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Autor Thema: Wicker Man - Ritual des Bösen  (Gelesen 998 mal)
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Vince
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Debakelvince


« am: 02. September 2007 um 18:11 »

Wicker Man - Ritual des Bösen
Originaltitel: The Wicker Man
Herstellungsland: USA, Deutschland
Erscheinungsjahr: 2006
Regie: Neil LaBute
Darsteller: Nicolas Cage, Ellen Burstyn, Molly Parker, Leelee Sobieski, Kate Beahan, Christa Campbell, Frances Conroy, Diane Delano, Erika-Shaye Gair, Sophie Hough, Tania Saulnier, Michael Wiseman



Technische Daten
Vertrieb: Warner
Regionalcode: 2
Laufzeit: 97:50 Min.
Bildformat: 2,40:1 (anamorph / 16:9)
Sprachen: DD 5.1 Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Deutsch für Hörgeschädigte, Audiokommentar
Freigabe: FSK 16
Verpackung: Amaray  

Film
Remakes haben es schwer, heutzutage vor den Kritikern und langsam sogar vor dem Publikum zu bestehen. Remakes von Okkultfilmen ohnehin. Und selbst Superstar Nicolas Cage wird von einigen Seiten langsam in Frage gestellt, da man ihm mit “Lord of War” den letzten gelungenen Film zuspricht. Aus diesen Gründen habe ich mich im Vorfeld zu “Wicker Man” darauf eingeschworen, Schonfrist zu betreiben und ganz verständnisvoll zu sein mit der Arbeit von Neil LaBute. Eine gewisse Zeit lang funktionierte das sogar, aber allerspätestens in den letzten Minuten wird man mit seinem guten Willen total entwaffnet. Da weiß man wieder, warum Okkultfilme allgemein eher geächtet als geliebt werden - wegen ihres körperliche Schmerzen erzeugenden Traditionalismus.

Dem Hauptdarsteller muss unbedingt Sympathie bekundet werden, wenn er sich dermaßen für ein heiß und innig geliebtes Projekt wie “Ghost Rider” einsetzt oder wenn er eben bei einem Mystery- na was ist es eigentlich... -Thriller unterschreibt, der auf diese Weise beginnt und auf jene Weise endet, wie es hier geschieht. Die Neuauflage des nur bedingt bekannten 70er-Gruslers ist von der Qualität des Plots her selbst thementechnisch artverwandtem dtv-Material wie “Population 436" weit unterlegen und gibt am Ende so wenig her, dass man sich verwundert die Augen reibt und dem, was man da sieht, nicht traut. Da muss doch in Zeiten der sechsfachen Plotwende mit Pirouette und doppelter Schraube noch was kommen, da muss doch in letzter Sekunde alles auf den Kopf gestellt werden? Aber mitnichten. Übergeschnappte, größenwahnsinnige Oberhäupter, Zombie-Kinder wie aus “Das Dorf der Verdammten” entführt und sturköpfige Dorfälteste auf einem isolierten Eiland sind nicht alles an Klischee. Der Plot gesellt sich mit Freuden dazu.




Der eher blasse Cage kommt vom Festland auf die Insel und wird von den kommunenartig lebenden Gesellen nach Belieben vorgeführt. Das Ganze ist ein abgekartetes Spiel und was Cage da betreibt, ist ein Stereotyp, das er lenkt wie eine aufgedunsene Pappfigur. Dem Zuschauer bietet er als Identifikationsfigur äußerst wenig; ständig in die Defensive gedrängt, vermag er in Anbetracht der kontinuierlichen Entdeckungen nur zu reagieren. Der Verbindungspunkt, seine Ex-Frau bestätigt wieder die Dominanz der Frau gegenüber dem Mann, der alles für sein weibliches Gegenstück machen würde - zum Beispiel aufgrund eines Briefes alles liegen und stehen zu lassen und zu einem Tohuwabohu reisen, von dem noch nie jemand was gehört hat.

Ist der Prolog noch ganz nett, wird er später als Schwarzweiß-Rückblende immer und immer wieder neu aufgerufen und zu einem Schlüsselerlebnis aufgebauscht, das aber in seiner peinlich oberflächlichen Symbolik auf ganzer Linie versagt.

Am Zielort angekommen, geht es dann ständig um kulturelle Barrieren zwischen Dorf- und Stadtmensch, gegenseitige Respektlosigkeiten sorgen für Trubel und das für den Stadtmenschen schwer nachvollziehbare, zurückgezogene Verhalten soll für ein wenig Grusel sorgen - ohne Erfolg. Immerhin sind einige wenige Dialogszenen gelungen, da sie die hübschen Locations, eine der wenigen Stärken des Filmes, mit Surrealismus tränken, der manchmal kurz aufblitzen lässt, was hier möglich gewesen wäre. Wenn Cage dann wie Michelle Pfeiffer in “Schatten der Wahrheit” in den See springt, weil er glaubt, ein Gesicht gesehen zu haben, befindet man sich endlich auf dem richtigen Weg - doch allzu lange währt das nicht und schon ist man wieder dort, wo unzählige B-Movies schon oftmals waren.




Dass das so bedeutungsschwanger aufgebauschte Finale (Look Out for the Wicker Man...) dann so penibel jede Ahnung bestätigt und Schema F das alleinige Monopol einheimst, ist untragbar. Der extrem überflüssige Epilog in der Stadt besorgt endgültig den Rest und irgendwie sitzt man fassungslos da und glaubt nicht, dass man gerade eben so dermaßen offiziell verarscht wurde.

Flops können passieren und wie sich ein Projekt entwickelt, kann man nicht immer hundertprozentig voraussehen. Auch bin ich meilenweit davon entfernt, zu diesem Zeitpunkt über Nicolas Cages Karriere zu richten, als sei sie fast schon vorbei. Dennoch ist es ein Rätsel, welche Faktoren einen Schauspieler wie ihn dazu bewegt haben, seine Unterschrift aufs Papier zu setzen. Das Drehbuch alleine hätte schon eine rot leuchtende Warnung sein müssen.
Mir persönlich hat “The Wicker Man” nun rein gar nichts gebracht. Abgesehen davon, dass Bienen und deren komplexes Organisationsverhalten mir immer ein Faszinosum waren. Die Faszination ist leider fürs Erste verdünstet.
 2 Narrenkappen ,5

Bild
Warner hat schlicht und ergreifend nachgelassen. Ein leicht verrauschtes, nicht sonderlich scharfes, verhältnismäßig detailloses und in den Farben gedämpftes Bild wird geboten, dessen mangelnde Kompression sich hier und da in störenden Artefakten und Klötzchenbildung niederschlägt. Gröbere Mängel bleiben zwar aus, aber State of the Art sieht anders aus.
 4 Narrenkappen ,5

Ton
Nicht wirklich das, was man sich unter einem “Mystery-Schocker” erwarten würde. Der Film selbst bleibt den Beweis, ein “Schocker” zu sein, zwar auch schuldig, mit der geballten Unterstützung eines gelungenen Surround Sounds wäre das alles aber vielleicht ein wenig gruseliger geworden. So bleibt aber ein dumpfer Score, durchschnittlich klare Stimmen, wenig Höhepunkte. Als solche muss man die Flashbacks betrachten, die in Sound-Referenz-Filmen aber noch als eher unauffällige Stellen durchgehen würden.
 4 Narrenkappen

Verpackung und Menüs



Das Drumherum ist wie bei vielen Backkatalogtiteln Warners enttäuschend. Es gibt eine einfache Amaray mit einem nicht allzu aufregenden Cover und ohne Booklet. Im Hauptmenü grinst uns ein Standbild an. Die Augen aus dem Motiv versprechen ja zumindest, uns beim Drücken auf “Film starten” unverhofft anzuglotzen, aber nichts dergleichen geschieht. Im Hauptmenü gibt es musikalische Untermalung, das ist aber auch schon alles.
 2 Narrenkappen

Extras
Möchte man auf die Filmdialoge verzichten, so kann man einen Audiokommentar des Regisseurs Neil LaBute, der Darsteller Leelee Sobieski und Kate Beahan, des Editors Joel Plotch und der Kostümdesignerin Lynette Meyer anhören. Das funktioniert auch mit deutschen Untertiteln. Ansonsten liefert die Scheibe nur den Kinotrailer. Das ist schon ziemlich erbärmlich...
 0 Narrenkappen ,5

Fazit
Schwacher Film auf enttäuschender DVD, dazu noch lediglich die Kinofassung, wo die Amerikaner bereits eine Unrated-Fassung bekommen haben. Wer nicht unbedingt Cage-Komplettist ist oder sich alles zum Thema Okkultismus oder “seltsame Dorfbewohner” reinziehen muss, der wartet auf die frei empfangbare Ausstrahlung, um sich dort enttäuschen zu lassen.
 2 Narrenkappen ,5

Testequipment
TV-Gerät: Tevion 4:3
DVD-Player: Pioneer XV-DV313 5.1 Komplettsystem
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StS
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Obsessed with the "mess" that's America


« Antwort #1 am: 02. September 2007 um 18:27 »

Auch in diesem Fall schließe ich mich Freeman (und sogar Mr.VV ... *schüttel*) an - so schlecht ist der Streifen nun wirklich nicht. 5/10 gibbet da von mir. Deine Meinung, Vince, deckt sich ja mit jener der Masse, welche ich durchaus nachvollziehen, nur halt (in diesem Fall) nicht ganz teilen kann. Im Kino mochte ich den Schluss auch nicht - aber diesen Patzer hat die "unrated"-RC1 ja inzwischen zum Glück ausgemerzt... Zwinkern

Zitat von: "StS"
the Wicker Man  4 Narrenkappen ,5
Scraeg-skurriler Krimi ... bestimmt etwas zu seltsam fuer den Mainstream-Betrachter. So gut wie kein Horror, also bloss keine falschen Erwartung mit ins Kino schleppen. Der Humor war recht nett und trocken, und wie Cage gegen Ende Frauen verpruegelt, das war schon merkwuerdig anzusehen... Nett, eigenwillig, aber leider mehr nicht.  Zwinkern
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Ronin
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fire walk with me


« Antwort #2 am: 02. September 2007 um 18:27 »

Hm, ich verstehe gar nicht, warum der Streifen, nicht nur bei dir, so schlecht weg kommt. Ich habe den damals im Kino gesehen und würde dem im Nachhinein 6 Narrenkappen  geben. Nette Unterhaltung.
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Kenix
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« Antwort #3 am: 02. September 2007 um 18:43 »

Fand den auch beileibe nicht so schlimm; Cages zweites Lieblingsprojekt Ghost Rider ist z.b. noch darunter.
Die Auflösung hat mich sogar überrascht, vielleicht gerade weil sie so plumb daher kam. Außerdem hat der Film spätestens mit der Kenntnis der Fake-Trailer einen wunderbar skurrilen Humor.
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Vince
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Debakelvince


« Antwort #4 am: 02. September 2007 um 18:47 »

Also der von euch erwähnte Humor ist mir vollkommen abgegangen. Ich habe dann irgendwann registriert, dass Cage ein Mannsweib k.o. boxte, das war aber auch schon alles und selbst das fand ich in dem Kontext sehr kurios. Zwinkern
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Kenix
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« Antwort #5 am: 02. September 2007 um 18:51 »

Comedy Trailer: http://youtube.com/watch?v=v_mW8mBzmHo
Kung Fu Trailer: http://youtube.com/watch?v=0RVZd-F6f_Q
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freeman
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« Antwort #6 am: 02. September 2007 um 20:09 »

Kihi ... schönes Review, den Ärger kann ich nachvollziehen, keine Frage, dennoch gibbet von mir folgendes zu berichten:

Zitat
Eine Insel voller Weiber, die genau wissen was sie wollen. Der Wicker Man hat eine absolut krass groteske Atmosphäre, die dem Film einen seltsam entrückten Touch verleiht. Die schöne Musik vom David Lynch Stammkomponisten Badalamenti unterstreicht diesen Eindruck nur noch. Leider ist vor allem zu Beginn das Erzähltempo arg lethargisch und ohne den omnipräsenten Nicolas Cage würde der Film in diesem Abschnitt (in dem er auch nichts zu erzählen hat) ziemlich baden gehen. Dafür kann dann das kompromisslose Ende durchaus punkten. Insgesamt ist er aber arg durchwachsen ... zumal ich gedacht hätte, dass die hübsche Kate Beahan und Ellen Burstyn ein wenig mehr zu tun hätten ...
6 Narrenkappen


In diesem Sinne:
freeman[/quote]
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dÆmonicus
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Hokusai


« Antwort #7 am: 02. September 2007 um 20:11 »

Der muss ich auch noch sichten.  Sehr glücklich Dank dem Vince seiner Review bin ich ja noch neugieriger.  Sehr glücklich
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