Schön dass du den Fred raufgeholt hast, ich hab ihn per Suche nämlich irgendwie nicht gefunden. Dabei wollte ich doch so gerne meckern. Gerade bei dem bisherigen Diskussionsverlauf. Da scheint es ja echt nur noch darum zu gehen, ob nun die 9/10 angemessener ist oder die 9,5/10.
3 0 0Was hat sich da für ein umfassender Diskurs über faschistoide Tendenzen losgetreten, die mancher Kritiker meinte, in dem ästhetischen Kampfgetümmel ausgemacht zu haben. Was wurde gewarnt, moniert, kritisiert, wie wurden Einsprüche erhoben und Vorsicht empfohlen.
Zu Recht.
Natürlich wird ein gebildeter Mensch mit gesunder Einstellung zu Politik und Gesellschaft sich auch nicht von der Glorifizierung einer Rasse in einem stolzen Off-Kommentar, der die heldenhaften Aktionen seiner 300 beschreibt, wie sie bei Blitz und Regen dastehen und ihren Erfolg bis auf den letzten Bluttropfen auskosten, auch nur ansatzweise beeinflussen oder irritieren lassen. Einem Medium wie dem Film darf man nicht eine solche Zugkraft zusprechen, sonst überschätzt man seinen Einfluss maßlos. Der Effekt auf labilere Persönlichkeiten sieht dagegen anders aus; in dem Maße, wie Zack Snyder Frank Millers Comicreihe adaptiert und ohne jegliche ironische Brechung Ehre, Stolz und Standfestigkeit zu den einzig wahren Werten ernennt, kann zumindest inspirativ wirken. Es ist deswegen nicht unangemessen, dass die Diskussion stattfindet; dabei sollte es allerdings auch belassen und Aktionismus jedweder Art umgangen werden.
Es ist auch vielmehr ein anderer Ansatz, der der zweiten vollwertigen Medienadaption nach "Sin City" zum Verhängnis wird.
Der Mensch ist ein komplexes Wesen. Er denkt und er fühlt. Er empfindet Dissonanzen, zweifelt an sich und seiner Welt und handelt oftmals irrational. Er ist ein Individuum. Das emotionale Kino fußt auf diesen Eckpfeilern.
Zweifel gibt es in "300" nicht. Zwei Stunden lang wird ein und derselbe Vortrag gehalten: "Wir kämpfen für unsere Freiheit". Es gibt kein menschliches Versagen, der Plan der Spartaner läuft wie eine geölte Maschine. Er ist schließlich eine Sage, überliefert von einem Überlebenden. Daher auch die Monster, der Blutregen, die maßlosen Übertreibungen. Dreihundert Mann bewegen sich wie ein Wall durch eine klinisch-bronzene Welt. Nie musste der Regisseur drei Tage am Drehort warten, bis endlich das richtige Licht herrschte und die Gunst der Stunde genutzt werden konnte, um zu drehen - das wird einfach mit einem Knopfdruck am Computer gelöst. Handlung und Optik gehen eine unzertrennliche Symbiose ein: die Eindimensionalität.
"300" ist die totale Stagnation, ein Moment, ein Augenblick, der künstlich auf zwei Stunden ausgeweitet wird. Den Dialogszenen zwischen den Kämpfen fehlt das Menschliche. Ein nach Schema X verlaufender Verschwörungsplot macht den Kohl nicht fett, denn am unumstößlichen Plan des Leonidas ändert all das nichts. Wenn die Kamera sich nicht gerade digital windet und zwischen Slow- und Fast Motion wechselt, um das Blut zu einem eleganten Tanz aufzufordern, ist das ganze Werk ein großes Nichts. Keine Geschichte - bloß ein Nichts. Wenn also überhaupt, absorbiert "300" seinen (Wieder-)Ansehwert einzig und alleine aus den zugegeben recht unterhaltsamen Kampfszenen. Ein schwacher Trost für den Verrat an den überlebenswichtigen Regeln des narrativen Kinos.

, maximal noch mit einer
,25 hinten dran.