator
*
Offline Offline

Beiträge: 33.994


Dragon


WWW
« Antwort #8 am: 20. August 2006 um 19:35 »

Deine letzte Review hab ich auch hier als DVD, Vicki... äh Vince.  Zwinkern
Gespeichert
Vince
Steelbook
*
Offline Offline

Beiträge: 4.348


Debakelvince


« Antwort #9 am: 20. August 2006 um 19:41 »

Zitat von: "daemonicus"
Deine letzte Review hab ich auch hier als DVD, Vicki... äh Vince.  Zwinkern


Braver Dämon! Kannst dir ja noch "Wenn die Gondeln trauer tragen" kaufen, den hab ich auch kürzlich gereviewt und mit ner 9 bewertet, nur eben nicht mit DVD.  Zwinkern
Gespeichert
dÆmonicus
Globaler Moderator
*
Offline Offline

Beiträge: 33.994


Dragon


WWW
« Antwort #10 am: 20. August 2006 um 19:43 »

Find den zwar gut, aber den hab ich schon so oft im TV gesehen...  Sehr glücklich
Gespeichert
Taran-tino
Limited Edition
*
Offline Offline

Beiträge: 11.068



WWW
« Antwort #11 am: 20. August 2006 um 19:45 »

Schöne Review, wie immer eigentlich. Der Film juckt mich aber auch nicht die Bohne.  Zwinkern
Gespeichert



Vince
Steelbook
*
Offline Offline

Beiträge: 4.348


Debakelvince


« Antwort #12 am: 20. August 2006 um 19:48 »

Zitat von: "Deminonimus"
Find den zwar gut, aber den hab ich schon so oft im TV gesehen...


Blabla... dann koof dir halt Dämonisch. Oder Dämon. Oder Demonlover.  Zwinkern
Gespeichert
dÆmonicus
Globaler Moderator
*
Offline Offline

Beiträge: 33.994


Dragon


WWW
« Antwort #13 am: 20. August 2006 um 19:59 »

Ach ne, mir reichts wenn ich dämonisch den Vince ärgern kann.  Sehr glücklich
Gespeichert
StS
Globaler Moderator
*
Offline Offline

Beiträge: 24.740


Obsessed with the "mess" that's America


« Antwort #14 am: 20. August 2006 um 22:36 »

Zitat von: "daemonicus"
Und die Review-Auswahl ist passt ja, aber so richtig gut habt ihr eure letzten Review-Filme auch nicht benotet.  Zwinkern

Wie gesagt: Ich entscheide vorher, ob ich ein Review schreibe oder nicht - und wenn da leider öfters nicht so gute Filme auftauchen, ärgere ich mich meist auch irgendwie darüber, schließlich habe ich die DVDs dann gekauft...  Zwinkern

Die Reviews schreibe ich aber selbstverständlich trotzdem gern sowie mit Freude, weshalb ich mich auch freue, wenn sie gelesen werden und Anklang finden.
Gespeichert

Subwiz
Steelbook
*
Offline Offline

Beiträge: 489



« Antwort #15 am: 21. August 2006 um 14:44 »

Erneut ein sehr gelungenes, ausführliches und vor allem aussagekräftiges Review. Oder sollte ich lieber sagen - Referat? Zwinkern

Ist nicht böse gemeint. Ganz im Gegenteil. Der Film hat mich schon im Vorfeld nicht so sonderlich interessiert und aufgrund Deines tiefgreifenden Reviews bin ich nun sicher, daß ich zumindest von einem Blindkauf die Finger lasse. Besten Dank für die profunde Sparhilfe. Zwinkern
Gespeichert
StS
Globaler Moderator
*
Offline Offline

Beiträge: 24.740


Obsessed with the "mess" that's America


« Antwort #16 am: 21. August 2006 um 15:37 »

Bitte, bitte - jederzeit gern!  Zwinkern
Gespeichert

Seiten: [1]   Nach oben
  Sende dieses Thema  |  Drucken  
 
Gehe zu:  



Impressum | Forumregeln | Kontakt | Sitemap
Powered by SMF 1.1.21 | SMF © 2006, Simple Machines