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Autor Thema: Kritik zu Halloween  (Gelesen 1992 mal)
0 Mitgliedern und 2 Gäste betrachten dieses Thema.
freeman
Kinothekar
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« am: 28. Oktober 2007 um 23:30 »

Halloween



Originaltitel: Halloween
Produktionsjahr: 2007
Herstellungsland: USA
Regie: Rob Zombie
Darsteller: Malcolm McDowell, Brad Dourif, Tyler Mane, Daeg Faerch, Sheri Moon, William Forsythe, Richard Lynch, Udo Kier, Scout Taylor-Compton, Danielle Harris

Michael Myers ist zurück! Und diesmal mussten sich die Drehbuchautoren gar keine Gedanken darüber machen, wie sie das Ableben ihres "Helden" im vorhergehenden Teil möglichst radebrechend erklären. Nein, diesmal beschloss man gleich: Lasst uns das grandiose Original remaken. Denn Remakes sind gerade voll in ... das Ergebnis ist dann wieder einmal typisch für den derzeit grassierenden Remakewahn in Tinseltown: Hier und da ist das Ergebnis schon hui, im Großen und Ganzen ist es aber ziemlich pfui.

Dabei macht Drehbuchautor und Regisseur Rob Zombie zunächst alles richtig und verlegt sich auf das, was er seit Devil's Rejects anscheinend am besten kann: Die Zeichnung oder besser Überzeichnung der amerikanischen White Trash Kultur, die mit einigen sehr einprägsamen Szenen um die Streitigkeiten am familiären Küchentisch an die Nieren zu gehen weiß und nebenbei scheinbar den Versuch unternimmt, den "Fuck"rekord aus Zombies Vorgängerfilm bereits in den ersten fünf Minuten zu toppen. Schrecklicherweise entpuppen sich diese ersten Minuten nicht als ein Versuch des Neuanfanges und der Neuverortung des Franchises in einem bisher unangetasteten Milieu. Mitnichten. Was wir hier verfolgen, ist die wenig subtile Bebilderung des Weges vom kleinen Fratz Michael zum riesigen Killerklops.


Und dabei lässt Zombie wirklich keine einzige Klischeeuntiefe aus. Hässlich war der kleine Michael (und wie ... er erinnert massivst an den kleinen fetten Kelly Family Spross, der Angel gesungen hat) und wird darum von niemandem für voll genommen, sehe er doch wie ein Mädchen aus. Das findet auch der dauerbesoffene Vater, der Muttern gerne unterbuttert und den ganzen Tag nur vor der Glotze hängt. Die Schwester sieht in Michael auch eher einen Klotz am Bein und die Mitschüler betrachten ihn als geeignete Prellwand für ihre Aggressionen. Kein Wunder, dass der sensible kleine Trottel ausklinkt und seine Hausratten killt. Dann Hunde, Katzen und irgendwann den Klassenrowdie. Und siehe da: Michael findet seine Bestimmung, killt alle störenden Familienmitglieder und wandert in die Psychiatrische. Was Zombie mit diesem viel zu langem Prolog bezweckte, weiß anscheinend nur er allein. Will er Mitleid für Michael wecken? Soll jener die Identifikationsfigur sein? Brauchen wir das? Eigentlich nicht, denn so entzaubert der Film die riesige Killermaschine und macht sie von dem scheinbar unberührbaren Monstrum zum fetten Fratz, bei dem man jede Minute Angst hat, er könne zu singen beginnen. So treibt Zombie recht unverblümt die Entmystifizierung seines Michael Charakters voran ... ohne echte Begründung für dieses Vorgehen.

Obendrein wird es im darauffolgenden Klappsenabschnitt nicht besser. Denn Zombie treibt ausgerechnet JETZT seinen Michael Charakter nicht mehr an. Michael verharrt komplett in der "hässlicher Junge kommt mit Welt nicht klar" Phase und erlaubt uns keinerlei Einblicke in seine Psyche. Denn ganz ehrlich, wenn mich etwas interessiert hat, dann die Beweggründe Michaels, nicht sein Background. Die Erklärung, warum er eigentlich tötet. Ist es der Machtrausch, den man hat, wenn man ein Leben beendet? Bedeutet der Akt eventuell gar nichts und ist das Töten mehr eine Art Trieb? Oder ist es gar der Moment des Sterbens, in dem das Opfer sein Leben aushaucht, selbst? Immerhin hatte Michael von jeher die Angewohnheit, seine Opfer ausgiebig beim Sterben zu betrachten. Doch das scheint Zombie nicht zu interessieren. Und damit führt er letztendlich seinen Ansatz, hinter den Mythos Michael Myers schauen zu wollen, vollkommen ad absurdum. Viel mehr noch, Michael wird ihm in dem nun folgendem Metzelshowdown vollkommen egal werden.


Denn wenn Michael nun versucht, seine verbliebene Familie wieder zu vereinen, mutiert der Kelly Family Fettklos zu Wrestler Tyler Mane. Der androgyne Knirps wird zum Einmannrollkommando, das schonmal ganze Häuser einreißt, um an die Objekte seiner Begierden zu kommen. Das sind meist knackige Körper im Teenageralter, die vergnügt kopulierend durch die weitere Handlung pimpern und den Film im vollkommenen Stillstand ankommen lassen. Nichts geht mehr ... außer Michael Myers, der seine Opfer verfolgt. Diese werden NULL charakterisiert, bleiben gesichts- und eigenschaftslos und dienen nur als Kanonenfutter für den wie tollwütig tobenden Killermann. Spätestens jetzt braucht niemand mehr den Prolog, denn was sollte er uns in Bezug auf dieses Gemetzel sagen? Dass dieser ziemlich rabiat killende Knallkopp auch nur ein Mensch ist, der es ach so schwer hatte? Falls ja, dann aua ...!

Wenn dann sogar Laurie Strode, im Original noch die Hauptfigur, einzig und allein als Babysitterin verortet wird, ist der Film ganz unten angelangt. Dass sich so keinerlei Form von Spannung in den Film verirrt, dürfte klar sein und mehr noch: Hier und da trampelt Zombie selbst jede Form von Spannung tot, indem er Michael einen hochtourigen Bodycount abliefern lässt, der zeitgenössischen Actionfilmen die Schamesröte ins Gesicht treiben sollte. Dabei ergeht er sich in einer nicht enden wollenden Eintönigkeit, die irgendwann nur noch massiv abstumpft und in ihrer Monotonie unempfänglich für das Treiben auf der Leinwand macht. Irgendwann endet dementsprechend Michaels Messer in einem menschlichen Messerblock, der Mensch darf noch zucken, viel bluten und aus. Ein wenig mehr Kreativität und vor allem der Aufbau von suspensevolleren Szenen hätten hier Wunder gewirkt. Und ein vollkommen neuer Showdown wäre auch nicht schlecht. Dieser ist mir nur noch aufgrund des nervtötenden Geschreis von Laurie in Erinnerung, die sich dermaßen kopfbehindert durch diese Abfolge an unlogischen Einlagen laviert, dass das Einzige, was man ihrer Figur in diesem Moment noch wünscht, ist: Stirb! Jetzt!


Doch glücklicherweise gibt es in Halloween auch noch einiges zu entdecken. So sind die Referenzen an das Original Legion. Seien es die Ausstattung, originalgetreue Schauplätze, Figuren und sogar 1:1 übernommene Szenen. Im Verbund mit dem immer wieder auftauchendem Original-Halloweenthema von John Carpenter kommt dann schon so etwas wie Vertrautheit und ein wohliges Gefühl in der Magengegend auf. Und sogar einige Varianten im Bezug zum Original wissen durchaus zu gefallen. So der Umgang mit dem Figureninterieur, bei dem man gar nicht glauben kann, dass nun ausgerechnet diese Charaktere ins Gras beißen. Bei dem konsequenten Ende wird man es obendrein schwer haben, einen plausiblen Anschluss für eine eventuelle Fortsetzung zu finden. Und auch Zombie zeigt sich erneut von einer gereifteren Seite. Die Morde werden allesamt nicht so gnadenlos ausgespielt wie noch in seinem Vorgänger. Menschenverachtend geht's zwar durchaus noch zu, doch nicht mit derart zynischem Unterton wie bei den Rejects. Allerdings hat Zombie vor allem inszenatorisch zugelegt. So geraten einige Attacken von Michael zu echten Terroreinlagen. Wenn die Kamera nervös zittert und damit ein Gefühl permanenter Bedrohung entwirft und Michael durch Wände und Mauern bricht, wird der Mythos kurz wieder lebendig. Leider hat es von diesen Momenten sehr wenige.

Ein weiterer verhalten positiver Punkt ist die Besetzung von Halloween. Hier hat Zombie einige echte Koryphäen der Filmgeschichte versammelt: Brad Dourif (Death Machine), Richard Lynch (Invasion USA), Sid Haig (Devil's Rejects), Ken Foree (Zombie), Udo Kier (wo hat er eigentlich net mitgespielt? Zwinkern ), Danny Trejo (From Dusk till Dawn), Clint Howard (House of the Dead vom Uwe Zwinkern ), William Forsythe (The Rock) und und und. In fast jeder Nebenrolle erkennt man ein bekanntes und gestandenes Gesicht! Sogar Danielle Harris, die in Halloween 4 schon von Michael gejagt wurde, darf vorbeischauen und ihre Moppen auspacken. Schöne Sache. Überhaupt definieren sich die weiblichen Darstellerinnen nur über folgende Schauspielkünste: nackt oder tot, im bestem Falle beides. Und auch bei den männlichen Darstellern sieht es in Folge der lachhaften Charakterisierung ähnlich verheerend aus. Allerdings haben die Männer noch eine Verantwortung weniger zu tragen, müssen sie doch zumeist nur sterben und dürfen die Klamotten anbehalten. Die Hauptrolle spielt Tyler Mane und naja, auch er muss nicht spielen. Wie auch, mit dicker William Shatner Maske überm Kopp? Ein kleines Ärgernis ist Malcolm McDowell als Dr. Loomis, der mir absolut nicht zugesagt hat, zumal die Dr. Loomis Rolle ziemlich verheizt wird. Schauspielerisch ist hier also wirklich nichts los. Sterben sollen die Leute und das machen sie.


Um die Sache abzukürzen: Wenn ich mich in einem Film derart peinlich manipuliert fühle, dass ich bei dem vollkommen deplazierten Song "Love Hurts" in schallendes Gelächter ausbreche, muss irgendwas im Argen liegen. Klar, der Metzelfreund in mir freut sich alleine schon wegen dem Fakt, dass diesmal nicht nur fünf Teenies nach prüdem Moppengerubbel in einer Blockhütte das Zeitliche segnen. Das ändert aber nichts daran, dass das Halloween Remake schlicht und ergreifend verquaster Stumpfsinn ist, der dem Original zu keiner Zeit das Wasser reichen kann! Zwar Stumpfsinn, der einen technisch weiter gereiften Regisseur und süße Moppen in mannigfaltiger Form und Größe an Bord hat ... aber dennoch Stumpfsinn.
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freeman
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dÆmonicus
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Hokusai


« Antwort #1 am: 28. Oktober 2007 um 23:50 »

Full ack. Da kann ich nur in allem zustimmen und bei jedem Satz sitz ich nickend vor dem PC. Zu Einschränkung muss ich sagen ich habe erst den Workprint gesehen, die normale Fassung folgt erst auf DVD.
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StS
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Obsessed with the "mess" that's America


« Antwort #2 am: 29. Oktober 2007 um 18:28 »

Full ack. Da kann ich nur in allem zustimmen und bei jedem Satz sitz ich nickend vor dem PC. Zu Einschränkung muss ich sagen ich habe erst den Workprint gesehen, die normale Fassung folgt erst auf DVD.

Auch dieser Aussage kann ich so vollkommen zustimmen!  Zwinkern
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« Antwort #3 am: 30. Oktober 2007 um 20:48 »

Danke für die Warnung, aber war ja schon klar, dass das ´ne Gurke ist. Super Arbeit,  Boss!
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« Antwort #4 am: 30. Oktober 2007 um 20:53 »

Danke für die Warnung, aber war ja schon klar, dass das ´ne Gurke ist. Super Arbeit,  Boss!

dito
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dÆmonicus
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Hokusai


« Antwort #5 am: 30. Oktober 2007 um 20:57 »

Klar war dass nicht, da ja seine beiden ersten werke sehr ansehnlich waren.  Bätsch!
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« Antwort #6 am: 02. November 2007 um 12:59 »

Der Film hat mir ausgesprochen gut gefallen, gute Optik (die nachtaufnahmen als Michael nach Haddonfield zurückkam) die Story um seine Kindheit fand ich überhaubt nicht öde sondern ganz interessant nur frag ich mich warum hat Michael bei seiner Mutter halt gemacht mit dem Morden wo sie ihn doch auch genervt hat wie die anderen mitglieder seiner Familie? Die neue Laurie Darstellerin kommt an Jamie Lee Curtis zwar nicht heran aber trotzdem ein gutes Remake. Schade im gegensatz zum Original fand ich die sache mit Dr. Loomis am schluß obwohl es nicht schlimm ist da mich McDowell in der Rolle nicht überzeugt hat.
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dÆmonicus
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Hokusai


« Antwort #7 am: 02. November 2007 um 18:33 »

Handwerklich ist er ja schon gut gemacht. Allerdings stand Michael immer für das Böse an sich ohne Motivation. Dass er jetzt mit jedem popligen Serial Killer gleich gestellt wird, finde ich persönlich sehr öde.
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dr.olds
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"why don't you go to the gym and pump each other"


« Antwort #8 am: 09. November 2007 um 01:13 »

Allerdings stand Michael immer für das Böse an sich ohne Motivation
ein ansatz , der durchaus mal anders angegangen werden darf/soll . eine 1:1 kopie ala "psycho" hätte garantiert mindestens soviel enttäuschung ausgelöst und hätte noch viel weniger berechtigung gehabt . muss mir den workprint wohl doch mal reinziehn . zum glück hat's der film nicht rechtzeitig zu halloween in unsre lichtspielhäuser geschaft  Teuflisch!

ich nehme an , die kritik bezieht sich auf die kinofassung ? darf man fragen  , wo du ihn gesichtet hast ? kino ? dvd ?
« Letzte Änderung: 09. November 2007 um 01:16 von dr.olds » Gespeichert
dÆmonicus
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Hokusai


« Antwort #9 am: 09. November 2007 um 01:47 »

Natürlich darf er anders angegangen werden, aber dass das so einfallslos passieren muss hat mich dann doch enttäuscht.
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dr.olds
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"why don't you go to the gym and pump each other"


« Antwort #10 am: 09. November 2007 um 15:33 »

Natürlich darf er anders angegangen werden, aber dass das so einfallslos passieren muss hat mich dann doch enttäuscht.

mich auch (schnell noch den WP reingezogen  Mr. Green ) . es bewahrheitet sich mal wieder , dass gut gemeint das gegenteil ist (sein kann) von gut gemacht . irgendwie stimmt einfach nichts in dem film . die vorgeschichte von michael , der rachefeldzug , da passt einfach nichts zusammen . wenn man schon versucht , das ganze zu erklären , dann muss es auch irgendwie sinn machen . und leider hat rob zombie in der beziehung komplett versagt . dass er ein fähiger filmemacher ist hat er damit jedenfalls nicht bewiesen .
und die irrsinnig laut lärmenden geräusche bei jedem mord nerven einfach nur - spannung erzeugen sie jedenfalls nicht . die musik erinnert immer wieder schmerzlich an das orginal und wertet dieses nur noch zusätzlich auf . zu schade , dass carpenter seine begabung irgendwann abhanden gekommen ist  Weinen

ich kanns mir übrigens geradezu bildlich vorstellen , wie man nach ernüchternden testscreenings verzweifelt versucht hat , durch umschneiden das ganze noch passabel hinzukriegen , aber ich denke nicht , dass der final cut das ganze noch retten kann . da hätte ganz von vorne beginnen müssen .

(wahrscheinlich wird irgendwann mal noch ein directors cut nachgeschoben . der wirds aber künstlerisch auch nicht richten können , höchstens noch ein paar zusätzliche milliönchen generieren)

würde aber gerne wissen , wie der film wirkt wenn man das orginal nicht kennt .
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DocVirus
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« Antwort #11 am: 13. April 2008 um 21:43 »

Um das Thema aus dem "Zuletzt gesehen..." Thread mal weiter zu führen habe ich die letzten Einträge mal kopiert

Naja soviel ist da nicht dahinter, Michael war einfach das Urböse, eben komplett ohne Motivation. Das im Remake die White-Trash-Family Komponente mit reinspielt und das "vernachlässigte" Kind als Motivation verwendet wird, läuft da einfach völlig konträr und macht das ursprüngliche Konzept eben zichte. Aber das ist nur meine Meinung.  Zwinkern

Ohne jetzt zu sehr ins philosophische abdriften zu wollen denke ich doch das jede Tat, ob nun gut oder böse, irgendeine Motivation benötigt. So ganz grundlos tut niemand etwas schlechtes. Das es mal wieder die Vernachlässigung in der Kindheit ist, ist natürlich Klischeebedienung aller erster Güte.

Aber deshalb ist es doch ein Horrorfilm, damit auch mal was anders laufen kann. Deine Argumentation geht aber dahin, dass es sich um einen "realen" Killer handelt.

Ich verstehe dein "real" jetzt einfach mal als "menschlich existent" im Bezug auf die Hauptfigur und nicht als "übernatürlich" wie zum Beispiel Freddy Krüger, Chucky oder von mir aus auch die Aliens oder Predatoren. Und das ist er ja auch. Michael ist ein Mensch der in seiner Kindheit nur schlechtest widerfahren ist. Daraus resultiert sein Trieb zum morden. Und man kann einen Menschen nur sehr schwer als das Böse in Person darstellen ohne ihm einen Hintergrund zu geben. Kein Mensch wird als böse geboren. Der Mensch ist ein Produkt seines Umfelds und seiner Erfahrungen.

Und um ihn mit den genannten übernatürlichen Figuren gleich zu stellen wird er als zu menschlich dargestellt. Aber auch wenn man ihn als übernatürlich darstellen möchte, würde ein Hintergrund zu seinem Handeln benötigt. Den hat man bei den anderen Figuren schließlich auch.

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Vince
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Debakelvince


« Antwort #12 am: 13. April 2008 um 21:51 »

Die Ursachen sind natürlich da, siehe Prolog - aber sobald Michael auf Streifzug geht, interessiert Carpenter das alles doch gar nicht mehr. "Halloween" ist doch Film gewordene Mechanik. Und meiner Meinung nach stilisiert Carpenter den Mann mit der Maske durchaus zum Monster. Dazu muss er nicht unsterblich sein oder übernatürliche Kräfte haben, es reicht, die Kindheit Myers (die ja eh nur schemenhaft aus dem Blickwinkel Myers dargestellt wird) vergessen zu lassen, sie zu Beginn aufzuzeigen, um sich dann von ihr zu lösen. Es geht da ein bisschen um den Grenzübergang vom Menschlichen ins durch und durch Böse. Und wenn Rob Zombie nun eine Sozialstudie anfertigt, verzerrt er das Phänomen Michael Myers höchstwahrscheinlich (ich kenne das Remake leider noch nicht) vollends. Das ist ja auch der zentrale Kritikpunkt, der Zombie ständig entgegengebracht wird.
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dÆmonicus
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Hokusai


« Antwort #13 am: 13. April 2008 um 22:16 »

Stimmt genau Vince. Und ich finde es ja auch auf der anderen Seite löblich, dass Zombie versucht hat, keine 1:1 Kopie anzufertigen. Dass dies allerdings so plakativ geschieht, muss ich ihm einfach ankreiden.
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sarcastic.mind


« Antwort #14 am: 13. April 2008 um 22:23 »

So mies war der Film nun wirklich nicht. Gelunge Abwechslung zu der tristen Teenie-Slasher Überflutung, die nicht enden will.
Auch mal etwas brutaler, von Rob Zombie eigentlich ziemlich interessant in Szene gesetzt. Mir hat's gefallen.
Und wen interessiert es, ob diese "öden Vorgeschichten" auch in anderen Horrofilmen vorkamen? Es geht bei so einem Film um Unterhaltung. Und genau das hat der Film gemacht. Unterhalten. Ich meine was erwartet ihr denn von einem Horrorfilm? Zwinkern
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dÆmonicus
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Hokusai


« Antwort #15 am: 13. April 2008 um 22:27 »

Tja, da ist er bei mir aber auch gescheitert. Weil er mich nicht unterhalten hat. Grund: was will ich so Psychologie-Gedöns sehen, wenn ich nen Titten-Slasher Film habe und umgekehrt eben genauso. Dazu kommt, dass Zombie einfach zuviel wollte und für mich eben nix davon gut gemacht hat.
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DocVirus
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« Antwort #16 am: 14. April 2008 um 09:25 »

Vielleicht sollte ich mal sehen das ich das Original bekomme.
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Hokusai


« Antwort #17 am: 14. April 2008 um 10:16 »

Mach das, aber ich denke fast, dass dir der dann gar nicht gefällt.  Zwinkern
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Vince
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Debakelvince


« Antwort #18 am: 22. April 2008 um 15:43 »

Hmm, erstaunlich: dass Zombie in den ersten knapp 40 Minuten jegliche Grundlage des Originalfilms vergewaltigt, hat mich letztlich weniger gestört als gedacht; im Gegenteil, ich empfand diese 40 Minuten als die besten des Films. Das mag dem Umstand geschuldet sein, dass Rob Zombies Stil hier noch am deutlichsten hervortritt.
Was er dann allerdings macht, erschließt sich mir nicht und führt die so mühsam und lang aufgezogene Exposition vollkommen ad absurdum: plötzlich beginnt Zombie, Carpenter zu kopieren! Zombie selbst ist ab diesem Punkt einfach nicht mehr existent. Stattdessen ist Michael plötzlich doch wieder das Monster, der "Boogeyman", das Wesen ohne Schuld, Gewissen und Motivation. Was hier als das "Böse", als der "Antichrist" stilisiert wird, hat Zombie aber noch wenige Minuten zuvor versucht zu ergründen. Und jetzt soll das wieder alles für die Katz sein? Erschließt sich mir nicht.
Positiv hervorheben muss ich ebenfalls die Besetzung, die mir sehr gefallen hat (zumal das "Wie" der Besetzung auch interessant ist; Brad Dourif, vor allem aber Danny Trejo werden vollkommen entgegen ihres Standards eingesetzt, das hat mir sehr gefallen) und dass Zombie gewalttechnisch nicht dem Exzess erliegt, der ja noch total im Trend liegt. Aber konzeptionell ist der ganze Film ein einziges Gewirr aus Widersprüchen in sich selbst.
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