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Autor Thema: Ein Königreich für ein Lama  (Gelesen 10254 mal)
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Vince
Steelbook
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Debakelvince


« am: 13. Mai 2006 um 18:25 »

Ein Königreich für ein Lama (2000)
OT: The Emperor's New Groove



Technische Daten
Vertrieb: Disney
Regionalcode: 2
Laufzeit: 75:09 Min.
Regie: Mark Dindal
Sprecher (US-Synchronisation): David Spade, John Goodman, Eartha Kitt, Patrick Warburton, Wendie Malick, Kellyann Kelso, Stephen J. Anderson, Eli Russell Linnetz, Bob Bergen, Rodger Bumpass, Tom Jones, Robert Clotworthy, Jennifer Darling, Patti Deutsch, John Fiedler
Bildformat: 1,66:1 (anamorph)
Sprachen: DD 5.1 Deutsch, Englisch, Türkisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Deutsch für Hörgeschädigte
Freigabe: FSK o.A.

Film
Wir schreiben das Jahr 2006. In Disney-Landen schickt sich der CGI-Film an, das dritte Jahr der absolutistischen Regentschaft in die Tat umzusetzen. Der König ist tot, lang lebe der König: Das Volk hat sie gefordert, die CGI-Krone. Es wollte den Regierungswechsel, und jetzt ist er da. Nieder mit der Handanimation, deren letzte Amtshandlung im Jahr 2003 mit “Die Kühe sind los” getätigt wurde, auf dass die Nullen und Einsen hoch leben. Dreamworks’ “Madagascar” wird derzeit als DVD für die Masse verramscht, Fox’ “Ice Age 2" wurde kürzlich im Kino noch begeisterter aufgenommen als das Original und Disney / Pixar machen sich bereit, mit “Cars” noch in diesem Jahr erneut anzugreifen.
In diesen Zeiten fällt einem dann plötzlich ein sechs Jahre altes “Relikt” in die Hände, ein Zeichentrickfilm namens “Ein Königreich für ein Lama”, aus dieser inzwischen nur noch mythenhaft existierenden Epoche nur wenige Jahre vor dem Regierungswechsel. Man schaut ihn an, als sei er ein Dokument. Den Bildschirm erfüllt der Zauber vergangener Zeiten, aber nichts von alledem wirkt angestaubt, nichts erscheint so, als wäre die Zeit gekommen für einen neuen “Emperor”. Eine schockierende Erkenntnis macht sich breit beim gehorsamen Untertanen des neuen Königs: Der alte König wurde ermordet! Er war doch noch so jung und wurde einfach so vor seiner Zeit abgesäbelt. Die Zeit war doch noch gar nicht reif! Und jetzt frage ich:
Erm... wie konnte unser CGI-König noch gleich so triumphal den Thron erobern?

Ganz so dramatisch wie in der zugegeben etwas reißerischen Einleitung sollte man die Situation selbstverständlich nicht betrachten. Die neuen Möglichkeiten im Bereich der Computerarbeit müssen so respektiert werden. Sie gehören in diese Zeit wie die Butter aufs Brot, und vergleicht man sie mit den letzten Atemzügen des großen Zeichentricks auf der Kinoleinwand, muss man auch anerkennen, dass die direkte Konkurrenz aus der CGI-Abteilung allen Zweiflern gehörig eine Lektion erteilt hat. Pixar ist ganz ohne Frage einer der wenigen großen Gewinner des Filmbusiness der letzten Jahre, doch der Erfolg kam nicht einfach dahergeflogen, er wurde hart erarbeitet. Ganz speziell Pixar, später dann auch die Nachzügler anderer Studios brachten nicht nur Innovationen in der Animation mit, sondern auch in anderen Bereichen - da konnte der hauseigene Zeichentrickfilm, aus welchen Gründen auch immer, bald nicht mehr mithalten.




Wie unabhängig gute Animationsfilme aber eigentlich wirklich von ihrer Animationstechnik sind, das beweist die Geschichte um den in ein Lama verwandelten jungen Inka-König Kuzco (Bully Herbig bzw. David Spade), die vor lauter herrlichen Charakteren und spritzigem Humor nur so sprüht, dass sich die an ersten Ermüdungserscheinungen leidenden CGI-Filme (“Madagascar”, “Robots”) schon ganz schön umgucken müssen, um nicht von den dicken Tropfen des Einfallsreichtums besprüht zu werden. Disney fasste endlich mal den Mut, sich zumindest ein wenig von manch nerviger Tradition zu lösen, die scheinbar untrennbar mit ihrer Zeichentrickabteilung verschmolzen war, um eine modern erzählte, dabei aber niemals aufdringlich auf jugendlich getrimmte Story in wunderschöne Animationen einzuweben und Charaktere zum Leben zu erwecken, die so menschlich erscheinen, als wären sie reale Wesen.

Den Musical-Hasser (mich inklusive) wird es freuen, dass das zur Zeit der Inkas angelegte Abenteuer durch Wildnis und Kultur fast komplett ohne Gesangseinlage auskommt. Der für den Oscar nominierte Soundtrack (Sting wurde für “My Funny Friend and Me” mit einer Nominierung geehrt) lässt lediglich zu Anfang und am Ende ein paar melodische Takte los, am Ende sogar garniert mit einer herrlich selbstironischen Bemerkung zu dem Disney-typischen Drang, alles Geschehene in Songs nochmals aufzuarbeiten. Mit zunehmender Laufzeit des Films wird diese gewöhnungsbedürftige Art der Darstellung durch neue Formen ersetzt, die alles in allem weniger aufdringlich daherkommen. Sei es der immer wieder auftauchende Off-Kommentar des Hauptdarsteller-Lamas, Parallelschnitte, welche die zeitliche / örtliche Trennung verschiedener Erzählstränge verdeutlichen oder sonstige Spielereien; einmal wird gar das Bild angehalten, das Lama tritt davor und markiert auf dem Standbild wichtige Dinge mit dem Rotstift, womit die Mechanismen des klassischen Erzählmusters Disneys absichtlich hintergangen bzw. aufgebrochen werden. Nun, dieses Aufbrechen traditioneller Schemata wirkt zu keinem Zeitpunkt gewöhnungsbedürftig oder gar unpassend - auf Anhieb funktionieren die neuen Darstellungsformen. Die Kleinen sollten trotz der neuen Muster zu keinem Zeitpunkt überfordert werden; genau genommen dürfte das inhaltliche Übertragungspotenzial von Gesang und Tanz durch sein höheres Maß an Abstraktion sogar noch deutlich schwieriger zu encodieren sein, als wenn im Hintergrund der Hauptdarsteller alles recht einfach erklärt.

Indem weiterhin nicht immer wieder die Handlung für Musical-Einlagen unterbrochen wird, läuft das Geschehen zudem deutlich flüssiger ab. Leichte Eingewöhnungsschwierigkeiten bezüglich der Dramaturgie sind vielleicht vorhanden (vor allem nach etwa einer Stunde könnte die Konzentration leicht nachlassen), aber es hilft doch sehr, wenn man nicht immer wieder vor eine rote Ampel gestellt wird, bis es handlungstechnisch dann endlich weitergeht. Das trägt auch mit dazu bei, dass Disneys nunmehr 39. abendfüllender Spielfilm bis zum Schluss sehr temporeich vorangetrieben wird und damit wirklich zu einem einzigen verrückten Abenteuer wird, das sich keine Pausen gönnt. Die 75 Minuten Laufzeit sind auch keine Minute zu wenig, denn Momente der Ruhe sind so rar gesät, dass in dieser dicken Stunde mehr passiert als in so manchem Zweistünder.

Freigegeben ist der Film für alle Altersklassen, und allen Altersklassen kann er dann auch wirklich mal empfohlen werden - denn nicht nur Kinder werden was zu lachen haben. Der Humor ist nun nicht sonderlich tiefgründig oder subtil, aber er ist eindeutig so konzipiert, dass ihm auch Erwachsene einiges entnehmen können. Selbst sarkastische Brocken und knallharte Zyniker sollten ruhig mal einen Blick auf den Film werfen. Die Gefahr der Vergiftung durch Versüßung besteht in keiner Sekunde. Die Wortgefechte sind immer rasant, witzig und spritzig, ohne selbstverständlich mal das jugendfreie Metier zu verlassen, das sollte klar sein. Und doch kommen die Schmunzler fast im Sekundentakt. Selten sind Lachanfälle zu erwarten, Rohrkrepierer aber ebensowenig, denn die ganze Geschichte ist einfach durch und durch charmant. Dass Disney so konsequent auf Slapstick setzt, verwundert sehr, ist aber absolut zu begrüßen, weil schwerfällig emotionale Szenen damit verhindert werden. Der Grundgedanke hinter der Geschichte, nämlich die Warnung davor, den gesellschaftlichen Status über Freundschaft und Freundlichkeit gegenüber den Mitbürgern zu stellen, wird also ausnahmsweise mal nicht mit Gewalt in den Rachen des Zuschauers gestopft. Im Vordergrund steht endlich mal das, was bei Disney eigentlich immer im Vordergrund stehen sollte: Die Unterhaltung.




Vieles an Entertainment ist auch den Charakteren zu entziehen, die nicht zu überzogen sind, aber dennoch schön abgedreht. Allen voran selbstverständlich das Lama, das schon in seiner ursprünglichen Form als König ein wahrer Genuss ist - hochnäsig, naiv, infantil und doch mit grenzenloser Macht gesegnet. Daraus macht Regisseur Mark Dindal zum Glück sehr viel. Dieser Kuzco ist zwar nicht wirklich ein Sympathieträger, doch verfluchen wollen wir ihn auch nicht. Ihm wird also eine angenehm vielschichtige Charakterzeichnung zuteil, die (im Deutschen) von Michael Herbig auf akustischem Wege auch durchaus attraktiv transportiert wird. Und wenn dieser König sich dann in ein Lama verwandelt, sozusagen seine “wahre” Gestalt annimmt, dann ist die Figur perfekt. Das Design des Lamas ist göttlich und seine Animation ein zeichnerischer Traum, der den angestrebten Humor hervorragend transportiert. Der wird nämlich daraus geschöpft, dass wir hier ein Wesen vor uns haben, das glaubt, ein Inbegriff von Würde, Recht und Freiheit zu sein, dabei aber optisch eher trampelig, dumm und dämlich wirkt. Die restlichen Charaktere gehen allesamt in Ordnung: Pacha (Reinhard Brock bzw. John Goodman) ist ein klassisches Buddy-Gegenstück, dem gerade durch die Szene bei seiner Familie viel Charakterprofil zuteil wird, während Isma (Elke Sommer / Ertha Kitt) und ihr Gehilfe Kronk (Thomas Amper / Patrick Warburton) ein nettes Bösewichter-Pärchen abgeben - nicht zu fies, aber wenigstens markant genug, um Eindruck zu hinterlassen. Manchmal schleichen sich einige wenige Klischees im Verhalten der Akteure ein, die leicht störend auffallen. Der Engelchen-Teufelchen-Dialog hat bei Disney beispielsweise Tradition bis in die Kurzfilmzeit der Dreißiger und Vierziger, und so ganz frei von Ironie wirken solche Gags heute zu abgedroschen, um mehr Zuschauer als nur die Kleinen zu erreichen.

Visuell ist der ganze Film eine einzige Wucht. Die Kultur der Inkas wurde mit den Hängebrücken, peruanischen Gebirgen, Dörfern, dem Königshof etc. wie üblich wunderschön und detailgetreu recherchiert und in tolle Bilder umgesetzt, wobei auch das Figurendesign (wie u.a. seinerzeit in “Hercules”) der zeitgenössischen Architektur leicht angepasst wurde. Einzelne Passagen erreichen gar den nostalgischen Bildwert der großen Disney-Klassiker, in anderen Momenten wird die tricktechnische Klasse deutlich (Pacha und Kuzco vor dem Gewässer).

Würden alle Trickfilme aus der Disney-Schmiede so aussehen wie das “Königreich für ein Lama”, wäre ich mit Sicherheit ein weit größerer Disney-Fan. Denn die schräge Geschichte um den egozentrischen Kuzco nervt keine Sekunde mit übertriebenem Geschnulze oder unnötigen Gesangspassagen. Der Humor ist zweifellos auch für Erwachsene gemacht, die Charaktere sind herzallerliebst und die Animationen machen so manchem CGI-Film noch was vor. Natürlich hätte er gerne noch bissiger sein können; bei Disney geht ja eigentlich immer noch mehr. So aber kann man sagen: Ein Film für die ganze Familie. Und diesmal ist es wirklich so gemeint.
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Bild
Die Bildqualität ist magnifique. Strahlende Farben, scharfe Kanten, blitzsauberer Transfer wie bei einem CGI-Film. Der ganze Film kommt rüber wie ein frisch gekauftes, unverbrauchtes animiertes Bilderbuch. Der Detailreichtum der Umgebung, der liebevollen Animationen und des kompletten Designs kommt so wunderbar zur Geltung. Besser geht’s eigentlich kaum.
 10 Narrenkappen

Ton
 Mit der unangreifbaren Bildqualität kommt der Sound leider nicht ganz mit. Zwar werden alle Kanäle immer mal wieder für sinnvolle Effekte genutzt (jemand, der gerade nach rechts aus dem Bild herausgestoßen würde, wird sich kurz darauf auf dem rechten Rearspeaker darüber beschweren), doch alles in allem wird das Potenzial der Anlage kaum ausgenutzt. Speziell der Bass kann sich auch mal zwischendurch ein ausgiebiges Päuschen leisten, denn allzu viel hat er nicht zu tun. Der Off-Kommentar des Hauptdarstellers kommt bisweilen etwas dumpf rüber, die Dialoge auf dem Center sind aber recht gut verständlich. In actionlastigen Sequenzen wird es dann auch mal etwas lauter, aber nie auch nur annähernd referenzverdächtig. Leider sind die Tonspuren während des Films nicht umschaltbar, dazu muss man zurück ins Tonmenü.
 6 Narrenkappen

Menüs



Nach den Disney-typischen Vorabtrailern sehen wir im Hauptmenü König Kuzco (im Menschengewand), wie er zu rassigen Sambatönen ein Tänzchen ablegt (eine Szene, die auch im Film vorkommt). Der Wechsel in die Untermenüs erfolgt mit einem kurzen, trockenen “Switch”-Geräusch und einem schnellen Bildwechsel. Ein neuer Score wird eingespielt, Animationen sind leider keine zu finden, auch nicht bei der Szenenauswahl. Ansonsten aber ganz nett gemacht.
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Extras
In der Trailershow kann man nochmals auf die Trailer zurückgreifen, die vor dem Einstieg ins Hauptmenü schon gezeigt wurden: “The Kid” (0:31 Min.), “Schneewittchen und die dieben Zwerge” (0:52 Min.), “Der Glöckner von Notre Dame 2" (1:21 Min.) und “Dinosaurier” (1:55 Min.).
Unter “Extras” begegnen uns dann die eigentlichen Specials. Zunächst wird Michael “Bully” Herbig, der die Hauptrolle auf deutsch synchronisierte, zu seiner Motivation befragt, an dem Film als Synchronsprecher teilzunehmen (2:49 Min.).
Eine zusätzliche Szene ist auch mit an Bord: Mit Vorab-Begründung von Produzent Randy Fullmer und Regisseur Mark Dindal, weshalb sie es nicht in den Film geschafft hat, wird die Szene “Die Zerstörung von Pachas Dorf wird geprobt” (1:30 Min.) vorgestellt, die “gefühlsmäßig” nicht in den Film gepasst habe. Sie wird erwartungsgemäß unfertig und in minderer Bildqualität präsentiert.
Der nächste Teil ist eher für die Kinder geeignet: Es folgen das Musikvideo “Walk the Llama Llama” (1:28 Min.) sowie das Gleiche nochmals unter der Kategorie “Zum Mittanzen” (ebenfalls 1:28 Min.).
Auf der nächsten Seite ist ein “Lama-Spiel” zu finden, bei dem man per “Enter”-Taste Multiple Choice-Fragen zum Film beantworten muss.
 “Hinter den Kulissen” ist dann in drei Abschnitte gegliedert, die jeweils als eine Art Featurette zu verstehen sind: “Entdeckungsreise nach Peru” (1:24 Min.), “Einblicke in die Technik” (2:13 Min.) und “Entstehung der Figuren” (5:00 Min.). Bei letzterer kommen auch die Original-Synchronsprecher zur Sprache.
Der Original-Kinotrailer ist auch noch mit an Bord (2:25), das Musikvideo zu Stings Oscar-nominiertem Song ebenfalls (2:48 Min.). Zuletzt wird noch ein untertitelter Audiokommentar angeboten, an dem Randy Fullmer (Produktion), Mark Dindal (Regie), Colin Stimpson (Art Direction), Joseph C. Moshier (Charakterdesign), Stephen Anderson (Story), Nik Ranieri (Leitender Animator für Kuzco) und Bruce W. Smith (Leitender Animator für Pacha) teilnehmen.

Insgesamt sind die Extras also durch die häppchenartige Anordnung wie auch durch die Inhalte überwiegend an Kinder gerichtet, allerdings ist die ein oder andere interessante Sache (Deleted Scene und Audiokommentar) auch für die Erwachsenen dabei. Besonders reichhaltig ist das Angebot allerdings nicht geworden.
 4 Narrenkappen

Fazit
Wer sonst nur wenig mit dem kindgerechten Humor Disneys anfangen kann, sollte sich mal an diesem Film versuchen, denn hier könnte er eine Überraschung erleben. “Ein Königreich für ein Lama” ist ein erstaunlich witziges, auch für Erwachsene sehenswertes Abenteuer mit tollen Charakteren und einer wunderschönen Animationsarbeit. Das Werk aus dem Jahr 2000 stellt in jedem Fall eine Ausnahme in dem Schaffen des Paten der Trickfilm-Kinounterhaltung dar. Dem Film absolut gerecht wird das sehr gute Bild, während Ton und vor allem Extras besser sein könnten. Dennoch eine lohnende Anschaffung.
 6 Narrenkappen ,5

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freeman
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« Antwort #1 am: 14. Mai 2006 um 00:23 »

Schönes Review. Wirklich. Erwähnen sollte man noch, dass dieser Film eben als kleines Sommerprodukt geplant war, dass den großen Winterhit (dürfte Atlantis gewesen sein) lancieren und die Vorfreude darauf anheizen sollte. Wie wir heute wissen kam es ganz AAAAAAAANDERS. Und das ist gut so, denn im Vergleich zu dem groß vorbereiteten Film, bei dem man sich auch deutlich in Richtung Anime bewegte, besinnt sich Disney (die Kreativen) beim Lama eben auf die eigentliche Stärke: Die Geschichte. Denn die ist, so dünne sie auch zu sein scheint, ein herrliches Vehikel für Slapstick vom Feinsten. Das gleiche Studio grub dann ein Jahr später nochmal der Hauptattraktion Disneys das Wasser ab: Lilo und Stitch, die ja den Schatzplanet eindampften (indirekt). DIESE Schmiede erlebte mit Bärenbrüder zwar einen Rückschritt in die arg moralisierende Phase Disneys, hätte aber nie zugemacht werden dürfen, denn hier war man sich seiner Underdogrolle bewußt und hat dementsprechend auch mutigere Filme gestemmt. Es ist schade um diese Trickfilmschmiede ... um die große Disneyschmiede weniger. Diese hätte aber allerdings nur in Klausur gehen müssen und mal ihre Fehler überdenken sollen. Immerhin hatte man ja einen Mitstreiter, der dahingehend alles richtig zu machen schien: Pixar, die ja erkannten, dass ein Film ohne echte Charaktere und eine funktionierende Handlung NICHTS taugt und damit nur auf Erkenntnissen aufbauten, die Walt Disney einst gemacht hat, die in der Geldmaschine Disney (die sie vor allem nach seinem Tod definitiv wurde) aber vollkommen verloren gegangen zu sein scheinen. Man perfektionierte die Animation, ok, aber die GEschichten? Das Gesinge? Himmel! Mal ganz davon abgesehen, dass Disney in den letzten Jahren konsequent am Zielpublikum vorbeiinszeniert hat. Ergo: Disney ist selbst schuld an seiner Misere!

Auch der gesamte amerikanische Trickfilm ist selbst schuld an seiner Misere, denn man eiferte immer nur dem Erfolg und damit Disney nach. So hat man es sich auch verdient, gemieden zu werden. Dass klassische Handgezeichnete Animation niemals wirklich aussterben wird, egal wie perfekt und gut Pixar und Co. produzieren, zeigen ja die Japaner oder eben auch die Europäer, die ja beide nach wie vor Multimillionen Dollar Produktionen stemmen (Asterix, Das wandelnde Schloss). So, das wollte ich mal stark vereinfacht gesagt haben. Hat zwar nix weiter mit dem Review zu tun, passt aber hier irgendwie Zwinkern

In diesme Sinne:
freeman, Animationsfan durch und durch
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Vince
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Debakelvince


« Antwort #2 am: 14. Mai 2006 um 16:08 »

Eine feine Ergänzung, und warum sollte man nicht mal versuchen, an dieser Stelle eine Diskussion zum Thema Zeichentrick anzufachen? Wird höchstens daran scheitern, dass dir wohl diesbezüglich keiner das Wasser reichen kann.  Zwinkern
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Jorin
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« Antwort #3 am: 14. Mai 2006 um 18:21 »

Ich fand gerade diesen Film damals, als wir ihn uns blind gekauft haben (man will ja seine Sammlung vollständig halten) ziemlich daneben. Mir gefiel weder der Stil der Zeichnungen, noch der ein gebrachte Humor. Beides ging total an mir vorbei, und dass, obwohl ich ein Zeichentrickfan allererster Güte bin.

Aber die Geschichte um eine Verwandlung in ein Lama, nee, die konnte mich null begeistern. Ich kann nicht mal so genau sagen, woran das lag, aber Atlantis, um mal beim Beispiel zu bleiben, gefiel mir da sehr viel besser.

Und ich weine Disney durchaus Tränen nach, auch wenn ich freemans Argumente teilweise nachvollziehen kann. Da hat man nach Walts Tod wohl versucht, Kohle im großen Stil zu scheffeln, völlig vorbei an der Zielgruppe, und hat dabei den eigentlichen Erfolgsgaranten der früheren Disneyfilme und die Zielgruppe aus den Augen verloren. Ich denke aber auch, den Disneyleuten fehlt(e) einfach der Mut, althergebrachte Traditionen mit ruhig mal sehr kühnen neuen Ideen zu mischen und einfach mal ins Blaue zu schießen. Die Zeit für romantische Schnulzen mit Operettenmusik sind wohl endgültig vorbei, ein Disney-Anime wäre mal was  Zwinkern
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Vince
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Debakelvince


« Antwort #4 am: 14. Mai 2006 um 19:48 »

Sehr seltsam... also dir sind diese moralinsauren Disneyschnulzen lieber? Ist mir viel zu kindisch. So sehr ich Animationsfilme aus rein technischer Perspektive liebe und die Arbeit auch gerade bei Disney schätze, bei denen konnte ich aber fast nie einen der neueren Filme richtig genießen, weil es mir immer zu seicht herging. Da sticht der hier für mich ganz extrem positiv heraus.

Und ein Disney-Anime? Das Desaster wäre vorprogrammiert.  Zwinkern
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Jorin
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« Antwort #5 am: 14. Mai 2006 um 20:38 »

Zitat von: "Vince"
Sehr seltsam... also dir sind diese moralinsauren Disneyschnulzen lieber?


Moralinsauer? Geiles Wort, steht das im Duden oder ist das ne Eigenkreation?  Zwinkern

Mitnichten, lieber Vince. Schnulzen mag ich nich wirklich, aber Disney ist (oder war) eben Disney, da wusste man, was man bekam. Und das Lama ist da etwas, was völlig aus der Art schlägt. Du hast das sehr positiv aufgefasst, ich eher nicht. Wie ich aber sagte, war der Schritt vielleicht auch richtig. Ich widerspreche mir da selbst, ich weiß. Vielleicht war auch einfach das Gesamtwerk eben nichts für mich, kommt ja auch mal vor. Irgendwie ist der aber so gar nichts für mich, obwohl wir ihn selbst besitzen und auch nicht mehr hergeben werden.
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DocVirus
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« Antwort #6 am: 14. Mai 2006 um 21:59 »

Schönes Review. Ich bin großer Disney-Fan - allerdings kann ich mit diesem Film gar nichts anfangen. Ich mag die Figuren nicht und die Story ist mir irgendwie auch zu blöd. Von mir bekommt der 4 Narrenkappen
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Wenn du deine eigenen Sünden nicht siehst, wirst du immer glauben, dass du gut bist.
Wenn du sie aber siehst, dann können dich deine Gedanken unmöglich überreden, das du gut bist.
Es ist eine schwere Arbeit, sich selbst unablässig zu untersuchen.
thenoerd
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« Antwort #7 am: 14. Mai 2006 um 22:03 »

Feines Review.
Ich mag den Film.
Einige Spüche haben bei uns im Freundeskreis schon Kultstatus.
"Versau ihm ja nicht den Grooooove" Lautes Lachen

"Quieck, Quieckedie...Quicken" Zwinkern

8 Narrenkappen für den Film auch von meiner Seite aus.
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Vince
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Debakelvince


« Antwort #8 am: 14. Mai 2006 um 22:09 »

Moralinsauer, hmmm... weiß ich jetzt gar nicht, woher ich das habe, das ist einfach in meinem Kopf drin.  Zwinkern

Klar ist auf jeden Fall, und da sind wir uns ja anscheinend einig, dass Disney in den letzten Jahren die falsche Abzweigung genommen hat. Viele alte Filme halte ich nicht nur aus Nostalgiegründen, sondern auch nüchtern betrachtet für große Werke des Animationsfilms (als da wären u.a. "Dumbo" oder "Alice im Wunderland"), und dieses Gefühl eines großen, unantastbaren Werkes war im Hause Disney schon lange nicht mehr da. "Ein Königreich für ein Lama", der sich ja auch gar nicht in die Reihe der Disney-Meisterwerke eingliedern will, geht zumindest einen neuen Weg und fegt die Spinnweben aus dieser urkonventionellen Produktionsstätte, und zwar nicht auf eine anbiedernde Art, sondern (in meinen Augen) kurzweilig und sympathisch. Diesen Film ziehe ich jedenfalls nicht nur vielen anderen seiner Gattung vor, sondern auch vielen aktuellen CGI-Filmen.

@ die anderen: Danke!  Zwinkern
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StS
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Obsessed with the "mess" that's America


« Antwort #9 am: 14. Mai 2006 um 22:11 »

Zitat
Als moralinsauer wird jemand bezeichnet, der sich auf die Moral beruft, ohne dabei im vollgültigen Sinn ethisch zu argumentieren. Eine Doppelmoral ist das Messen mit zweierlei Maß. Dies wird häufig mit dem bildhaften Ausspruch illustriert: "Wasser predigen, aber selbst Wein trinken.". Unter einem Moralapostel versteht man eine Person, die anderen dauernd moralisierende Belehrungen aufdrängt. Als unmoralisch wird jemand betrachtet, dessen Verhalten in größeren Maße sozialen, religiösen und humanistischen Normen und Werten widerstreitet. Weiterhin wird der Begriff Moraltheologie in der christlichen Theologie verwendet.
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Debakelvince


« Antwort #10 am: 14. Mai 2006 um 22:14 »

Zitat von: "StS"
Zitat
Als moralinsauer wird jemand bezeichnet, der sich auf die Moral beruft, ohne dabei im vollgültigen Sinn ethisch zu argumentieren. Eine Doppelmoral ist das Messen mit zweierlei Maß. Dies wird häufig mit dem bildhaften Ausspruch illustriert: "Wasser predigen, aber selbst Wein trinken.". Unter einem Moralapostel versteht man eine Person, die anderen dauernd moralisierende Belehrungen aufdrängt. Als unmoralisch wird jemand betrachtet, dessen Verhalten in größeren Maße sozialen, religiösen und humanistischen Normen und Werten widerstreitet. Weiterhin wird der Begriff Moraltheologie in der christlichen Theologie verwendet.
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Wenn wir dich nicht hätten.  Zwinkern  Ist eines dieser Worte, die man instinktiv benutzt.
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freeman
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« Antwort #11 am: 14. Mai 2006 um 23:51 »

Zitat von: "nehcregit"
Aber die Geschichte um eine Verwandlung in ein Lama, nee, die konnte mich null begeistern. Ich kann nicht mal so genau sagen, woran das lag, aber Atlantis, um mal beim Beispiel zu bleiben, gefiel mir da sehr viel besser.


DAS verstehe ich an sich nicht richtig. Weil eigentlich ist dieses Motiv doch ein fast schon ureigenes von Disney: Cinderella verwandelt sich in eine Prinzessin und findet so irgendwann ihr Glück. Kenai verwandelt sich in einen Bären und lernt so das Leben zu schätzen. Mulan muss sich in einen Mann verwandeln, um ihre Familie zu schützen ... Gerade diese "Rollenwechsel" kommen doch in fast allen Filmen Disneys vor. Vielleicht hast du einfach nur ein Problem mit Lamas und diskriminierst sie? Fände ich echt nich ok Tiger! Zwinkern

Zitat von: "nehcregit"
Und ich weine Disney durchaus Tränen nach, auch wenn ich freemans Argumente teilweise nachvollziehen kann. Da hat man nach Walts Tod wohl versucht, Kohle im großen Stil zu scheffeln, völlig vorbei an der Zielgruppe, und hat dabei den eigentlichen Erfolgsgaranten der früheren Disneyfilme und die Zielgruppe aus den Augen verloren. Ich denke aber auch, den Disneyleuten fehlt(e) einfach der Mut, althergebrachte Traditionen mit ruhig mal sehr kühnen neuen Ideen zu mischen und einfach mal ins Blaue zu schießen. Die Zeit für romantische Schnulzen mit Operettenmusik sind wohl endgültig vorbei, ein Disney-Anime wäre mal was  Zwinkern


Dazu nur mal als Anregung: Disney hat zu Lebzeiten ALLES Geld, was er gemacht hat, immer in neue Projekte gesteckt. Die Einspielergebnisse des Vorgängerfilmes flossen immer in den nächsten, noch teureren und noch technisch ausgereifteren Film, denn Disney wollte Grenzen ausreizen. Dass seine Filme dann schnell zu den teuersten Filmen überhaupt gehörten nimmt da keine Wunder. Als er dann irgendwann recht autark vom Geld arbeiten konnte, weil er eben genug hatte, steckte er alles in Disneyland und versatrb kurz danach. Und plötzlich ging es straight bergab. Wie du erwähnst, fehlte den Leuten der Mut, der Ältestenrat (gab es wirklich), der daraufhin die Leitung übernahm wuppte einen Film nach dem anderen und keiner versuchte irgendetwas, was von Walts Idee wegging. Und plötzlich war Disney am Boden und kurz vor der Pleite. Verkäufe, Entlassungen und  neue Teilhaber, die eben Katzenberg brachten. Der schuf dann das, was wir heute unter Disney verstehen: Riesige Musicals ... im Falle von Aladdin und König der Löwen wirklich gelungen und toll umgesetzt, doch danach war es wieder vorbei mit der Herrlichkeit, denn in Disneyworld regiert vor allem eins: Das Geld. Und das ist schade! Nach Katzenbergs indirekten Rauswurf war dann ja auch wieder schnell Sense: Pocahontas, Glöckner und wie der Kram danach auch hieß. Es war im Grunde ein und derselbe Film. Und dann kam das Lama und peng: Disney war frech geworden, versuchte neues und den Leuten gefiel es (mit dem Film haben die sicher mehr neue Fans erreicht als mit den 5 Prestigeprojekten vorher) und Lilo und Stitch vom selben Team zählt heute als einer der besten weil untypischsten Disney Filme überhaupt. Von daher kann ich schon verstehen, dass du eben schon mit dem Lama nicht viel anfangen konntest, weil im Grunde war an dem Film nur die technische Perfektion wirklich Disney, alles andere war eher Warner Cartoons Mäßig. Aber eben auch deutlich mutiger als dieser verkappte Atlantis Unsinn ...

Hm, schon wieder ausgeufert Zwinkern. Also, ich kann die Moserer gegens Lama genauso gut verstehen, wie die, die ihn toll fanden. Um es mal mit Wiesis Worten (wo ist der eigentlich hin) zu sagen: Der Film polarisiert ... und ist gerade deshalb (und da sage ich es mal wie Vince) so gut ...

In diesem Sinne:
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