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Autor Thema: Dem Himmel so fern  (Gelesen 1796 mal)
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kaiserfranz
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Beiträge: 2.784



« am: 17. September 2005 um 02:07 »

Dem Himmel so fern



Technische Daten:

Vertrieb: Concorde

Regionalcode: 2

Laufzeit: 102 Minuten + ca. 20 Min. Bonusmaterial

Regie: Todd Haynes

Darsteller: Julianne Moore, Dennis Quaid, Dennis Haysbert, Patricia Clarkson,

Bildformat: 1,85:1 (anamorph)

Tonformat: Deutsch DD 5.1, DTS 5.1, DD 2.0, Englisch DD 5.1 OmU

Untertitel: Deutsch

Freigabe: FSK 6

Film:

Hartford, Connecticut im Herbst 1957 - Cathy Whitaker (Julianne Moore) ist der Mittelpunkt der Gesellschaft. Sie lebt mit ihrem Mann Frank (Dennis Quaid), dem erfolgreichen Chef der Magnatech TV Sales Company und ihren beiden Kindern ein scheinbar glückliches Leben in einem tollen Haus mit gepflegtem Garten. Ihr scheint es an nichts zu fehlen, bis sie eines Tages ihrem Mann, der mal wieder länger arbeiten muss, das Abendesen in die Firma bringt. Was sie dort sieht, lässt ihre heile Welt zusammenbrechen. Sie findet ihren Mann in den Armen eines männlichen Kollegen. Völlig verstört fährt sie nach Hause, um das Gesehene zu verarbeiten. Sie versucht das Problem mit ihrem Mann gemeinsam zu lösen. Sie suchen einen Arzt auf, der Frank von der "Krankheit" heilen soll. Frank ist die ganze Sache sichtbar peinlich, woraufhin er sich desöfteren in Alkohol flüchtet. Cathy, die ihrem Mann stets zur Seite steht, von diesem aber recht gefühlskalt behandelt wird, sucht Halt beim farbigen Gärtner Raymond (Dennis Haysbert). Raymond erweist sich als sehr verständnisvoll und verbringt von nun an einige Zeit mit Cathy in der Öffentlichkeit. Die gesellschaftliche Reaktion in dem vom Rassismus geprägten Hartford lässt nicht lange auf sich warten.



Kritik:

Wenn man den Film einlegt, denkt man zuerst, der Film müsse doch in den 50ern produziert worden sein. Die Kamerafahrten, sanften Schnitte und Dialoge errinnern einfach zu sehr an bekannte Filme dieses Jahrzehnts. Die eigentlich rothaarige Julianne Moore trägt in dem Film die Haarfarbe der damaligen Stilikonen Grace Kelly oder Doris Day. Sie wirkt wie die Bilderbuch-Hausfrau. Sie lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen, ist stets für ihren Mann, die Kinder und die Gesellschaft da. Die scheinbar ungetrübte Idylle wird durch den Augenblick zerstört, in der Frank's Homosexualität zu Tage tritt. In diesem Moment platzt Cathy's Traum vom perfekten Familenleben wie eine Seifenblase. Sie muss sich von nun nicht nur Gedanken machen, wie sie das Problem mit ihrem Mann löst sondern auch darüber, dass die Gesellschaft nichts darüber erfährt. Homosexualität gilt im Hartford der 50er als Krankheit, was durch die Szene verdeutlich wird, als die Whitakers einen Arzt aufsuchen, um Frank zu heilen. Homosexuelle bilden in dieser Zeit genauso eine Randgruppe wie Schwarze. Darum gerät Cathy auch bald in die Kritik der Gesellschaft, da sie viel Zeit mit dem farbigen Gärtner Raymond verbringt. Er scheint der einzige Mensch zu sein, der sie und ihre Probleme versteht. In den Momenten, wo Cathy mit den Vorurteilen der Gesellschaft konfrontiert wird, hat Julianne Moore ihre besten Momente. Die scheinbar so verletzliche Hausfrau kennt keine Rassenschranken und bringt dies auch zum Ausdruck. Für sie spielt Hautfarbe keine Rolle. Ebenfalls überzeugt Dennis Quaid, der seine Homosexualität nicht länger unterdrücken kann, obwohl er weiß, welche gesellschaftliche Konsequenzen dies für ihn hat. Seine innere Zerrissenheit bringt er sehr gut rüber. Der sympathische Dennis Haysbert, der dem TV Publikum besonders durch seine Rolle in der TV Serie "24" bekannt sein dürfte, macht seine Sache ebenfalls sehr gut.

Der eigentliche Star des Films ist für mich die fantastische Inszenierung selbst. Man muss sich immer wieder vor Augen halten, dass dies eine Produktion von 2002 ist. Man stellt sich die Vorstadt Idylle im Amerika der 50er genau so vor wie im Film dargestellt. Die atemberaubend schönen Herbstbilder werden unterstützt von einem absolut passenden und sehr schönen Soundtrack von Elmer Bernstein.

Die perfekte Inszenierung, die durch die Bank hervorragenden schauspielerischen Leistungen und die Tatsache, dass solche "altmodischen" Filme heutzutage nur noch sehr selten gedreht werden, lassen mich zur vollen Punktzahl greifen.

 10 Narrenkappen



Bild:

Um den 50er Jahre Look herzustellen, wurde an Schärfe etwas gespart, um die beeindruckenden Bilder etwas weicher zu machen. Die durch diesen Look etwas mangelnde Schärfe möchte ich hier nicht als Kritikpunkt anbringen, da es vom Regisseur beabsichtigt erscheint. Gelegentliches Rauschen senkt das ansonsten sehr schöne Bild auf

 8 Narrenkappen

Ton:

Der Ton wird bestimmt durch Bernsteins stimmigen Soundtrack, der dezent die Soundkulisse beherrscht. Da der Film ansonsten genretypisch ausschließlich von Dialogen geprägt ist, ist soundtechnisch hier natürlich kein Feuerwerk zu erwarten. Die Stimmwiedergabe ist jedoch sehr gut. Insgesamt

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Extras:

Das Bonusmaterial ist nicht sonderlich spektakulär aber dennoch informativ. Es gibt den obligatorischen Kinotrailer in Deutsch und Englisch, einen "Hinter den Kulissen" Bericht, Cast & Crew Infos einschließlich Interviews, Produktionsnotizen, eine Fotogalerie und noch Trailer weiterer Filme aus dem Hause Concorde. Reicht gerade noch für

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Fazit:

"Dem Himmel so fern" ist ein Film, der nicht jedem gefallen wird. Dem einen ist er schlichtweg langweilig, da er bewusst nicht den heutigen Sehgewohnheiten entspricht. Auf hektische Schnitte und schnell voranschreitende Handlung wird verzichtet. Der Regisseur lässt sich bei der Darstellung der Vorstadt Idylle sehr viel Zeit, um den Zuschauer dann durch das Aufdecken von Frank's Homosexualität zu schockieren.

Den anderen, die Filme mit dem langsamen Erzählstil, ruhigen Schnitten und der weichen Inszenierung dieser Zeit sowieso mögen, wird der Streifen auf jeden Fall gefallen.

Von mir gibt es jedenfalls mal ne dicke Kaufempfehlung, zumal es den Streifen bereits für 8€ gibt! Hoffe, die Review hat euch gefallen. Sehr glücklich

Testequipment:

DVD-Player: Panasonic DVD-S35

AVR: Kenwood KRF-V5060D

TV: 4:3 Philips (70 cm)

Boxen: Universum

Gruss
kaiserfranz
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etzt schüttet Euch die Brühe nicht einfach in den Darm, sondern danket dem Herrn! - Jetzt reichts, beim Saufen lässt du den Meister aus'm Spiel. Wenn der hier wäre, würde er genauso schlucken wie wir, aber er ist nicht hier!

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Gast
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« Antwort #1 am: 17. September 2005 um 07:48 »

Man merkt, dass dir der Film gefallen hat! Sehr schönes Review!


btw: In der Filmkritik selbst fehlt beim Wort "Scharze" das w.
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Hannibal
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« Antwort #2 am: 17. September 2005 um 10:00 »

Sehr schöne Filmkritik, die sofort das Interesse bei mir für den Film weckt. Das Mitwirken von Dennis Haysbert trägt noch mehr dazu bei Zwinkern

MFG
Hannibal
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my body lie, but still I roam...
Vince
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Debakelvince


« Antwort #3 am: 17. September 2005 um 12:56 »

Ich kann mich nur anschließen: Schön das Wichtigste auf den Punkt gebracht. Obwohl ich den Film nicht kenne, finde ich nämlich auch, dass es mehr solcher Filme braucht, die sich den Sehgewohnheiten, die ja nicht mehr selten auf schnellschnittigen MTV-Style ausgelegt sind, entgegenläuft. Und ein recht junger Film komplett im 50er-Jahre-Style ist ja wirklich recht außergewöhnlich. Zumindest, wenn der Film versucht, das Feeling einfach nur realistisch rüberzubringen und nicht wie z.B. bei "Zurück in die Zukunft" oder "Pleasantville" dieses Feeling auch ein bisschen zu persiflieren. Hat ja beides seinen Reiz.
Spätestens bei einer TV-Ausstrahlung werde ich mir den Film mal geben.
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