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Autor Thema: North Country (RC1)  (Gelesen 22054 mal)
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StS
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Obsessed with the "mess" that's America


« am: 16. März 2006 um 16:08 »



“North Country”
 

Technische Daten:

Regionalcode:  … 1
Vertrieb: … Warner Brothers
Laufzeit: … 126 Min. (NTSC)
Bildformat: … 2,35:1 (anamorph / 16:9)

Sprachen: … Englisch, Französisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: … Englisch, Spanisch, Französisch
Freigabe: … R

Regie:  Niki Caro

Darsteller:
Charlize Theron
Frances McDormand
Sean Bean
Richard Jenkins
Jeremy Renner
Michelle Monaghan
Woody Harrelson
Sissy Spacek

Trailer:  
http://northcountrymovie.warnerbros.com/


Film-Kritik:

„North Country“ basiert auf der wahren Lebensgeschichte von Lois Jenson, welche die erste Sammelklage in der Geschichte der USA wegen sexueller Belästigung am Arbeitsplatz eingereicht und damit einen markanten Präzedenzfall geschaffen hat. Das Erstaunliche daran ist, dass dies (erst) vor rund 20 Jahren geschah. Auf der Basis dieser Tatsachen schrieb die Journalistin Clara Bingham gemeinsam mit der Anwältin Leedy Gansler den Roman „Class Action: the Landmark Case that changed Sexual Harassment Law“, auf welchem das Drehbuch von Michael Seitzman („Here on Earth“) vornehmlich beruht. Die Kombination einer stimmigen (Arbeiter-) Milieustudie mit einem ergreifenden „Individuum vs. Großkonzern“-Konflikt, also der der klassischen Underdog-Thematik, vor dem Hintergrund eines wichtigen Kapitels der amerikanischen Rechtsgeschichte: Das ist der Stoff, aus dem Hollywood großes, emotional mitreißendes Kino zu erschaffen vermag (siehe “Silkwood“,“Norma Rae“ oder “Erin Brokovich“) – sofern in den richtigen Händen. In Gestalt der Regisseurin Niki Caro („Whale Rider“) gelang es, diese wichtige Voraussetzung optimal zu erfüllen, denn die Neuseeländerin vermochte es, genau die richtigen Eigenschaften (primär: Talent und Passion für die Materie) in das Projekt mit einfließen zu lassen. Für die andere Seite der Kamera gewann man zudem eine angemessene Starbesetzung, welche sich glücklicherweise nicht nur durch klanghafte Namen auszeichnet, sondern primär mit ihrem darstellerischen Können auf sich Aufmerksam macht…  

Seit ihrer Jugend, in welcher sie schon früh schwanger wurde, hat Josie Aimes (Charlize Theron) kein wirkliches Glück mehr in ihrem Leben finden bzw zurückerlangen können – stattdessen war jenes fast permanent von verschiedenen Missbrauchsformen geprägt verlaufen: Ihr konservativer Vater Hank (Richard Jenkins) hatte sie nach ihrer ersten Schwangerschaft (aus welcher ihr Sohn Sammy (Thomas Curtis) hervorging) innerlich verstoßen, worunter sie so schwer litt, dass sie förmlich in eine Ehe floh und ein weiteres Kind (Tochter Karen (Elle Peterson)) von ihrem Mann bekam, welcher sie jedoch regelmäßig schlug. Im Jahre 1989 schließlich, nachdem sie von ihm erneut (am helllichten Tage) zusammengeschlagen wurde, kann sie einfach nicht mehr und flüchtet mit ihren Kindern sowie nur wenigen Habseligkeiten zu ihren Eltern, die im Bergbaugebiet des nördlichen Minnesotas leben – ein (Rück-) Schritt, welcher sehr schmerzt. Ihr Mutter Alice (Sissy Spacek) freut sich trotzdem über ihre Wiederkehr, während Hank ihr gar die Schuld am Scheitern der Beziehung gibt.  

Um wenigstens etwas Geld zu verdienen, jobbt sie als Haarwäscherin im örtlichen Friseursalon, was die Erniedrigung des Scheiterns förmlich vollendet, da viele sie noch von damals kennen, als sie wegen ihrer Schönheit beneidet wurde und man ihr nachsagte, dass sie sich für etwas besseres halten würde. Per Zufall trifft Josie auf ihre ehemalige Freundin Glory (Frances McDormand), welche in der Mienengesellschaft als LKW-Fahrerin und Gewerkschaftlerin tätig ist. Sie ist es, die ihr erzählt, dass gerade Personal gesucht wird, dass auch Frauen genommen werden und die Bezahlung sehr gut sei. Ihr Vater, welcher schon sein Leben lang dort arbeitet, hält entsprechend wenig von dem Vorhaben („You want to be a lesbian now?“), zumal Frauen erst seit kurzem eingeheuert werden sowie nicht gern gesehen sind. Als sie die Stelle antritt, kommt es erneut zu einem großen Streit, worauf sie zusammen mit Karen und Sammy übergangsweise bei Glory und deren Mann Kyle (Sean Bean) einzieht. Nach einer gynäkologischen Untersuchung ist die Einstellung offiziell. Ihr Vorarbeiter (Xander Berkeley) teilt ihr allerdings gleich im ersten Gespräch mit, dass Frauen (es herrscht das Verhältnis 1:30 gegenüber Männern) wenig willkommen sind – das sei natürlich hart, aber die Bezahlung würde stimmen.      

Er hat nicht untertrieben: Da die Männer nicht gewohnt sind, neben Frauen zu arbeiten und zudem glauben, sie würden ihnen eh nur die Stellen wegnehmen, machen sie keinen Hehl daraus, dass das weibliche Geschlecht unerwünscht ist. Nur wer eine harte Schale entwickelt, kann dem vorherrschenden Druck überhaupt standhalten. Einer Handvoll Kolleginnen, neben Glory u.a. die schlagfertige Big Betty (Rusty Schwimmer) sowie die junge Sherry (Michelle Monaghan), scheint dies einigermaßen zu gelingen, doch Josie ist die permanente Aussetzung von anzüglichen Aktionen, Beleidigungen und Demütigungen nicht gewohnt. Trotzdem gibt sie sich alle Mühe, die Situation zu ertragen, denn sie will ihre Familie unbedingt alleine versorgen können. Besonders schlimm ist es, neben ihrem Jugendfreund Bobby (Jeremy Renner) arbeiten zu müssen, der einen tief verwurzelten Hass ihr gegenüber mit sich herumträgt. Ihre Schönheit macht sie zudem zu einem besonders „beliebten“ Opfer, was gleichwohl für Sherry gilt – sie werden als bloße Objekte angesehen.

Zwischen den unangenehmen Kommentaren und Berührungen, an den Wänden der Umkleiden geschmierte Fäkalien oder Sexspielzeug in den Spinden, schafft es Josie, ein Haus für sich und die Kinder zu mieten – aber inzwischen wird sie auch außerhalb der Miene von den Ehefrauen der Männer als „Hure“ beschimpft, da zig erniedrigende Gerüchte im Umlauf sind. Als Glory, der man(n) aufgrund ihrer Rolle in der Gewerkschaft wenigstens etwas Achtung entgegenbringt, ihr wegen einer Krankheit nicht mehr zur Seite stehen kann und die Übergriffe immer intensiver werden, trägt Josie ihr Anliegen dem Firmenchef Don Pearson (James Cada) vor, der die Sache umgehend als unwichtig abtut und ihr im Gegenzug die Option unterbreitet, „gehen“ zu „dürfen“ – sogar ohne die nötige Kündigungsfrist beachten zu müssen. Nachdem sie nicht darauf eingeht, lässt ihr Gang zur Unternehmensführung die Situation für die Frauen noch schlimmer werden, weshalb sie selbst bei ihren Kolleginnen größtenteils in Ungnade fällt. Ein direkter Angriff von Bobby bricht schließlich ihren Willen: Sie nimmt ihren Abschied und richtet ihre Bemühungen darauf aus, mit Hilfe von Kyle´s Kumpel, dem Anwalt Bill White (Woody Harrelson), die Firma wegen sexueller Belästigung zu verklagen. Da das alleine kaum Aussicht auf Erfolg hat (dank der gängigen „Nuts-or-Sluts“-Ansicht), sieht er die einzige Chance auf Erfolg in einer Sammelklage – etwas, das es noch nie zuvor in der US-Rechtsprechung in diesem Bereich gegeben hat. Von da an ist nahezu die gesamte Stadt gegen sie – aus Angst, dass die lebenswichtige Miene geschlossen werden könnte. Verleumdungen, Lügen und Drohungen nehmen Überhand. Der Prozess beginnt, aber keiner will sie (u.a. aus Angst vor Kündigung) unterstützen…

„North Country“ ist einer dieser Filme, bei denen man sich als Mann angesichts der Thematik unweigerlich nicht sonderlich wohl fühlt, denn letztendlich stellt das eigene Geschlecht das eindeutige Problem dar – auch wenn man selbst ganz anders denkt und handelt als die gezeigten Personen bzw klar auf Seiten der Opfer steht. Unweigerlich werden Empfindungen erzeugt: Mitleid vermischt sich mit Wut, wenn man in dieser Form aufgezeigt bekommt, was täglich überall auf der Welt (noch immer) geschieht. Die Stärken resultieren aus der Glaubwürdigkeit der Situationen. Seitzmans Skript, welches drei Zeitebenen (Josies Jugend, ihren Neuanfang nach der Ehe sowie den Prozess) umfasst, bietet intensive Emotionen ohne manipulierenden Beigeschmack. Die komplexen Beziehungen zwischen einzelnen Personen berühren unaufgedrängt – sei es zwischen Josie und ihrem Sohn, der nicht unter ihrem Job leiden will und sie deshalb ebenfalls gar als eine Hure beschimpft, die Frauengemeinschaft, welche bis zur Existenzbedrohung zusammenhält, oder das Verhältnis von Vater und Tochter. Gerade letzterer Aspekt bleibt in Erinnerung: Als Josie mit Prügelspuren im Gesicht wieder daheim einzieht, fragt er sie „He caught you with another man? That's why he laid hands on you?“ Das schmerzt, nicht nur ihr. „You can actually ask me that question?“, erwidert sie nur. Eine Antwort bekommt sie nicht. An anderer Stelle hält er eine sehr persönliche Ansprache vor den Mitarbeitern, nachdem seine Tochter gerade die Firma verklagt hat. Solche gefühlsstarken Szenen sind es, die dieses Drama (gemeinsam mit den verkörpernden Darstellern) tragen. Man wird unweigerlich in den Verlauf hineingesogen, erhält den gesamten Leidensweg präsentiert, ohne dass dieser je ausgeschlachtet wird. Die Augenblicke im Gerichtssaal bilden da (weitestgehend) keine Ausnahme. Der Zweck dieser 126 Minuten besteht darin, den Zuschauer zu bewegen – fraglos erfüllen sie diesen.  

Oscar-Preisträgerin Charlize Theron´s Leistung kann man (mal wieder) einfach nur als „absolut herausragend“ umschreiben, wodurch sie beweist, dass ihr der Spagat zwischen anspruchsvollen und eher Kommerz-orientierten Produktionen (wie „Aeon Flux“) mühelos gelingt. Nach „Monster“ vermag sie erneut voll und ganz in die Rolle einer Person zu schlüpfen, die sich weit entfernt von dem glamourösen, wunderschönen Geschöpf befindet, welches sie eigentlich im „normalen Leben“ ist. Als eine hart arbeitende, allein erziehende Mutter agiert sie genauso überzeugend, so dass das Bild des Zuschauers zu keiner Zeit irritierend angekratzt wird. Man nimmt ihr die Figur anstandslos ab – dieses Mal ganz ohne künstliche Hässlichkeit, sondern nur mit einem Verzicht auf Make-up, einer billigen Frisur und ihrer Ausstrahlung. Die großen und kleinen Emotionen beherrscht sie perfekt, wie auch die feinen Details (Blicke, Gesten, die Art der Aussprache etc), welche das Gesamtbild abrunden.

Ihr zur Seite steht eine nicht minder bemerkenswerte Ensemble-Cast, klar angeführt von dem starken Richard Jenkins (bestbekannt als (verstorbener) Dad in TV´s“6 Feet Under“). Er spielt Josies (innerlich zwischen Liebe und Enttäuschung hin und her gerissenen) Vater, der sich seinen wahren Gefühlen einfach nicht zu stellen vermag, kraftvoll und intensiv – die Szenen zwischen ihm und Theron gehören zu den stärksten des Films. Ein weiterer zentraler Part (der von Glory) wurde mit Frances McDormand („Fargo“) treffend besetzt. Sie kann sich ebenfalls schauspielerisch voll entfalten – sowohl vor als auch nach Ausbruch ihrer Krankheit. Ich habe mich zudem gefreut, Sissy Spacek („Carrie“) mal wieder zu sehen. Zwar bietet ihr das Skript nicht gerade viel Raum, doch das schmälert ihre Ausstrahlung als liebevolle, altmodisch erzogene Mutter nicht im Geringsten, welche sich irgendwann mit einer wichtigen Entscheidung in ihrem Leben konfrontiert sieht. Sean Bean („National Treasure“), Gott sei dank mal kein Villain oder Verräter, spielt Glorys Mann angemessen zurückhaltend, wodurch er aber wenig Eindruck hinterlassen kann. Jeremy Renner („Dahmer“) erweckt die gewünschte Verachtung angesichts seiner Verhaltens- und Handlungsweisen, was auch für Xander Berkeley (TV´s“24“) und Chris Mulkey („Sub Down“) gilt, nur dass dessen Parts als wandelnde Klischees daherkommen. Aus der Riege von Josies Co-Arbeiterinnen ragt vor allem Michelle Monaghan („Kiss Kiss Bang Bang“) als Sherry heraus, die (trotz aller Pein) einfach nur ihren Job machen und hoffentlich mit der Zeit eine harte Schale entwickeln will. Michelle hat einige kraftvolle Momente, und man wird in Zukunft sicher viel von ihr hören – weit über „M:I 3“ hinaus. Last, but not least, wäre da noch Woody Harrelson („the People vs Larry Flint“): Früher eine lokale Berühmtheit im Eishockey, ging er fort nach New York und wurde Anwalt. Nun, mit einer Ehe in Trümmern, kehrt er in die heimatliche Provinz zurück, um sein Leben neu zu ordnen – dass das Zeit braucht, sieht man an der Tatsache, dass er gar die sehr begehrliche Sherry zurückweist, was jene nicht gewohnt ist. Nach und nach findet er an Josie Gefallen, bleibt dabei aber vorsichtig zurückhaltend, fast schüchtern. Als sie ihn um (berufliche) Hilfe bittet, willigt er (anfangs widerwillig) ein – dann jedoch nur aus dem Grund, dass er einen Präzedenzfall schaffen und somit Geschichte schreiben will, was er ihr gegenüber offen zugibt. Schade, dass Harrelsons Karriere etwas ins Stocken geraten ist – als Schauspieler ist er echt gut.
 
Regisseurin Niki Caro, welche zuvor den Preis-gekrönten „Whale Rider“ inszenierte, gelingt eine authentisch wirkende Veranschaulichung eines vom Bergbau abhängigen Ortes (inklusive dessen Einwohner) am Ende der 80er Jahre, als Angst vor der Arbeitslosigkeit das Denken (vor allem in jenem Industriezweig) beherrschte. Zwar hatte die Emanzipationsbewegung bereits Erfolge erzielt, allerdings noch nicht das Denken der Menschen verändert – schon gar nicht auf dem Lande. Arbeitende Frauen waren nicht gern gesehen („It involves lifting, driving, and all sorts of other things a woman shouldn't be doing, if you ask me. But the Supreme Court doesn't agree.“), weshalb sie fast zwangsläufig zu Lust- und/oder Hassobjekten degradiert wurden. Für die Männer gehörte das Verhalten „einfach mit dazu“. Wenn sie in „ihr“ Revier eindringen, müssen sie halt damit leben. Die Atmosphäre ist, wie die Umgebung, kalt – und dieses stimmige Bild wird treffend unterstützt von der schönen Kameraarbeit Chris Menges´(„the Pledge“), welche viele Vogelperspektiven nutzt, um dem Betrachter einen Eindruck der rauen Landschaft Minnesotas (in Wahrheit fanden die Dreharbeiten in den Bergen New Mexicos statt) zu vermitteln, sowie dem hörenswerten Score von Gustavo Santaolalla („21 Grams“).

Trotz allem fallen leider einige Probleme ins Auge, die dem Film die Bezeichnung „meisterhaft“ verwehren: So stark die Charakterzeichnungen der Frauen auch sein mögen – die der Männer sind es nicht. Hank und Bill kommen noch ganz gut weg, Kyle gerade mal so passabel (letztere beiden sind recht „soft inside“), aber abgesehen von ihnen handelt es sich bei allen anderen um Verbindungen aus Stereotypen und Klischees. Der Einstieg ist leicht sperrig geraten, da man sprunghaft verschiedene Sequenzen vorgesetzt bekommt (Rückblenden, Szenenwechsel etc), welche man erst einmal in einen ordnenden Kontext bringen muss. Das geschieht zwar folgend ganz natürlich (wirklich gestört hat es mich nicht), doch auffällig war es schon. Die Wahl der letzten Momente (vor den unausweichlichen Texttafeln) wirkt befremdlich, da vom Inhalt her nicht schlecht, jedoch irgendwie ungewöhnlich. Der Schlussakt entfaltet sich (nahezu erwartungsgemäß) recht konventionell: Man kann sich den Emotionen des Verlaufs keineswegs entziehen und erhält zugleich zusammen mit der Hauptprotagonistin eine „Genugtuung/Entschädigung“ für die vorherigen (deprimierenden) Leiden – allerdings ist ein bestimmter „Dead Poets Society“-Moment (zumindest für mich) inzwischen überreizt worden und erscheint mir hier einen Tick zu unrealistisch (selbst wenn er seinen Zweck voll erfüllt). Ungeachtet dieser „Fleck-Erscheinungen“ ist Niki Caro ein wirklich gutes Werk gelungen, das auf der Gefühlsebene alles richtig macht und zudem einen entscheidenden Schritt in der (US-) Gleichberechtigungs-Bewegung aufzeigt. Bis heute ist dieser Prozess (in den Köpfen) keineswegs abgeschlossen – und betrachtet man mal statt der geschlechtlichen die ethnische Variante dessen, lässt sich unschwer erkennen, dass dieser vermutlich noch lange andauern wird.

8 Narrenkappen


Screenshots:






Bild & Ton:
Der 2.35:1-Transfer überzeugt mit kräftigen, intensiven Farbtönen sowie einer guten Bildschärfe, was sowohl für die dunkleren Szenen innerhalb der Miene als auch für helle Außenaufnahmen gilt. Der Dolby Digital 5.1-Ton ist ebenfalls hochwertig: Die Dialoge des Films sind klar verständlich (gute Balance zwischen den Sprach- und Hintergrundlauten), der Score kommt angenehm zur Geltung, etwaige Gesteinssprengungen werden vom Bass wirkungsvoll übertragen und der Surround-Bereich leistet gute Arbeit beim Einsteuern von Arbeitslärm oder Stimmen (in der Kantine, dem Versammlungssaal etc).  


Menüs:
Zwar hat man bei der Gestaltung der Menüs auf jegliche Animationen bzw. Bewegungen verzichtet (sie sind also allesamt „starr“), was den Kapitelanwahl-Bereich mit einschließt (demnach nur Screenshots dort), aber die Motivauswahl gefällt mir, da man sie relativ schlicht sowie in kühlen Farben gehalten hat, was die Atmosphäre des Films gut widerspiegelt. Zudem erklingt im Hauptmenü ein Auszug aus dem hervorragenden Score, was den unaufdringlichen, aber stimmungsvollen Gesamteindruck wohlig abrundet.  




Extras:
Nach dem Einlegen der DVD laufen 2 Promo-Trailer von „Warner“ („Must love Dogs“ & „Monster-in-Law“) an, der Kinotrailer des Films ist ebenfalls vorhanden. „Stories from North Country“ (16 Min.) ist ein „Making Of“ mit leichtem Dokumentations-Charakter, denn man erhält neben Infos über die Umsetzung (die Darsteller mussten vor Drehbeginn einen Monat lang in einem kleinen Arbeiterstädtchen leben, um ein Gefühl für die Leute zu entwickeln etc) auch Berichte über das tatsächliche Verfahren, auf welchem der Film basiert. Das geschieht in Form einiger Interviews (u.a. mit der „echten“ Lois Jenson und anderen Beteiligten des Falles), welche durchaus informativ daherkommen (die Frauen berichten beispielsweise von den Hintergründen sowie dass sich die Verhandlung in einzelnen Momenten weit weniger dramatisch abspielte). Ich hätte mir eine längere Laufzeit gewünscht, doch wenigstens haben wir es nicht mit reinem Werbematerial für die Produktion zutun. 9 Deleted Scenes (nur in ihrer Gesamtheit anwählbar) laufen insgesamt rund 11 Minuten lang (in Widescreen) – sie sind einigermaßen interessant, außerhalb des Kontextes (also für sich allein betrachtet) allerdings nicht sonderlich nachhaltig.



 4 Narrenkappen ,5


Fazit:

Film:  „North Country“ ist ein bewegendes, toll gespieltes Drama über die Ereignisse, welche zu der ersten „Sexual Harassment“-Sammelklage gegen ein Großunternehmen in der amerikanischen Rechtsgeschichte geführt haben  … starke
8 von 10.
 
DVD:  Wie bei größeren „Warner“-Veröffentlichungen üblich, kann man sich über die Bild- und Tonqualität nicht beklagen, während ich mir hingegen etwas mehr Bonusmaterial gewünscht hätte (ein Audiokommentar wäre nett gewesen, da sich alle Beteiligten scheinbar stark für das Projekt eingesetzt haben). Neben dieser „Widescreen“-Edition ist ebenfalls eine „Fullscreen“-Variante erschienen. Insgesamt also eine (meiner Meinung nach) als „gut“ zu bewertende DVD.  

Film:  8 Narrenkappen
DVD:  6 Narrenkappen ,5
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Vince
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Debakelvince


« Antwort #1 am: 16. März 2006 um 17:25 »

Geschockt Den haben die Amis schon auf DVD?


Zitat
„North Country“ basiert auf der wahren Lebensgeschichte von Lois Jenson, welche die erste Sammelklage in der Geschichte der USA wegen sexueller Belästigung am Arbeitsplatz eingereicht und damit einen markanten Präzedenzfall geschaffen hat.


Schon dein erster Satz sagt mir, dass ich mit dem Film mal gar nix anfangen kann... das ändert aber nichts an deinem gewohnt feinen Review.  Zwinkern
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dÆmonicus
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Dragon


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« Antwort #2 am: 16. März 2006 um 17:54 »

Tolles Review. Aber ich machs dem Vince nach: nix für mich.  Sehr glücklich
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StS
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Obsessed with the "mess" that's America


« Antwort #3 am: 16. März 2006 um 18:04 »

Danke, Leute!  Sehr glücklich

Hab den Film zum Besprechen hauptsächlich aus 2 Gründen ausgesucht:
1.)  Er ist sehr gut.
2.)  Man soll mir ja auch nicht vorwerfen können, ich würde nur Horror-Streifen präsentieren...
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Schade, dass das Werk bei der Oscar-Vergabe nicht punkten konnte...

@ Vince & daemonicus: Aber Ihr mögt doch auch (ab und an) anspruchsvollere Dinger - und dazu noch Charlize Theron UND Michelle Monaghan...  Zwinkern
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dÆmonicus
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Dragon


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« Antwort #4 am: 16. März 2006 um 18:08 »

Ich mag schon anspruchsvolle Dinger (oder die ich dafür halte  Sehr glücklich ). Aber das Thema interessiert mich nicht zur Zeit nicht. Irgendwann ansehen werd ich ihn mir schon. Ausserdem mag ich Michelle lieber locker (stimmungsmässig) und luftig (klamottenmässig).  Lautes Lachen
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StS
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Obsessed with the "mess" that's America


« Antwort #5 am: 16. März 2006 um 18:09 »

Zitat von: "daemonicus"
Ich mag schon anspruchsvolle Dinger (oder die ich dafür halte  Sehr glücklich ). Aber das Thema interessiert mich nicht zur Zeit nicht. Irgendwann ansehen werd ich ihn mir schon. Ausserdem mag ich Michelle lieber locker (stimmungsmässig) und luftig (klamottenmässig).  Lautes Lachen


Na gut - "stimmungsmäßig locker" ist rein gar nichts an diesem Film...
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Sir Khan
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« Antwort #6 am: 16. März 2006 um 18:17 »

Für Deine Arbeit stehe ich auf und spende eine Runde Applaus. Vielen Dank für Deine Mühe!
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Vince
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Debakelvince


« Antwort #7 am: 16. März 2006 um 18:42 »

Zitat von: "daemonicus"
Ich mag schon anspruchsvolle Dinger (oder die ich dafür halte  Sehr glücklich ). Aber das Thema interessiert mich nicht zur Zeit nicht. Irgendwann ansehen werd ich ihn mir schon. Ausserdem mag ich Michelle lieber locker (stimmungsmässig) und luftig (klamottenmässig).  Lautes Lachen


Genauso hätt ichs auch ausgedrückt.  Zwinkern
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« Antwort #8 am: 16. März 2006 um 18:45 »

Zitat von: "Sir Khan"
Für Deine Arbeit stehe ich auf und spende eine Runde Applaus.

Danke! Sehr glücklich

Zitat von: "Sir Khan"
Vielen Dank für Deine Mühe!

Bitte! Jederzeit wieder...  Zwinkern
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kaiserfranz
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« Antwort #9 am: 16. März 2006 um 19:07 »

Alle Daumen hoch!!!! Klasse Review! Der Film interssiert mich sehr, weil ich zur Zeit auch in einem Industriebetrieb arbeite. Da ist mir bisher nur eine Frau übern Weg gelaufen. Zwinkern Ich glaube auch, dass Frauen in solchen Betrieben in der Tat oft nen schweren Stand haben. Ist auf jeden Fall ein interessantes Thema.

Gruss
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freeman
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« Antwort #10 am: 17. März 2006 um 16:31 »

Einer der Filme dieses Jahr, die mir im Kino zwar ausgesprochen gut gefallen haben, zu denen ich aber kein Review schreiben wollte. Kommt ziemlich häufig vor in letzter Zeit ... Stimme mit deiner Wertung weitesgehend überein und würde dem auch 4 Kappen vermachen ... Die Charlize hätte ich im Endeffekt auch lieber auf dem Podest der Academy gesehen als Reese und ich bin sicher: Wäre da nicht der Oscar für Monster gewesen, hätte sie ihn für den Film bekommen ...

In diesem Sinne:
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Porter
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« Antwort #11 am: 23. März 2006 um 17:50 »

Super Review.   Respekt!
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Porter

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« Antwort #12 am: 23. März 2006 um 17:59 »

Zitat von: "Porter"
Super Review.   Respekt!

Danke!  Sehr glücklich
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kaiserfranz
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« Antwort #13 am: 30. Juni 2006 um 03:27 »

Hab den Film jetzt auch mal gesehen. Ich beziehe mich jetzt einfach nochmal auf deine Review. Den Inhalt sehe ich genau wie du, auch wenn mich die stereotype Darstellung der Mienenarbeiter nicht stört, weil sie einfach nicht den Mittelpunkt der Geschichte darstellen. Klischees lassen sich bei solchen Filmen auch nur schwer vermeiden.

Mir gefiel an dem Film besonders die Heraussstellung der Gruppendynamik. Dabei meine ich besonders Hank und einen von Josey's Arbeitskollegen. Den beiden merkt man die ganze Zeit an, dass sie den Frauen helfen wollen aber es einfach nicht können, weil sie befürchten von ihrem Umfeld nicht mehr akzeptiert zu werden.

Von mir kriegt der Film:

 8 Narrenkappen ,5

Dass die Review klasse ist, habe ich ja schon vor 3 Monaten geschrieben. Zwinkern

Gruss
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« Antwort #14 am: 30. Juni 2006 um 08:38 »

Zitat von: "kaiserfranz"
Dass die Review klasse ist, habe ich ja schon vor 3 Monaten geschrieben. Zwinkern

Na, dann wiederhole ich einfach auch mein "Danke" von damals...  Zwinkern
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Porter
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« Antwort #15 am: 20. Mai 2007 um 16:41 »

Hab mir mittlerweile meine RC3 auch angeschaut und bin von dem Streifen ebenfalls begeistert, vor allen Dingen die Wandlungsfähigkeit von Charlize Theron überrascht mich immer wieder, bis dato hat sie mich diesbezüglich in all ihren Filmen überzeugt.

Einzig und allein die Szene als der Vater öffentlich seine Tochter in Schutz nimmt war mir zu amerikanisch und hat man schon tausendfach gesehen, ansonsten uneingeschränkt empfehlenswert.

 8 Narrenkappen ,5

Edit: Finde deine Review sehr gelungen, wie zuvor erwähnt, und bin mir jetzt nicht mehr sicher ob ich den Streifen bereits im "Zuletzt gesehen"-Thread bewertet hatte, deswegen hab ich es nochmal nach oben gerückt.
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Porter

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« Antwort #16 am: 20. Mai 2007 um 17:00 »

Zitat von: "Porter"
Finde deine Review sehr gelungen, wie zuvor erwähnt

Danke. Hört man immer wieder gern!  Sehr glücklich
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Vince
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Debakelvince


« Antwort #17 am: 01. Juli 2007 um 18:37 »

Ich sehe gerade, dass ich vor gut einem Jahr noch meinte, das wär nix für mich... genug Interesse, dass ich mir günstig die DVD zulege, war aber dann doch da und ich bin eigentlich nicht enttäuscht worden, obwohl nicht alles Sonnenschein ist, was die Wertung angeht.
Denn der ganze Rahmen ist überraschend stereotyp. Das "basierend auf wahren Begebenheiten" reißt ja immer recht viel raus, den Vorwurf des Klischees muss sich diese Arbeit seine Konstruktion betreffend dennoch gefallen lassen. Angefangen bei der schweren Vorgeschichte der Frau bis zum Abspann mit Texttafeln, was dann noch so geschehen ist, lässt "North Country" nicht viel aus, was man so allgemein von einem Film mit dieser (zugegeben schwierigen) Thematik erwartet.
Was sich vom Klischee dann distanziert, ist aber doch ein Großteil der Darstellergarde, die zu den Identifikationsfiguren gehört. Allen voran selbstverständlich die herausragende Charlize Theron, die eine fantastische Leistung bringt, meines Erachtens eine, die ihrer umjubelten Rolle in "Monster" locker den Rang abläuft. Auch ich würde weiterhin noch Richard Jenkins herausheben, dessen Rolle vom Drehbuch zwar nicht ganz so gut geschrieben ist, doch das ändert nichts an seiner herausragenden Leistung. Woody Harrelson und Frances McDormand (beide ebenfalls sehr stark) sehe ich sowieso immer gerne und ja, selbst Sean Bean ist mal wieder in einer etwas ugewöhnlicheren Rolle zu sehen.
Schade, dass dem (und den tollen Bildern aus der nordamerikanischen Eislandschaft) ein derart eindimensionaler Ablauf entgegensteht, der das Gesamtbild im Endeffekt eben doch leider arg runterzieht.
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