
Ich habe soeben meine dritte koreanische Fernsehserie beendet und möchte zu diesem Anlass wieder ein paar Worte loswerden. Nach "Freeze" und "The Devil" war es diesmal "The Snow Queen", ein vom Genre her klassisches Liebesdrama aus dem letzten Jahr. Um ehrlich zu sein bin ich immer noch etwas von der Rolle, denn was Lee Hyung-Min, Regisseur der Hitserie "I'm sorry, I love you" hier geschaffen hat, ist ein Meisterwerk allererster Güte. Wenn es im Serienbereich zu Liebesdramen oder Dramen allgemein kommt, trifft man oft auf Abneigung und viele Vorwürfe, scheinbar beladenen Kitsch und ein Feeling, die Serie sei so klebrig das man mit der Nase am Fernseher festhängt.
Diese Querelen kann ich hier erst einmal aussen vor lassen, denn negatives oder anrüchiges Geschwätz hat "The Snow Queen" nicht verdient. 16 Episoden ist sie lang und erzählt die Geschichte von Han Tae-woong, einem Mathegenie, der seinen besten Freund Jung-gyu verliert, nachdem er den internationalen Mathepreis gewonnen hat. Seither gibt sich Tae-woong die Schuld an Jung-gyu's Tod und lebt fortan ein Leben als Han Deuk-gu. Er schliesst sich einer kleinen Boxgemeinschaft an und versucht seine Vergangenheit zu vergessen. Acht Jahre später trifft er auf Kim Bora, die Tochter des Präsidenten einer Einkaufshalle, die vor niemandem Respekt hat und Leute stets wie ein Haufen Dreck behandelt. Durch Zufall erlangt er einen Job als Fahrer bei ihrer Familie...
Ich denke das reicht als sehr sehr grobe Inhaltsbeschreibung, um nichts zu verraten. Sicherlich klingt die Story nicht allzu innovativ, aber wie sie umgesetzt wurde zählt. Ich fange am besten direkt bei dem an, was die Serie so besonders macht: Die Schauspieler. Hyun Bin, den ich vorher noch nie sah, tritt als Han Tae-woong/Deuk-gu in Aktion, während Sung Yu-ri, die vorher einer berühmten Popgruppe angehörte, Kim Bora verkörpert. Man kann das, was die beiden in diesen 16 Episoden leisten, nie und nimmer hoch genug bewerten, bejubeln und beschreiben, selbst wenn man es hartnäckig versucht. Die Gefühle der beiden dringen zum Zuschauer ohne Halt vor - aber auch die Entwicklung der dargestellten Charaktere ist bemerkenswert. Bora wird immer symphatischer und süßer, während man Deuk-gu bereits als Kumpel gewonnen hat.
Aber es sind nicht nur Hyun Bin und Sung Yu-ri, die diese Serie machen. Hinzu kommen Bora's Vater, gespielt von Cheon Ho-jin, den man aus vielen koreanischen Kinofilmen kennt (A Dirty Carnival, Daisy, Crying Fist, Once Upon a Time in Highschool, etc), sowie all die Freunde im Boxverein, wie auch Arzt Seo Gun-woo, gespielt von Im Joo-hwan, der zuvor mit Hyun Bin im Film "A Millionaire's First Love" vor der Kamera stand. Seine Leistung war neben den beiden Hauptdarstellern die Beeindruckendste meiner Meinung nach, da er in gewisser Weise der Dritte im Bunde zwischen Deuk-gu und Bora war. Man verbringt gerne Zeit mit ihnen und es gibt keinen einzigen Charakter, den ich nicht gemocht habe. Jeder ist für seine Art symphatisch, und in schwierigen Situationen hat man keine andere Möglichkeit als mitzuleiden.
Langeweile kam in keiner Episode auf, wobei es mal zügigere, mal gemächlichere Momente gab, aber das sollte bei über 16 Stunden Material wohl normal sein. Für die Serie habe ich übrigens fünf Tage gebraucht und war jeden Tag stets am Ball. Das Ende der meisten Episoden ist ausserdem wieder so gestrickt, dass man einfach weiterschauen muss, wie schon in "The Devil" zuvor. Im Laufe der Serie gibt es einige Überraschungen und spannende Wendungen und es ist nicht immer leicht für alle Charaktere. Die Musik in "The Snow Queen" trägt einen Großteil zum hervorragenden Gesamtergebnis bei. Der Soundtrack ist grandios und die Songs sind nicht nur wunderschön, sondern gehen unter die Haut. Alles zusammen schafft dann wirklich Momente, in denen es einem eiskalt den Rücken herunterläuft und man erst einmal schlucken muss. Gänsehautgarantie ist absolut gegeben und wenn ganz zum Schluss noch einmal die schönsten Szenen aus allen Episoden gezeigt werden, und eines der tollen Stücke gespielt wird, muss man schon mit seinen Tränen kämpfen. Schlichtweg überwältigend und es ist sehr schade, dass die Serie schon wieder vorbei ist.
Ich bin mehr als froh, dass ich den Schritt in die Welt koreanischer TV-Serien gewagt habe. Denn wie schon "The Devil" zuvor, der gezeigt hat, wie das Mystery/Thrillergenre auf seinem Gipfel auszusehen hat, so tut "The Snow Queen" dasselbe im Dramabereich. Meilenweit besser als all die Kinofilme, die nahezu endlos auf einen herunterrieseln, schafft es die Serie den Zuschauer auf einem Niveau und in einer Art und Weise zu berühren, die seinesgleichen sucht. Optisch ist "The Snow Queen" übrigens sehr ansprechend gemacht und wirkt keinesfalls billig. Im Gegenteil - sie bietet eines der schönsten Openings, dass ich je gesehen habe und viele Bilder sind einfach nur zum träumen. Wer mal wieder ein Drama sucht ohne albernen Scheiss und sonstigen Strapazen, der sollte sich dieses herausragende Werk unbedingt ansehen. Schlichtweg fantastisch und absolute ohne Einschränkungen zu empfehlen!
Wie auch die koreanische DVD Box von KBS/ENE Media, die seit Anfang November verfügbar ist. Sie umfasst 9 DVDs - auf den ersten acht Scheiben befinden sich jeweils zwei Episoden, die letzte Disc dient als Bonusmaterial, welches ich mir aber noch nicht angesehen habe. Qualitativ gibt es hier nur Gutes zu berichten, denn die Bildqualität ist, hands down, überragend. Aktuelle koreanische Kinofilme sehen ja schon super aus, aber das hier toppt es echt. Meiner Meinung nach ist das Bild sogar noch einen Tick besser als das von "The Devil": Unglaublich scharf, kontrastreich, satte Farben und ganz leichtes, nur in gewissen Szenen auftretendes Rauschen. Wirklich beeindruckende Qualität, die ich so selten erlebt habe. Der Ton ist ebenso gelungen. Wie für TV-Serien üblich liegt er hier in Dolby Digital 2.0 vor, aber weder sind die Dialoge, noch die Musik zu laut oder zu leise. Es passt immer und der Klang ist perfekt. Waren die Untertitel bei "The Devil" oftmals fehlerhaft, so gibt es hier nahezu nichts auszusetzen. Die Anzahl der Fehler ist hier sehr gering und auch nicht allzu störend, wie bei eben genannter Serie. Schriftart und Geschwindigkeit sind identisch mit DVDs von EnterOne, also kann man schon ungefähr erahnen, was einen erwartet.
"The Snow Queen" kommt als große und sehr schick gestaltete Box mit seitlichem Magnetverschluss. Wenn man die Box aufklappt, kann man zwei größere Hüllen entnehmen. Die erste Hülle bietet Disc 1-5, Hülle 2 Disc 6-9. "Hülle" klingt etwas ungenau, ich weiß - stellt euch am besten 5 bzw. 4 Slim Cases vor, die man seperat aufklappen kann. Oder seht einfach selbst:
Serie und DVD Box sind somit klarer Gewinner. Hyun Bin und Sung Yu-ri haben sich in mein Herz gespielt und ich kann es kaum abwarten, sie wieder zu sehen. Sung Yu-ri ist ab Januar in der kommenden Serie "Hong Gil Dong" zu sehen, was mich natürlich sehr freut. Eine fantastische Schauspielerin, wie auch eine ungemein süße und schöne Frau, auch in ihrer kommenden Serie:

Zu "The Snow Queen" bleibt mir nichts mehr zu sagen, ausser, dass ich mich schon auf das nächste Schauen freue. Kamsahamnida Bora-sshi kurigo Tae-woong-sshi. Annyeong hi-kaseyo!!!

Zum Abschluss ein paar schöne Ausschnitte mit englischen Untertiteln. Die Erinnerungen daran sind einfach wunderschön.
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Clip 1-
Clip 2