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Autor Thema: A lonely Place to die  (Gelesen 1251 mal)
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StS
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Obsessed with the "mess" that's America


« am: 13. September 2011 um 19:07 »



Entstehungsdaten:
GB 2011

Regie:
Julian Gilbey

Darsteller:
Melissa George
Sean Harris
Ed Speleers
Stephen McCole
Holly Boyd
Karel Roden
Eamonn Walker

Trailer


Vier Jahre nach seinem tendenziell eher „verkorksten“ Hooligan- Schrägstrich Gangster-Flick „Rise of the Footsoldier“ meldete sich der britische Regisseur Julian Gilbey 2011 in Gestalt des hier nun zur Besprechung vorliegenden Survival-Action-Thrillers „A lonely Place to die“ in der cineastischen Öffentlichkeit zurück: Einer famosen kleinen Genre-Produktion, mit welcher ihm (dieses Mal) ein wahrer Volltreffer gelungen ist...

Erzählt wird die Geschichte der fünf Bergsteiger Alison (Melissa George), Rob (Alec Newman), Ed (Ed Speleers), Alex (Garry Sweeney) und Jenny (Kate Magowan), die gemeinsam in der prächtigen Natur der schottischen Highlands ihren bewusst „auf Abenteuer getrimmten“ Urlaub verbringen. Aufgrund widriger Wetterbedingungen entschließen sie sich am zweiten Tag jedoch erst einmal zu einem „ruhigeren“ Trip durch flacheres Terrain, im Zuge dessen sie irgendwann (per Zufall) die Hilferufe der jungen Anna (Holly Boyd) vernehmen – einem serbischen Mädchen, welches jemand zuvor inmitten der Wildnis in einer Kiste (mit einem zur Luftversorgung noch aus der Erde ragenden Rohr) vergraben hatte. Obwohl sie kein Wort Englisch spricht, wird den „Befreiern“ sofort klar, dass sie so rasch wie nur möglich dort weg müssen, weshalb sie umgehend zur nächsten Siedlung hin aufbrechen – das aber in zwei Gruppen geteilt, da der direkte Weg eine Steilwand hinabführt: Während jener von Rob und Alison genommen wird, folgen die anderen (mit der entkräfteten Anna) der „einfacheren Route“, auf welcher sie Rettungskräfte später dann auch leichter lokalisieren können würden – allerdings bleibt das „Verschwinden“ der Kleinen seitens ihrer Kidnapper (Stephen McCole und Sean Harris) nicht lange unbemerkt, worauf eine gnadenlose Hetzjagd entbrennt, die bald schon erste Todesopfer fordert. Parallel dazu verkompliziert sich die ganze Angelegenheit gar noch weiter, als drei vom Vater der Entführten beauftragte „Experten“ (Karel Roden, Eamonn Walker und Paul Anderson) vor Ort in der Region eintreffen, um sich der Sache auf ihre Weise anzunehmen – was prompt in einem erbitterten Katz&Maus-Spiel zwischen den unterschiedlichen Parteien resultiert…

„A lonely Place to die“ eröffnet mit einigen atemberaubend schönen Landschaftsimpressionen sowie einer für den anschließenden Verlauf charakteristischen (und nicht minder imposant anzusehenden) Klettersequenz, die einem direkt von Beginn an nicht nur deutlich vor Augen führt, dass jeder unachtsame Moment in dieser ebenso abgeschiedenen wie fordernden Umgebung äußerst fatale Folgen haben kann, sondern auch dass die verantwortliche Filmcrew nahezu keinerlei Mühen gescheut hat, um dem Publikum die Geschehnisse so authentisch es nur geht zu präsentieren – also frei von irgendwelchen unglaubwürdig-überzogenen Aktionen der Protagonisten sowie künstlich ausschauenden CGI- oder Green-Screen-Kompositionen, wie sie ja u.a. in „Cliffhanger“ oder „Vertical Limit“ des Öfteren zu finden sind. Im Vorfeld der Dreharbeiten trainierte sich Gilbey umfangreiche Fähigkeiten und Fertigkeiten im Bereich des Kletterns an – was fraglos dazu beigetragen hat, die Faszination und Anspannung (etwa durch die kontinuierliche Abhängigkeit von der Ausrüstung und dem eigenen Geschick) wie auch die allgegenwärtige Gefahr dieses Extremsports (z.B. im Angesicht loser oder herunterfallender Steine) derart wirkungsvoll zu vermitteln. Zwar bloß mit einem limitierten Budget gesegnet, dafür aber ein höchst engagiertes Team (Akteure, Stuntleute, Techniker etc.) vor und hinter der Kamera aufweisend, arrangierten Gilbey und sein Cinematographer Ali Asad („Doghouse“) eine Vielzahl klasse anzusehender Einstellungen, welche (wahlweise) die tollen natürlichen Locations und/oder die jeweilige „emotionale Stimmung des Augenblicks“ (á la Furcht, Sorge, Anstrengung oder Verzweiflung) überaus treffend einzufangen vermochten. Vorzüglich erfüllt die Kombination aus eleganten Helikopter-Shots und ganz nahe am Geschehen (zum Teil aus der „Ego-Perspektive“ heraus) gefilmten Aufnahmen ihren Zweck: Man ist quasi mitten drin, statt nur dabei – was den Puls des Zuschauers (entsprechend) unweigerlich in die Höhe treibt und somit eine Menge zum umfassenden Sehvergnügen beisteuert…

Im Gegensatz zu anderen (vergleichbaren) Veröffentlichungen verzichtet das Werk auf eine übers Nötigste hinaus reichende „Kennenlernphase“ – stattdessen werden die Figuren (kurz und bündig) im Rahmen nur weniger Szenen eingeführt: Primär hat sich die Gruppe in dieser Konstellation zum Ausüben ihres gemeinsamen Hobbys zusammengefunden, weshalb sich Einzelne (an sich) nicht sonderlich vertraut sind und überdies auch kleinere Spannungen untereinander bestehen – u.a. musste Alison Ed gerade erst wegen seines „Leichtsinns am Berg“ zurechtweisen und können er und Alex sich per se nicht unbedingt gut leiden. Melissa George („30 Days of Night“) beweist einmal mehr, dass sie ein feines Händchen bei der Auswahl ihrer Projekte besitzt und diese in Gestalt ihrer Performances obendrein stets vernünftig zu „tragen“ vermag: Alison ist ebenso sympathisch wie tough, professionell und fokussiert – eine Rolle, die man Melissa in vollem Umfang abnimmt. Ed Speleers („Eragon“) verkörpert Ed, den unerfahrensten der Runde, ohne Veranlassung zur Klage, was in gleicher Weise auf Alec Newman („the Gene Generation“) als der immerzu geordnet und bedacht auftretende Rob sowie auf Garry Sweeney („the Acid House“) als Alex zutrifft – seines Zeichens der relativ einfach zu reizende Ehemann Jennys (prima: Kate Magowan aus „4.3.2.1“). „Wahre Tiefe“ erhält keiner von ihnen seitens des Skripts zugestanden – da dies jedoch zugunsten eines hohen Tempos (nahezu ohne „Ruhephasen“) geschah, sehe ich das persönlich aber nicht wirklich als ein „echtes Problem“ an. Zudem können einen einzelne unerwartete Verhaltensweisen auf diesem Wege zumindest noch überraschen – von der Tatsache mal abgesehen, dass es ab einem bestimmten Punkt ohnehin bloß (vorrangig) nur noch um Vertrauen sowie möglichst zügig und effektiv getroffene Entscheidungen geht…

Schon knapp 20 Minuten nach Filmbeginn kann die verängstige Anna bereits aus der Grab-ähnlichen Kiste befreit werden: Ihre Entdeckung dient als „Katalysator“ für alle daran anknüpfenden Ereignisse – injiziert ein unheilschwangeres Gefühl (u.a. von Dringlichkeit und Besorgnis) in die Handlung, und das nicht nur weil sich die Beteiligten augenblicklich über die Gefahr im Klaren werden, in der sie sich fortan befinden. Angesichts der Umstände ist das folgende Teilen der Gruppe sogar mal kein „ödes Klischee“, sondern ein sinnvoller Schritt – der aber nicht den erhofften Erfolg (sprich: ein schnelles Benachrichtigen der Behörden im nächsten Dorf) erzielt, als die beiden Entführer plötzlich auf der Bildfläche erscheinen und ohne jegliche Vorwarnung ihre extreme Gewaltbereitschaft zur Schau stellen. In dieser Phase wird es einem zunehmend deutlicher, wie geschickt Gilbey die Entfaltung der Geschehnisse gestaltet hat: Identität und „Hintergründe“ der Kidnapper werden etwa lange genug im Dunkeln belassen, um kleinere Spielchen mit dem Publikum zu treiben und zugleich gewisse Fragen hinsichtlich der „dritten Partei“ (ersprießlich) aufrecht zu erhalten. Nach und nach zieht er den sprichwörtlichen „Vorhang“ dann zurück und offenbart so verschiedene Eigenschaften, Ansichten und Motive, mit denen man in der präsentierten Form (eventuell) nicht gerade gerechnet hätte – z.B. was genau einzelne Leute antreibt, wie sie über spezielle Dinge denken oder auch wie sie (konkret) in so manch einer „kritischen“ Situation reagieren. Den Vorgaben des Drehbuchs entsprechend, werden die zwei erbarmungslosen „Jäger“ von Sean Harris („Isolation“) und Stephen McCole („Rushmore“) rundum akkurat dargeboten: Leider sind ihre Parts jedoch recht eindimensional geraten – ausgenommen einiger Facetten, die vor allem im Zuge eines Gesprächs im finalen Akt zutage treten, in welchem Harris (eindrucksvoll vorgetragen) über einen „misslungenen Deal“ berichtet, der ihm durchaus nahe gegangen ist, ohne letztlich aber die grundlegende Konsequenz seines Vorgehens zu beeinträchtigen…

Normalerweise hört einen keiner in der menschenleeren Wildnis jener entlegenen Region schreien – es sei denn, man hat wahnsinniges Glück, wie in diesem Fall Anna. Alison und den anderen bleibt da nur der kilometerlange Gewaltmarsch durch unwegsames, diverse natürliche Hindernisse und Gefahren (á la steile Böschungen, tiefe Schluchten oder einen reißenden Bachlauf) aufweisendes Gelände – in welchem ihre Verfolger allerdings klar im Vorteil sind, u.a. aufgrund ihrer präzisen Jagdgewehre (mit denen sie aus der Distanz „zuschlagen“ können) sowie einigen erlittenen Verletzungen auf Seiten der Gehetzten, welche sich dabei ja außerdem noch um das geschwächte Mädchen kümmern müssen. Sie auszuliefern kommt jedoch nie in Frage – und selbst der Gedanke, dass nichts von all dem passiert wäre, wenn sie sich einfach nicht eingemischt hätten, wird mit nur einem Satz (auf Dauer) verbannt: „Just look at that girl and tell me if you could have left her there!“ Mit der jungen Holly Boyd („the 4th Angel“) wurde jene Rolle übrigens absolut vortrefflich besetzt. Nach zwei „atemlosen“ Dritteln in den Weiten der Highlands mündet die Handlung schließlich in einem komplett neuen Szenario, als die (wenigen) Überlebenden am Abend ein kleines Städtchen erreichen – in welchem gerade das traditionelle keltische Übergangsfest Beltane gefeiert wird. Inmitten tanzender, bemalter, nackter und verkleideter Bewohner, lodernden Fackeln sowie Feuerwerk im nächtlichen Himmel entsteht eine eigenwillige, unübersichtliche, mit paranoiden und klaustrophobischen Elementen verdichtete Atmosphäre. Unter Beteiligung der inzwischen ebenfalls vor Ort eingetroffenen „entsandten Experten“, welche von Karel Roden („Hellboy“), Eamonn Walker („Lord of War“) und Paul Anderson („the Firm“) zwar solide verkörpert werden, an sich aber auch nur relativ schlichter Charakterbeschaffenheit sind, bricht daraufhin in den engen Gassen ein blutiges Chaos aus – mitsamt eines höheren Bodycounts und Action-Anteils als eigentlich (im Prinzip) erwartet…

Obgleich der Schlussakt etwas schwächer (weil konventioneller und nicht ganz so spannend) wie die vorherigen daherkommt, ist er dennoch (nicht allein wegen der bizarr anmutenden Festlichkeiten und der weiterhin hochklassigen Inszenierung) sehenswert und interessant – zumal Regisseur und Co-Autor Gilbey auch in dieser Phase geschickt mit bestimmten Erwartungshaltungen des Publikums „hantiert“. Mehrfach hat er während des gesamten Verlaufs (zuvor) bewiesen, dass nicht immer alles so ist, wie eventuell auf den ersten Blick gewähnt: Es ist ihm sogar gelungen, eine Traum-Sequenz auf inspirierte Weise ins Geschehen mit einzuflechten! Jede ansprechende Offenbarung, jeder Story-Schlenker und beseelter Einfall reichert den Unterhaltungswert dienlich an. Kletterpartien und Konfrontationen lassen einen mitfiebern – herabfallende Steine, Stürze und Schüsse zusammenzucken. Schlagartig und unerwartet entfalten sich spezielle Ereignisse, die man schlichtweg nicht kommen sieht – etwa weil sie weder durch Musik noch sonst irgendwie „verräterisch“ hergeleitet werden. Jederzeit könnte jemand einen faschen Schritt setzen oder von einer Kugel getroffen werden – generell ist die „Reihenfolge der Ableben“ kaum vorauszusagen. Wunderbar bebildert sowie mit einem stimmigen Score Michael Plowmans („Age of Heroes”) unterlegt, erzeugte Gilbey sowohl einen ausgeprägten Grad an Suspense als auch ein (u.a. dank punktgenauer Editing-Arbeit) derart zügig voranpreschendes Tempo, dass man über vereinzelte „inhaltliche Defizite“ (z.B. im Bereich der Dialoge oder Figuren-Ausgestaltung) wesentlich leichter hinwegzusehen bereit ist. Unterm Strich haben sich all die Strapazen und Mühen der an dem Projekt Beteiligten bzw. Mitwirkenden auf jeden Fall gelohnt: Gemeinsam ist ihnen nämlich eines der Genre-Highlights 2011 gelungen!

Fazit:  „A lonely Place to die“ ist ein harter, packender, spannender, atmosphärischer sowie straff und kompetent in Szene gesetzter Survival-Action-Thriller, der u.a. mit einer tollen Landschaftskulisse, fähigen Hauptdarstellerin sowie gleich mehreren Überraschungen entlang des Weges aufzuwarten vermag und daher (einzelnen Drehbuchschwächen zum Trotz) eine klare Empfehlung wert ist – und das nicht bloß für all jene, die sich ohnehin (allgemein) ganz gern Werke in der Tradition von „Shoot to Kill“, „Cliffhanger“, „Surviving the Game“, „Vertical Limit“, „Wounded“, „Vertige“ und/oder „King of the Hill“ ansehen…


8 Narrenkappen


« Letzte Änderung: 02. Juni 2014 um 18:32 von StS » Gespeichert

jackthursby
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« Antwort #1 am: 17. September 2011 um 17:56 »

Sehr schöne Kritik, der ich voll zustimme.
Auf dem Fantasy Filmfest kam der Film ja nicht so gut weg, von wegen vorhersehbar und Logiklöcher. Umso mehr freut es mich zu sehen, dass es auch Leute gibt, die die Qualitäten des Films erkennen. Gut gemacht!
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dÆmonicus
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Hokusai


« Antwort #2 am: 24. September 2011 um 10:33 »

Muss ich auch noch sichten. Mal sehen ob ich eure Meinung teilen kann.  Zwinkern
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Taran-tino
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« Antwort #3 am: 02. März 2012 um 19:25 »

Gestern gesehen und für gut befunden. Lustig fand ich eine Szene, in der die ganze Zeit ein Crewmitglied völlig unbehelligt im Hintergrund rum steht.  Lautes Lachen (Als der Typ mit der Kinderatrappe erschossen wird)
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