DVDnarr.com

Reviews => Musik (Tonträger) => Thema gestartet von: gelini71 am 24. März 2013 um 16:27



Titel: Depeche Mode - Delta Machine
Beitrag von: gelini71 am 24. März 2013 um 16:27
(http://ecx.images-amazon.com/images/I/51NPrpYE9cL._AA115_.jpg)
Columbia / Sony Music 2013

Offizielle Depeche Mode Webseite (http://www.depechemode.com/)

• Dave Gahan - Gesang
• Martin Gore – Keyboards, Gitarre, Gesang
• Andrew Fletcher – Keyboards, Backing Vocals

Produziert von Ben Hillier
Aufgenommen in den Sound Design Studios, Santa Barbara (USA) und  Jungle City, New York (USA)

Tracklist
01. Welcome to my World – 4:56
02. Angel – 3:58
03. Heaven – 4:03
04. Secret to the End – 5:09
05. My little Universe – 4:23
06. Slow – 3:45
07. Broken – 3:55
08. the Child inside – 4:14
09. Soft Touch / Raw Nerve – 3:23
10. Should be Higher – 5:04
11. Alone – 4:27
12. Soothe my Soul – 5:17
13. Goodbye – 5:03

Bonustracks der Deluxe Edition
01. Long Time Lie – 4:23
02. Happens all the Time – 4:19
03. Always – 5:05
04. All that´s Time – 3:24 

Gesang bei “the Child inside” Martin Gore
 
 
:narr9:
(http://img40.imageshack.us/img40/9862/200px.gif)
Sperrig – Kantig – Anders – Vertraut – Überraschend – Enttäuschend (für manche) – alles auf einmal in knapp 58 Minuten   

Depeche Mode sind schon fast konservativ was ihr 13. Studioalbum in ihrer langen Karriere angeht:
- Der VÖ Zeitraum von Album zu Album hat sich mittlerweile vier Jahre eingependelt
- Produzent ist wieder Ben Hillier
- Aufgenommen wurde wieder in Santa Barbara und New York
- Das Cover und Artwork stammt wie immer von Anton Corbijn
- Von Martin Gore stammen zehn Songs (bezogen auf das reguläre Album)
- Von Dave Gahan stammen wieder drei Songs (auch bezogen auf das reguläre Album)
- Martin Gore singt eine Ballade
- und Andrew Fletcher.....ist weiterhin Andrew Fletcher :lol:
Das klingt auf dem Papier jetzt nach Buisness as usual – doch Halt, so einfach ist es nicht. Depeche Mode wären nicht Depeche Mode wenn sie den Hörer doch überraschen würden. Und das tun sie auf „Delta Machine“ öfters als einem lieb ist, gleichzeitig pflegen sie ihren alten Tugenden für die man sie kennt (und liebt...oder hasst...oder beides gleichzeitig).

Nun sind Depeche Mode Fans die wohl kritischsten die man sich vorstelle kann und kaum war das Album auf dem Markt (bzw Online verfügbar) wurde es auch ausgiebig in seine Bestandteile auseinander genommen. Und in den meisten Fällen kommt es bei diesen Meinungen nicht sehr gut weg. Immer noch heulen unzählige Hardcore Fans Alan Wilder hinterher, immer noch sind Fans sauer darüber das Depeche Mode kein zweites „Violater“ produziert haben, man stört sich an dem Soundbild, das ein offensichtlicher Hit fehlt und so weiter und so langweilig.

Eines ist „Delta Machine“ aber auf keinen Fall: schlecht, um dies mit aller Deutlichkeit zu sagen. Nur eben anders – eher sperrig, kantig, ja schwierig. Wer erwartet denn ehrlich von Depeche Mode ein Album was den Sound der frühen 90iger wiederaufleben lässt, wo doch altbekannt sein sollte das sich der Sound von Depeche Mode im Laufe der letzten 30 Jahre immer weiter entwickelt hat ? Keiner – außer ewig gestrige Fans denen man es sowieso nicht Recht machen kann.

Sicherlich kann man über die erneute Wahl von Ben Hillier als Produzent geteilter Meinung sein, ich persönlich hätte auch lieber etwas frisches Blut auf dem Produzentenstuhl gehabt. Da aber die drei mit ihm wohl offensichtlich klarkommen muß man damit leben. Die Endabmischung kommt dagegen wieder von Flood, der nach langer Zeit wieder ein Depeche Mode Album abgemischt hat.

Beim Durchhören fällt auf das Dave Gahan und Martin Gore den Chorgesang wiederentdeckt haben – fast jeder Song ist im Refrain zweistimmig. Ebenfalls auffällig ist die stark betonte Bluesgitarre die dem ganzen ein ziemlich Rockiges Kleid gibt, gleichzeitig ist „Delta Machine“ wieder sehr Elektronisch verspielt. Ebenfalls auffällig der fast vollständige Verzicht auf einen leicht bekömmlichen 4/4 Beat – es herrschen eher ungerade Taktarten vor, was dem reinhören sicherlich nicht förderlich ist. Die Gitarren sind verzehrt und dreckig, die Bässe sind durchweg sehr tief, fast Dubstep mäßig.

Die Produktion ist sehr Detailreich mit vielen kleinen Wiederhaken in den Arrangements. Und wie immer braucht das ganze Zeit sich zu entfalten. Wer nach einmal Durchhören direkt fünf potentielle Hitsingles erwartet ist bei „Delta Machine“ bei der falschen Adresse gelandet. Depeche Mode machen es dem Hörer diesmal nicht leicht, mit dem Material warm zu werden. Das Album braucht einige Zeit und Durchläufe bevor es richtig zündet und man sich ein Urteil erlauben kann. 30 Sekunden Samples von Onlineshops sind absolut nicht aussagekräftig und sollten auf keinen Fall zur Urteilsbildung benutzt werden.

Hat man sich da mal reingearbeitet kommen die Hits – „Welcome to my World“, ein böses dunkles Bassmonster mit einem sehr minimalen Musikalischen Korsett. Das sehr minimalistische, mit einer Acidlinie am Ende ausgestattete „My little Universe“, das schwärmerische „Secret to the World“ oder „Should be Higher”, das mit einem Megarefrain ausgestattet ist den man nur so von Depeche Mode bekommt. Oder die beiden Bluesrocker „Angel“ (hier jetzt in seiner endgültigen Fassung) oder „Slow“. Die zweite Single „Sooth my Soul“ ist ein schön flotter Song (und einer der wenigen mit 4/4 Beat) und die erste Single „Heaven“ gefällt mir persönlich immer besser. „Soft Touch / Raw Nerve“ wird Live sicherlich die Mitsinghymne werden während „Alone“ einer dieser Songs ist wo man einfach darauf wartet das es richtig losgeht, dies aber nicht passiert. Und mit einem „Goodbye“ endet das Album – ob der Titel ein Wink mit dem Zaunpfahl ist wird wohl erst die Zukunft zeigen.

Vom Songmaterial her leistet sich „Delta Machine“ kaum einen Ausfall, lediglich die Standart Martin Gore Ballade „the Child inside“ ist vom Niveau her etwas schwächer. Ansonsten kaum ein Füller oder gar Leerlauf in der Laufzeit. Und es gibt eine Premiere – zum ersten Male fällt das Songmaterial von Gahan nicht negativ im Kontext auf. Wo man früher merkte von wem welcher Song war hat sich Gahan diesmal sehr stark an Gore angenähert. Aus Gahan wird wohl doch noch ein guter Songschreiber.

Neben einer Standartfassung gibt es noch eine Deluxe Version des Albums. Es gibt bei dieser eine Buchverpackung und mehr Fotos sowie noch eine Bonus CD mit vier weiteren Songs – einer von Gore, zwei von Gahan und einer Gemeinschaftsarbeit der beiden. Die vier Songs sind etwas elektronisch verspielter („Always“ mit seinen Piepgeräuschen ist sicherlich nicht jedermanns Sache) und sind wie „All that´s time“ (das ja schon von der Heaven Single bekannt ist) ganz nett, aber jetzt auch nicht zwingend notwendig bzw geben keine neuen Impulse.. Zwar hätten die 17 Minuten Gesamtspielzeit der Bonus CD locker auch auf die reguläre gepasst, aber dann wäre es ja auch nicht „Deluxe“. :wink:

Tja – wer schon mit „Heaven“ oder „Angel“ im Vorfeld nix anfangen konnte der braucht sich das Album gar nicht erst anhören, denn der wird es direkt schlecht finden. Ebenfalls ist dieses Album nix für die Wir wollen Alan Wilder zurück Fraktion. Wer ohne eine Erwartungshaltung und möglichst frei von Vorurteilen an dieses Album rangeht, sich die Zeit nimmt die Songs wachsen zu lassen und einfach mal das ganze auf sich wirken lässt (am besten über Kopfhörer)...ja, der bekommt mit „Delta Machine“ wieder ein richtig gutes Depeche Mode Album. Ist wie eine Flasche Wein – öffnen, atmen lassen und langsam genießen. Gefällt mir selber besser als „Sound of the Universe“.

Erschienen als Standart CD, Deluxe Version mit Bonus CD und Buchverpackung, Download sowie als Doppelvinyl im Gatefoldcover und zusätzlichen MP3 Downloadgutschein (Vinylfassung enthält alle 17 Songs der Deluxe Fassung). 

Anspieltips: Welcome to my World, Should be Higher, My little Universe, Alone