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Autor Thema: Nine Inch Nails - And All That Could Have Been  (Gelesen 5959 mal)
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Vince
Steelbook
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Beiträge: 4.348


Debakelvince


« am: 23. Februar 2006 um 00:02 »

Nine Inch Nails
And All That Could Have Been



Technische Daten
Vertrieb: Nothing
Regionalcode: 0
Laufzeit: 50:37 Min. (Disc A) + 34:57 Min. (Disc B)
Regie: n/a
Darsteller: Trent Reznor, Charlie Clouser, Jerome Dillon, Robin Finck, Danny Lohner
Bildformat: 4:3
Sprachen: DD 5.1 Englisch, DD 2.0 Englisch
Untertitel: Keine
Freigabe: FSK 12

Film



Lange hat’s gedauert, bis es endlich so weit war und NIN-Mastermind Trent Reznor das erste Live-Event seiner Band in DVD-Form auf die Welt losließ. Der Release von “And all that could have been” verzögerte sich mehrfach, längst geifernde Fans wurden immer wieder vertröstet, bis es dann so weit war und ein sehr schönes, aber auch happig besteuertes Produkt auf den Markt kam - dem sich aber trotz des hohen Preises wohl kaum ein Fan verwehren konnte, denn als Perfektionist, der er ist, hat Reznor da ein hochwertiges, äußerst edles Stück veröffentlicht.

Enthalten sind rund eineinhalb Stunden Live-Material aus der “Fragility 2.0"-Tour von 2000. 18 Songs von “Pretty Hate Machine” bis “The Fragile” werden hier ekstatisch abgefeiert wie ein grandioses Feuerwerk und machen die Doppel-DVD alleine inhaltlich zum unvergleichlichen Erlebnis, das sich von den grandiosen Studioalben nochmals abzuheben vermag - und das, ohne die Songs auf der Bühne überhaupt drastisch zu verändern. Im Wesentlichen sind die Unterschiede zu den Album-Versionen nur marginal, denn Veränderungen waren überhaupt nicht nötig, um einen Neuwert zu erschaffen.

Das hat mehrere Gründe. Zunächst einmal gerät hier die technische Komponente ins Spiel, die man unmöglich einfach nur separat in einer Bild- und Tonbewertung abhandeln kann, weil sie einen nicht zu verachtenden Effekt auf die Wirkung der Aufnahmen haben. Ja, man muss gar die Menügestaltung mit einbeziehen... es ist unglaublich, aber eine derartige Gänsehaut und eine solche Vorfreude hat mir bislang noch kein DVD-Menü bescheren können. Da vernimmt man bereits einzelne Soundfragmente, die sich, von etwas zurückgedrängt, den Weg in die Lautsprecher bahnen konnten. Da will etwas entfesselt werden. Reznor ist Ästhet, und so ist man von dichtester Atmosphäre aus visuellen und akustischen Reizen bereits gefangen, bevor man überhaupt die Möglichkeit hatte, den “Start”-Button zu drücken.
Dem entspricht auch die audiovisuelle Umsetzung des Konzertes. Wenngleich ich das durchaus gute Bild nicht unbedingt wie einige andere Rezensenten als “brillant” bezeichnen würde, so ist doch wenigstens der Sound eine einzige alles niedermähende Wucht. Man mag solche Phrasen vielleicht nicht mehr hören können, aber man steht da wahrhaftig mitten in der Zuschauermenge, schreit, schwitzt, riecht den Schweiß der Meute und atmet dicke Luft. Schon rein technisch ist es ein absolutes In-Depth-Erlebnis, was Reznor selbst mit seinen Kollegen da am heimischen Computer zusammengemixt hat in wochenlanger penibler Detailarbeit. Man hört es aus jeder Pore. Vieles, was sich “live” schimpft, ist es nicht... dies hier ist es aber zweifellos.

Befassen wir uns nun mit dem Inhalt, so stoßen wir auf eine hervorragende Bühnenshow. Reznor  erscheint beim ersten Song wie eine Mischung aus einem Bauarbeiter und “The Crow”, und dem stehen seine Kollegen Charlie Clouser, Jerome Dillon, Robin Finck und Danny Lohner in nichts nach. Nach nur wenigen Songs hat der Schweiß seine Arbeit getan, um Reznor seine Maske zu nehmen - der Mann ist hier in seinem Element, denn er schreit, schlägt sich das Mikro gegen seinen Kopf und rennt herum wie ein Wahnsinniger. Wenngleich er einer der wenigen Künstler ist, die sich dazu bekennen, auch die Studioarbeit von ganzem Herzen zu lieben, so schließt dies doch nicht seine Liebe zur Live-Preformance aus.

Das Song-Spektrum ist basierend auf den drei Eckpfeilern “Pretty Hate Machine”, “The Downward Spiral” und “The Fragile” eine groteske Mutation von Reznors Seelenleben, das er mit den drei Alben schön geordnet konzipiert hat, um es hier miteinander verschmelzen zu lassen.  Eingeleitet wird das Konzert mit einer “Pretty Hate Machine”-Phase bestehend aus “Terrible Lie” und “Sin”, bevor mit den “Schweine-Songs” vom Spiral-Album nach vorne geprescht wird, mitten durch die dunkle Spirale bis hin zur Fragilität, die in dem atmosphärisch hervorragend eingefangenen “The Wretched” vom “Fragile”-Album ihren lautstärkemäßigen Höhepunkt findet. Ebenfalls “The Fragle” entspringt dann eine bedächtige, melancholische Phase aus “La Mer” und “The Great Below”, die aber nur die Halbzeit markiert. In der zweiten Hälfte folgt ein Brecher nach dem anderen, darunter der Magnet “Closer”, die Maschinengewehrsalve “Head like a Hole” und der interstellare Sternenkrieg “Starfuckers, Inc.”, bevor mit dem vollkommen isolierten “Hurt” auf persönlicher Ebene der traurige Abschluss gebildet wird.

Gewissermaßen ist hier von der Songauswahl her und von der Bühnenperformance ein Tryptichon auszumachen. In der rasenden Spirale des Anfangsdrittels bestimmen knallige Strobelights den Rhythmus, schwingen hin und her wie irre und vermelden ein packendes Tempo, das dem Industriellen der Band am nächsten kommt. Der sanfte Mittelteil wird visualisiert durch Video-Impressionen von Bill Viola, der auf drei Leinwandtafeln kleine Geschichten erzählt, die sich optisch der Stimmung der Songs und auch des Covers von “The Fragile” anpassen. Wir sehen Regentropfen, die auf der Wasseroberfläche aufschlagen, die Farbespirale eines Sonnenuntergangs und eine Blume, die im Zeitraffer erblüht. Der letzte Teil des Konzertes ist gewissermaßen eine Mischung der ersten beiden Teile - zwischen den Vorantreibern um “Starfuckers, Inc.” befinden sich immer wieder gemäßigtere Stücke wie das klavierbetonte “Just like you imagined”.

Positiv sticht die einfache Identifikation der einzelnen Instrumente hervor - bedingt natürlich wiederum durch den perfiden Sound - durch welche jedem Instrument eine spezielle Position zuzuteilen ist und die doch zu einer unglaublichen Symbiose finden. Der Sound ist einfach noch einen Tick anders als auf den Studioalben, er gewinnt der Band noch neue Facetten hinzu, neue Bedeutungsfelder, durch die sich im Endeffekt sogar die Texte neuen Interpretationsmöglichkeiten zuwenden.

Es ist schlicht und einfach eine fantastische Collage bestehend aus vielen der besten NIN-Songs überhaupt und mehr als treffend ausgewählten Zwischenpassagen, die jedem, der nicht persönlich an diesem Konzert teilgenommen hat, die Möglichkeit geben, dieses Konzert nachzuempfinden. Wer dagewesen ist, wird glauben, ein Dejà Vu zu erleben, so stark ist der Sog, den diese Bilder und diese Töne loslassen. Einen intensiveren, echteren Flashback kann man mit den derzeitigen technischen Möglichkeiten einfach nicht rekonstruieren.
Danke.
 10 Narrenkappen

Screenshots






Bild
Das Bild stammt von Mini-DV-Kameras und ermöglicht zweifellos einen guten Blick auf das Geschehen bei einer Dokumentform, die traditionell eher mit schwächerer Bildqualität gesegnet ist. Intern kann man deswegen durchaus sagen, dass sich die digitale Bearbeitung gelohnt hat, denn die Farben leuchten prächtig, was speziell bei den Viola-Impressionen positiv auffällt, und sämtliche Effekte kommen gut zur Geltung. Der Kontrast ist ansprechend und ansonsten ja immer ein großes Problem bei Konzerten, Verunreinigungen gibt es nicht. Wenn man nun aber von “brillant” oder “perfekt” spricht, so könnte das zu falschen Erwartungen führen. Speziell die Bildschärfe ist nicht einmal annähernd mit einer Kinoproduktion zu vergleichen. Diesen Vergleich muss sich eine Live-Aufnahme natürlich auch nicht gefallen lassen, aber es sei darauf hingewiesen, das man sich nun keine Wundertaten erwarten sollte.
 6 Narrenkappen  ,5

Ton
Der Sound ist dann wohl die größere Empfehlung wert, denn besser hätte man dieses Ding wohl kaum abmischen können. Alle Instrumente sind einzeln lokalisierbar und verschmelzen doch im Gesamtbild zu einer Einheit. Die Zuschauer erzeugen Live-Atmosphäre in Reinform. Der Bass erzeugt ein Gänsehaut erregendes Brummen. Trent Reznor kreischt sich im Center die Seele aus dem Leib, während die restlichen Compadres entsprechend ihrer Anordnung auf der Bühne auf die verschiedenen Kanäle verteilt wurden. Die Kanäle werden damit allesamt voll ausgereizt und haben über die komplette Laufzeit mächtig zu tun, was zur Folge hat, dass man sich niemals aus dem Geschehen gerissen fühlt - abgesehen von dem Moment des DVD-Wechsels, da das Konzert leider auf zwei DVDs verteilt wurde - wenn dabei dann aber der Speicherplatz für einen derart guten Sound geopfert wird, nimmt man diese kleine Störung gerne in Kauf.
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Menüs




Wahnsinn. Künstlerisch hegte man ja schon viele Erwartungen durch die Artworks und Aufmachungen der Alben, aber was man in diesem Menü durch reinsten Minimalismus bekommt, ist schon außerordentlich. Animationen scheinen nämlich zunächst kaum vorhanden zu sein, bis sich dann nach längerer Zeit irgendwo was regt, dass man es kaum mitbekommt. Das tiefschwarz gedruckte NIN-Logo prangt in der oberen rechten Ecke, scheint fast auseinanderzulaufen, bewegt sich in Wirklichkeit aber gar nicht; manchmal flackert der Hintergrund. Der wiederum besteht aus unscharfen und scharfen Fragmenten, was eine plastische Tiefe erzeugt, die wiederum die Illusion zur Folge hat, dass sich da etwas bewegt, auch wenn dem nicht immer so ist - ein Auge, ein Stachel oder was auch immer. Dabei sind die Motive kaum zu definieren.
Untermalt wird dieses alleine optisch höchst atmosphärische Szenario durch fast schon gruselig-ätherische Soundabmischungen, die sich ändern, wenn man zwischenzeitlich in Untermenüs war und wieder zurück ins Hauptmenü geht. Sei es nun eine Spannungsleitung, Seufzen, Uhrenticken... es ist fast unheimlich, dieses Menü, und es ist, zumal die Navigation sehr gelungen ist, trotz der geringen Animationen eines der besten, wenn nicht das beste, das ich je auf einer DVD bewundern durfte.



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Extras
Die DVD kommt, um zunächst auf die Verpackung einzugehen, in einem optisch einwandfreien silbernen Digipack. Ein Booklet gibt es leider nicht, dafür eine Plastikplakette, die auf die Linke geklebt wurde mit einigen schwer lesbaren Hinweisen zur DVD und den darauf enthaltenen Aufnahmen.
Die Extras halten sich in Grenzen - es gibt zunächst die Möglichkeit, einige der Songs mit multiplen Kameraeinstellungen zu betrachten (La Mer, The Great Below, The Mark has been made). Weiterhin steht es frei, sich zu Beginn jedes Songs den jeweiligen Titel einblenden zu lassen.
Auf der zweiten DVD ist zudem ein Audiokommentar von Künstler Bill Viola anwählbar, der die Videosequenzen erklärt, die im Hintergrund bei manchen Songs ablaufen.
Den Abschluss macht eine Fotogalerie.
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Fazit
Auch wenn gerade bei einem Doppel-DVD-Set mit einem Konzert von gerade einmal eineinhalb Stunden gerne noch ein paar Extras mehr dabei hätten sein dürfen, ist dieses Set eine Offenbarung für NIN-Fans. Über Verpackung, Menüs, technische Umsetzung und Inhalt handelt es sich hier um ein kleines Gesamtmeisterwerk, das in so ziemlich jeder Hinsicht einfach nur perfekt ist. Dass das Konzert auf zwei DVDs verteilt ist, kann man insofern verschmerzen, als dass der Speicherplatz anderweitig gut genutzt wurde: Das Bild ist gut und der Sound haut komplett weg, so dass man direkt in dieses Konzert hineingesogen wird. Reznor & Co. liefern darüber hinaus eine bemerkenswerte Show ab, die gleichermaßen effektetechnisch wie von der Songauswahl her zu begeistern weiß. Für den Anfangspreis von rund 40 Euro ist sicherlich zunächst eine Überlegung erforderlich; die derzeitigen knapp 20 Euro kann man für dieses hochwertige Produkt aber in jedem Fall ausgeben.
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DVD-Player: Pioneer XV-DV313 5.1 Komplettsystem
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Taran-tino
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« Antwort #1 am: 23. Februar 2006 um 00:25 »

Coole Sache, werd ich mir vormerken.
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StS
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Obsessed with the "mess" that's America


« Antwort #2 am: 23. Februar 2006 um 00:31 »

Jip, göttliche Musik pur!  Cool
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Carlito
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Knack und Back


« Antwort #3 am: 23. Februar 2006 um 17:17 »

cool, auf der Scheibe is auch mein Favouritsong von denen druf. Sehr glücklich
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dÆmonicus
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Dragon


« Antwort #4 am: 23. Februar 2006 um 17:31 »

Respekt!  Muss ich mir wohl noch zulegen.
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Vince
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Debakelvince


« Antwort #5 am: 23. Februar 2006 um 18:34 »

Zitat von: "Carlito"
cool, auf der Scheibe is auch mein Favouritsong von denen druf. Sehr glücklich


 Sehr glücklich  Darf man fragen, welcher?
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